Ein etwas anderes Museum: Friedhofsmuseum Hannover

„Herzlich Willkommen“, schallt es mir entgegen, als ich den Eingangsbereich des 2Friedhofsmuseum auf dem Seelhorster Friedhof in Hannover betrete. Ein Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung sprintet mir förmlich entgegen. Nicht erst in diesem Moment ahne ich, dass die Besucher nicht gerade hierher strömen.

„In guten Zeiten waren es mal bis zu 40 Besucher an einem Tag“, erzählt einer der Mitarbeiter, „leider hat das nachgelassen.“ Dementsprechend ist das Museum – das von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Friedhofsverwaltung gestaltet worden ist –  inzwischen auch nur noch jeweils am 1. Mittwoch des Monats (außer an Feiertagen!) von 13.00 – 16.00 Uhr geöffnet.

Aber worum geht es denn nun in dieser Ausstellung?

Natürlich um die Arbeit auf einem Friedhof. Was wird benötigt? Worauf muss man

achten? So finden sich in der Ausstellung neben diversen Gerätschaften eben auch ein kleiner Hügel mit einem Plüsch-Maulwurf. Ja, auch auf einem Friedhof darf gelacht werden!

In einer Ecke stehen ausgediente Tasten-Instrumente, die zahlreiche Trauerfeiern mit ihrer Musik begleitet haben. Ebenso wie ein Einblick in die Entwicklung der

Begräbniskultur. War es früher noch ganz normal, dass die Verstorbenen in der guten Stube aufgebahrt wurden, so ist es heute oft so, dass alles möglichst rasch hinter geschlossenen Türen abgehandelt wird. Nicht umsonst steht auf einem der Aufkleber, die sich auf dem Boden befinden: „Finden Sie Trost in Ihrer Trauer?“

Da das Museum in den früheren Räumlichkeiten des Krematoriums untergebracht ist (heute befindet sich das einzige städtische Krematorium Hannovers im Stadtteil Lahe) bietet die Ausstellung auch zu

diesem Thema einen Einblick inkl. einer kleinen Präsentation auf einem Laptop. Und vielleicht beruhigt es zum Beispiel den einen oder anderen, dass alle Verstorbenen vor der Kremierung nochmals vom Amtsarzt untersucht werden. Ich weiß von meiner Mutter, dass sie dieses Wissen durchaus hat besser schlafen lassen.

Hier darf und soll auch gelacht werden!

Den Besuchern ein wenig die Scheu nehmen, informieren aber auch zeigen, dass der Tod – und alles was damit zu tun hat – zum Leben dazugehört. Das ist es, was diese Ausstellung bewirken soll.

Der Mitarbeiter mit dem ich mich eine ganze Weile unterhalte und der gerne meinen Berg an Fragen beantwortet, freut sich sichtlich über mein Interesse. Und ja, wir machen

auch Scherze – denn Friedhöfe sind nicht nur ein Ort der Trauer. Hier gibt es jede Menge Erinnerungen, was stets auch eine Möglichkeit sein kann mit seiner Trauer umzugehen, sie zu verarbeiten. Gerade in Großstädten werden Friedhöfe übrigens auch immer mehr als Naherholungsgebiete genutzt. Denn die meisten bieten nicht nur historische Einblicke in das frühere Leben der jeweiligen Stadt, sondern eben auch wunderschöne gepflegte Anlagen, in denen man spazierengehen und seine Gedanken auf Wanderschaft schicken kann.

Und was das Lachen betrifft: es gibt in der Ausstellung sogar einen „Scherzraum“, wo

unter anderem Sprüche von Grabsteinen zu lesen sind, die die Mitarbeiter zusammengetragen haben. „Hier ruht der liebe Arzt, Herr Frumm. Und die er heilte rings herum.“ Nicht immer nett, aber ein Schmunzeln hier und da…

Vielleicht gehört ein wenig Neugierde dazu…

Ja, es ist sicherlich nicht Jedermanns Sache, sich „ohne Not“ Särge, Verbrennungsöfen, Kreuze, Grabdenkmäler anzuschauen. Ich denke, es gehört durchaus Neugier – oder nennen wir es lieber Interesse? – dazu, sich auch mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Aber letztendlich betrifft der Tod nun einmal Jeden von uns. Und ich für meinen Teil fühle mich oft besser, wenn ich über „etwas“ Bescheid weiß. Einfach, damit es mich dann nicht so eiskalt erwischt.

Aber dass muss Jeder für sich selbst entscheiden.

Und wo findet man dieses Museum?

Friedhofsmuseum Hannover auf dem Stadtteil Friedhof Seelhorst
Garkenburgstraße 43
30519 Hannover

Und hier findet Ihr die Website des Museums. ACHTUNG! Die Öffnungszeiten stimmen nicht – ich habe gerade mit dem zuständigen Mitarbeiter gesprochen: jeden 1. werktägigen Mittwoch im Monat von 13.00 – 16.00 Uhr warten die Mitarbeiter auf Besucher.

 

 

2 Kommentare zu „Ein etwas anderes Museum: Friedhofsmuseum Hannover

  1. Ein dickes „Like“! Informativ. Und erinnert mich daran, wie meine Mutter mich und meine Schwester im Kinderwagen damals zum Spazieren gehen über den nahen Friedhof führte. Es war dort eine ganz eigene Stimmung. Friedvoll. Nicht viel mehr zu hören, als das Rascheln der Blätter der Hecken …

    Gefällt 1 Person

    1. Dankeschön! 😀 Ja, bei mir fing das Interesse an Friedhöfen und den Themen Tod und Sterben auch in der Kindheit an. Meine Großmutter wohnte direkt am Friedhof, was für mich einerseits gruselig, aber eben auch spannend war. Und je älter ich wurde, desto mehr wollte und will ich bis heute wissen.
      Und ja, Friedhöfe haben ganz eigene Stimmungen und interessanterweise sind sie unterschiedlich. Es kommen noch häufiger Beiträge darüber!

      Gefällt 1 Person

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