Mein Laptop hat die Rente eingereicht

Acht Jahre hat er mich begleitet. Gemeinsam haben wir Fotos gesammelt, Geschichten und Blog Beiträge geschrieben. Meine Buchführung hat er in sich aufgenommen und stets das Siegel der Verschwiegenheit gewahrt. Nie hat er mich verpetzt, wenn ich mal wieder zu lange bei facebook gegangen oder Filme im Netz geguckt habe.

Mein guter alter Terri ist in Rente gegangen. (Ja, ich gebe Dingen, die mich lange durchs DSC_0241Leben begleiten, Namen!) Ok, ich bin ehrlich. Er ist auf dem Technik Schrottplatz gelandet, da ich ihn wirklich so lange genutzt habe, bis er am vergangenen Freitag einfach mittendrin einen wahnsinnig lauten Ton – so Alarm-Sirenen-mäßig – von sich gegeben hat, der sich nur mit konsequentem auf den Ausschalter drücken wieder abschalten ließ. Und danach… nichts. Zumindest nichts, was irgendwie noch an seine alten Zeiten anknüpfen konnte. Und nach ein wenig hin und her probieren, war es dann auch völlig vorbei… und ich am Boden zerstört.

Den Moment, in dem er unter dem Arm unseres IT Experten das Haus verlassen hat, werde ich so schnell nicht vergessen. Vielleicht sollte ich mein Herz für meinen nächsten Laptop – der übrigens am Donnerstag in seinem neuen Zuhause einziehen wird – verschließen. Ich werde das mal mit Hermine – meinem Handy – bekakeln.

Tja, nun sitze ich also an meinem Schreibtisch und kann nur mit halber – oder noch weniger Kraft – arbeiten. Zum Beispiel wollte ich eben ein Foto in diesen Beitrag einfügen… aber die befinden sich nicht auf dem Laptop meines Mannes, den ich zur Zeit – DANKESCHÖN an den besten Mann der Welt – nutzen darf. Wobei… ich schau gleich mal nach. Da sind bestimmt noch Urlaubsfotos auf seinem Rechner. Dann suche ich einfach davon etwas aus. Passende Fotos sind doch nun wirklich was für Anfänger!

Worauf ich aber tatsächlich noch hinaus wollte ist, dass ich es traurig finde, dass wir uns zu einer Wegwerfgesellschaft entwickelt haben. Wer nutzt denn heute seine technischen Geräte noch so lange, bis sie kaputt gehen? Meist muss, wie z. B. bei Handys und Laptops, doch regelmäßig die neueste Variante her. Und was da für Geld ausgegeben wird – Wahnsinn! Und dass man Dinge reparieren kann weiß wohl auch kaum noch jemand. Vieles ist auch so ausgelegt, dass die Ersatzteile oftmals so teuer sind, dass man sich doch eher etwas neues zulegt. Das habe ich vor Jahren bei einem Mixer (heute sagt man glaube ich Rührgerät) erlebt, bei dem einer der Rührstäbe abgebrochen ist. Neue sollten ein Schweinegeld kosten und ja, da überlegt man schon was man macht, wenn das Gerät bereits ein paar Jahre alt ist.

Naja, bei Terri weiß ich jedenfalls ganz genau, dass ich alles getan habe, um ihn so lange wie möglich behalten zu können. Und jetzt bin ich einfach mal gespannt auf den neuen Laptop. Vielleicht nenne ich ihn ja Balu… oder doch lieber Gonzo… Kermit?

 

 

Weihnachtsmann, Wichtel und Rentiere: Ich bin der weltgrößte Fan von Weihnachten

`Och nee, jetzt fängt die Frau auch schon vorzeitig mit dem Weihnachtsgedöns an´… DSC_0002einige von Euch denken das bestimmt, wenn sie meine Überschrift lesen. Vielleicht, weil sie Weihnachten sowieso doof finden (Konsum, Kalorienschlachten, Familienbesuch…) oder weil es doch wirklich dafür noch zu früh ist. Und damit habt Ihr auf jeden Fall Recht!

Warum ich dann trotzdem jetzt schon darüber schreibe? Weil ich in diesem Jahr in der Advents- und Weihnachtszeit lesen will. „Aha. Und was ist daran jetzt besonders?“ Ja, ja, ich höre Euch das direkt fragen.

Ganz einfach: im letzten Jahr habe ich festgestellt, (nicht zum ersten Mal…) dass ich Weihnachtsromane für mein Leben gern lese. Diese kitschig-süßen-traurig-dramatischen-Storys mit den Zuckerguss beträufelten Happy Ends. Wo beim Lesen Herzchen durch die Luft fliegen und es nach Tannengrün und frisch gebackenen Vanille Kipferln riecht. JA! GENAU DIE!

Nachdem mir das nochmal so RICHTIG bewusst geworden ist, habe ich beschlossen, eine Sammlung dieser Romane zu starten. – Ich hoffe, Ihr bekommt nicht schon beim Lesen meines Beitrags einen Kitsch-Anfall! – Und im Laufe dieses Jahres sind mir erstaunlicherweise auf jedem Flohmarkt welche begegnet: was ich ganz klar für ein Zeichen halte! Und die Verkäufer haben sich gefreut, dass es Bekloppte wie mich gibt, die diese Dinger bei 30 ° im Schatten kaufen. Die wussten ja nichts von meinem Plan und meiner Sammlerwut!

Neun Romane, eine Adventsgeschichte von Cornelia Funke und zwei wundervolle Bilderbücher von Mauri Kunnas warten nun darauf, gelesen und angeschaut zu werden. Genau am 1. Advent starte ich, und mittlerweile kann ich es kaum noch erwarten. Ach ja, bei dreien von ihnen handelt es sich um eine Reihe – was ich beim Kauf des zweiten Teils nicht wusste – ein Teil bekomme ich dann noch zum Geburtstag geschenkt. Also sind es sogar zehn Romane.

Also solltet Ihr in dieser Zeit nichts von mir hören oder lesen, dann wisst Ihr jetzt Bescheid. Wobei ich zwischendurch bestimmt von dem einen und anderen Buch hier schwärmen werde.

Und? Gibt es außer mir noch andere Weihnachtsroman-Fans? Oder bin ich tatsächlich die einzige? Traut Euch – ich habe mich ja nun auch öffentlich dazu bekannt.

Kurs für SterbebegleiterInnen – die ersten Wochen sind vorbei

Jeden Dienstagabend steige ich ins Auto und fahre in das 15 km entfernte Neustadt am Rübenberge. Dort findet seit September der Kurs für SterbebegleiterInnen des Hospizdienstes DASEIN statt. Bis Ende November läuft der Grundkurs, in dem die TeilnehmerInnen darauf vorbereitet werden, Menschen auf ihren letzten Wegen zu begleiten.

Es geht um Themen wie zuhören, wahrnehmen, verstehen… darum, sich auf einen IMG_2058Menschen einzulassen. Für mich fühlt es sich wie eine Reise an. Eine Reise, die meine Erfahrungen mit sterben und dem Tod beinhalten. Und natürlich die der anderen TeilnehmerInnen. Eine Reise also, die einiges in Bewegung setzt. Tief im Inneren. Und ja, das tut auch mal weh. Kratzt an Wunden und alten Narben. Eine Auseinandersetzung mit mir, mit meinem Leben. Um dann wieder in die Richtung zu blicken, in die es gehen soll.

Der Umgang unter den TeilnehmerInnen – ebenso natürlich wie mit der Leitung – ist von Respekt geprägt. Ohne Befürchtungen kann ich in diesem Kreis äußern, wenn mir etwas Sorge bereitet. Wenn ich meine, mit einer künftigen Situation vielleicht nicht klar zu kommen. So wie am letzten Dienstag. Eine Zweier-Übung, in der der eine einen kranken Menschen gespielt hat, der nicht mehr sprechen konnte und der andere musste ihn verstehen.

Ja, an diesem Punkt befielen mich Hemmungen und auch Zweifel. Würde ich mit solchen Situationen künftig klar kommen? Mir fiel ein, wie meine Mutter in ihrer Sterbephase etwas wollte und es mir mit Blicken versucht hat, klar zu machen. Und ich dachte immer nur: sie ist meine Mutter – ich muss doch wissen was sie will und braucht! Letztendlich holte ich die Pflegerin, die das Bedürfnis meiner Mutter dann ergründete und Abhilfe schaffte. Und ich stand mit hängenden Armen daneben.

Am Dienstag, in der gespielten Situation bekam ich es hin. Ich verstand, was die andere Teilnehmerin von mir wollte (ich hatte ihr im Voraus meine Befürchtungen geschildert und sie hatte mich ermutigt). Und es nahm mir einen Teil meiner Bedenken. Nein, ich denke nun nicht, dass ich das von jetzt auf gleich problemlos hin bekomme. Aber durch den Austausch mit den Kursleitern und den anderen TeilnehmerInnen verstand ich, dass Jede(r) seine Stärken und Schwächen hat. Und dass ich daran arbeiten kann, nach und nach meine Grenzen zu verschieben.

Es ist, als bekäme ich in diesem Kurs nach und nach Teile eines Puzzles. Manche passen auf Anhieb und mit manchen muss ich ein wenig herumprobieren. Aber ich bin nicht allein. Jetzt nicht und auch später nicht. Und dass macht Mut und schenkt mir die Zuversicht, die ich brauche um diesen Weg weiter zu gehen.

Die ersten Praxiserfahrungen machen wir dann ab Dezember, wenn Jede(r) über drei Monate eine(n) BewohnerIn „zu geteilt“ bekommt, die man dann wöchentlich besucht, um das im Grundkurs erlernte erstmals „anzuwenden“.

Ich schätze mal, ich werde dann auch ein wenig aufgeregt sein. Auf jeden Fall werde ich dann hier davon erzählen.

Auf zum Wilhelmsturm – ein kleiner Wanderausflug mitten im Alltag

Der Weg, der in den Wald hineinführt, geht spürbar bergauf. Kein Wunder, befinde ich mich doch in den Rehburger Bergen. Diese Hügel in der Nähe des Steinhuder Meeres, haben es durchaus in sich. Vor allem, wenn Frau sich just in einer unsportlichen Lebensphase befindet.

IMG_2189IMG_2190

Rasch jedoch wird die Anstrengung – der schwere Atem und das ziehen in den Waden – zur Nebensache. Der Wald mit seinen Meterhohen Buchen zieht mich in seinen Bann. Durch die dichten Blätterkronen treffen immer wieder Sonnenstrahlen den Waldboden. Hin und wieder lugt zwischen dem Blätterdach ein Stück blauer Himmel hervor.

IMG_2193

IMG_2196

Ich staune, dass die Blätter an den Bäumen noch grün sind und der Wald dadurch wie ein Sommerbild aussieht. Die Temperatur von fast 25 ° tut ihr übriges. Ein T-Shirt wäre für meine kleine Wanderung wohl passender gewesen. Ich schiebe die Ärmel meines Pullis hoch, fühle wie Schweißtropfen über meinen Rücken rinnen.

Am Wegesrand der hoch aufragende Wurzelballen eines Baumriesen, der wohl einem er letzten Stürme zum Opfer gefallen ist. Das Moos an den Baumstämmen leuchtet in der Sonne hellgrün. In welcher Himmelsrichtung wächst es noch gleich? Ich vergesse es immer wieder.

IMG_2194

Wie gut, dass ich meine Wanderschuhe angezogen habe. Der Weg ist teils uneben und einige Stellen feucht und damit auch rutschig. Ich bin froh, dass mir die Schuhe guten Halt geben.

IMG_2195

Von Bad Rehburg führt mich der Weg in Richtung Wölpinghausen. Irgendwo unterwegs wechseln die Landkreise. Bin ich jetzt noch in Nienburg oder doch schon in Schaumburg? Egal.

Die Ruhe hier im Wald ist ansteckend. Der Alltag auf einmal weit weg. „Laufen, wenn nichts mehr läuft“ – so oder ähnlich heißt es, wenn es einem nicht gut geht. Und es ist wahr. Mein Gehirn tankt Sauerstoff und arbeitet wieder besser. Ein gutes Gefühl. Und auch mein restlicher Körper freut sich über die Bewegung an der frischen Luft. Mein Herz schlägt zufriedener.

Schritt für Schritt wandere ich weiter. Ich habe keine Eile, genieße den Moment. Findlinge am Weg laden mich zu einer Trinkpause ein. Ich beobachte große, schwarze Käfer, die eifrig über den Waldboden wuseln. Ich bewundere Pilze, die ihren Platz an einem Baum gefunden haben und sich in interessanten Formen präsentieren.

IMG_2198IMG_2208IMG_2191

Und dann taucht er zwischen den Bäumen auf: der Wilhelmsturm. Mit seinen hellen Steinquadern streckt er sich in schlanker Form dem Himmel entgegen. An der Vorderseite befindet sich, einige Meter über der Eingangstür, ein kleiner Balkon. Nicht nur ich denke an Romeo und Julia, wie ich dem Gespräch einer 3-köpfigen Wandertruppe entnehme.

IMG_2201

Laub raschelt unter meinen Schuhen, als ich zu einer der Sitzgruppen gehe, um dort ein wenig zu schreiben. Gedanken fließen unter freiem Himmel leichter, wie ich finde. Das wussten schon die Künstler im Zeitalter der Romantik, die ihre Inspirationen in der Natur gesucht und gefunden haben.

„Auf Freunde, herunter das heiße Gewand
und tauchet in kühlende Flut,
die Glieder, die matt von der Sonne gebrannt,
und holet von neuem euch Mut.“

Die erste Strophe des Gedichts „Badelied“ von Novalis, dem bekanntesten Dichter aus der Zeit der Romantik. Jung verstorben, ohne sein Ziel – eins werden mit der Natur – erreicht zu haben.

IMG_2205

Vogelgezwitscher und im Hintergrund das Geräusch fahrender Autos, leise nur. Ein kleines Zeichen, dass es die Welt Drumherum noch gibt. Aber hier und jetzt gibt es nur mich. Und den Wald, die Tiere, die Pflanzen.

Gemächlich gehe ich weiter.

IMG_2197

Ein wenig plauschen

Seit dem Wochenende hat mich eine Erkältung fest im Griff. Der nächtliche Schlaf wird von häufigem schniefen und röcheln unterbrochen. Tagsüber bin ich dann schlapp. Wie DSC_0137gut, dass ich in dieser Woche erst ab Freitag Termine habe und mich hängenlassen kann. Naja, fast. Mein Wochenend-Termin besteht aus dem jährlichen Schreib-Lust Seminar an der ev. Heimvolkshochschule in Loccum. Und das will vorbereitet sein. Natürlich habe ich das meiste schon „im Sack“, aber es fehlt natürlich noch das eine und andere und mit Schniefnase geht das ja deutlich langsamer.

Trotz allem freue ich mich sehr auf das Seminar, das ich bereits seit 2011 mache. Etliche Teilnehmer kommen in jedem Jahr wieder und sind mir dementsprechend ans Herz gewachsen. In diesem Jahr kommen einige Neue hinzu, so dass es richtig spannend werden wird.

Meine letzte große Erkältung (oder konnte man das schon Grippe nennen?) hatte ich im Dezember letzten Jahres. Volle drei Wochen war sie bei mir zu Gast, richtete sich häuslich ein und ich konnte tatsächlich meist nur liegen. Ich bin – glücklicherweise!! – nur selten krank. Und wenn, dann geht es meist mit seelischen Problemen einher, die auch an meinem Immunsystem knabbern. Im vergangenen Jahr war es das Sterben und der Tod meiner Mutter. Auch in diesem Jahr hängt es noch einmal mit ihr zusammen, da mich ein zweiter „Trauer-Schub“ umgehauen hat. Zudem hatte ich nicht gut genug auf mich geachtet und mich in einigem übernommen. Ich schrieb bereits darüber und bei Interesse findet Ihr hier den Beitrag.

Daher ist es mir nun auch wichtig, gut für mich, für meine Seele, mein Herz zu sorgen. Und so habe ich den Tag heute gleich mal mit einem Spaziergang begonnen. Die Herbstsonne lachte vom blauen Himmel herunter und ich schlich gemütlich eine kleine Runde über unsere Feldwege. Gerade soviel, dass mir der Atem nicht wieder knapp wurde. Außerdem natürlich viel trinken – ich fühle mich durch die Erkältung irgendwie ständig wie ausgetrocknet – und natürlich Obst und Gemüse. Und… gute, positive Gedanken.

Ich bin außerdem in der glücklichen Situation, liebe Menschen um mich zu haben, die sich um mich kümmern und sorgen. Dafür bin ich unglaublich dankbar, denn das ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Überhaupt das mit der Dankbarkeit: ich mache mir jeden Tag bewusst, wie viel Glück ich doch habe. Ein Dach über dem Kopf, zu essen, zu trinken, besagte liebevolle Menschen und dass ich gesund bin.

„Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden“, sagte einst Mark Twain. Ich versuche es. Jeden Tag aufs neue. Und mal klappt es besser, mal schlechter. Schließlich bin ich auch nur ein Mensch und manchmal kotzt auch mich alles einfach nur an. Aber meist eben nicht. Meist bin ich der „halbvolles-Glas-Typ“ und auch für diese Einstellung, die ich nicht immer hatte, bin ich dankbar.

So, und nun werde ich eine Schatzkarte malen. Ja, auch für mein Seminar. Und ich bin schon so gespannt, was die Teilnehmer in diesem Jahr von meinen Ideen halten. Ach ja, und eine Tasse Thymian Tee mit Honig, die gibt es auch gleich noch. Und dann schaue ich mal, was mir der Tag noch schönes bringt.

Passt gut auf Euch auf und wenn Ihr könnt, genießt das schöne Herbstwetter!

Ein kleines Apfel Wunder

Ein Besuch auf dem Nienburger Wochenmarkt ist nicht nur hinsichtlich der frischen Produkte ein schönes Erlebnis. Für mich sind es auch die bunten Ansichten, die mich auf DSC_0006einen Markt ziehen. Die Stände mit den Blumen, die in blau, gelb, rot und anderen Farben um die Wette leuchten. Die grünen Salatköpfe, neben den roten und gelben Paprika und all die Menschen. Alle Altersklassen sehe ich dort. Die Jüngsten, die noch im Kinderwagen den Einkauf verschlafen, bis hin zu den Ältesten, die sich schwer auf ihre Rollatoren stützen und denen die Marktverkäufer hilfreich die Tüte mit dem Obst in den kleinen Korb legen.

Es sind all diese Beobachtungen, die mich faszinieren. Die Gerüche und Geräusche und – natürlich – die Gespräche. Als ich neulich wieder über `den schönsten Wochenmarkt Europas´- dazu wurde er im Jahre 2008 gekürt und obwohl ich weiß, dass es auch andere sehr schöne gibt, gefällt er mir persönlich immer wieder – schlenderte, wäre ich beinahe an einem Mini-Stand vorbei gegangen.

Eine Frau fortgeschrittenen Alters saß dort auf einem Stuhl und las in einem Buch. Neben sich hatte sie fünf Stiegen voll mit gelb-roten Äpfeln. Obenauf lag ein Schild mit der Aufschrift: Ungespritzt. Leckere Äpfel waren genau das, was mir an diesem Tag noch fehlte und ich war sicher, dass hier auch ein schönes Gespräch im Preis inbegriffen sein würde.

„Hallo. Ich hätte gerne 1 kg Äpfel.“
Die Frau sprang auf und lächelte. „Gerne. Sie sind ungespritzt und ganz frisch gepflückt. DSC_0019Sie werden ihnen sicher gut schmecken.“
„Das glaube ich! Was man heute im Supermarkt bekommt, schmeckt ja oft gar nicht mehr.“
Sie nickte. „Außerdem sind sie derart behandelt, dass viele Allergien gegen Äpfel entwickelt haben.“
„Apfel Allergie?“ Ich sah sie neugierig an. „Davon habe ich noch nichts gehört.“
„Ja. Aber meine Äpfel“, die sie nebenbei schon in meinen Beutel packte, den ich ihr rüber gereicht hatte, „die vertragen sogar Allergiker.“ Ich konnte sehen, wie stolz sie auf ihre Äpfel war. Verständlicherweise, denn wenn sie nur halb so gut schmeckten, wie sie aussahen…
„Einmal war ein Ehepaar bei mir“, erzählte sie mir, „und die Frau hatte Jahrelang keine Äpfel gegessen und vermisste sie so. Und dann bot ich ihr einen von meinen an. Der Mann stand gleich mit einem Asthma Spray daneben“, sie lächelte bei der Erinnerung, „er hatte richtig Angst um sie. Und dann biss sie hinein, kaute, schluckte… und strahlte über das ganze Gesicht.“
Nun lachte ich auch. „Sie hat sie also vertragen.“
„Oh ja! Es war ein richtig kleines Apfel Wunder!“ Inzwischen hatte sie meine Äpfel gewogen und mir meinen gefüllten Beutel gegeben. „Die nächsten zwei Wochen bin ich auch noch hier“, erklärte sie, während ich bezahlte, „aber dann ist es für dieses Jahr vorbei.“
Wir verabschiedeten uns herzlich voneinander und sie winkte mir noch nach.
Ich ließ mir an diesem Tag gleich zwei von den leckeren Äpfel schmecken und dachte dabei an das kleine Apfel Wunder.