Eine Führung durch das Krematorium in Hannover-Lahe

„Hier arbeiten wir, trinken Kaffee und lachen auch.“ Mit diesen Worten führt der Technische Leiter des Krematoriums mich in das Büro. „Sie wollen damit sagen, dass hier ganz normale Menschen arbeiten“, entgegne ich, woraufhin er lächelnd nickt.

Und dann zeigt er mir, wie die fünf Öfen über das entsprechende PC-Programm DSC_0012gesteuert werden können und auch wie es um die heutigen Emissionswerte – also alles was aus den großen Schornsteinen des Gebäudes in die Luft geht – steht. Ein wichtiger Punkt, der im täglichen Arbeitsablauf genau im Auge behalten und regelmäßig geprüft wird.

Durch eine große Scheibe haben wir freien Blick auf die Öfen. Einige Särge stehen davor, zur Einäscherung bereit. Ich habe vor meinem Besichtigungstermin bereits eine Dokumentation über die Arbeit in einem Krematorium gesehen, aber es ist natürlich etwas ganz anderes hier nun zu stehen und zu wissen, dass ich den Verstorbenen ganz nah bin.

„Haben Sie starke Nerven?“, fragt mich der technische Leiter, als wir uns dann auf den Weg in die Einäscherungshalle machen. Dabei lächelt er verschmitzt und fügt hinzu: „Ist nur ein Witz.“ Locker geht es bei dieser Führung zu. Locker, aber in einer Art und Weise, die immer durchblicken lässt, dass hier sorgfältig und mit dem nötigen Respekt gegenüber den Verstorbenen gearbeitet wird. Ein Punkt, den ich persönlich als sehr wichtig empfinde.

Und dann stehe ich in der großen Einäscherungshalle. An diesem Nachmittag sind noch zwei Öfen in Betrieb. Es geht in Richtung des Feierabends, wie mir erklärt wird und es laufen jeweils nur so viele Öfen, wie benötigt werden. Ja, bei allem Respekt, aller Achtung: hier muss definitiv gearbeitet werden. Und wenn ich mir anschaue, dass nicht nur einige Särge vor den Öfen sondern auch im Vorraum stehen, dann wird mir erst so richtig klar, wie viel hier Tag für Tag zu tun ist.

„Man kann nicht um jeden Verstorbenen trauern“, erklärt dann der Technische Leiter auch, „wir kennen die Menschen, um die es da geht in den seltensten Fällen. Da muss schon der Job gemacht werden.“ Aber, fügt er hinzu, ihm sei seine Arbeit mit den Jahren eine echte Herzensangelegenheit geworden. Er hält sie für sinnvoll und achtet stets darauf, dass alles im Sinne der Verstorbenen und auch der Angehörigen geregelt wird. „Ja, meine Arbeit macht mir Spaß. Auch wenn sich das für Außenstehende vielleicht komisch anhört“, erklärt er, „ich stelle mir vor, dass ich diese Menschen auf ihrem allerletzten Weg, als eine Art Fährmann, begleite und dafür sorge, dass alles glatt geht.“ Eine sehr sympatische Einstellung, wie ich finde.

Nun bekomme ich auch den Bereich hinter den Öfen zu sehen. Dort, wo über eine Art Guckloch kontrolliert wird, ob die Einäscherung bereits vollständig erfolgt ist. Denn erst dann wird die Asche automatisch aus dem Ofen heraus geschoben, und in einem Aschekasten aufgefangen. Ich schaue durch das Loch mitten hinein in den 800 ° heißen Ofen und kann mich im Anschluss davon überzeugen, dass nach erfolgter Einäscherung genau diese Asche in die Urne gelangt. Mittels eines sogenannten Schamottsteins der eine Nummer enthält, wird hier für Ordnung gesorgt.

Ohne groß darüber nachzudenken, hatte ich bisher gedacht, dass nach der Einäscherung nur noch feine Asche übrig bleibt. Aber dem ist nicht so. Mit einer Art Metallkamm wird dann durch die Reste – die auch noch Knochenteile enthalten – gegangen und alles das heraus geholt, was nicht mit in die Knochenmühle kann und soll. Denn dort erst entsteht die feine Asche, die letztendlich in die Aschenkapsel kommt. Zusammen mit dem Schamottstein. Das Ganze wiederum kommt in eine Schmuckurne, das ist die, die wir letztendlich bei Trauerfeiern zu sehen bekommen.

Ich staune über all die kleinen und große Schritte, die hier notwendig sind. Und ich bin froh, dass es heutzutage auch die Gelegenheit gibt, hinter die Kulissen eines solchen Unternehmens – denn die Feuerbestattungsgesellschaft Hannover und Niedersachsen mbH ist ein wirtschaftliches Unternehmen und gehört nicht zur Stadt Hannover – zu blicken.

Wie kommt man denn nun an solch eine Arbeitsstelle, frage ich neugierig und staune. Seit dreieinhalb Jahren erst ist der technische Leiter hier tätig. Er ist gelernter Elektriker und Heizungsbauer und war nach langen Jahren mit seiner Arbeit nicht mehr zufrieden. Etwas neues musste her. Etwas, dass ihm Zufriedenheit verschaffen sollte. Auf die Anzeige des Krematoriums ist er durch puren Zufall gestoßen und er dachte sich: „Ich gehe mal hin und schaue was das mit mir macht.“ Inzwischen ist er zum Technischen Leiter aufgestiegen und liebt seinen abwechslungsreichen Job.

Denn es gehört so einiges dazu. Wie der Umgang mit den Angehörigen, die ihre Verstorbenen auch ins Krematorium begleiten wollen. Ein Abschiedsraum wurde dafür eingerichtet. Und während der Rest des Gebäudes eher nüchtern und zweckmäßig ist, kann man hier erkennen, dass sich um die Trauernden gekümmert wird. Eine Sitzgruppe, angenehmes Licht, ein CD Player und auch eine Grünpflanze sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Von hier aus können die Angehörigen der Einfahrt des Sarges in den Ofen durch den Blick durch ein Spezialfenster beiwohnen, das im Anschluss wieder undurchsichtig wird.

Ich habe an diesem Nachmittag noch so einiges erfahren, wie z. B. dass ein Teil der Energie aus dem erhitzten Kühlwasser für die Räumlichkeiten des Laher Friedhofs genutzt wird und dass man in Bremen – im Gegensatz zu den anderen Bundesländern – die Urne ausgehändigt bekommen kann. Was mir aber vor allem im Gedächtnis bleiben wird ist, dass es Menschen gibt, die sich sorgfältig um unsere Verstorbenen kümmern. Es macht also Sinn zu wissen, mit welchem Krematorium der Bestatter meines Vertrauens zusammen arbeitet. Denn ja, es gibt auch schwarze Schafe.

„Machen sie ordentlich Werbung für uns, denn wir sind die besten in Hannover“, meint der Technische Leiter zum Abschied, als ich ihm noch erzähle, dass ich einen Blog Beitrag schreiben werde. „Na klar“, lache ich, „und sie sind in Hannover auch die einzigen…“ Ein breites Grinsen als Reaktion. Mit herzlichem Dank verabschiede ich mich.

Ach ja, Fotos durfte ich aus Datenschutzgründen verständlicherweise nicht machen. Daher habe ich als kleinen Eindruck ein Foto aus dem Friedhofsmuseum Hannover-Seelhorst eingestellt, wo es früher auch ein Krematorium gab. Ich hatte in Lahe auch noch eines außen vom Gebäude gemacht… leider habe ich das dann versehentlich gelöscht…

… ABER wer sich noch genauer informieren möchte, findet hier den Link zur Website der Feuerbestattungsgesellschaft und hier die Dokumentation auf youtube, die ich mir im voraus angeschaut hatte.

 

3 Kommentare zu „Eine Führung durch das Krematorium in Hannover-Lahe

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