Das ehrenwerte Haus – der Prolog

Das ehrenwerte Haus – der Prolog
von Nicole Vergin

Alles muss seine Ordnung haben. Das ist den Bewohnern des ehrenwerten Hauses wichtig. Dem einen mehr, dem anderen weniger und noch andere sind es einfach so gewohnt.
Bieder ist wohl das Wort, welches am treffendsten das Haus beschreibt, in dem sechs Mietparteien mit- und manchmal gegeneinander leben. Tür an Tür. Inklusive des Spions in selbiger, durch den man – naja – eben spionieren kann.
Dabei ist wirklich niemand in diesem Haus böse. Aber das mit der Ordnung – ich sagte es bereits – das muss sein. Und neues ist ja auch stets schwierig. Denn manchen macht es Angst. Also das neue und unbekannte.
Tja, daraus ergibt sich einiges an Zündstoff. Vor allem, nachdem kurzfristig zwei der alt eingesessenen Mieter verstorben sind und diese Wohnungen neu bezogen werden sollen. Wer da wohl künftig in die Idylle eindringt?
Aber ich werde nun erst einmal die anderen Mietparteien vorstellen: In der rechten Parterre Wohnung lebt Herr Burmeister mit seiner Frau. Bis zur Rente haben sie gemeinsam eine Bäckerei betrieben. In der Wohnung gegenüber führt Frau Kuhlmann das Regiment. Im Friseursalon ihres Mannes ebenso, wie in der Privatwohnung und gegenüber den anderen Parteien.
Im ersten Stock wohnt auf der rechten Seite der alte Herr Grote mit seiner Hündin Utti. Das einzige Tier, das von Allen geduldet wird. Auf der linken Seite Familie Elbeshausen. Ganz klassisch: Mutter, Vater und ein Kind. Alle meist unauffällig.
Die Wohnungen im zweiten Stock sind nun wieder vermietet. An wen, da hält sich der Vermieter bedeckt. Laut Frau Kuhlmann kann das kein gutes Zeichen sein. Warten wir es ab!

Das ehrenwerte Haus – ein neues Schreibprojekt

Nach langem Suchen habe ich im vergangenen Jahr endlich meine Schreib-Muse wieder gefunden. Sie hatte sich verkrochen. Mein Ich-kann-nicht-mehr-schreiben-Gejammer war ihr zu sehr auf die Nerven gegangen. Schließlich sind wir nur gemeinsam stark. Was mir glücklicherweise wieder eingefallen ist.

Um sie nicht gleich wieder zu verscheuchen – und auch mich nicht… – schreibe ich aktuell schlicht aus Spaß an der Schreib-Freude. Und genauso gehe ich mein neues Schreibprojekt an. Wer von Euch kennt noch den Schlager „Ein ehrenwertes Haus“ von Udo Jürgens? Ich bin mit seiner Musik aufgewachsen, habe aber erst spät begriffen, was sich dieser Mann damals mit seinen Texten getraut hat. In einer Zeit, in der die meisten Schlager einfach von Lalala handelten. (Mein Eindruck – wer einen anderen hat, nimmt es mir hoffentlich nicht übel)

Ja, und dieses Lied hat mich inspiriert. Ich schreibe aktuell an Geschichten, die in einem „ehrenwerten“ Haus spielen. Neue Mieter kommen dazu… jüngere, welche, die „anders“ sind. Jede Geschichte wird jeweils in einer Wohnung – oder auch in den Hausfluren – spielen. So werdet Ihr alle Parteien kennenlernen und hinter die Kulissen blicken können.

Vorweg sei gesagt: ich weiß nicht, wo mich diese Geschichten hinführen und eine Regelmäßigkeit wird es auch nicht geben. Ach ja, und auch kein Konzept. Und ich weiß auch nicht, wie lange ich daran Spaß habe. 😀 Falls Euch diese Infos jetzt nicht verscheucht haben, seid Ihr hiermit herzlich eingeladen, mit dabei zu sein… Im ehrenwerten Haus. ❤

Nächste Woche geht‘ s los und ich hoffe, Ihr seid nun ein wenig neugierig!

Pudelmützen Tag

Happy New Year! Ja, ich weiß, dass ich ein wenig spät damit dran bin… andererseits ist es für gute Wünsche doch wohl nie zu spät. Daher wünsche ich Euch für 2022 Gesundheit, viele Sonnenstunden und dass auch die Lust am Leben nicht zu kurz kommt. ❤ Und nun schalte ich um zum Pudelmützen Tag. 😉

Braucht Ihr an kalten Tagen eine Mütze? Bei mir lautet die Antwort eindeutig: Ja! Bei Frost am Kopf gibt es für mich verschiedene Stufen. Wird es im Herbst langsam kühler, dann kommt erst einmal mein dünnes Stirnband zum Einsatz. Ich habe auch ein Stirnband aus kuschligem Stoff, aber irgendwie liegt das nur rum. Denn meist ist der nächste Griff doch der zur Mütze. Eine Strickmütze, die gegen kalte Winde hilft, die aber bei Temperaturen um den Gefrierpunkt eindeutig versagt.

Und genau für diese Zeiten habe ich meine Pudelmütze. Vor Jahren in Dresden gekauft, trage ich sie nach wie vor mit Begeisterung. Sie ist gestrickt, innen aber auch noch gefüttert. Da kommt kein Wind durch und sie hält auch die ganzen Ohren und nicht nur deren Spitzen warm. Falls Ihr wisst, was ich meine…

Heute ist für mich nun also ein Pudelmützen Tag. Wusstet Ihr eigentlich, dass der Bommel der Pudelmütze (die auch Bommelmütze genannt wird), anfangs von Matrosen getragen wurden? Damit ihre Köpfe unter Deck ein wenig Schutz haben. Da gibt es zahlreiche niedrige Stellen auf den Schiffen, die in unschöner Regelmäßigkeit zu Beulen führen können. Ein Freund von mir war bei der Marine, daher habe ich einen kleinen Einblick davon.

Aber zurück zu meinem Pudelmützen Tag. Beim rausschauen dachte ich noch: Hey, die Sonne scheint. Vielleicht ist es gar nicht so kalt. Aber zwei Schritte vor die Tür haben mich dann doch überzeugt… brrr… Also rasch die Mütze ausgetauscht und los ging es. Gina und ich haben unseren Spaziergang sehr genossen. Klare Luft, Sonnenstrahlen, blauer Himmel. Ein herrlicher Wintertag. Und wer weiß – vielleicht bekommen wir ja auch noch ein bisschen Schnee in den nächsten Wochen. Dann könnte ich meine Pudelmütze noch öfter ausführen.

„Wir treten abwechselnd die Tür ein…“

In der Adventszeit schalte ich ja immer bewusst ein paar Gänge runter. Ich liebe diese Zeit im Jahr, und nutze sie, um es meinen Lieben und mir schön zu machen. Und um Kraft für das kommende Jahr zu sammeln.

Und nun geht es in die Weihnachtspause. Seit dem Wochenende sind mein Sohn und seine Freundin hier, und wir genießen die letzten Tage des Jahres gemeinsam. Und hin und wieder treten wir auch mal abwechselnd Türen ein… Dass war gestern ein Satz, der während eines Spiels gefallen ist. Ja, bei dem Spiel tritt man Türen ein, plündert Räume, bekämpft Monster und erhält sogar Schätze. Unser jährlicher Weihnachts-Spiele-Marathon hat damit begonnen, und ich denke, ich werde diesmal als Siegerin hervorgehen. 😉

Nein, mal ehrlich. Es gibt für mich einfach nichts schöneres, als diese Zeit mit meinen liebsten Menschen zu genießen. Diese Zeiten sind es, die mir immer wieder Kraft und Mut und Energie schenken. Und dafür bin ich dankbar. ❤

Aber bevor ich mich für dieses Jahr verabschiede, möchte ich Euch noch DANKE sagen. Für das mitlesen hier auf meinem Blog, für all die lieben, wertschätzenden Kommentare, für den Austausch. Es war so schön mit Euch in diesem Jahr, und ich möchte Euch herzlich einladen, auch 2022 hier dabei zu sein.

Ich wünsche Euch ein wundervolles Weihnachtsfest, einen guten Rutsch in ein gesundes Neues Jahr. Werdet oder bleibt gesund und passt auf Euch auf!

Alles Liebe
Eure Waldträumerin Nicole

Heiligabend auf dem Mond – Teil 3/3

Heiligabend auf dem Mond – Teil 3/3 (den 1. Teil findet Ihr hier, den 2. hier)
von Nicole Vergin

„So, nun müssen wir aber wirklich die Weihnachtstafel decken.“ Hubert sprang auf, ging zu einem der Schränke und begann silberne Teller heraus zu holen und auf den Küchentisch zu stellen. „Ach, und bevor ich es vergesse. Hol dir doch erst einmal eine Kleinigkeit zu essen aus dem Kühlschrank. Bis zur Feier dauert es noch ein wenig und ich möchte nicht, dass du bis dahin verhungert bist.“
Wie gerne hätte Richard dieses Angebot abgelehnt. Aber sein Hunger war definitiv größer als sein Stolz und so hastete er zum Kühlschrank und bestaunte all die kleinen und großen Leckereien, die dort in zahlreichen Fächern gestapelt waren.
„Ich habe in die kleineren Dosen Portionsweise etwas für dich abgefüllt. Da ist bestimmt etwas bei, was du gerne magst.“ Hubert zeigte auf ein Fach, in dem sich etliche kleine Aufbewahrungsbehälter befanden.
Während Hubert die Festtafel deckte, genoss Richard die beste Mahlzeit, die er seit langem gehabt hatte. Er naschte wie ein kleiner Junge aus jeder Dose ein wenig und versuchte dabei nicht allzu sehr zu schlingen.
„Hau ruhig ordentlich rein“, rief Hubert ihm zu, während er silberne Kerzenleuchter aus einem der Wandschränke holte.

Und mit einmal ließ das Gefühl der Peinlichkeit in Richard nach. Es war, als würde die Urteilsfreie Freundlichkeit von Hubert, ihm eine Tür öffnen, die er für immer verschlossen geglaubt hatte. Eine Tür in sein Innerstes. Dort, wo er noch der Richard war, der er früher einmal gewesen war. Bevor seine jüngste Tochter gestorben war. Und obwohl er sich selber in diesem Augenblick wieder erkannte, merkte er, dass er trotz allem ein Anderer war. Ergab das Sinn? Bevor er weiter darüber nachgrübeln konnte, holte ihn Hubert aus seinen Gedanken zurück.

„Hilfst Du mir bitte, die silbernen Stühle ins Esszimmer zu tragen? Heute brauchen wir dort deutlich mehr als sonst“, lachte er.
So langsam wurde Richard neugierig. „Wer kommt denn heute Abend?“
„Na, die Sternzeichenhüter. Jedes Jahr am Heiligen Abend kommen wir hier auf dem Mond zusammen, um gemeinsam diesen Abend zu begehen. Es wird Dir gefallen, da bin ich sicher!“
Richard zuckte mit den Schultern. Sternzeichenhüter. Klar, warum auch nicht. Er war schließlich auf dem Mond, warum sollte ihm hier noch irgendetwas seltsam vorkommen?

Es wurde tatsächlich ein wunderbarer Heiliger Abend. Einer von denen, die im Gedächtnis blieben. Nicht nur, weil er sich in einer Runde befand, die er sich nach wie vor nicht erklären konnte. Sondern, weil Richard sich angenommen fühlte. Denn auch die Gäste hatten sich in keinster Weise an seiner Geschichte gestört.
Verschiedene Hüter waren mit ihm ins Gespräch gekommen und hatten ihm seine Anteilnahme bekundet. Ohne Wertung, so wie Hubert.
Wann habe ich mich das letzte Mal so wohl gefühlt, hatte er sich im Laufe des Abends gefragt. Die eine Antwort, er hatte sie nicht gefunden. Natürlich war er glücklicher gewesen, als seine kleine Tochter noch gelebt hatte. Trotzdem konnte er sich nur an wenige Augenblicke erinnern, in denen er von Menschen umgeben gewesen war, die sich selbst und die anderen so akzeptierten wie sie waren.
Was ihn zu der Frage brachte, ob Menschen dazu überhaupt in der Lage waren. Und… ob er selber dazu in der Lage war. Wie oft war er an obdachlosen Menschen auf der Straße vorbei gegangen. Ohne ein Wort. Oder ein Lächeln. Er hatte im wahrsten Sinne des Wortes von oben auf sie herab geblickt. Nach dem Motto: Jeder ist seines Glückes Schmied.
Während er diesen Gedanken nachhing, schämte er sich.
„Du bist ein Mensch“, raunte Hubert ihm zu, „Menschen machen Fehler. Die wirklich wichtige Frage ist doch, ob Du etwas daraus gelernt hast?“
Richard nickte. Er hoffte es. Inständig.

Auch und gerade die schönsten Stunden gehen einmal zu Ende. Nachdem Hubert die letzten Gäste verabschiedet hatte, räumten sie gemeinsam den Festsaal und die Küche auf. Schweigend. Richard hing weiter seinen Gedanken nach und Hubert – der diese ja lesen konnte – wusste es und ließ ihm seine Ruhe.
Wie sollte es nun für ihn weitergehen? Würde es für ihn doch noch ein Zurück geben? Zu seiner Familie, seinem alten Leben? Richard schüttelte bei diesen Gedanken den Kopf. Nein, sein altes Leben wollte er nicht zurück. Er wollte ein Leben mit Menschen, die ihn liebten. Mit einem Dach über dem Kopf und einer Arbeit, mit der er den Lebensunterhalt finanzieren konnte und die ihm Spaß machte. Und er wollte lernen, sich selbst zu lieben. Nicht, weil er eine Leistung brachte, weil er gut in seinem Job war. Sondern, weil er ein guter Mensch war, der es verdiente.

„Meinst Du, dass ich all das schaffen kann?“, fragte er den Mann im Mond. (Er staunte selbst, wie selbstverständlich er es mittlerweile nahm, dass Hubert seine Gedanken lesen konnte)
Hubert sah ihn mit ernstem Gesichtsausdruck eine Weile an. „Was glaubst Du denn?“
Richard hob die Schultern und ließ sie dann wieder fallen. „Ich glaube, dass es schwer wird, und…“, konzentriert schob er die Krümel auf der Küchenanrichte zusammen, bevor er fortfuhr,“… und ich muss an mich glauben. Aber ich weiß nicht mehr, wie das geht. All das was vorgefallen ist, was ich habe geschehen lassen, hat mir mein Selbstvertrauen genommen. Und…“, er tupfte mit dem Zeigefinger in den Krümeln herum, „.. und ich bin ganz allein.“
Der Mann im Mond legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Heute warst Du auf jeden Fall nicht allein.“
„Ja, Du hast Recht. Entschuldige. Und vor allem: Vielen Dank!“
„Nein, das meine ich nicht. Was ich sagen wollte, war: Du wirst immer neue Menschen finden. Und vielleicht auch einige aus der Vergangenheit zurück gewinnen können. Auch wenn eine Tür verschlossen scheint, gibt es oftmals einen Schlüssel, der sie wieder öffnet. Und sonst“, nun lachte Hubert, „sonst musst Du eben das Fenster nehmen.“
Richard stimmte in sein Lachen ein. Was sich verdammt gut anfühlte.

Letztendlich blieb er bis in das neue Jahr hinein auf dem Mond. Denn Hubert war der Meinung, dass er ihm erst ein wenig zur Hand gehen könnte, bevor er zur Erde zurückkehrte. Schließlich fiel auf dem Mond jede Menge Arbeit an, mit der er sonst allein da stand. So lauteten zumindest seine Worte. Aber auch ohne Gedanken lesen zu können, wusste Richard ganz genau, dass der Mann im Mond ihm ein wenig Zeit zum durchschnaufen schenken wollte. Damit er für den Start in seinen nächsten Lebensabschnitt gerüstet sein würde. Und dafür würde er ihm ewig dankbar sein.
Als er schließlich die silberne Strickleiter wieder hinab kletterte, fühlte er sich ausgeruht, satt und voller Mut und Tatkraft. Richard war klar, dass es alles andere als ein Kinderspiel sein würde. Und dass nicht alle seine Träume und Wünsche in Erfüllung gehen würden. Denn sein größter Wunsch war nach wie vor, dass seine jüngste Tochter noch am Leben wäre. Aber das war unmöglich. Trotzdem wusste er nun, dass er neue Wege finden und sie gehen würde. Denn Hubert hatte ihm etwas wichtiges geschenkt: Hoffnung.

Heiligabend auf dem Mond – Teil 2/3

Heiligabend auf dem Mond – Teil 2/3 (den 1. Teil findet Ihr hier und den 3. hier)
von Nicole Vergin

Und dann sah er den Anfang der Leiter. Sie war am dicken Ast eines silbrig schimmernden Baumes befestigt. Es war ihm gar nicht aufgefallen, dass inzwischen wieder fester Boden aufgetaucht war. Und auf diesem stand der Baum. Und neben dem Baum hüpfte ein fröhlich aussehender Mann auf und ab.
„Wunderbar, wunderbar“, rief der Fremde, „da ist ja mein Schneebesen. Nun lass uns rasch in die Küche laufen, damit die Soße für das Festessen noch rechtzeitig fertig wird.“
Richard holte wie in Trance den Schneebesen aus seiner Manteltasche, streckte die Hand aus und zog sie dann doch wieder zurück.
„Moment. Vielleicht sagst du mir erst einmal, wer du bist. Und… wo sind wir hier überhaupt?“ Neugierig sah er sich um. Alles um ihn herum schimmerte silbern. Der Baum. Der Boden auf dem er stand und sogar das lange Gewand des Fremden. Das im Übrigen ein wenig an ein Nachthemd erinnerte. Aber diesen Gedanken behielt er lieber für sich.
„Oh, entschuldige. Ich vergesse meine gute Kinderstube.“ Mit einem herzlichen Lächeln auf seinem von silbrig weißen Haaren umrahmten Gesicht, streckte der Mann, der sicherlich ein Kopf kleiner als Richard war, ihm die Hand entgegen. „Herzlich Willkommen, Richard. Ich bin Hubert, der Mann im Mond.“
Der Mann im Mond? Vor lauter Verwirrung streckte Richard nicht seine Hand, sondern den Schneebesen aus. Aber Hubert umging das, in dem er einfach mit beiden Händen seine linke umfasste und ordentlich schüttelte. Dann machte er auf dem Absatz kehrt und marschierte los.
„Hey! Moment mal!“, rief Richard. „Wo willst du denn hin?“
Mit sichtlichem Erstaunen auf seinem Gesicht, drehte sich Hubert um. „Na, in die Küche. Ich hab doch gesagt, dass wir noch die Soße fertigmachen müssen.“
Richard schüttelte den Kopf. „Du sagst, du bist Hubert. Der Mann im Mond. Und das soll ich dir glauben? Das ist doch total irre!“
„Du bist gerade über eine Strickleiter in den Himmel geklettert, um mir meinen Schneebesen zu bringen“, lachte Hubert, „und dann wundert dich noch irgendwas?“
„Stimmt…“ Richard ließ sich am Stamm des Baumes hinabgleiten und hockte sich auf den Boden. „Bisher dachte ich ja auch, dass ich das alles nur träume. Oder, dass ich mir den Kopf angestoßen habe und bewusstlos bin oder so. Aber“, er sah sich mit großen Augen um, „aber es fühlt sich alles so ECHT an.“
Nun lachte Hubert aus vollem Herzen. „Weil es ECHT ist!“ Er streckte Richard beide Hände hin und zog ihn mit erstaunlicher Kraft nach oben. „Komm mit in meine Küche und dann gebe ich dir etwas Gutes zu trinken. Das wird dich wieder auf die Beine bringen.“
„Aber keinen Alkohol“, murmelte Richard, während er brav hinter Hubert her trottete.
„Natürlich nicht“, rief Hubert über die Schulter zurück, „du bist schließlich trockener Alkoholiker.“
Richard sparte sich die Frage, woher Hubert das wusste. Seinen Namen hatte er ja auch gewusst. Und schließlich waren sie hier auf dem Mond. Und da wunderte er sich doch einfach über gar nichts mehr.

Die Küche von Hubert, dem Mann im Mond, war eine echte Überraschung für Richard. Abgesehen von dem silbrigen Schimmer, der auf allem lag, handelte es sich um eine gemütliche Küche im Landhausstil. Ein bisschen kam er sich vor, wie früher im Haus seiner Großmutter. Kein Wunder, dass Hubert auch einen altmodischen Schneebesen besaß.
Richard ließ sich auf die gemütliche Eckbank fallen und stützte den Kopf in die Hände. Noch immer war er nicht sicher, ob er das alles tatsächlich erlebte oder doch nur verrückt geworden war. Es wäre schließlich nicht verwunderlich, wenn all der Alkohol, den er damals nach dem Unfalltod seiner jüngsten Tochter in sich hinein geschüttet hatte, Folgen auf sein Gehirn hätte.
„Eine schlimme Zeit“, drang Huberts Stimme in seine Gedanken ein.
Richard sah auf. Hubert stand mit dem Rücken zu ihm am Herd und er hörte das leise schaben des Schneebesens, während der Mann im Mond die Soße rührte.
Tränen liefen ihm über das Gesicht. Das erste Mal seit Monaten. Bilder seiner Tochter tauchten vor ihm auf. Und dann Bilder seiner älteren Tochter und seiner Frau. Wie sie verängstigt und allein gelassen an seinem Bett im Krankenhaus gestanden hatten, als er wieder mal im Suff die Treppe hinunter gefallen war.
Es war ihm damals nicht gelungen, seine Trauer mit Schnaps weg zu spülen. Aber er hatte den Rest seiner Familie vertrieben.
„Wir können so nicht weitermachen.“ Richard sah direkt vor sich das Gesicht seiner Frau über das Tränen lief, die auf seine Bettdecke tropften.
Wieder und wieder hatte sie ihm Rettungsanker zugeworfen. Aber er hatte es nicht geschafft, sich daran fest zu halten. Und dann war sie gegangen und hatte seine andere Tochter, die den Vater nach dem Verlust der Schwester umso dringender gebraucht hätte, auch im Stich gelassen.

„Hätte ich mich doch an diesem Punkt schon von einer Entziehungskur überzeugen lassen“, murmelte Richard, während der Schneebesen weiter seine Kreise im Topf zog. „Aber nein“, seine Stimme wurde lauter, anklagender, „Richard braucht natürlich noch eine Sondereinladung. Richard muss natürlich erst noch ein paar Mal auf die Fresse fallen. Richard. Der Looser.“
„Immerhin bist du dann doch irgendwann in die Klinik gegangen.“ Huberts Stimme klang erstaunlich neutral.
„Zu spät. Es war zu spät.“ Richard wischte sich mit dem dreckigen Ärmel seines Mantels über die Augen.
„Meinst du?“, fragte Hubert nur.
„Ja. Meine Frau traute mir nicht mehr. Meinte, sie müsste unsere Tochter schützen. Und verdammt“, er haute mit der Faust auf den hölzernen Esstisch, so dass eine kleine silbrige Wolke aufstob, „sie hatte Recht!“
„Und das war dann der Grund, sich weiter fallen zu lassen. Job weg. Wohnung weg. Wie kommt es, dass du trotzdem keinen Tropfen mehr getrunken hast?“ Hubert hatte sich ihm nun zugewandt und hielt ihm den silbernen Schneebesen hin. „Ablecken?“
Mechanisch streckte Richard den Arm aus und griff danach. Seine Zunge hatte es nicht verlernt, sich um die einzelnen Metallstäbe zu winden, um ja keinen Rest umkommen zu lassen. „Lecker“, stellte er fest und fügte dann hinzu, „ich wusste, dass wenn ich jemals wieder einen Tropfen Alkohol trinke, alles vorbei sein würde. Ich wollte einen winzigen Rest Hoffnung behalten.“
„Hoffnung ist gut“, Hubert nahm ihm den Schneebesen ab.
„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, murmelte Richard, „so sagt man doch, oder? Aber so tief wie ich gesunken bin, bin ich bereits vor ihr gestorben.“ Er wartete förmlich darauf, dass Hubert „so etwas darfst du nicht sagen“ zum besten gab.

Wie viele Weisheiten hatte er in den langen Monaten seines Absturzes zu hören bekommen. Ja, seine Freunde und die Familie hatten es gut mit ihm gemeint. Aber Trauer war nun mal keine vergossene Milch, die man aufwischen konnte und damit war alles wieder gut. Die Trauer um seine Tochter hatte ihn innerlich zerfressen, Stück für Stück. Und um den Schmerz wenigstens hin und wieder zu unterdrücken, hatte er Alkohol in sich hinein geschüttet. Aber jedes Mal, wenn er wieder nüchtern war, war auch der Schmerz wie ein treuer Gefährte zurück gekehrt.

„Und irgendwann hast du dann begriffen, dass es so nicht weitergeht.“
Richard sah Hubert an. „Du kannst wohl meine Gedanken lesen.“ Eine Feststellung, keine Frage.
„Nur, wenn du es willst“, war die rätselhafte Antwort.
„Aber woher weißt du, ob ich das will?“
Hubert rührte noch einmal seine Soße um, legte dann den Schneebesen auf einen Teller und zog den Soßentopf von der heißen Herdplatte runter. Dann rutschte er auf die Eckbank gegenüber von Richard und sah ihn an.
„Stell dir ein Fass vor, in das immer wieder Wasser hinein tropft. Anfangs hört man noch, wenn die Tropfen auf das Holz treffen. Nach und nach ist es nur noch ein plitsch platsch und eines Tages ist es voll. Und ein einzelner Tropfen bringt es zum überlaufen. Und wenn ein Mensch diesen Punkt erreicht hat, muss er sich mitteilen. Er öffnet sich und so kann ich seine – oder in dem Fall deine – Gedanken lesen.“

Richard nickte. Ja, es tat ihm erstaunlich gut, mit diesem Fremden über sein verkorkstes Leben zu sprechen. In den Monaten, in denen er nun schon auf der Straße lebte, hatte es nur wenig Gespräche gegeben. Die Tage waren davon bestimmt, essen und eine Schlafmöglichkeit zu organisieren. Und an guten Tagen versuchte er sich manchmal auch Gedanken darüber zu machen, ob er es nicht doch schaffen würde, sich wieder eine Arbeit zu suchen. Eine Arbeit. Eine Wohnung. Ein Leben.
„Auch der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt“, nun gab Hubert doch eine Weisheit zum Besten. „Und bevor du die Augen verdrehst“, dieses verflixte Gedankenlesen, „könntest du darüber nachdenken, mit welchem ersten kleinen Schritt du in Richtung Leben zurückgehen könntest.“
Tipps vom Mann im Mond. Wenn die Lage nicht so ernst gewesen wäre, hätte Richard bestimmt einen Lachkrampf bekommen. Aber so nickte er nur und tat so, als würde er tatsächlich darüber nachdenken.
„Es muss nicht jetzt sein.“ Hubert grinste ihn an.
Verflixt, dachte Richard. Ich sollte mich daran gewöhnen, dass er in meinen Gedanken wie in einem aufgeschlagenen Buch lesen kann.

Heiligabend auf dem Mond – Teil 1/3

Heiligabend auf dem Mond – Teil 1/3 (den 2. Teil findet Ihr hier und den 3. hier)
von Nicole Vergin

„I´m dreaming of a white christmas…“ Die melancholisch klingende Stimme von Bing Crosby drang an Richards Ohren. Träume. Ja, die hatte er auch. Aber es war lange her, dass sie sich um Schnee gedreht hatten. Ein Lächeln flackerte über sein schmales Gesicht und für einen Moment sah er sich selber als kleinen Jungen an der Hand seiner Mutter am Heiligen Abend durch den Schnee zur Kirche hüpfen.
Wie auf ein Stichwort erklangen die Glocken des nahe gelegenen Doms. Gleich würde die Weihnachtsmesse mit dem Krippenspiel beginnen. Jedes Jahr war er mit seiner Familie hingegangen, den Kindern zuliebe. Im Stillen hatte er stets über sich gelacht. Das ganze Jahr sich nicht in der Kirche blicken lassen, aber dann zu Weihnachten die Bänke besetzen.

Heute würde er alles dafür geben, auch beim Gottesdienst dabei zu sein. Aber die Zeiten, in denen er mit seinen kleinen Töchtern und seiner Frau zusammengelebt hatte, waren unwiderruflich vorbei. Nur ein Wunder könnte sie alle wieder vereinen. Doch daran glaubte er nicht einmal am Heiligen Abend.
Müde ließ er sich auf eine Bank am Marktplatz nieder. Rasch war seine ohnehin schon Schneefeuchte Hose nass. Aber er war zu erschöpft, um weiter zu gehen. Den ganzen Nachmittag hatte er eine Obdachlosen Unterkunft nach der anderen abgeklappert. Alle waren an den Feiertagen belegt. Da passte nicht einmal eine Maus zwischen all die zerlumpten, übrig gebliebenen Gestalten. Daher hatte er beschlossen, wieder unter der Brücke zu übernachten, wo er schon etliche Male Unterschlupf gefunden hatte. Nur bisher war es nie so kalt gewesen.

Ein junges Paar ging an ihm vorüber. Sie balancierte trotz des Schnees auf hohen Absätzen. Die Beiden stritten sich lautstark darüber, wer denn nun die Geschenke für die Eltern hätte besorgen sollen. Für Richard hatten sie keinen Blick übrig.
Die Geschäfte in der Innenstadt waren mittlerweile geschlossen. Stille legte sich über die weihnachtlich geschmückten Straßen. Richard sah sich um. Es war niemand mehr zu sehen. Sicherlich waren sie nun alle zuhause, in ihren warmen Häusern. In den Wohnzimmern standen verschwenderisch geschmückte Tannenbäume, unter denen sich Geschenke türmten. Aus den Küchen drangen Gerüche nach Geschmortem und Gebratenem durch die Räume. Manche Familien saßen sicherlich schon an den Weihnachtstafeln und stöhnten darüber, dass sie nach den Feiertagen wieder die ganzen Kalorien abtrainieren müssten.

Richards Magen meldete sich energisch. „Ich weiß“, murmelte er, „du hast heute noch nicht viel bekommen.“ In einer der Unterkünfte hatte er zumindest noch einen Teller Suppe abbekommen, bevor er wieder in das Schneegestöber hinaus gegangen war. Inzwischen rieselten nur noch vereinzelte Flocken zu Boden, das war ja immerhin schon einmal etwas positives. Aber seinem Magenknurren tat das natürlich keinen Abbruch. Wo sollte er heute bloß noch etwas zu essen her bekommen? Richard blickte nach oben, als stünde irgendwo am dunklen Himmel eine Antwort. Stattdessen fiel etwas im wahrsten Sinne des Wortes aus den Wolken. Er konnte gerade noch den Kopf zur Seite drehen, um nicht getroffen zu werden.
Als er zu seinen Füßen sah, stakte dort etwas silbriges aus der Schneedecke heraus. Richard wollte schon danach greifen, sah sich dann aber vorsichtshalber erst einmal um. Zu oft hatte er in den vergangenen Monaten erlebt, dass man ihn für einen Dieb hielt. Und schmutzige Hände, die nach einem silbrigen Gegenstand griffen, hatten ja das Wort „Dieb“ förmlich in die Haut eintätowiert.
Nach wie vor war er allein, nur die Puppen aus dem gegenüber liegenden Schaufenster starrten in seine Richtung. Na, dachte er mit leichtem Galgenhumor, die werden mich wohl nicht verpfeifen.
Vorsichtig zog er an dem Gegenstand und schüttelte ihn dann kurz, um ihn vom Schnee zu befreien. Erstaunt blickte er auf seinen „Schatz“. Ein Schneebesen. So ein altmodischer, wie ihn schon seine Mutter besessen hatte. Heutzutage wurde ja alles mit lauten Küchenmaschinen verarbeitet. Vorbei die Zeit, in der ein Schneebesen mit gleichmäßig rührenden Bewegungen etwas vermengte. Richard erinnerte sich daran, wie oft er früher Schneebesen, Holzlöffel und andere Küchenwerkzeuge abgeleckt hatte. Unwillkürlich fuhr er sich mit der Zungenspitze über die Lippen und meinte fast den süßen Geschmack von Plätzchenteig zu schmecken.
Resigniert starrte er auf den Schneebesen. Da saß er hier allein am Heiligen Abend auf einer Bank und träumte vom Plätzchenteig naschen, anstatt sich endlich einen Schlafplatz zu suchen. Behutsam legte er den Schneebesen auf die Bank. Irgendwem würde er schon gehören. Er stand auf, schaute noch einmal nach oben und als er nichts sah – was sollte er dort außer dem Nachthimmel auch sehen – zuckte er die Achseln und wollte sich wieder auf den Weg machen.
„Pst!“

Was war das? Richard schaute sich verwundert um, konnte aber niemanden sehen.

„Pst!“
Da, schon wieder. Er schüttelte den Kopf. Was Hunger einem so alles vorgaukeln konnte. Nun hörte er schon Stimmen.
„Du bist nicht verrückt!“

Richard sah erneut nach oben, von wo die Stimme zu kommen schien. „Bist du dir sicher?“, entgegnete er mehr zum Spaß.
„Ja!“, war die resolute Antwort. „Und nun steh bitte nicht länger rum, sondern hilf mir. Sonst fehlt mir nachher zu meinem Weihnachtsmenü die Soße.“
Bevor Richard noch etwas erwidern konnte, hörte er ein klappern, als würden Stöcker gegeneinander fallen. Und da fiel ein weiteres Mal etwas aus den Wolken. Eine Strickleiter, die ebenfalls silbern schimmerte.
„Ich drehe komplett durch.“ Richard fasste sich mit der Hand an die Stirn, aber diese war kühl. Vielleicht war das ja so etwas wie eine Weihnachts Morgana.
„Bitte, tue mir den Gefallen und komm zu mir rauf und bring mir den Schneebesen“, die Stimme wurde nun deutlich drängender.
Richard kratzte sich am Kopf.
„Du kannst auch heute Abend mitfeiern“, lockte die Stimme.
„Gibt es auch was zu essen?“ Die Frage diktierte eindeutig Richards leerer Magen.
„Jede Menge!“, war die zufriedenstellende Antwort.
Nun überlegte Richard nicht mehr lange. Egal, ob er halluzinierte oder irgendeine andere Macke hatte, alles war besser, als hier hungrig in der Kälte herum zu stehen. Er griff nach der Strickleiter und ruckelte ein wenig daran.
„Das hält! Vertraust du mir etwa nicht?“ Klang die Stimme jetzt etwa beleidigt?
Richard setzte einen Fuß auf die unterste Sprosse und dann begann der Aufstieg. Schritt für Schritt für Schritt für Schritt. Die Leiter schien kein Ende zu nehmen. Nach einer Weile hatte er den Kopf im wahrsten Sinne des Wortes in den Wolken. Wie gut, dass er keine Höhenangst hatte.


Je höher er stieg, desto dunkler wurde es. Als er einmal nach unten schaute, sah er nur noch winzig kleine Lichter schimmern. Sicherlich träumte er all das. Vielleicht war er im Schnee ausgerutscht und auf den Kopf gefallen. Irgend so etwas musste passiert sein. Denn er hatte noch nie von jemandem gehört, der an einer Strickleiter in den Himmel kletterte.
Ein Gefühl von Zeitlosigkeit machte sich in ihm breit und schien ihn zu wärmen. Es war, als hätte er all seine Sorgen und Nöte auf der Erde zurück gelassen. Auf einmal war es ihm egal, wie lange er hier noch hinauf kletterte. Es fühlte sich gut an. Und er schien gar nicht müde zu werden.
Irgendwann sah Richard nach oben und da waren mit einem Mal Lichter zu sehen. Wie Sterne. Solche, wie er sie als Kind gemalt hatte. Nur viel schöner. Er kletterte schneller und schneller nach oben, das Leuchten zog ihn magisch an…

Die Fortsetzung gibt es am 18. Dezember

Monatsfoto #12

Ein Jahr lang fotografiere ich monatlich auf meinen Spaziergängen einen Blick über die Felder. Seit 25 Jahren gehe ich dort regelmäßig lang. Je nach Wetter und Tages- und Jahreszeit sieht es immer anders aus. In diesem Jahr möchte ich das gerne dokumentieren.

Freitag, 03. Dezember 2021
10.15 Uhr
2° C, bewölkt

Ich mag Hundebegegnungen…

… nur die Menschen nerven manchmal.

Heute Vormittag. Gina und ich machen uns auf den Weg zu unserer ausgedehnten Spazierrunde. Da wir in einem ehemaligen Erholungsgebiet direkt am Wald wohnen, begegnen wir nur hin und wieder Jemandem. Obwohl wenig Autos unterwegs sind, lasse ich Gina direkt im Wohngebiet immer an der Leine. Einige Autofahre lassen sich nämlich von unseren nicht-asphaltierten Straßen samt Schlaglöchern nicht abhalten, sondern heizen fröhlich durch die Gegend. Da möchte ich kein Risiko eingehen.

Wir sind schon fast am Feldweg angekommen, da kommen uns von vorne Frauchen und Wuffi entgegen. Großer Wuffi. Ohne Leine. Wir sind Wuffi bisher ein Mal begegnet, daher weiß ich, dass er ein echt süßer Knuddel ist. Noch sehr jung. Er ist erst dieses Jahr in Frauchens Familie gekommen. Der erste Hund, wie sie mir bei unserem Treffen erzählte.

Wuffi kommt mit großen Sprüngen auf uns zu. Frauchen spaziert wortlos weiter. Ich leine Gina ein Stück früher ab als sonst, damit sie Wuffi so begegnen kann, wie sie möchte. Sofort schlägt sie einen Bogen und beäugt die Situation. Wuffi schnüffelt gleich darauf ein wenig, möchte spielen. Gina hat aber auf den Jungspund keinen Bock und kommt an meine Seite. Ich lenke Wuffi ab und bekuschele ihn ein wenig. (Er ist wirklich so ein Süßer!)

Inzwischen hat auch Frauchen es geschafft, zu uns zu stoßen. „Hach Wuffi (nein, der Hund heißt nicht wirklich so), lass die Kleene mal. Die will nicht mit dir spielen.“ Wir tauschen ein „Guten Morgen“ aus. Gina möchte dann doch gerne weitergehen, weil Wuffi sie doch ein wenig nervt. Ich nicke Frauchen zu und gehe weiter.

Hinter mir ertönt: „Komm hierher, Wuffi!“ Wuffi, der ja vorher auch einfach zu Gina laufen durfte, denkt sich nichts und schließt sich lieber uns an. „Wuffi, nun komm aber.“ Ich bleibe stehen und warte. Zusammen mit Gina und Wuffi, der nach wie vor keine Anstalten macht, seine neue Freundin allein zu lassen. Auch ein dritter Ruf ändert an der Situation nichts. Frauchen marschiert nun strammen Schrittes auf Wuffi zu, zückt die Leine und sagt: „Jetzt wirst du angeleint. Da bist du selber Schuld!“. Zack, Leine dran. Zack, ein ordentlicher Ruck, der den Hund an ihre Seite holt. „Du Böser“, fügt sie noch hinzu. Dann ziehen sie von dannen.

Und ganz ehrlich: Ich bin einfach nur traurig. Denn Wuffi hat in seiner Unbekümmertheit überhaupt nichts falsch gemacht. Ihm war offensichtlich überhaupt noch nicht klar, was er tun sollte. Und der Ruck an der Leine wird es ihm auch nicht verständlich gemacht haben.

Ich war früher auch die, die soviel mit unseren Hunden falsch gemacht und sie ungerecht – oft aus Wut und Enttäuschung heraus – behandelt hat. Daher weiß ich, wie das ist. Und ich möchte weder den Zeigefinger heben, noch so tun, als hätte ich selber nun den Stein der Weisen gefunden. Aber ich möchte der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass Frauchen doch noch andere Wege für sich und Wuffi findet. Damit sie beide zufrieden und glücklich ihr Leben teilen können. Denn dass ist es, wozu die Hunde bereit sind: Ihr Leben mit uns zu teilen, wenn wir sie nur lassen. ❤

Eine Erkältung später

Ich bin heute morgen putzmunter in die Woche gestartet – glücklicherweise. Letzte Woche sah das für einige Tage anders aus. Ich hatte eine fiese Erkältung, habe mit Kornkissen und heißem Tee auf dem Sofa herum gelegen und Serien geschaut (aktuell gucke ich „Gossip Girl“ – eine Teenie Serie mit viel Sex, Betrug und Intrigen). Lesen ging dank der Kopfschmerzen nicht so gut. Aber ich bin froh, dass es nichts Schlimmeres war, und ich jetzt schon wieder fit bin.

Am Wochenende habe ich meine diesjährige Weihnachtsgeschichte zu Ende geschrieben. Sie ist dann doch wieder ein wenig länger geworden… Daher gibt es kurz vor Weihnachten wieder drei Teile. Ich bin schon gespannt, wie sie Euch gefällt.

Ja, nun haben wir tatsächlich auch schon das dritte Advents-Wochenende hinter uns. Ich liebe ja diese letzten Wochen im Jahr. Dann schaue ich mir die vergangenen Monate noch einmal an und mache bereits Pläne für das kommende Jahr. In wenigen Tagen trudelt auch endlich mein neuer Kalender ein (es wird wie jedes Jahr der Experte von Ella TheBee – unbezahlte Werbung!), und dann werde ich mich erstmal damit beschäftigen, ihn hübsch zu machen. Same procedure as every year – wie James wohl sagen würde.

Mit der Weihnachtspost bin ich in diesem Jahr früh fertig geworden. Allerdings habe ich da einige Pläne über den Haufen geworfen, dass hätte ich dank der Erkältungstage zeitlich einfach nicht mehr geschafft. Aber ein Weihnachtsgruß kann ja auch in der Kürze von Herzen kommen.

Ich habe inzwischen übrigens drei Weihnachtsromane gelesen: „Ein Stern über Sylt“ von Ines Thorn, „Der Himmel zu unseren Füßen“ (der hat mir bisher am besten gefallen!) von Patricia Koelle und „Das Insel Weihnachts Wunder“ von Janne Mommsen. Ich liebe ja nach wie vor die Happy Ends in diesen Romanen, egal wie vorhersehbar das Ganze ist. Als nächstes mache ich mich über „Das Weihnachtsherz“ von Angelika Schwarzhuber her – eine Autorin, die mich bisher mit jedem ihrer Weihnachtsromane begeistert hat.

Ja, so viel heute Morgen zu meinem Stand der Dinge. Ich wünsche Euch einen guten Start in eine hoffentlich wundervolle Woche. Passt auf Euch auf!

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