Es gibt keine Kreativ-Polizei

Als kleines Mädchen habe ich Malbücher geliebt. Am liebsten welche, die thematisch zu dem passten, was ich mochte: Tiere – besonders Pferde, Hunde und Katzen – oder auch von Zeichentrick Serien, die ich damals geguckt habe, wie z. B. Heidi, Sindbad oder Kimba der weiße Löwe.

Bis heute kann ich mich an dieses Glücksgefühl erinnern, wenn ich ein neues Malbuch bekommen habe. Ich habe meine Stifte rausgekramt und mit dem ausmalen begonnen. Und dann kam nach relativ kurzer Zeit meist das „dicke Ende“. Ich hatte übergemalt. Ihr wisst was ich meine?! Über die Linie des Bildes hinaus gemalt. Nicht schlimm, meint Ihr? Ha! Doch! Sofort blätterte ich auf die nächste Seite und begann mit einem anderen Bild. Fortsetzung… wie oben…

Tja, keine Ahnung woher damals dieser Perfektionswahn kam. Niemals haben meine Eltern mich bei meinen künstlerischen Ambitionen irgendwie kritisch „angerempelt“. So von wegen: herrje, das sieht ja gar nicht mal so schön aus oder so. Nein, besonders meine Mutter hat mich immer nur ermutigt. Bei allem was ich getan und ausprobiert habe.

Irgendwann stand ich auf dem Standpunkt, dass ich außer beim schreiben von Geschichten einfach kein künstlerisches Talent besitze. Es gab da zwar den einen und anderen Versuch (ich erinnere mich besonders an eine Heftreihe mit Malzubehör und Videos mit denen ich endlich zeichnen lernen wollte – all das ist inzwischen im Müll gelandet ohne genutzt worden zu sein), mich doch noch künstlerisch weiter zu entwickeln, aber stets scheiterte es an meinen Ansprüchen bzw. an dem die-anderen-können-das-soviel-besser-als-ich-das-macht-ja-gar-keinen-Sinn-Gefühl.

Im vergangenen Jahr dann der große Wandel! Im April war ich eine Woche auf meiner Lieblings-Nordsee-Insel Langeoog. Allein. Nur mit mir, meinen Gedanken, Gefühlen und der wundervollen See. Tag ein, Tag aus konnte ich machen was ich wollte. Schlafen, essen, Strandspaziergänge, schreiben, fotografieren, radfahren… Ja, ich lebte in den Tag hinein. Ohne Ansprüche an mich. Meine Gedanken dümpelten vor sich hin. Und plötzlich dachte ich: hey, bastel dir doch ein Langeoog Erinnerungsheft!

Ich marschierte los und kaufte mir ein schönes Blanko Notizheft. Stifte hatte ich dabei, sogar bunte. Nach und nach kaufte ich mir dann noch ein paar Aufkleber und einen Klebestift. Beim einkaufen entdeckte ich eine Gratis-Zeitschrift über Langeoog, die ich auch direkt einsackte.

Und dann ging es los: Ich malte, zeichnete, klebte, schrieb und zwischendurch sammelte ich alles ein, was eventuell in dieses Heft hineinpassen könnte. Und da ich mit mir ganz allein war, war da auch niemand der hätte sagen können: hey, was machst du denn da schönes? Nee, nur ich habe all das betrachtet, was ich in diesen Tagen gemacht habe. Und dass mit liebevollem Blick. Mit ganz viel Spaß an der Sache. Und vor allem auch mit Humor. Denn es hat doch was, wenn z. B. eine Zeichnung von einem Strandübergang aussieht, als hätte ein Kindergartenkind die paar Striche gepinselt. Ein begabtes wohlbemerkt!

Was ich neben all dem Spaß feststellte war, dass Übung aus mir zwar keine Meisterin machte, aber dafür sorgte, dass ich mehr ausprobierte, mir mehr zutraute und mein Strich sicherer wurde. Denn, hey! Was hatte ich schon zu verlieren?

Seit dieser Zeit male, zeichne, doodel, bastel, klebe… ich mit einer riesen Leidenschaft und Begeisterung und genieße diese neu entdeckten Beschäftigungen sehr! Im Moment bin ich gerade dabei, meinen Kalender für dieses Jahr zu gestalten.

Was ich daraus gelernt habe? Das es keine Kreativ-Polizei gibt!

Kurs für SterbebegleiterInnen: Reflexion

Die vergangenen Wochen waren eine emotionale Achterbahn. Anfangs die Aufregung zu Beginn des Praktikums: Wen darf ich künftig besuchen? Wie stelle ich mich dabei an? Wie verlaufen die Reflexions Abende?

Zugegeben: am Anfang des Praktikums war ich ein wenig überrumpelt. Irgendwie war ich wohl doch mit einem rosa-Wolken-Blick an das Ganze heran gegangen und hatte mir vorgestellt, dass ich ein Mal pro Woche einen netten Menschen im Pflegeheim besuche, der sich dann darüber freut und mit dem ich mich gemütlich unterhalte, ihm meine Zeit und Aufmerksamkeit schenke.

Die Dame, die ich dann besucht habe, war dement und komplett auf die Hilfe der Pflegekräfte angewiesen. Also war es gleich zu Anfang schon einmal schwierig für mich, heraus zu finden, ob ihr meine Besuche denn überhaupt angenehm sind und gut tun. Aber ich habe mich da auf mein Bauchgefühl verlassen und letztendlich gab es mal mehr, mal weniger Anzeichen (und auch mal ein paar Worte), die mir zeigten, dass meine Besuche gern gesehen waren.

Selbstverständlich hat sich die Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes bei mir rückversichert, ob ich mit der Situation zurecht komme. Und eine weitere Kursteilnehmerin ist ebenfalls in diesem Pflegeheim und so konnten wir uns austauschen, wofür ich sehr dankbar bin.

Wie Ihr vielleicht schon in meinem Beitrag „Plötzlicher Abschied“ gelesen habt, ist die Bewohnerin Anfang des Jahres verstorben. Und Ihr könnt mir glauben, auch wenn ich sie nur kurz kennenlernen durfte, hat dieser Abschied bei mir Spuren hinterlassen. Aber auch ein großes Gefühl der Dankbarkeit, dass ich sie noch ein Stück Wegs begleiten durfte. Denn das ist es letztendlich, was ich künftig tun möchte.

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Wichtig bei dieser Aufgabe ist die regelmäßige Reflexion in der Gruppe. Bereits jetzt im Praktikum ist dieser monatliche Termin ebenso verpflichtend, wie später, wenn wir als ehrenamtliche SterbebegleiterInnen im Einsatz sind. An diesen Abenden besteht die Möglichkeit, über Probleme zu sprechen, sich auszutauschen, die Meinung und das Wissen der anderen zu hören.

Die Reflexion nach dem plötzlichen Abschied war dann für mich nochmal etwas besonderes. Etwas, das ich noch nicht erlebt hatte. Ich berichtete, was geschehen war und dies noch mit einem gewissen Abstand. Doch dann bekam ich die Gelegenheit, eine Kerze anzuzünden und ein paar Abschiedsworte zu sprechen.

Und in diesem Moment schnürte sich mein Hals zu und der Tränen-Damm brach. Ja, ich war und bin traurig. Und das sicherlich nicht nur, weil Frau Müller (dies ist natürlich nicht der richtige Name!) verstorben ist. Oder weil ich sie gerne noch ein wenig besser kennen gelernt hätte. Sondern auch, weil ich in diesen wenigen Wochen etliche Erlebnisse – schöne und nicht so schöne – hatte. Und weil auch immer alte Trauer-Wunden wieder ein wenig bei mir aufreißen.

Es ist so wichtig, in diesen Zeiten aufgefangen zu werden. Mit Menschen zu sprechen, die wissen, wovon ich rede. Die mitfühlen. Mit schweigen. Mit trauern. Die aber auch ihre Sicht der Dinge – wenn es nötig ist – darlegen und mir einen Blick verschaffen, den ich (da ich ja mitten drin stecke) nicht habe.

In Gedanken hatte ich schon fast die Ärmel hochgekrempelt, um weitere Besuchsdienste zu machen. Aber im Gespräch bei der Reflexion habe ich begriffen, dass es nicht immer gut und richtig ist „einfach“ weiter zu machen. Und das genau hier auch mein Problem steckt, warum ich schon oft in meinem Leben meine Grenzen überschritten habe und mir dann seelisch die Puste ausgegangen ist.

Und nun tut es unglaublich gut, einfach mal los zu lassen, eine Pause zu machen, die Erlebnisse sacken zu lassen. Und auch die Trauer zuzulassen. Anstatt einfach den Deckel wieder drauf zu drücken und mit Volldampf weiter zu marschieren. Dieser Kurs, die daraus entstehenden Aufgaben und die Menschen, die dazu gehören, bereichern mein Leben. Und das bereits nach diesen wenigen Monaten. Dafür bin ich dankbar.

Projekt abc – B wie Borke

abc projektUnd schon ist die 2. Woche des Projekts abc von Wortman da! Es ist spannend, wie sehr mich dieses Fotoprojekt schon jetzt beschäftigt. Ich gehe nicht mehr „nur“ durch die Gegend, sondern schaue genauer hin. Und dabei geistert mir dann zum Beispiel der Buchstabe B durch den Kopf. Am Wochenende war ich in Hamburg und da gab es unglaublich viele B´s: Bäckerei, Brücke, Bahngleis… aber hängen geblieben bin ich bei…

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B wie Borke.

Wer hier schon länger mitliest weiß, dass ich eine Ausbildung zur Seelfrau (Sterbe-, Trauer- und Seelenbegleitung) mache und daher alle acht Wochen in Hamburg bin. So auch am vergangenen Wochenende. Und dieses Mal enthielt die gestaltete Mitte im Raum ein Stück Rinde einer Birke.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal Rinde als Borke betitelt habe. Aber es schoss mir blitzartig durch den Kopf. Und allein das fand ich schon faszinierend. Vorsichtshalber habe ich das Internet befragt und tatsächlich bedeutet Borke: die Rindes eines Baumes bzw. noch genauer (laut Wikipedia) „Die Borke ist die äußerste Schicht der Rinde bei den meisten Bäumen. Sie entsteht aus dem Kork und abgestorbenen Teilen des Bastes.“

Das hat jetzt natürlich wieder weitere Fragen aufgeworfen: die Rinde hat mehrere Schichten? Und wieso bei den meisten Bäumen? Wer es also noch etwas genauer wissen möchte, schaut doch einfach mal hier bei Wikipedia nach.

Ach ja, Borke wird übrigens auch noch die Kruste genannt, die auf einer Wunde entsteht. Da ist mir ehrlich gesagt das Foto einer Baum-Borke doch deutlich lieber… und glücklicherweise habe ich im Moment auch keine Wunde!

Ja, soviel also zu dem B – ich bin jetzt schon ganz happy, dass ich an diesem Projekt teilnehme und empfinde es als Bereicherung. Ich werde auch in den kommenden Wochen versuchen, immer aktuelle Fotos einzustellen, die mir sozusagen am Rande über den Weg laufen. Es bleibt spannend!

Projekt abc – A wie Abdruck

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In diesem Jahr möchte ich noch mehr fotografieren. Da kommt mir das von Wortman wieder belebte Projekt wie gerufen. Jede Woche einen Buchstaben, zu dem ein Foto gepostet wird.

Und die 1. Woche beginnt bei mir mit A wie Abdruck:

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Gestern beim Spaziergang. Der Weg war schlammig und ich stapfte Schritt für Schritt gegen den Wind. An einer Stelle hatte ich das Gefühl tiefer einzusinken, als an den anderen. Ich blieb stehen und hob vorsichtig meinen Fuß.

Ein Abdruck blieb zurück.

Ein Abdruck, der einiges preisgibt: meine Schuhgröße, die Art meiner Schuhe (vielleicht können Experten sogar an dem Profil die Marke erkennen), vielleicht gibt es Berechnungen, die Rückschluss auf mein Gewicht geben können. Und natürlich weiß nun jeder, in welche Richtung ich gegangen bin.

„Deine Spuren im Sand“, der alte Schmachtfetzen von Howard Carpendale fällt mir prompt ein. Meine Spuren im Sand. Ja, gestern konnte man sie noch finden. Aber heute? Ist der Abdruck heute noch zu sehen? Ich vermute mal nicht, denn es hat in der Nacht heftig geregnet und gestürmt. Vielleicht ist auch schon wieder ein Landwirt mit seinem Trecker den Weg entlang gefahren und hat meinen Abdruck unter seinen riesigen Reifenprofilen begraben.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mir mal solche Gedanken über das Wort Abdruck machen würde…

Das Ende meiner Weihnachts-Lesezeit

Ja, nun ist auch für mich die Weihnachtszeit endgültig vorbei, der letzte Weihnachts-Roman gelesen. Und: ich weiß heute schon, dass ich so eine Weihnachts-Roman-Lesezeit in diesem Jahr wieder machen werde! Brauche ich nur noch die entsprechenden Bücher… aber ich habe ja etliche Monate Zeit, sie zu sammeln.

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Nun aber noch zu den letzten drei Romanen, die ich gelesen habe:

„Das Weihnachtscafé in Manhattan“ von Katherine Garbera. Eine zauberhafte Geschichte von Verlust, Trauer, Sehnsucht, Liebe und ganz viel Schokolade und Kuchen. Iona und ihre zwei besten Freundinnen führen erfolgreich das Café „Candied Apple“. Das Angebot für eine Kooperation mit einer Hotelkette bringt Iona nicht nur im beruflichen Alltag einiges zum nachdenken. Mads Eriksson lässt ihr Single-Herz schneller schlagen und auch seine Tochter erobert ihr Herz. Die Frage ist nur, ob Mads schon wieder bereit ist, sich nach dem Tod seiner Frau auf eine neue Beziehung einzulassen. Und wie es um die Gefühle von Iona bestellt ist, wie viel sie preisgeben mag, das ist auch alles andere als einfach. Eine bitter-süße Geschichte mit vielen weihnachtlichen Glitzermomenten und der Sehnsucht doch auch einmal auf der Fifth Avenue in dem „Candied Apple Café“ zu sitzen.

Als nächstes wartete der letzte Teil der Quinn Familie aus der Winter-Street-Reihe auf mich: „Wintertraum“ von Elin Hilderbrand. Wie bei den anderen drei Bänden auch hier wieder der Griff ins pralle Leben: emotionale Verstrickungen innerhalb der Familie, aber auch der Zusammenhalt, wenn es um die Krebs-Erkrankung des Vaters geht. Ja, mir fiel es auf der letzten Seite schwer, mich von der Familie Quinn zu verabschieden. Aber das ist ja letztendlich auch positiv, zeigt es doch, dass mich alle Bände begeistert haben!

Auf das letzte Buch auf meiner Weihnachts-Lese-Liste hatte ich lange hingefiebert. Ich habe es im Urlaub in einem Klosterladen gekauft (dort gibt es heutzutage auch schon alles…) und es bewusst bis zum Schluß aufgehoben. Eine Schriftstellerin, die ein uraltes Cottage für ein Jahr mietet. Sie braucht Ruhe, um zum schreiben, denn bis Weihnachten muss sie endlich ihr Manuskript abgeben. Wie gut, dass dieses Cottage und das Land drumherum ihre Phantasie beflügelt. Und die Katze, um die sie sich kümmern muss, tut ihr übriges. (Die Katze ist übrigens in der Geschichte schwarz, auf dem Cover aber ist eine getigerte Katze abgebildet…) Zu all dem gibt es noch eine Portion Liebe (auch auf Irrwegen) und einen großen Schuss Magie.

Die anderen Beiträge zu meiner Lese-Challenge findet Ihr nachstehend. Und wenn Ihr auch tolle Weihnachts-Romane kennt, dann schreibt mir doch in die Kommentare ein paar Empfehlungen!

Christmas Talk – lesen und gucken in der Adventszeit

Weiter im Weihnachts-Taumel

Weihnachts-Romane – ich schwelge weiter

Nackte Tatsachen im Weihnachtsroman?

Experten-Alarm!

Kennt Ihr sie auch? Die Experten, die bei unterschiedlichsten Themen aus ihren Löchern kriechen, um ungefragt ihren Senf dazu zu geben?

Es gibt etliche Beispiele in meinem Leben, in denen sie auftauchten und mich mit Ratschlägen überhäuften. Wie vor 24 Jahren, als ich gerade ganz frisch schwanger war und selber noch mit all diesen neuen Gefühlen und Gedanken klar kommen musste. Aber die Experten standen bereits auf der Matte…

Von Ratschlägen über das richtige Essen bishin zu Horror-Geburts-Geschichten war da alles dabei. Meine damalige Frauenärztin war glücklicherweise anders gestrickt: „Sie sind schwanger und nicht krank – genießen sie die Zeit!“ war ihr Rat. Und genau das habe ich getan.

Für sie war es auch kein Stein des Anstosses, dass wir eine Geburt im Geburtshaus anstrebten. Für die Experten aber schon: zu gefährlich… wenn sich die Nabelschnur um den Hals des Babys wickelt… wenn, wenn, wenn… Ihr hättet die Gesichter sehen sollen, als unser Sohn letztendlich das Licht der Welt bei uns zuhause im Wohnzimmer erblickt hat!

Seit einigen Wochen herrscht nun wieder Experten-Alarm. Und zwar seit dem Zeitpunkt, img_2595seit wir beschlossen haben, wieder einen Hund – vielmehr eine bildhübsche Hundedame – in unsere Familie aufzunehmen.

Die meisten freuen sich einfach mit uns. Und das ist so schön! Aber… die Experten wollen eben auch ihren Einsatz haben. „Dann könnt ihr ja gar nicht mehr in den Urlaub fahren“, „ihr wisst ja gar nicht, was so ein Hund aus dem Tierheim alles schon erlebt hat…“, „was? Diese Hundeschule?…“ Naja, ich denke Ihr wisst wovon ich hier schreibe.

Mir wurde daraufhin sogar schon mal nachgesagt, dass ich wohl keine Ratschläge annehmen würde. Doch. Aber zum einen frage ich einfach nach, wenn ich etwas wissen möchte und – ganz wichtig – ich entscheide, ob dieser Rat, diese Meinung, das Wissen für mich sinnvoll ist. Oder eben nicht.

Und was unser neues Familienmitglied betrifft: wir freuen uns im Moment einfach auf unsere Gina und dann machen wir gemütlich einen Schritt nach dem anderen. Wir haben ja Zeit!