Es war einmal ein Telefonanschluss

Es war einmal eine Familie, die lebte in einem kleinen Gebiet direkt am Wald. Dort, wo die Telefonleitungen noch überirdisch waren und sich ungern ein Techniker aus der Neuzeit hin verirrte, da er meist nicht wusste, wie er mit diesen altmodischen Kabeln verfahren sollten.

Nun hatte die Familie bereits seit langer Zeit einen Anschluss der Firma Telekom. Und abgesehen von kleineren Störungen waren sie doch immer recht zufrieden mit ihrer Verbindung zur Außenwelt gewesen.

Doch dann, eines schönen Tages, legte sich ein dunkler Schatten über ihre Telefonleitungen. Und dieser Schatten sorgte dafür, dass ein Rauschen in der Leitung IMG_1701[1]vorherrschte, dass nicht nur jedes Gespräch unmöglich machte, sondern sogar dafür sorgte, dass sie Nachrichten die auf ihrem Anrufbeantworter hinterlassen wurden, nicht verstehen konnten. Auch die Rufnummern Erkennung raffte der Schatten mit dahin, so dass sie keinerlei Möglichkeiten hatten, ihre Anrufer ausfindig zu machen.

Voller Vertrauen wandten sie sich über das – glücklicherweise – funktionierende Internet an das Unternehmen Telekom und gaben eine Störungsmeldung auf. Und hier begann nun eine Odyssee. Über ganze fünf Wochen wurde telefoniert – endlose Wartezeiten in der Hotline – gemailt, Technikerbesuche angekündigt, die nicht stattfanden. Die Mitarbeiter in den Hotlines waren zwar stets sehr freundlich und bemüht, aber auch ihnen gelang es nicht, einen Techniker zu der Familie hinaus aufs Land zu schicken.

Hin und wieder gab es Nachrichten, die da lauteten: wir haben die Störung behoben und bedanken uns für ihre Geduld. Da dies jedoch mitnichten der Fall war, begann dann das Spiel von vorne. Mittlerweile war die Familie der Meinung, dass hier böse Mächte am Werk sein mussten. Ein Telefonverhinderungszauber. Ein dunkler Fluch auf ihrem Anschluss. Eine Verschwörung.

Als sie keinerlei Hoffnung mehr verspürten, dass das Unternehmen Telekom jemals die Störung beheben würde, forderten sie per Einschreiben / Rückschein ein Sonderkündigungsrecht sowie die Rückerstattung der Grundgebühr ein. In diesem Schreiben listeten sie jeden einzelnen Kontakt auf. Es wurde eine enorm große Liste!

Erstaunlich rasch bekamen sie eine E-Mail von einer Mitarbeiterin, in dem sie u. a. schrieb, dass sie die Familie leider nicht telefonisch erreicht hätte, dabei hätte sie gerne persönlich mit ihnen gesprochen??!! Die Familie hakte diesen Teil der Nachricht als Witz ab. Die Erstattung wurde ihnen jedoch zugesagt, bezüglich des Sonderkündigungsrechts würde man sich nach Rücksprache mit der Fachabteilung erneut melden.

Eine weitere Woche ging ins Land, in der eine Gutschrift über die Grundgebühr im Hause der Familie eintraf und eine zauberhaft blumige „Es-tut-uns-leid-Karte“, in der sich das Unternehmen für die Geduld bedankte und sollte die Störung noch nicht behoben sein, sollte man sich doch wieder melden. Nicht erst zu diesem Zeitpunkt kam das Gefühl auf, man werde verarscht.

Doch dann, an einem sonnigen Freitag, fanden sie eine weitere E-Mail in ihrem Postfach, in der die selbe Mitarbeiterin bedauerte, dass „all ihre Bemühungen, die Störung zu beheben, bisher ohne Erfolg blieben und sie daher dem Wunsch der Familie entsprechen würde, den Vertrag vorzeitig zu beenden“. Eine Gutschrift über die Grundgebühr der restlichen Zeit befand sich dabei und der Satz: „Wir bedauern, Sie als Kunden zu verlieren…“

Aufatmend lehnte sich die Familie nach dieser Odyssee zurück, griff nach dem  ausgedruckten Formular des bereits ausgewählten neuen Anbieters – bei dem sie tatsächlich mit nur einem anstatt 1000 Menschen – über ihr Anliegen gesprochen hatten und beschlossen, die Ummeldung nun in aller Ruhe anzugehen.

Und so lebten sie künftig glücklich und zufrieden mit einem Anbieter, der ihnen auch tatsächlich einen Techniker schickte, wenn sie ihn brauchten und der dafür sorgte, dass sie wieder von Freunden und Familie telefonisch erreichbar waren. Der dunkle Schatten über ihre Verbindung zur Außenwelt ward nicht mehr gesehen.

Es gibt ja Berge im Sauerland

Der Mensch lernt ja bekanntlich nie aus. Und ich für meinen Teil lerne gerne etwas neues. Einer der zahlreichen Gründe, warum mein Mann und ich in unseren Urlauben gerne unterwegs sind, anstatt zwei Wochen nur am Strand zu liegen.

In diesem Jahr war eine 2-wöchige Deutschland-Österreich-Rundreise geplant. Heute DSC_0013geht es um die erste Etappe, die uns ins Sauerland führte. Genauer gesagt ging es uns um den kleinen Ort Bödefeld – einem Ortsteil der Stadt Schmallenberg. Ein sportlicher Grund war es, der uns dort hinführte. Mein Mann wollte am Bödefelder Hollenmarsch teilnehmen, genauer gesagt an der 55-km Wanderung.

Unsere Unterkunft hatten wir uns in einem anderen Schmallenberger Ortsteil gebucht: in Nordenau. Wir ahnten nicht, dass die Stadt Schmallenberg mit 303 Quadratkilometern eine der flächengrößten Städte Deutschlands ist und wir in aller Hergottsfrühe um pünktlich am Start zu sein, bereits eine halbe Stunde würden fahren müssen.

Was ich auch nicht ahnte war, dass es im Sauerland Berge gibt. Ja klar, ein Blick auf eine Landkarte und schon hätte ich Bescheid gewusst. Auch ein wenig mehr Interesse beim Erdkunde Unterricht damals in der Schule wären sicher von Nutzen gewesen. Als ich meinem Sohn von meiner großen Erkenntnis berichtete, hat er großzügiger Weise nicht gelacht. Er selber hatte Erdkunde als Leistungsfach und ist immer bereit seiner ahnungslosen Mutter auf die Wissens-Sprünge zu helfen.

Gut, nun waren wir also im Sauerland, mein Mann brach zu seiner Wanderung auf – DSC_0048passenderweise dröhnte beim Start „Highway to hell“ aus den riesigen Lautsprecherboxen – und ich hatte nun eine halbe Ewigkeit, um mir die Gegend anzusehen. Denn ich liebe es zwar spazieren zu gehen, aber 55 km… nein Danke!

Stattdessen schlenderte ich gemütlich durch den kleinen Ort, dessen Einwohner schlau genug waren – so sie nichts mit dem Lauf-Wander-Event zu tun hatten – noch im Bett zu liegen. Ich hatte meine Kamera dabei und verspürte – neben der Müdigkeit – eine ordentliche Portion Entdecker Lust.

Bis zum Ortsausgang von Bödefeld war es nicht all zu weit und ich begann schon zu DSC_0022überlegen, ob ich über kurz oder lang doch wieder zur Pension zurückkehren sollte. Ein wenig Schlaf nachholen. Aber dann fiel mir ein blaues Schild mit zwei Wanderern und der Aufschrift Naturpark Rothaargebirge ins Auge. Na, das klang doch gut. Ich war durchaus bereit, mich den dortigen Steigungen zu stellen, denn ehrlich gesagt wandere ich lieber bergauf und bergab anstatt immer nur in der Ebene vor mich hin zu dackeln.

Und genau das bekam ich dann: BERGAUF. Erst ganz gemächlich führte der Waldweg in DSC_0084Windungen höher. Immer wieder sah ich auch Markierungen, die mir davon erzählten, dass hier auch die Läufer und Wanderer unterwegs sein würden. Ich hatte mir vorgenommen ein Stück weit nach oben – wo auch immer mich das hinführte – zu wandern und dann dem Schild Richtung Bödefeld Ortsmitte zu folgen.

Aber dann entdeckte ich ein Schild mit dem Hinweis: Kreuzbergkapelle 1,6 km. Ich liebe Kapellen, Kirchen, Klöster… je älter desto lieber. Dieser Hinweis machte mich neugierig. Und 1,6 km… lächerlich. Eine Weile DSC_0077führten mich die Schilder sanft weiter in höhere Regionen, bis dann eines nach rechts zeigte: zur Kreuzberg-Kapelle ca. 1 km. Ich fasste den deutlich schmaleren Weg ins Auge und stellte fest: hier ging es nun wirklich aufwärts. Aber 1 km… pah, das würde ich leicht schaffen.

Ihr ahnt es vielleicht schon. Je weiter ich auf dem Weg voran stiefelte, desto steiler,

unwegsamer und schmaler wurde er. Zudem waren an der rechten Seite in Abständen steinerne Gedenkstellen – mit einem Dach versehen – in denen jeweils ein hölzernes geschnitztes Bild angebracht war. Die Szenen handelten vom Leidensweg, vom Kreuzweg Jesu.

Meine Neugier war geweckt. Ich begann Fotos zu machen – was ja jeweils auch eine gute DSC_0111Gelegenheit zum durchschnaufen war. Und so schaffte ich dann tatsächlich auch das restliche Stück und konnte dann erstmals die Kapelle zwischen den Bäumen aufragen sehen. Ein zauberhaftes Fleckchen Erde mit einer großartigen Aussicht über die Landschaft und den Ortsteil Bödefeld. Keine Sekunde bereute ich den doch recht mühevollen Aufstieg.

Auch ein Blick in die Kapelle lohnte und ich hatte sogar die Gelegenheit eine Kerze anzuzünden, was ich immer gerne tue und dieses Mal tat ich es mit der Bitte, dass mein Mann doch heile von seiner Wanderung zurückkehren möge.

Auf der Kuppe des Kreuzberges gab es noch einige Darstellungen rund um die DSC_0096Geschichte Jesu und diese lebensechten Figuren faszinierten mich einerseits, aber andererseits liefen mir auch Schauer über den Rücken. In der Kapelle fand ich dann einen erklärenden Text, der davon erzählte, wie dieser Kreuzweg entstanden war. Was mich am meisten erstaunt hatte war, wie gut dass ganze erhalten ist. Alle Stationen werden regelmäßig gepflegt. Solltet Ihr Euch für weitere Infos interessieren, klickt doch mal hier.

Gemütlich machte ich mich nach einer Verschnaufpause dann auf der anderen Seite an DSC_0141den Rückweg. Ich schlenderte durch den Wald und ließ mich von den nach wie vor hervorragend ausgeschilderten Wegen wieder in den Ortskern führen, wo ich mir erstmal im inzwischen eröffneten Supermarkt eine Flasche Wasser kaufte. Ja, ich weiß… trotz sommerlicher Hitze hatte ich tatsächlich nichts dabei.

Aber ich hatte eben auch IMG_1369nicht mit einer längeren Wanderung gerechnet.

Zu späterer Stunde nahm ich dann meinen Mann –  der die 55 km super bewältigt hatte –  glücklich und stolz in Empfang. Wir blieben dann noch bis zum nächsten Morgen, bevor es auf unserer Tour weiter in Richtung Regensburg ging. Aber eins ist jetzt schon klar: ins Sauerland, da wo es auch Berge gibt, da wollen wir auf jeden Fall mal wieder hin! Und wer weiß… vielleicht nehme ich auch einmal am Bödefelder Hollenmarsch teil. Es gibt auch eine 21 km Wanderung…

Viel Leben auf der Messe „Leben und Tod“

„Ist das nicht gruselig auf eine Messe zu gehen, die sich um den Tod dreht?“ Nein. Gar IMG_1068nicht. Also für mich nicht. Denn der Tod – so sehr viele auch versuchen ihn auszuschließen – gehört nun einmal zum Leben dazu. Außerdem – wie der Name es schon sagt – es geht eben auch um das LEBEN.

Am Freitag, den 04. Mai fuhr ich nach Bremen und war gespannt was mich dort wohl erwarten würde. Bereits zum 8. Mal fand die 2-tägige Messe statt. Für FachbesucherInnen ebenso wie für interessierte BesucherInnen wie mich.

Da ich den Eröffnungsvortrag zum Thema „End-lich leben – mit Leib und Seele Tod und Vergänglichkeit akezeptieren“ nicht verpassen wollte, war ich gleich zu Beginn vor Ort. Die Halle füllte sich erst nach und nach – soweit ich den Überblick hatte, waren die Frauen in der Überzahl – und so konnte ich schon einmal ganz gemütlich an den zahlreichen Ständen entlang schlendern und mir den einen und anderen merken, wo ich später gerne mit den Standbetreibern ins Gespräch kommen wollte.

Der Eröffungsvortrag des Theologen Dr. Nikolaus Schneider fasste die Notwendigkeit einer solchen Messe perfekt zusammen: wir können nicht vor dem Tod davonlaufen. Ob wir wollen oder nicht, er gehört zum Leben dazu. Durch die Akzeptanz der „eigenen Vergänglichkeit“ bekommt man außerdem einen anderen Blick auf das (eigene) Leben. Was durchaus von nutzen sein kann. Gut gefallen hat mir, dass hier die „Dinge“ beim Namen genannt wurden und das trotz allem der Vortrag nicht „schwer“ war, sondern auch und gerne gelacht werden durfte.

Im Verlaufe des Tages war ich noch 3 x im sogenannten Forum, um mir dort Lesungen anzuhören:

„Geschichten, die das Leben erzählt, weil der Tod sie geschrieben hat“ von und mit Mechthild Schroeter-Rupieper (Gründerin von Lavia dem Institut für Familientrauerbegleitung). Die unterschiedlichen Trauergeschichten, die Frau Schroeter-Rupieper vorlas, zeigten deutlich, wie wichtig es ist mit der Trauer zu leben, sich Unterstützung – wenn nötig – zu holen und vor allem auch Kinder und Jugendliche mit einzubeziehen. Gerade ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat mich sehr beeindruckt, zeigt sie doch, dass es kein guter Weg ist diese in einem Trauerfall „außen vor“ zu lassen.

Eine ganz andere Lesung erwartete die ZuhörerInnen, als es um das Buch „Mama ist tot. Und jetzt?“ von Anna Funck ging. Eine Energie geladene, übersprudelnde junge Frau IMG_1069betrat die Bühne und im ersten Moment vermutete man gar nicht, dass es um etwas trauriges gehen könnte. Aber der Titel erzählt ja bereits davon, dass die Mutter von Frau Funck verstorben ist. Und sie selber erzählte nun, wie es ihr während und nach dieser Zeit ergangen war. Und vor allem auch, wie ihre Mitmenschen auf ihre Trauer reagierten. Ein Punkt, in dem es ihr ähnlich erging wie der nächsten Autorin, Muriel Marondel, in deren Buch es um den Tod ihres Vaters bzw. um die Trauer um ihn geht – „Lieber Tod, wir müssen reden!“

Die beiden jungen Frauen erlebten jede für sich, wie einsam man sich in einer Gesellschaft fühlen kann, die Themen wie sterben, Tod und Trauer ungern über die eigene Haustürschwelle lassen wollen. Sie fühlten sich oftmals allein gelassen, haben Hilfe gesucht und nicht gefunden. Für beide eine Anregung ihre Erlebnisse selber in Worten zu fassen, um anderen Trauernden aufzuzeigen, welche Wege sie gegangen sind und zu ermutigen der eigenen Trauer Raum und Zeit zu geben. Ich habe im Nachhinein mit beiden Autorinnen noch gesprochen und finde es großartig und wichtig, dass es immer mehr Menschen gibt, die erkennen, wie wichtig es ist, diese Lebensbereiche nicht auszugrenzen.

Selbstverständlich gab es noch etliche andere hörenswerte Beiträge, aber einen Teil des Tages wollte ich eben doch nutzen, um mir die anderen Angebote bzw. Stände anzuschauen. Und es hat sich wahrhaftig gelohnt.

Hier ein kurzer Querschnitt der Stände, bei denen ich länger ins Gespräch gekommen bin:

Medienprojekt Wuppertal 

An diesem Stand waren es nicht vorrangig die ausgestellten DVD´s, die mich interessierten, sondern tatsächlich die junge Frau, die dort das Medienprojekt Wuppertal vertrat. Mitte 20 wie ich kurz darauf erfuhr, setzt sie sich zusammen mit anderen Menschen im Alter bis Mitte 40 dafür ein die Themen „Sterben und Trauern“ aus dem Tabubereich heraus zu holen. Die Dokumentationen handeln von Nahtoderfahrungen, von Jugendlichen, deren Vater oder Mutter gestorben ist oder auch wie junge Menschen Sterbenden begegnen. Wir hatten ein sehr interessantes Gespräch und gerade in unserem technischen Zeitalter ist es doch ein möglicher und wichtiger Zugang so auf diese Themen aufmerksam zu machen.

Opal – Postforma Urnen

Bei diesem Bremer Unternehmen erhält man individuell hergestellte Urnen aus dem 3D-Drucker. Ja, mich hat das ehrlich gesagt sofort neugierig gemacht, da ich gerade im vergangenen Jahr nach dem Tod meiner Mutter festgestellt hatte, das viele Urnen eben so gar nicht meinem Geschmack entsprechen. Diese Urnen sehen – in meinen Augen – nicht nur schön aus, sondern sind auch aus einem biologisch abbaubarem Kunststoff hergestellt. Der Grund warum jede Urne ein Unikat ist, beruht darauf, dass vor dem Druck individuelle Angaben zu der / dem Verstorbenen in das Programm eingegeben werden. Daraus resultieren dann die unterschiedlichen Ausformungen. So zumindest habe ich es im Gespräch verstanden. Da ich technisch nicht so versiert bin, erkundigt Euch bei Interesse lieber nochmal selber.

Sarggeschichten

„Wir wollen die Themen Sterben, Tod und Trauer ins Leben holen“ – so steht es im Flyer. IMG_1082Was dahinter steckt, sind u. a. Kurzfilme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu eben diesen Themen. Zu finden auf youtube – am besten einfach mal selber reinschauen.

Pantomime Christoph Gilsbach

Christoph Gilsbach ist der Meinung, dass auch in der Sterbebegleitung der Humor nicht zu kurz kommen darf. Daher hält er entsprechende Vorträge und Workshops ab. Während ich mich mit ihm unterhielt, kam eine Frau dazu, die nach eigener Aussage Krebs im Endstadium hat. Was sie seit Beginn ihrer Krankheit vermisst ist, dass auch in diesen Lebenszeiten gelacht IMG_1091werden darf. Es war ein sehr intensives Gespräch, bei dem es natürlich auch ernst zuging, aber eben, wie an der Clownsnase zu sehen ist, die wir Frauen von ihm geschenkt bekommen haben, auch viel gelacht wurde.

Abschied Bestattungen

Ein besonderer Hingucker war für mich der ausgestellte Selbstbausarg von Abschied Bestattungen. Ein beinahe handliches Paket wie aus dem Baumarkt, das die unterschiedlichsten Reaktionen hervorrief. Zwei Frauen traten hinzu, während ich das ganze neugierig beäugte und beinahe zeitgleich kamen ihre Reaktionen: „Oh wie IMG_1067toll, den kann man ja selber bemalen und gestalten“ und „Das kann man doch nicht machen“. Doch, kann man ganz offensichtlich. Ja, es ist nicht jedermanns Sache, aber auch ich habe es in dem Zusammenhang der Trauerarbeit gesehen. Etwas selber gestalten, etwas „zu tun haben“. So vielfältig wie Menschen auf ihre persönlichen Trauerfälle reagieren, so vielfältig sind heutzutage glücklicherweise auch die Angebote.

Seelensport

Wie eben bereits erwähnt, gibt es zahlreiche Angebote, die Trauernde auf ihrem Weg begleiten und unterstützen können. Da ich selber weiß, wie wichtig mir Bewegung ist, wenn es mir – aus welchen Gründen auch immer – schlecht IMG_1079geht, hat mich das Angebot der Österreicherin Katrin Biber sofort angesprochen. Sie hat nach dem Tod ihrer Schwester durch Bewegung nach und nach ins Leben zurück gefunden und hat daraus ein Trainingskonzept  entwickelt, dass sich an der individuellen Trauer, den Gefühlen und dem Körper der / des Trauernden orientiert. Eine beeindruckende junge Frau, die durch ihre eigenen Erlebnisse und Erkenntnisse andere unterstützt und begleitet.

Die Traueroblate

Angela Stehr hat diese sehr persönlichen und IMG_1064wunderschönen Grabbeigaben erfunden und stellt sie in ihrem Hof Atelier selber her. Ich habe dies bereits in einem meiner Beiträge erwähnt, so dass Ihr hier gerne noch einmal schauen könnt.

Ja, das war nun ein kleiner Eindruck von meinem Messebesuch. Solltet Ihr Fragen haben, schreibt mir diese gerne in die Kommentare oder nutzt meine E-Mail Adresse, die im Impressum angegeben ist.

Übrigens: auch im kommenden Jahr wird die Messe Leben und Tod wieder in Bremen stattfinden und zwar am 10. und 11. Mai 2019. Ich werde am Freitag, den 10. vor Ort sein. Vielleicht treffen wir uns ja!

Moin – ein Wochenende in Hamburg

Ich liebe es seit jeher am Wasser zu sein. Am liebsten natürlich am Meer, aber ein großer Fluss tut es auch. Und so war ich Feuer und Flamme, als mein Mann einen Wochenendtrip nach Hamburg, das ja bekanntlich an der Elbe liegt, vorschlug.

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Samstag in aller Hergottsfrühe sprangen wir vergnügt ins Auto – so vergnügt bin ich sonst morgens um 6.30 Uhr eher nicht… – und düsten los. Wir wollten allen Staus zuvorkommen. Und davon gibt es ja auf der A 7 immer mehr als genug. Eine ganze Menge anderer Leute hatten offensichtlich denselben Geistesblitz, so dass die Autobahn zwar gut besucht oder vielmehr befahren war, aber wir kamen tatsächlich ohne einen Stau an.

Flott das Auto vor dem Hotel geparkt – einchecken würden wir später – und dann rein in die S-Bahn und ab ins Centrum. Naja, so ähnlich. Genau an dem Tag begann eine Schienen-Ersatz-Aktion, wir mussten also ein paar Stationen mit dem Bus fahren und dann den Rest mit der S-Bahn. Und dann waren wir auch schon in der City, bummelten gemütlich über den Rathausplatz, spazierten an der Binnen- und auch an der Außenalster entlang und das alles bei grandiosem Wetter.

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Da wir Hamburg mit dem Auto – sofern es keinen Stau gibt – in knapp zwei Stunden erreichen können, waren wir nicht zum ersten Mal in der schönen Stadt an der Elbe. Was wir bisher jedoch nie gemacht hatten, war eine Stadtführung und so buchten wir dieses Mal ein Angebot von get your guide : Führung Elbphilharmonie, Speicherstadt & Hafencity.

Um 14 Uhr ging es in Sichtweise der Elbphilharmonie mit Ben unserem Guide los. Bisher wussten wir von der Elphi, wie das riesige Bauwerk an der Elbe, inzwischen liebevoll genannt wird nicht mehr, als dass der Bau Unsummen gekostet und zudem eine gefühlte Ewigkeit gedauert hat. Ben, von Beruf begeisterter Hamburger, verschaffte uns nun einen tieferen Einblick in Elphis „Geheimnisse“. Er erzählte von den über 800 Millionen Euro, die sie innerhalb der neun Jahre währenden Bauzeit verschlungen hat und dass sich bei einer Umfrage heraus gestellt hat, dass die Hamburger diese beachtliche Zahl inzwischen wieder vergessen haben. Sie lieben ihr neues Wahrzeichen (sagt Ben…) und sind stolz darauf.

Kein Wunder, schließlich beherbergt Elphi nicht nur zwei Konzertsäle – mit so grandioser Akustik, dass unser Guide uns davon abgeraten hat, jemals auch nur mit der winzigsten Erkältung dort ein Konzert zu besuchen… – sondern auch ein Luxus Hotel und Appartements, die man sich nicht aus der Portokasse leisten kann. Die Dachterrasse – die sogenannte Plaza – kann übrigens kostenlos besichtigt werden. Man sollte nur eine Portion Geduld mitbringen, da die Warteschlangen an den Eingängen wo es die Gratis Tickets gibt lang sind. Aber dann kann man sich über die längste gebogene Rolltreppe der Welt (gebogen ist dabei das „Zauberwort“, denn die längste Rolltreppe der Welt ist es nicht) mitten ins Herz der Elbphilharmonie bringen lassen. Die Aus- und Überblicke sind traumhaft schön, wobei ich dank meiner Höhenangst diese nur begrenzt genießen konnte.


Etwas über eine Stunde später führte uns Ben dann durch die historische Speicherstadt, erzählte wie es in Hamburg damals zur Zollfreiheit kam und das Dieben als Warnung früher ein Schlitz ins Ohr (daher das Wort Schlitzohr) gemacht wurde. Auch die neu entstehende Hafencity lernten wir kennen. Eine bereits fertig gestellte Einkaufsstraße, eine Grundschule, die ihren Pausenhof oben auf dem Dach hat, derzeit etliche Luxus Appartements zu denen sich später jedoch auch bezahlbarer Wohnraum gesellen soll.
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Drei Stunden später waren unsere Köpfe voller Bilder, Geschichten und Anekdoten. Ach ja, ein wenig platte Füße hatten wir auch. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Abends gab es dann noch ein besonderes Highlight: wir haben das Musical Aladdin gesehen. Eine zauberhafte Reise in den Orient mit einem grandiosen Dschinni, der definitiv den größten Anteil des Beifalls einheimste. Obwohl es Samstagabend war, war die Vorstellung leider nicht ausverkauft. Und so verwundert es nicht, dass das Musical nur noch wenige Monate gezeigt wird. Also, wer noch Lust hat, sollte sich sputen. Uns hat es gefallen!

Am Sonntag haben wir dann nach einem gemütlichen Frühstück unsere Wochenend Reise mit einer Hafenrundfahrt ausklingen lassen. Wobei wir uns bewusst für eine Fahrt mit einem der größeren Schiffe entschieden haben, die auch im Containerhafen unterwegs sind. Der Blick vom Wasser aus auf die Stadt, die Elbphilharmonie und den Eindruck wie im Containerhafen gearbeitet wird (ja, auch Sonntags ist man dort fleißig), war zusammen mit den Qualitäten des Gästeführers an Bord eine runde Sache.

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Was fehlte noch  vor der Heimfahrt? Richtig, ein leckeres Fischbrötchen, das wir auf einer höher gelegenen Bank mit Blick auf den Hafen genossen. Und dann hieß es für dieses Mal „Tschüss Hamburg“ (denn wie Heidi Kabel vor Ewigkeiten sang: „In Hamburg sagt man Tschüss“), aber wir kommen auf jeden Fall wieder!
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Lustwandeln im Berggarten von Hannover

Gemächliches spazierengehen, schlendern, entspannen… Diesen Genuss bekommt man im Berggarten von Hannover zwar nicht kostenlos, aber es lohnt sich sein Portemonnaie dafür ein Stück weit zu öffnen (Preise und Öffnungszeiten findet Ihr hier). Zwischen all den wunderschön angelegten Wegen, Beeten, floralen Oasen verschwimmt der Alltag und die Sinne werden für die kleinen Wunder der Natur geschärft. Leider hatte ich an diesem Tag nur meine Handy Kamera zur Verfügung, aber zumindest einen kleinen Eindruck wollte ich Euch hier gerne verschaffen.

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Leuchtende Kinderaugen – Storch sei Dank

Anfangs plapperten die Mädchen und Jungen noch durcheinander, machten Zwischenrufe, stellten Fragen und dann… auf einmal… war es mucksmäuschenstill. Die Augen der Kinder leuchteten, hier und da wurde vor Aufregung an der Unterlippe geknabbert oder Mama, Papa und Oma an den Händen herum geknibbelt.

Ja, es war eine wundervolle Vorlese-Stunde in der vergangenen Woche in der Rehburger IMG_1451Bücherei. Adola Adebar schaffte es wieder einmal, die Kleinen ebenso wie die Großen (ich freue mich natürlich immer, wenn die begleitenden Erwachsenen vom ich-muss-ja-dabei-sein in den ist-das-spannend-Modus wechseln) in den Bann seiner magischen Geschichten, die in Rehburg-Loccum spielen, zu ziehen.

Als Erinnerung gab es dann für Alle noch Lesezeichen mit Bildern von Adola Adebar.

Und ich bewahre mir als schönste Erinnerung, die leuchtenden Kinderaugen in meinem Autoren-Herzen.

Ich werde eine Seelfrau

So! Nun ist es raus! Ich mache eine Ausbildung zur Seelfrau!

Seit meiner Entscheidung sind einige Wochen vergangen und während dieser Zeit habe IMG_1464ich – auch in einem meiner Beiträge, den Ihr hier findet – zwar erzählt, dass ich eine Ausbildung mache, aber stets nur, dass es sich um Trauer- und Sterbebegleitung handelt. Dabei beinhaltet diese Ausbildung auch Seelenbegleitung.

Warum ich das Kind nicht von Anfang an beim Namen nennen konnte? Weil der Zeitpunkt dafür noch nicht gekommen war. Auf der Messe „Leben und Tod“ bin ich selber eine Weile um den Stand der Seelfrau herum geschlichen mit der Frage im Kopf, was das denn wohl sei. Fragen hilft ja bekanntlich weiter und das habe ich dann auch getan. Allerdings blieb bei mir hauptsächlich der Teil der Antwort hängen, der sich um Trauer- und Sterbebegleitung drehte. Dabei ist für mich das Vorhandensein einer Seele in einem Lebewesen vollkommen klar.

Inzwischen liegt das erste Wochenende der Ausbildung hinter mir und ich habe nun die noch fehlenden Informationen und vor allem das für mich stets wichtige Bauch- und Herzensgefühl, um klar sagen und schreiben zu können: Ja, ich habe das große Glück eine Seelfrau zu werden.

Seelfrauen haben sich in früheren Zeiten u. a. um Sterbende gekümmert, sie begleitet. Den Angehörigen beigestanden und auch die Toten versorgt. Nachdem die Kirche immer mehr von diesen Bereichen übernommen hatte und noch später dann die Bestatter, wurde das „Toten-Gewerbe“ eine Männer Domäne. Diese Aussage ist nun natürlich stark verkürzt und wer sich für die Historie interessiert, der schaut doch mal unter dem Begriff Beginen nach, den mit diesen christlichen Gemeinschaften – die jedoch keine Gelübde ablegten – begann im 12. Jahrhundert die Zeit der Seelfrauen.

In der Ausbildung geht es darum, dass alte Wissen der (Seel) Frauen wieder aufleben zu lassen und mit dem heutigen Stand der Sterbe- und Trauerarbeit zu verbinden.

Das erste Wochenende hat mich noch einmal mehr darin bestärkt, diesen Weg zu gehen und ich bin glücklich und dankbar, genau diese Ausbildung gefunden zu haben. Für mich ist es immer wichtig, dass es ZU MIR passt und mein Bauch und Herz JA sagen. Und genau das haben sie in den vergangenen drei Tagen immer wieder.

Wer von Euch an weiteren Informationen interessiert ist, der schaut doch einfach mal auf die Seite von Andrea Martha Becker, www.seelfrau.de (die Ausbildung findet in Hamburg statt) oder Ihr fragt mich bzw. lest einfach in den kommenden Monaten (die Ausbildung geht über zwei Jahre) meine Beiträge.