Es gibt ja Berge im Sauerland

Der Mensch lernt ja bekanntlich nie aus. Und ich für meinen Teil lerne gerne etwas neues. Einer der zahlreichen Gründe, warum mein Mann und ich in unseren Urlauben gerne unterwegs sind, anstatt zwei Wochen nur am Strand zu liegen.

In diesem Jahr war eine 2-wöchige Deutschland-Österreich-Rundreise geplant. Heute DSC_0013geht es um die erste Etappe, die uns ins Sauerland führte. Genauer gesagt ging es uns um den kleinen Ort Bödefeld – einem Ortsteil der Stadt Schmallenberg. Ein sportlicher Grund war es, der uns dort hinführte. Mein Mann wollte am Bödefelder Hollenmarsch teilnehmen, genauer gesagt an der 55-km Wanderung.

Unsere Unterkunft hatten wir uns in einem anderen Schmallenberger Ortsteil gebucht: in Nordenau. Wir ahnten nicht, dass die Stadt Schmallenberg mit 303 Quadratkilometern eine der flächengrößten Städte Deutschlands ist und wir in aller Hergottsfrühe um pünktlich am Start zu sein, bereits eine halbe Stunde würden fahren müssen.

Was ich auch nicht ahnte war, dass es im Sauerland Berge gibt. Ja klar, ein Blick auf eine Landkarte und schon hätte ich Bescheid gewusst. Auch ein wenig mehr Interesse beim Erdkunde Unterricht damals in der Schule wären sicher von Nutzen gewesen. Als ich meinem Sohn von meiner großen Erkenntnis berichtete, hat er großzügiger Weise nicht gelacht. Er selber hatte Erdkunde als Leistungsfach und ist immer bereit seiner ahnungslosen Mutter auf die Wissens-Sprünge zu helfen.

Gut, nun waren wir also im Sauerland, mein Mann brach zu seiner Wanderung auf – DSC_0048passenderweise dröhnte beim Start „Highway to hell“ aus den riesigen Lautsprecherboxen – und ich hatte nun eine halbe Ewigkeit, um mir die Gegend anzusehen. Denn ich liebe es zwar spazieren zu gehen, aber 55 km… nein Danke!

Stattdessen schlenderte ich gemütlich durch den kleinen Ort, dessen Einwohner schlau genug waren – so sie nichts mit dem Lauf-Wander-Event zu tun hatten – noch im Bett zu liegen. Ich hatte meine Kamera dabei und verspürte – neben der Müdigkeit – eine ordentliche Portion Entdecker Lust.

Bis zum Ortsausgang von Bödefeld war es nicht all zu weit und ich begann schon zu DSC_0022überlegen, ob ich über kurz oder lang doch wieder zur Pension zurückkehren sollte. Ein wenig Schlaf nachholen. Aber dann fiel mir ein blaues Schild mit zwei Wanderern und der Aufschrift Naturpark Rothaargebirge ins Auge. Na, das klang doch gut. Ich war durchaus bereit, mich den dortigen Steigungen zu stellen, denn ehrlich gesagt wandere ich lieber bergauf und bergab anstatt immer nur in der Ebene vor mich hin zu dackeln.

Und genau das bekam ich dann: BERGAUF. Erst ganz gemächlich führte der Waldweg in DSC_0084Windungen höher. Immer wieder sah ich auch Markierungen, die mir davon erzählten, dass hier auch die Läufer und Wanderer unterwegs sein würden. Ich hatte mir vorgenommen ein Stück weit nach oben – wo auch immer mich das hinführte – zu wandern und dann dem Schild Richtung Bödefeld Ortsmitte zu folgen.

Aber dann entdeckte ich ein Schild mit dem Hinweis: Kreuzbergkapelle 1,6 km. Ich liebe Kapellen, Kirchen, Klöster… je älter desto lieber. Dieser Hinweis machte mich neugierig. Und 1,6 km… lächerlich. Eine Weile DSC_0077führten mich die Schilder sanft weiter in höhere Regionen, bis dann eines nach rechts zeigte: zur Kreuzberg-Kapelle ca. 1 km. Ich fasste den deutlich schmaleren Weg ins Auge und stellte fest: hier ging es nun wirklich aufwärts. Aber 1 km… pah, das würde ich leicht schaffen.

Ihr ahnt es vielleicht schon. Je weiter ich auf dem Weg voran stiefelte, desto steiler,

unwegsamer und schmaler wurde er. Zudem waren an der rechten Seite in Abständen steinerne Gedenkstellen – mit einem Dach versehen – in denen jeweils ein hölzernes geschnitztes Bild angebracht war. Die Szenen handelten vom Leidensweg, vom Kreuzweg Jesu.

Meine Neugier war geweckt. Ich begann Fotos zu machen – was ja jeweils auch eine gute DSC_0111Gelegenheit zum durchschnaufen war. Und so schaffte ich dann tatsächlich auch das restliche Stück und konnte dann erstmals die Kapelle zwischen den Bäumen aufragen sehen. Ein zauberhaftes Fleckchen Erde mit einer großartigen Aussicht über die Landschaft und den Ortsteil Bödefeld. Keine Sekunde bereute ich den doch recht mühevollen Aufstieg.

Auch ein Blick in die Kapelle lohnte und ich hatte sogar die Gelegenheit eine Kerze anzuzünden, was ich immer gerne tue und dieses Mal tat ich es mit der Bitte, dass mein Mann doch heile von seiner Wanderung zurückkehren möge.

Auf der Kuppe des Kreuzberges gab es noch einige Darstellungen rund um die DSC_0096Geschichte Jesu und diese lebensechten Figuren faszinierten mich einerseits, aber andererseits liefen mir auch Schauer über den Rücken. In der Kapelle fand ich dann einen erklärenden Text, der davon erzählte, wie dieser Kreuzweg entstanden war. Was mich am meisten erstaunt hatte war, wie gut dass ganze erhalten ist. Alle Stationen werden regelmäßig gepflegt. Solltet Ihr Euch für weitere Infos interessieren, klickt doch mal hier.

Gemütlich machte ich mich nach einer Verschnaufpause dann auf der anderen Seite an DSC_0141den Rückweg. Ich schlenderte durch den Wald und ließ mich von den nach wie vor hervorragend ausgeschilderten Wegen wieder in den Ortskern führen, wo ich mir erstmal im inzwischen eröffneten Supermarkt eine Flasche Wasser kaufte. Ja, ich weiß… trotz sommerlicher Hitze hatte ich tatsächlich nichts dabei.

Aber ich hatte eben auch IMG_1369nicht mit einer längeren Wanderung gerechnet.

Zu späterer Stunde nahm ich dann meinen Mann –  der die 55 km super bewältigt hatte –  glücklich und stolz in Empfang. Wir blieben dann noch bis zum nächsten Morgen, bevor es auf unserer Tour weiter in Richtung Regensburg ging. Aber eins ist jetzt schon klar: ins Sauerland, da wo es auch Berge gibt, da wollen wir auf jeden Fall mal wieder hin! Und wer weiß… vielleicht nehme ich auch einmal am Bödefelder Hollenmarsch teil. Es gibt auch eine 21 km Wanderung…

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