Weiter im Weihnachts-Taumel

Seit fast drei Wochen befinde ich mich nun im Weihnachts-Taumel. Nach wie vor lese ich mit Begeisterung Weihnachtsromane und habe sogar schon den zweiten Weihnachtsfilm geguckt. Meine leuchtenden Augen sprechen eine deutliche Sprache!

Zwischen meinen Weihnachtsromanen habe ich nun auch ein Kinder-Weihnachtsbuch gelesen bzw. angeschaut. Und zwar eines, das schon etliche Jährchen auf dem Buckel hat: „Wo der Weihnachtsmann wohnt“ von Mauri Kunnas.

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Ich liebe diese Buch mit seinen grandiosen Illustrationen, bei denen ich auch beim x-ten Mal anschauen, immer noch etwas neues entdecke. Es macht einfach Spaß, sich in dem kleinen Ort Korvatunuri, in Lappland, umzuschauen. Zu sehen, wie die Wichtel arbeiten. Und welche Tiere bei ihnen den Winterschlaf verbringen und wie die Geschenke zu den Kindern kommen und, und, und… vor zwei Tagen erst habe ich ein nagelneues Exemplar erstanden und werde es zu Weihnachten verschenken. Es gibt einfach Bücher, die mein Herz schneller schlagen lassen!

Ein weiterer toller Weihnachtsroman ist „Der Weihnachtswald“ von Angelika Schwarzhuber. Dieses Buch ist mir allerdings schon im vergangenen Jahr „vor die Füße gefallen“ und als ich es nun von einer begeisterten Freundin, der ich es geliehen hatte, zurück bekommen habe, dachte ich, dass ich Euch davon auch noch rasch erzähle.

Angelika Schwarzhuber hatte eine tolle Idee, die ich so als Weihnachtsroman noch nicht gelesen hatte. Ihre Protagonistin Eva, alleinstehende Anwältin ohne Faible für Weihnachten – bis dahin also nicht ungewöhnlich – reist zur Weihnachtszeit zu ihrer Großmutter. Sie ist dort nach dem Tod ihrer Eltern aufgewachsen und trifft auf ihre Vergangenheit. Und zwar sozusagen gleich doppelt. Als ein Schneesturm aufkommt und ein Kind verschwindet landet sie, gemeinsam mit ihrem Jugendfreund, in der Vergangenheit. Ich habe vergangenes Jahr dieses Buch verschlungen und kann es nur jedem empfehlen, der Spaß an Weihnachts- und Zeitreise Geschichten hat.

Und nun zu dem Weihnachtsfilm, den ich vor ein paar Tagen im Fernsehen geschaut habe. „Der Wunschzettel“ hieß der Film und er lief in der ARD, wo er jetzt auch noch in der Mediathek zu finden ist. Hier ist der Link dazu.

Der 9-jährige Leo hat einen Wunschzettel geschrieben und diesen an eine Verkehrsampel geklebt. Pauline – alleinstehend, Ordnungshüterin, großes Herz – findet ihn und versucht zu helfen. Wie es dann dazu kommt, dass sie mit einem wildfremden Mann das Familien Weihnachtsfest besucht – und natürlich entsprechendes Chaos ausbricht – dass schaut Ihr Euch am besten selber an. Auf jeden Fall viel Herz und natürlich Schmerz, Weihnachtslichter und – lieder und einfach schööööön.

Inzwischen bin ich erneut bei der Winter-Street-Reihe von Elin Hilderbrand – hier hatte ich darüber geschrieben – angelangt, aber davon erzähle ich Euch ein anderes Mal…

Tagsüber im Museum ODER Ich weiß jetzt, wer Max Slevogt war

Als gebürtige Hannoveranerin kenne ich das Landesmuseum Hannover seit meiner IMG_2467Kindheit. Ich weiß zwar nicht mehr, wann ich das erste Mal dort war, aber ich weiß noch, dass es mich fasziniert hat. Zumindest teilweise… ich mochte die Aquarien und Terrarien im Erdgeschoss. Und das Dino-Skelett in der 1. Etage.

Am spannendsten fand ich jedoch immer den „roten Franz“ – eine Moorleiche aus der Eisenzeit (nicht zu verwechseln mit der Eiszeit…), die 1900 nördlich von Neu Versen (daher wird er auch der Mann von Neu Versen genannt) bei Meppen gefunden wurde. Mich hat es also schon sehr früh zum Thema Tod gezogen. Und es war immer eine Mischung aus Faszination und Grusel, wenn die Vitrine, in der Franz damals noch ausgestellt war, näher rückte. Für Interessierte gibt es übrigens einen Eintrag auf Wikipedia mit Foto, den Ihr hier findet.

In der vergangenen Woche war es nun mal wieder so weit: ich hatte Lust auf einen Besuch im Landesmuseum. Vorab hatte ich mich noch schlau gemacht, welche Sonderausstellung derzeit zu besichtigen ist und da diese mich interessierte, stand einem Besuch nichts im Wege.

Vorweg: auf die Gemälde- und Münz Ausstellungen in der 2. Etage habe ich verzichtet. Übrigens nicht zum ersten Mal… und durch die „Aquarium Abteilung“ bin ich nur rasch durch geschlendert. All die Fische auf engstem Raum eingepfercht ist einfach nicht meine Sache.

Abgesehen vom „Roten Franz“ gibt es natürlich zahlreiche Exponate, die ich bereits aus meiner Kinder- und Jugendzeit kenne. Das besagte Dino-Skelett, die ausgestopften Robben, die Hörner (Musikinstrumente) aus der Bronzezeit (nagelt mich nicht auf die Zeit fest, es kann sein, dass ich mich falsch erinnere…).

Natürlich wurde etliches im Laufe der Jahrzehnte modernisiert und vor allem technisch auf einen aktuellen Stand gebracht. Schließlich soll die Chance erhöht werden, dass sich auch der Nachwuchs noch z. B. für die „Menschenwelten“ im 1. Stock interessiert. Dort, wo die Besucher Menschen aus der Stein- und anderen Zeiten gegenüberstehen.

Was mich diesmal am meisten fasziniert hat, war die Sonderausstellung über den Maler Max Slevogt. Genauer geschrieben: Franz Theodor Max Slevogt, der zudem auch noch Grafiker, Illustrator und Bühnenbildner war. Ich hatte mir die entsprechende Seite des Landesmuseums im Netz angeschaut und die Bilder, die ich dort fand, gefielen mir. Impressionistisch und teils in wunderschönen Farben.

Im übrigen habe ich überhaupt keine Ahnung von Kunst. Ich gehe da schlicht nach: gefällt mir oder gefällt mir nicht. Dieses „auseinandernehmen“, wie ich es früher im Kunst Unterricht tun musste – nein Danke! Und so bin ich auch ganz offen in die Ausstellung hinein spaziert. Und sehe als erstes etliche Bilder, die unglaublich dunkel waren. Porträts, so wie es früher üblich war. Streng. Dunkel. Manchmal furchteinflößend.

Bei meinem Gang durch die Galerie stellte ich dann fest, wie vielseitig Herr Slevogt doch war. Von Porträts über Landschaftsmalerei, Bilder, die in einem Zoo entstanden sind (interessant zu sehen, wie die Tiere auf den Bildern immer detaillierter gemalt worden sind und die Menschen in den Hintergrund rückten) bis hin zu Bildern über Geschichten aus der Bibel.

Und dann die Illustrationen, die er z. B. für die Geschichten von Sindbad dem Seefahrer angefertigt hat. Oder eine Speisekarte auf der u. a. ein Mammut (?) in einem riesigen Eisblock zu sehen ist.

Die Audioführung, die im Preis inbegriffen ist, hat mir etliche Erklärungen geliefert, aber alle habe ich mir nicht angehört. Es hat auch einfach so Spaß gemacht, das Werk dieses Mannes zu betrachten.

Bis zum 24.02.2019 ist die Ausstellung noch zu sehen, also falls Ihr mal in der Nähe seid… sie ist echt sehenswert. Und bei Interesse ist hier auch noch der Link dafür!

Christmas Talk – lesen und gucken in der Weihnachtszeit

Ende Oktober (also kurz vor der Adventszeit…) habe ich Euch von meiner Advents-Lese-Aktion erzählt. (Wer den Beitrag nicht kennt, findet ihn hier) Den ursprünglichen Plan, in der Advents- und Weihnachtszeit Weihnachtsromane zu lesen, habe ich kurzerhand ein wenig abgewandelt. Ganz gegen unsere sonstigen Familiengewohnheiten, haben wir in diesem Jahr einfach einen 0. Advent eingeführt und am letzten November Wochenende schon mal die Deko vom Dachboden geholt und mit dem schmücken begonnen.

Da lag es natürlich nahe, auch mit dem Weihnachts-Geschichten-lesen durch zu starten! Ich hatte da einfach so eine riesen Lust drauf, mein letztes Buch war auch gerade ausgelesen… Und so kommt es, dass ich inzwischen schon mitten im 3. Roman bin! Und da ich versprochen hatte, Euch das eine und andere Buch vorzustellen, tue ich das hiermit jetzt!

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Begonnen habe ich meine Lese-Abenteuer mit einem Roman aus der Winter-Street-Reihe von Elin Hilderbrand: „Inselwinter“. Den zweiten Band aus dieser Reihe hatte ich im Sommer auf dem Flohmarkt entdeckt… ohne zu wissen, dass es sich um eine Reihe handelt. Kennt Ihr sowas auch? Mir ist das nicht zum ersten und vermutlich auch nicht zum letzten Mal passiert. Egal. So „musste“ ich dann wohl oder übel die anderen Bände auch kaufen. Und da ich von dieser Autorin schon Romane gelesen habe, wusste ich ja worauf ich mich einlasse.

Die Geschichte dreht sich um das komplizierteste Thema an Weihnachten: die liebe Familie… wie vermutlich bei vielen anderen auch, geht es bei der Familie Quinn, die auf der Insel Nantucket eine Pension führt, drunter und drüber. Die Mutter ist im Vorjahr mit dem Weihnachtsmann durchgebrannt, das Enkelkind soll getauft werden, ein Familienmitglied ist Tablettenabhängig und eines in Afghanistan verschollen. Um all das Chaos herum, versucht jeder für sich Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Mal gelingt das besser und mal schlechter. Der ganz normale Wahnsinn also. Mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Allerdings musste ich hinterher feststellen, dass ich nun tatsächlich besagten zweiten Band als erstes gelesen habe… folgt also im Laufe des Advents dann erst einmal der erste Band: „Winterglanz“ – also bitte darauf achten, falls ihr die Reihe auch lesen wollt!!

Und dann folgte „Damals im Dezember“ von Richard Paul Evans. Ist Euch schon mal aufgefallen, dass die meisten Weihnachtsromane von Frauen geschrieben sind? Umso interessanter fand ich es, als ich diesen in die Finger bekam. Die Story handelt von Luke Crisp, der zu seinem Vater – die Mutter ist gestorben, als er klein war – ein inniges Verhältnis hat. Bis zu dem Tag, als ein Freund ums Leben kommt und Luke plötzlich meint, dass er sein Leben nun lieber in vollen Zügen genießen sollte, anstatt zu arbeiten und in die Firma seines Vaters einzusteigen, wie es ursprünglich geplant war. Leider übersieht er in dem ganzen, dass es auch Menschen gibt, die einem nicht nur gutes wollen. Und damit beginnt sein Abstieg. Auch hier natürlich menschliches Drama vermischt mit der guten alten segensreichen Weihnachtszeit – also genau das was ich mir von solchen Geschichten wünsche!

Aktuell lese ich „Weihnachten in der kleinen Bäckerei am Strandweg“ von Jenny Colgan. Es gibt bereits zwei Bücher über die kleine Bäckerei am Strandweg. Das erste habe ich damals gelesen und habe rasch festgestellt, dass ich nach dem lesen des Klappentextes eine ganz andere Vorstellung hatte. Es war trotzdem nett, aber kein behalten-Buch. Und als der zweite Band auf den Markt kam, ließ ich die Finger davon. Warum ich nun dieses lese? W E I H N A C H T E N – es steht Weihnachten auf dem Cover, so einfach ist das! Es gibt Schlüsselwörter, auf die springe ich an, wie eine Maus auf ein Stück Käse. Und jetzt beim Lesen stelle ich fest, dass es schön ist, die altvertrauten Figuren wieder zu erlesen. Vor allem den Papageientaucher Neil, den ich schon im ersten Band geliebt habe. Solltet Ihr auch Weihnachts-Buch-Fans sein: dieses Buch könnt Ihr auch lesen, wenn Ihr die anderen nicht kennt, es gibt im Vorwort von der Autorin ein paar einleitende Sätze, die für das Verständnis völlig ausreichend sind.

Und nun komme ich noch rasch auf etwas anderes: ich habe mir spontan vor ein paar Tagen einen Weihnachtsfilm bestellt: „Ein Weihnachtswunder – 24 Türchen zur Liebe“. Herrlich kitschig, romantisch, mörderisch und ein Geist spielt auch mit. Was das mit den 24 Türchen auf sich hat, hat sich mir nicht erschlossen, aber solche Geschichten will ich auch einfach nur genießen und nichts bis ins Kleinste sezieren.

Ja, so viel für Heute zu meinem ganz persönlichen Weihnachts-Lese-Spaß. Vielleicht kennt Ihr auch noch Weihnachtsromane, die ihr mir für das kommende Jahr empfehlen könnt? Dann immer her damit!

Ich werde jetzt erstmal schauen, was Neil und Huckle und Polly an Cornwalls Küste noch so treiben…

 

Advents-Plausch

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

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Diese erste Strophe des Gedichts „Weihnachten“ von Joseph von Eichendorff drückt für mich am besten das aus, was die Advents- und Weihnachtszeit in mir auslöst. Und auch wenn in der heutigen Zeit `Markt und Straßen´eher selten `verlassen stehn´kommt es mir dennoch so vor.

`Still erleuchtet jedes Haus´- ich liebe die zahlreichen Lichter in dieser Zeit. Das funkeln, die Spiegelungen in den Fensterscheiben. In der Dunkelheit durch die Straßen zu gehen, während das Jahr mit seinen Höhen und Tiefen durch meine Gedanken wandert.

Alles in mir ist ruhig. Still. Friedlich. Ich genieße die Abende zuhause bei Kerzenschein und auch den elektrischen Lichtern, die wir anschalten. Seit letztem Jahr steht sogar im Fenster ein Lichterbogen. Etwas, das ich nie mochte. Aber nun… ein Erinnerungsstück an meine Mutter, das jedes Mal beim anschalten, auch mein Herz zum leuchten bringt.

Und dann die leckeren Kekse, die mein Mann jedes Jahr backt. Da gibt es das obligatorische Schwarz-Weiß-Gebäck, von dem ich nie genug bekommen kann. Und dann auch gerne Spitzbuben mit der leckeren Johannisbeer Marmelade. Oder – wie in diesem Jahr ganz neu – Haselnuss-Vollkorn-Kekse mit einem noch leicht flüssigen Schokokern.

 

Irgendwann in all der Zeit feiere ich dann auch noch meinen Geburtstag. Und während ich früher die „Sommer-Kinder“ beneidet habe, ist es heute für mich schlicht ein Geschenk, dass ich in dieser Zeit auch noch den Start in mein Leben feiern darf.

Tja, und dann kommt das Weihnachtsfest. In diesem Jahr werden wir wieder mit unserem Sohn in Dresden feiern. Wir werden gemeinsam über den Striezelmarkt und vor allem über den noch viel schöneren historischen Markt bummeln. Ich werde mich zum x-ten Mal in den Anblick der beleuchteten Frauenkirche verlieben. Und wir werden die Zeit miteinander auskosten. Ganz in Ruhe. Und im Herzen und in Gedanken werden die Menschen bei uns sein, die schon nicht mehr leben, aber in unseren Erinnerungen lebendig bleiben.

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Ich wünsche Euch eine wunderschöne Adventszeit!

Zeitkapsel

In diesem Monat bin ich mit meiner Schreibkick Geschichte tatsächlich mal wieder pünktlich fertig geworden! Das Thema lautet `Zeitkapsel´und eigentlich und uneigentlich ist eine Zeitkapsel ja ein Behälter in dem man Dinge aufbewahrt, um sie erst nach einer bestimmten Zeit wieder heraus zu holen und dadurch dann über das vergangene Zeitalter etwas zu erfahren. Naja, so ungefähr…

Bei mir kam allerdings ein ganz anderer Gedanke auf und ich bin sehr gespannt, wie Euch meine Geschichte gefällt.

Ach ja, und wenn Ihr Lust habt, auch einmal bei den Schreibkicks mitzumachen, dann schaut doch mal hier in der facebook Gruppe, die von Sabi Lianne ins Leben gerufen worden ist, vorbei.

Zeitkapsel
von Nicole Vergin

Es war einmal ein alter Mann, dessen Zeit gekommen war. Doch als der Tod an seine Tür klopfte, da bat er ihn inständig darum, ihm noch ein wenig Lebenszeit zu schenken. Er habe bisher noch nichts von der Welt gesehen, für ihn habe es immer nur die Arbeit auf den Feldern gegeben und nun wolle er dies nachholen.
Der Tod betrachtete ihn einen Moment aus den leeren Augenhöhlen seines Schädels, dann griff er in seinen schwarzen Umhang, zog etwas hervor und legte es in die Hand des Mannes.
„Diese Zeitkapsel wird dir sieben Jahre schenken. Sieben Jahre, in denen du die Welt bereisen kannst. Wenn die sieben Jahre um sind, werde ich erneut an deine Tür klopfen.“ Mit diesen Worten verschwand der Tod.
Der alte Mann konnte sein Glück kaum fassen. Er nahm die unscheinbare weiße Kapsel in den Mund, zerbiss sie und spülte sie mit einem großen Schluck Wasser hinunter. Für einen Moment blieb ein bitterer Geschmack auf seiner Zunge zurück. Doch dann fühlte er sich mit einem Schlag jung und tatkräftig.
Rasch schnürte er sein Bündel, rief seiner Frau einen Gruß zu und nahm den Weg, der vor seiner Hütte lag unter die Füße. In den folgenden sieben Jahren erwanderte er ein Land nach dem anderen. Und überall wo er hinkam, wurde er freundlich aufgenommen und die Menschen rissen sich darum, es ihm schön zu machen.
Er lernte andere Kulturen kennen, bestaunte die Sehenswürdigkeiten und genoss das Leben. Doch eines Tages, als sich die sieben Jahre dem Ende zuneigten, bemerkte er zweierlei: zum einen war er des Reisens überdrüssig geworden und ihm fehlte das altvertraute und beständige und genau dies führte ihn zum anderen: er hatte auf einmal Sehnsucht. Sehnsucht nach seiner Frau. Wie hatte er sie nur all die Jahre allein zurücklassen können? Ja, er hatte fantastische Dinge gesehen und unglaubliches erlebt, aber all das ohne sie. Und nun, wenn er endlich nach Hause zurückkehren würde, dann würde er auch gleich wieder gehen müssen. Denn sicherlich würde der Tod dort bereits auf ihn warten und erneut an seine Tür klopfen.

Und so war es dann auch. Kaum, dass er seine Frau in die Arme geschlossen hatte, vernahm er das laute Pochen und obwohl er die Tür fest verriegelt hatte, stand im selben Moment der Tod mitten im Raum. Seine Frau erschrak darüber und sie hielten sich gegenseitig fest umschlungen. Als jedoch der Tod mit der Spitze seiner Sense auf den Mann zeigte, wich die Frau ängstlich zurück.
Der Mann aber flehte den Tod erneut um Aufschub an. „Ich habe eingesehen, wie selbstsüchtig ich gegenüber meiner lieben Frau war. Und nun hat sie mir trotz allem vergeben und mir erneut ihr Herz geöffnet. Bitte lass mich um ihretwillen noch eine Weile hier.“
Mit einer langsamen Bewegung zog der Tod seine Sense zurück, ohne dass die scharfe Klinge den Mann auch nur berührte. Dann zog er wie sieben Jahre zuvor eine weitere Zeitkapsel aus seinem Umhang hervor.
„Ich schenke dir weitere sieben Jahre. Nutze sie gut, denn auch sie werden vergehen und ich werde erneut vor dir stehen, um dich abzuholen.“
Erleichtert nahm der Mann die Kapsel und während der Tod verschwand steckte er sie in den Mund und zerbiss sie. Neben dem schon bekannten bitteren Geschmack fühlte er nun noch ein kurzes brennen auf der Zunge. Aber auch dies verging.
Die folgenden Jahre verbrachte der Mann mit seiner Frau und sie waren sich während dieser Zeit näher als je zuvor. Gemeinsam standen sie morgens auf und begrüßten den Tag. Gemeinsam machten sie Besorgungen, saßen am Tisch und aßen und unterhielten sich. Über ihre Kinder und Enkelkinder, über ihr gemeinsam verbrachtes Leben, über die Reisen des Mannes.
Jedoch beobachtete der Mann, wie seine Frau mit jedem Jahr schwächer wurde, denn schließlich war sie in der Zeit, die die Kapsel ihm geschenkt hatte, weiter gealtert. Und noch bevor die sieben Jahre um waren, lag sie eines Morgens tot im Bett.
Wie dankbar war der Mann da, dass seine Kinder und Enkel ihm in dieser schweren Zeit beistanden. Und erst da fiel ihm auf, dass auch seine Kinder in die Jahre gekommen waren. In ihren Haaren hatten sich graue Strähnen ausgebreitet und in ihren Gesichtern erzählten die ersten Falten von ihrem gelebten Leben. Seine Enkel hingegen waren größtenteils auch schon erwachsen und in Kürze würde er das erste Mal Urgroßvater werden.
„Es kann doch nicht sein, dass ich jetzt gehen muss“, dachte er bei sich und versuchte den Gedanken an den Tod beiseite zu schieben.

Doch der Tag kam auch dieses Mal und das Pochen an der Tür ließ nicht lange auf sich warten. Der Tod trat in die Hütte ein und sogleich flehte der Mann ihn an: „Bitte lieber Tod schenke mir noch einmal einige wenige Jahre, nur um sie noch mit meinen Kindern, Enkeln und mit meinem Urenkel zu verbringen. Und dann, das verspreche ich, werde ich mit dir gehen.“
„Es sei dir ein letztes Mal gewährt.“ Mit diesen Worten überreichte der Tod ihm die dritte Zeitkapsel und als der Mann dieses Mal darauf biss, schmeckte er nicht nur das bittere und fühlte ein brennen auf der Zunge, sondern ihm wurde derart schwindelig, dass er sich hinlegen musste, um seinen raschen Herzschlag zu beruhigen.
Als er wieder zu Kräften gekommen war, machte er sich sogleich auf und besuchte all seine Lieben. Mit jedem von ihnen verbrachte er Zeit und anfangs genoss er es. Aber je länger es andauerte, desto mehr stellte er fest, dass er müde wurde. Er wunderte sich anfangs darüber, denn so wie in den zwei Mal sieben Jahren zuvor, stand ihm noch genügend Kraft zur Verfügung. Es dauerte eine Weile bis er begriff, dass er des Lebens müde war.
In seinem Leben hatte er alles erlebt. Er hatte geliebt und manchmal auch gehasst. Er hatte gearbeitet und abends nach Sonnenuntergang die Zeit mit seinen Lieben genossen. Er war gereist, hatte zahllose Stunden mit seiner lieben Frau und nun auch mit seinen Kindern, Enkeln und mit seinem Urenkelchen verbracht.
„Was könnte ich mir mehr wünschen?“, dachte er bei sich.

Am Tag als die sieben Jahre um waren, saß der alte Mann draußen auf der Bank vor seiner Hütte. Und als der Tod erschien, da begrüßte er ihn wie einen alten Freund und sie gingen gemeinsam den Weg auf die andere Seite.

Diesmal waren dabei:

Rina

Veronika

Corly

Surf your inspiration

Sabi

Am 24. Dezember gibt es ein Weihnachts-Special: Die Sache mit dem Rentier

Und das Thema für den 01. Januar lautet: Das Märchen der guten Vorsätze

Kurs für Sterbebegleiter/Innen – der Praxisteil naht

Der Grundkurs ist beendet – an den letzten zwei Abenden konnte ich aufgrund meines Bänderanrisses leider nicht teilnehmen – und nun wartet ein 3-monatiges Praktikum auf mich und die anderen TeilnehmerInnen. Ich erwähnte dies bereits in meinem letzten Beitrag über den Kurs, den Ihr hier findet.

Gestern gab es nun eine „Einführung in den Praxisteil“. Warum? Ganz einfach: die IMG_2395Besuche, die ich in den nächsten Wochen bei einer / einem BewohnerIn eines Pflegeheims mache, finden nicht auf privater Basis statt. Ich werde im Namen des Ambulanten Hospizdienstes DASEIN die Menschen dort ein Stück weit begleiten.

Und dabei gibt es auch einiges zu beachten, wie z. B., dass ich mich an die Regeln des jeweiligen Pflegeheims halte, dass ich mich bei jedem meiner Besuche auf der Station an- und abmelde, dass ich mich an abgesprochene Termine halte und ganz wichtig ist natürlich die Schweigepflicht. Im Grunde also alles, was selbstverständlich sein sollte.

Im Anschluss an die Besuche werden ich dann noch Stundenprotokolle ausgefüllen und anfangs auch Begleitungsprotokolle, um den Besuch und somit mich selber noch zu reflektieren. Ein Mal im Monat gibt es dann einen Abend für die Reflexion, was ein wichtiger Bestand der jetzigen und auch der künftigen Zusammenarbeit ist. Denn es ist nie gut, immer nur in seinem eigenen Saft zu schmoren bzw. gibt es sicherlich auch Situationen, mit denen ich nicht allein klar komme.

Tja, nun geht es also los. Irgendwann in den nächsten Tagen wird es einen Anruf von der Koordinatorin des Hospizdienstes geben und dann bekomme ich den Termin für einen Erst Besuch mitgeteilt. Da werde ich dann nicht nur die / den BewohnerIn kennenlernen, den / die ich in den kommenden drei Monaten besuche, sondern auch in dem Pflegeheim, in dem ich das Praktikum mache, vorgestellt. Und Ihr könnt mir glauben, ich bin unglaublich froh darüber, dass ich da beim ersten Mal nicht alleine stehe. Denn es ist definitiv anders, als wenn ich private Besuche machen würde.

Einen Punkt habe ich gestern Abend nochmal angesprochen – auch bei dem Infoabend im September hatte ich das schon gefragt – wie ist es, wenn ich nach den drei Monaten einfach wieder gehe? Natürlich wird es den Bewohnern vorher gesagt, dass diese Besuche endlich sind. Aber ich kann – oder will? – mir das bisher noch nicht so vorstellen.

Klar, nicht mit jedem Menschen entsteht da gleich eine Grand-Canyon-tiefe-Verbindung, aber manchmal entwickelt sich doch sicherlich auch etwas?! Und dann? Oder ist das wieder mal nur in meinem leicht zu beeindruckenden Herzen ein Problem? Eine Aussage lautete gestern, dass die Bewohner das oftmals leichter nehmen, als die Praktikanten. Mag sein. Ich habe da ja noch keine Erfahrung. Und vielleicht sollte ich nicht allzu viel grübeln, sondern einfach schauen, wie es sich entwickelt. Aber über dieses mich-verantwortlich-fühlen bin ich ja schon öfter in meinem Leben gestolpert und letztendlich macht es mich ja auch zu der die ich bin. Sofern ich meine eigenen Grenzen nicht massiv überschreite.

Auf jeden Fall werde ich Euch weiter auf dem Laufenden halten und ich bin sicher, dass es eine spannende und schöne Erfahrung werden wird!