DreamWalking – ein Interview mit Lydia Ruckensteiner

IMG_5294Im Mai diesen Jahres habe ich meine Ausbildung zur Seelfrau in Hamburg begonnen. Die Ausbildung beinhaltet Sterbe-, Trauer- und Seelenbegleitung. Was die ersten beiden Bereiche betrifft, habe ich mich in den vergangenen Jahren bereits damit beschäftigt. Aber Seelenbegleitung? Nein, da habe ich bisher keinerlei Kenntnisse. Also begab ich mich auf die Suche und bekam von Google u. a. den Begriff DreamWalking angeboten. Das machte mich neugierig und glücklicherweise „lief“ mir kurz darauf Jemand über den Weg, der sich damit auskennt und bereits Erfahrungen hat. Und so kam das folgende Interview mit Lydia Ruckensteiner zustande.

Lydia, bitte stell Dich einmal selbst vor, damit die die Dich bisher nicht kennen, wissen wer Du bist und was Du machst.

Ich bin Lydia. Wortmalerin und Seelenmensch. Ich schreibe viel – vor allem Gedichte und Texte, die zum Nachdenken anregen. Ich habe den Gedichtband „Gedankenflüsterei“ veröffentlicht und schreibe inzwischen auch mit anderen Menschen, indem ich sie in meinen Schreibkreisen in ihre Fantasie und Kreativität führe. Außerdem arbeite ich energetisch. Ich bin Prana-Energiearbeiterin und lasse teilweise meine schamanischen Fähigkeiten mit einfließen. Mir wird nachgesagt, dass ich ein besonderes Gespür für das `nicht Sichtbare´ habe. Zusätzlich bin ich – ganz bodenständig – als Teilzeitkraft im Verkauf tätig.

Was ist DreamWalking und wie bist Du dazu gekommen?

DreamWalking ist energetische Seelenbegleitung. Dabei werden Seelen hauptsächlich im Sterbeprozess und über den Tod hinaus begleitet.
Der Auftrag dafür kommt vom Sterbenden selbst oder, falls das nicht mehr möglich ist, von den Angehörigen.
Ein DreamWalk ist grundsätzlich für alle seelischen Übergangsprozesse wie z.B. Geburt, tiefgreifende Veränderungen und Wandlungsprozesse im alltäglichen Leben, spirituelle Reifung usw. geeignet. Ich selbst habe aber bisher nur sterbende Menschen begleitet.
Ein DreamWalker greift nicht in den Prozess ein, er ist Begleiter, Beobachter, Freund und Zuhörer. Er nimmt nichtphysische Vorgänge wahr und erkennt an, was ist. Er verfolgt keine eigenen Ziele, sondern ist einfach nur da. Er respektiert die Entscheidungen der zu begleitenden Seele und versteht ihre Botschaften.

Die Tatsache, dass ich zum DreamWalking gekommen bin, ist für mich im Nachhinein betrachtet, ganz klar.
Ich war schon immer `anders´. Ich hatte schon früh die Gabe, energetische Schwingungen zu spüren und Dinge wahrzunehmen, die anderen verborgen blieben.
Vor einigen Jahren durfte ich dann eine Frau treffen, deren Mutter es sehr schlecht ging. Es stellte sich schnell heraus, dass ich diese Mutter-Tochter Beziehung energetisch im Sterbeprozess unterstützen würde, indem ich Bilder, die ich plötzlich hatte, mitteilte. Ich kannte die Sterbende nicht. Sie konnte sich aber nicht mehr selbst mitteilen, konnte nicht mehr sprechen und war bewegungsunfähig. Die von mir beschriebenen und übermittelten Bilder waren für die Tochter sehr hilfreich und fühlten sich für sie stimmig an. Ich konnte aus der Ferne treffende Auskünfte über ihren Zustand geben, was mich teilweise auch selber verblüffte. Da ich aber auch früher schon immer wieder mal solche Erfahrungen gemacht hatte, nahm ich es als Gabe an und wehrte mich nicht mehr dagegen.
Kurz darauf hörte ich von einem Seminar „DreamWalker Ausbildung“. Es war aber gar nicht so klar, dass ich das auch machen wollte. Die oben genannte Tochter war `zufälligerweise´ auch angemeldet und ließ nicht mehr locker, da sie meinte, dass das für mich wahrscheinlich genau passen würde.
So habe ich denn dann eine Ausbildung in DreamWalking bei Andrea Fuchs (www. lokahinui.at) absolviert.

Wie reagiert Dein Umfeld auf Deine Beschäftigung mit den Themen Sterben und Tod?

Mein Umfeld hat nicht unbedingt viel Verständnis für meine Tätigkeit. Es ist eher ein `gewähren lassen´, vielleicht mit einem kleinen `was soll das Ganze überhaupt´ im Hinterkopf. Da ich aber allen bekannt bin mit meinem Hang zu solchen Dingen, ist es für alle o.k., was ich mache. Sie müssen es nicht verstehen. Meine Fähigkeiten und Interessen sorgen nicht immer für Begeisterungsstürme. Das macht nichts. Für mich selbst ist es eine große Bereicherung und es hat mir neue Sichtweisen auf das Thema `Tod und Sterben´ eröffnet, was in meiner damaligen Lebenskrise sehr hilfreich für mich war und mich überhaupt erst in die annehmende Auseinandersetzung mit diesen Prozessen geführt hat.

Welche Erfahrungen hast Du bisher mit und durch das DreamWalking gemacht?

Die Erfahrungen, die ich bisher mit und durch DreamWalking gemacht habe sind allesamt berührend. Es erweitert meinen Horizont, es macht klar, dass es so viel mehr gibt, als wir uns jemals vorstellen könnten. Und es zeigt eindeutig, dass jede Seele ihren ganz eigenen, gewählten Weg hat, der für andere nicht unbedingt verständlich sein muss. Die Aufgabe, eine Seele energetisch begleiten zu dürfen, hat für mich etwas Großes, etwas Ehrfürchtiges, ja fast würde ich sagen, etwas `Heiliges´. Es tun sich Räume und andere Welten auf, von denen wir kaum etwas ahnen würden. Es lässt unsere eigene Endlichkeit erkennen, zeigt aber auch, dass nach dem Tod nicht alles zu Ende ist.
Natürlich kann das niemand beweisen, wir werden es nie ergründen können, was wirklich passiert, was wirklich ist, wenn die Seele den Körper hier zurücklässt, doch alleine die Vorstellung, dass es ein `Danach´ gibt und die Seele in ihre ursprüngliche Form zurückkehrt, deckt sich doch mit vielen Aussagen, die wohl jeder kennt.
Die Sprüche, die wir im Angesicht des Todes sagen, sind wahrscheinlich berechtigter, als wir bewusst wahrnehmen. „Jetzt geht er heim“, „jetzt ist sie bald angekommen“, „bald ist sie im Licht“, „grüß mir alle, die du dort oben triffst“ und noch vieles mehr, sagen doch im Grunde nichts anderes, als dass wir annehmen, dass es nach dem Tod irgendwie weiter geht. Vielleicht ist es auch nur die Hoffnung darauf. Ich weiß es nicht. Aber eines ist gewiss: Energie kann nie verloren gehen.

Hat sich etwas in Deinem Leben, Deinem Denken und / oder Fühlen durch die Beschäftigung mit DreamWalking verändert? Wenn ja, dann was?

Teilweise habe ich oben schon erwähnt, was sich verändert hat. Auf jeden Fall meine Sicht- und Denkweise betreffend unserer Zeit hier auf Erden. Für mich ist es jetzt tatsächlich fühlbar, dass dies hier nur ein kleiner Abschnitt auf dem langen Weg unserer Seele ist. Dass sie hier nur Körper hat, um ihre Erfahrungen zu machen, ihre Aufgaben zu erfüllen, um Gefühle und Emotionen zu leben, um sich selbst zu geben und um ihre Weite und Größe spüren zu können. Darum denke ich inzwischen, dass es sehr wichtig ist, dass wir dies alles auch wirklich tun, dass es nicht nur ein Gedanke ist, sondern dass wir es auch wirklich umsetzen. Den Impulsen der Seele zu folgen ist so einfach und trotzdem das Schwierigste überhaupt.

Liebe Lydia, ich danke Dir für Deine offenen Antworten und für den Einblick in Dein Tun. Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute!

HINWEIS: Ihr habt weitere Fragen zum Thema DreamWalking oder möchtet gern den Gedichtband „Gedankenflüsterei“ bestellen? Dann wendet Euch direkt an Lydia unter der folgenden E-Mail Adresse: lydiar72@hotmail.com.

„Ein Tag mit Herrn Jules“ – ein Buch von Diane Broeckhoven

Meine Mutter erzählte mir früher immer von „der guten Stube“ in ihrem Elternhaus. Was für uns heute schlicht ein Wohnzimmer ist, war damals für die besonderen Tage IMG_1769reserviert, wie z. B. Weihnachten. Und auch wenn es einen Todesfall in der Familie gab, wurde die Tür geöffnet. Warum? Um den Verstorbenen dort aufzubahren.

So wie meinen Großvater. Er starb bevor ich geboren wurde. Seine Leiche wurde gewaschen, angekleidet – das übernahmen die Angehörigen – und dann in die gute Stube gebracht. Dort konnte die Familie in Ruhe Abschied nehmen und auch Freunde und Nachbarn kamen, um ihn ein letztes Mal zu sehen und ihm alles Gute für seinen Weg zu wünschen.

Heute findet das Sterben, die Trauer oft einsam hinter verschlossenen Türen statt. Die Verstorbenen werden auf dem schnellsten Weg von einem Bestattungsunternehmen abgeholt und dann… dann wird sich dort um alles gekümmert. Dabei kann es auf dem Trauerweg helfen, den geliebten Menschen im eigenen Tempo zu verabschieden. Mit Ruhe und Würde.

Die Geschichte von Diane Broeckhoven geht genau in diese Richtung. „Ein Tag mit Herrn Jules“ erzählt von Alice. Alice und ihrem Mann Jules, die Jahrzehnte verheiratet waren und in guten wie in schlechten Zeiten zusammen gehalten haben. Und dann ist da dieser Morgen im Winter, an dem Jules stirbt. Einfach so. Ohne Vorwarnung sitzt er morgens auf dem Sofa, als Alice hinein kommt und rührt sich nicht mehr.

Eigentlich müsste sie ja jetzt Jemanden verständigen, denkt sie. Eigentlich. Oder etwa nicht? Alice möchte ihren Mann aber noch nicht einfach so hergeben. Sie möchte Zeit und Ruhe haben, um Abschied zu nehmen und um ihm auch noch das eine und andere zu sagen. Als dann unerwarteter Weise noch der Nachbarsjunge auftaucht, erscheint die Situation im ersten Moment skurril, aber eigentlich… eigentlich ist es doch völlig normal. Das mit dem Leben. Und das mit dem Tod.

Ein wunderbares Buch, das seine Leser an die Hand nimmt und liebevoll zum nachdenken anregt.

Männer weinen nicht

In dieser Woche hocke ich abends gemütlich mit meinem Mann auf dem Sofa, während im Fernsehen die Leichtathletik Europameisterschaft gezeigt wird, die derzeit in Berlin stattfindet. Ja, ich liebe es, mir einige Tage lang die unterschiedlichsten Wettkämpfe anzuschauen – wobei das Thema Doping mir in den vergangenen Jahren immer mal wieder die Stimmung verhagelt hat – mit den Athleten mitzufiebern und sie lautstark anzufeuern.

Am Mittwoch Abend fand das Finale des Zehnkampfs der Männer statt. Zwei Tage sportelten die Athleten bei bis zu 40 ° um die Wette. Und ja, es waren auch deutsche Teilnehmer dabei. Mit einem habe ich besonders mitgefiebert: Arthur Abele. Mit seinen 32 Jahren gehört er inzwischen sozusagen zu den „Senioren“ und wer seine sportliche Geschichte ein wenig kennt, wundert sich vielleicht, dass er überhaupt noch dabei ist. Immerhin wurde er Jahrelang immer wieder durch Verletzungen im Training zurück geworfen. Da nützt dann auch die größte Disziplin oder ein überragendes Talent nichts. Und obwohl viele ihm abgeraten haben, hat er selbst nach einer Wettkampfpause von vier Jahren (verletzungsbedingt) noch einmal angegriffen.

Und dieses Jahr nun endlich sein großer Moment. Nach der letzten Disziplin, dem 1.500 Meter Lauf ist es glasklar: Arthur Abele ist der Europameister der Zehnkämpfer im Jahre 2018. Die Zuschauer bejubeln ihn, ich hopse auf dem Sofa herum und Arthur Abele… weint. So richtig. Nicht ein verkniffenes Tränchen. Er weint vor Freude, Erleichterung, weil der Druck von ihm abfällt…

Ich bin gerührt und greife ebenfalls nach dem Taschentuch, schnaube mir die Nase und wische die Tränen von den Wangen. Und höre, wie der Kommentar darüber spricht, das Arthur Abele weint. Erklärend, beinahe entschuldigend hört sich das in meinen Ohren an.

Hallo?!, denke ich, leben wir noch in der Steinzeit?? In der Zeit, als es hieß: Männer weinen nicht!? Oder: ,Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Und all diesen Mist. Offensichtlich. Mit wachsendem Ärger höre ich zu, wie der Kommentator weiter erklärt und macht und tut.

Spontan springen meine Gedanken zu meinem ersten Ausbildungs-Wochenende zur Trauerbegleiterin in Hamburg. Ich denke daran, wie Teilnehmerinnen davon erzählen, wie schwierig es für Männer oftmals ist zu, trauern. Dass sie sich ihrer Gefühle schämen. Dass Männer doch nicht weinen, dass sie stark sein müssen. Und wie schwierig es ist, in der Trauerbegleitung ein Türchen in diesen so fest gebauten Mauern zu finden.

Ja, ich hatte gedacht, wir – die Menschen, egal ob Männer oder Frauen – wären da heutzutage schon weiter. Und an vielen Stellen sind wir es ja auch. Aber hier ist nach wie vor etwas stecken geblieben. Gerade kürzlich erzählte eine junge Mutter mir, dass der Vater ihres Sohnes gesagt hätte, sie sollte ihn nicht immer gleich trösten, wenn „mal was ist“. Sonst würde er zu weich werden. Glücklicherweise ist sie da anderer Auffassung und wird sicherlich einen Weg finden. Aber mal ehrlich: wie traurig ist das denn?!

Vor Ewigkeiten hat ja Herbert Grönemeyer schon über Männer gesungen („Männer weinen heimlich…“) und als ich vorhin bei Google „Männer weinen nicht“ eingegeben habe, ist mir ein Lied angezeigt worden von Adesse feat. Sido mit genau diesem Titel. Und der Text trifft den Nagel auf den Kopf („Sie schreien den Schmerz in sich hinein“ lautet eine Zeile). Hört es Euch einfach mal an (klick) und lest gerne auch mal die Kommentare darunter…

Hier mein ganz persönlicher Aufruf an meine Mitmenschen, egal ob Frauen oder Männer: weinen ist voll ok. Zeigt Gefühle, seid empathisch. Denn das macht uns menschlich!

Und: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH dem Europameister der Zehnkämpfer 2018, Arthur Abele!

In letzter Minute

Eine von vier Geschichten, die im April in einer privaten Schreibwerkstatt entstanden sind – über die es auch einen Beitrag gibt, den Ihr hier findet.

In letzter Minute
von Nicole Vergin

Der Fahrstuhl hielt mit einem Ruck im 3. Stock. Genervt sah Melina von ihrem Smartphone auf. Konnte dieses Ding nicht einmal in einem Rutsch durchfahren? Eine Schweißwolke waberte herein und breitete sich aus. Sie verzog das Gesicht, als der dazu gehörende alte Mann mit unsicheren Schritten auf seine Gehhilfe gestützt herein humpelte.
Fuhr der eigentlich den ganzen Tag nur Fahrstuhl? Immer, wenn sie das altersschwache Ding benutzte, stieg er über kurz oder lang mit ein. In der letzten Zeit hatte Melina immer häufiger das Treppenhaus genutzt, um diesem Gestank zu entgehen.
Der alte Mann lüpfte freundlich den schäbigen Hut, der auf seinen offensichtlich fettigen weißen Haaren klebte. Er wohnte im 5. Stock, und wenn sie mal an seiner Tür vorüber ging, dann roch es dort ebenso unappetitlich.

„Guten Tag Fräulein“, fügte er seinem Gruß noch hinzu.
Melina nickte ihm gleichgültig zu und vertiefte sich wieder in die frisch eingetroffenen WhatsApp Nachrichten. Der Fahrstuhl setzte seinen Weg nach oben ruckelnd fort.
Ein leises Stöhnen erklang, die Gehhilfe des Mannes fiel gegen die Seitenwand und bevor Melina wusste was hier geschah, sackte der alte Mann zusammen und lag zu ihren Füßen.
Rasch beugte sie sich zu ihm hinunter.
„Hallo?“, sie fasste behutsam nach seiner Hand, „können sie mich hören?“ Die Hand fühlte sich feucht und klebrig an und trotz des Schreckens, der ihr in den Knochen saß, ekelte sich Melina.
Duschen wird wohl bei ihm nicht sehr groß geschrieben, dachte sie und erschrak beinahe vor sich selber.
„Hallo?“, rief sie noch einmal, nun schon lauter. Vielleicht hörte er auch nicht mehr gut. Hätte sie doch bloß schon den Erste Hilfe Kurs für ihren Führerschein gemacht. Aber so wusste sie nun überhaupt nicht was sie tun sollte.
Durchatmen, befahl sie sich selber. Und dann den Notarzt rufen. Sie griff nach ihrem Smartphone, tippte die 112 ein und berichtete kurz darauf mit zitternder Stimme was passiert war.
Danach zog sie ihre Jacke aus und bettete den Kopf des Mannes darauf. Noch immer war er ohne Bewusstsein und sein Gesicht schien immer blasser zu werden.
Melina merkte, wie ihr selber übel wurde. Die stickige Luft in der engen Kabine, die Schweiß Ausdünstungen des Mannes und nicht zuletzt die Panik, die langsam in ihr hochstieg, als ihr bewusst wurde, dass der Mann hier vielleicht sterben könnte, wenn der Notarzt nicht rechtzeitig kommen würde.
Für einen Moment wurde ihr schwarz vor Augen.

„Hallo, junge Frau“, eine fremde Stimme weckte sie, „können sie mich hören?“
Verwirrt blickte sie einem Mann ins Gesicht, der seiner Kleidung nach Sanitäter sein musste. Endlich war Hilfe da! Sie blickte sich um, aber außer dem Sanitäter und ihr war niemand im Fahrstuhl.
„Wie geht es dem alten Mann?“ Melina setzte sich auf und eine weitere Welle der Übelkeit schwappte über ihr zusammen. „Haben Sie ihn schon ins Krankenhaus gebracht?“
„Welcher alte Mann?“, der Sanitäter zog die Augenbrauen hoch.
„Na, der wegen dem ich sie angerufen habe.“
„Ich habe hier nur sie gefunden. Vielleicht ist er wieder zu sich gekommen und weg gegangen?“ Melina hatte das Gefühl, als wollte der Mann sie nur beruhigen.
„Dann müssen sie in seiner Wohnung nachsehen“, drängte sie.
„Ich kann nicht einfach in eine fremde Wohnung gehen“, wehrte er ab.
Melina platzte der Kragen. „Kommen Sie einfach mit mir in den 5. Stock, da wohnt er. Und wir können ja wenigstens mal klingeln.“
Der Sanitäter sah aus, als würde er sie für leicht hysterisch halten. Vielleicht dachte er sogar, sie hätte Drogen genommen oder so. Aber ihr war es egal. Hauptsache er kam nun mit.
Als sie endlich vor der Tür des alten Mannes standen, war diese verschlossen.
Melina drückte auf die Klingel, drückte ein Ohr an die Tür und lauschte.
„Da ist niemand. Und ich muss jetzt auch wieder los. Mein Kollege wartet unten im Wagen. Kommen Sie, ich bringe sie jetzt zu ihrer Wohnung.“
In diesem Moment hörten sie beide ein stöhnen, so als würde Jemand direkt hinter der Wohnungstür liegen.

Eine Stunde später hockte Melina mit zitternden Knien in ihrem Zimmer. Der alte Mann war tatsächlich in seiner Wohnung zusammen gebrochen und war nun ins Krankenhaus gebracht worden. Rettung in letzter Minute hatte der Sanitäter es genannt und ihr anerkennend auf die Schulter geklopft.
„Aber wieso hat er sich denn wohl noch vom Fahrstuhl wieder in die Wohnung geschleppt“, hatte er laut überlegt.
Melina verschwieg, dass der alte Mann, als sie gemeinsam im Fahrstuhl standen komplett anders gekleidet gewesen war, als in dem Moment als sie ihn in der Wohnung gefunden hatten.
Aber vielleicht hatten ihre Sinne ihr auch nur einen Streich gespielt.

Hin und wieder Gedanken sortieren

Die Zeit rennt. Zumindest kommt es einem mal mehr, mal weniger so vor. Wobei mir der DSC_0001Blick auf den tickenden Sekundenzeiger unserer Küchenuhr zeigt, dass die Minute nach wie vor 60 Sekunden hat.

Aber mal im Ernst: haben wir tatsächlich schon August 2018? Echt? Wahnsinn! Für mich ist es mal wieder Zeit, meine Gedanken und Pläne für die kommende Zeit zu sortieren. Was habe ich noch vor? Was möchte ich erreichen? Wo will ich hin und überhaupt?!

Da ist natürlich ganz selbstverständlich mein Autoren-Schreib-Leben. Ich habe Euch ja erst kürzlich erzählt, dass ich ein neues Kinderbuch begonnen habe und daran schreibe ich fleißig und freue mich zu erleben, wie die Figuren immer lebendiger werden. Und auch mein Blog hat natürlich einen festen Platz in meinem Schreib-Herz.

Einiges von meiner Zeit wird natürlich auch von meiner Ausbildung zur Seelfrau beansprucht. Wobei diese ja „nur“ alle acht Wochen für ein Wochenende stattfindet, aber natürlich arbeite ich die Seminar Inhalte immer nochmal auf bzw. vertiefe sie.  Mal abgesehen von der Pflichtlektüre, die ich durcharbeite, (von Büchern kann Frau nie genug haben) habe ich mir noch einen Stapel passender Bücher aus der Leipniz Bibliothek in Hannover besorgt. Und die möchten auch Beachtung finden.

Was mich zwischendurch ein wenig ausgebremst hat, sind meine Rückenprobleme. Genauer gesagt Schmerzen im unteren Bereich, die vom zuviel auf dem Sofa hocken, während meines seelischen Tiefs in den vergangenen Wochen entstanden sind. Nun heißt es neben Massagen erstmal wieder die Muskulatur in Schwung bringen. Ein tägliches Yoga Programm hat schon Linderung gebracht, zudem Spaziergänge, Walking Runden und eine Sport Art, die ich vor ca. 15 Jahren betrieben habe: Step Aerobic. Anfangs dachte ich noch: Oha, ob das in meinem Alter noch was wird? Blöd gedacht! Natürlich! Ok, anfangs hatte ich einige Knoten in den Beinen und im Gehirn, aber inzwischen klappt es gut und das wichtigste: ich habe echt Spaß daran!

Ganz nebenbei planen wir seit einigen Monaten einen Carport auf unser Grundstück zu stellen. Was mit wesentlich mehr Aufwand – und Kosten… – verbunden ist, als anfangs gedacht. Unter anderem benötigt man – entgegen der Meinung von etlichen, die gerne ihr Halbwissen mit uns geteilt haben – eine Baugenehmigung. Bedeutet: Architekt, Bauamt… Naja, inzwischen ist das gute Stück bestellt, die Baugenehmigung in Arbeit und im September soll es losgehen. Es bleibt also spannend…

Und dann werden meine Gedanken seit einigen Wochen vermehrt von einem Thema „besetzt“: ich wünsche mir ein neues Familienmitglied. Eines mit Fell. Eine bzw. genauer gesagt zwei Katzen. Bis vor einigen Jahren hatten wir ein volles Haus: Kind, Hunde, Katzen, Hausmäuse, Fische… nachdem uns alle nach und nach verlassen haben, haben wir einfach mal die sturmfreie Bude genutzt und waren und sind viel unterwegs. Was auch toll ist. Aber nun fehlen mir Fellnasen in unserem Haushalt. ABER – das will natürlich gut überlegt sein. Schließlich schafft man sich kein Sportgerät, sondern ein Lebewesen an. Eines, das zur Familie gehören und dementsprechend viel Zeit und Liebe bekommen wird. Und da hinterfragen wir lieber ein, zwei, drei Mal mehr, wann der Zeitpunkt gekommen ist, an dem wir uns auf dieses Zusammenleben wieder einlassen wollen. Eins ist jedenfalls klar: über kurz oder lang werde ich Euch hier sicherlich die eine und andere Fellnase vorstellen!