Herbstmomente – ein verspäteter Schreibkick

Ja, in diesem Monat hinke ich mit dem Schreibkick sehr hinterher. Ich hatte ziemlich schnell eine Idee zum Thema „Herbstmomente“, aber irgendwie funktionierte das nicht. Manchmal ist das so. Und dann beobachtete ich eine Szene in unserem Garten, unter der Eberesche. Aha! Eine weitere Idee! Ich begann zu schreiben… und es funktionierte nicht. Ok, dachte ich. Dann nehme ich in diesen Monat eben nicht am Schreibkick teil.

Aber die zwei unvollendeten Geschichten ließen mich nicht los. Und nun habe ich zumindest eine beendet. Es flutschte wahrlich nicht so wie sonst, aber das muss es ja auch nicht immer!

Ach ja, falls Ihr auch mal bei den Schreibkicks mitmachen wollt, findet Ihr hier die facebook Gruppe dazu. Jetzt kommt aber wirklich die Geschichte!!

Herbstmomente
von Nicole Vergin

„Aufwachen, aufwachen, AUFWACHEN!“
„Uaaah…“, im letzten Moment gelang es Tapsi sich an dem Zweig, auf dem er eben noch friedlich schlummernd gehockt hatte, festzukrallen.
„Pssst, nicht so laut!“
„Laut? Ich? Du krakelst doch hier rum und weckst mich aus meinen schönsten Träumen“, Tapsi versuchte mit seinem kleinen gelben Schnabel nach seinem Bruder Tipsi zu hacken. Aber der war wie immer viel schneller als er. „Lass mich jetzt in Ruhe“, Tapsi steckte den Kopf wieder unter seinen Flügel, so dass er nur noch dumpf zu verstehen war, „vielleicht träume ich wieder von dem Regenwurm.“
Nun war es Tipsi, der seinen Bruder mit dem Schnabel bearbeitete. „Hör mir doch wenigstens einmal zu. Ich weiß etwas viel besseres, als einen glitschigen Regenwurm.“
Nun wurde sein Bruder doch hellhörig, wie immer wenn es um etwas zu essen ging.
„Stell dir vor: die Vogelbeeren im Garten des Nachbarn sind endlich so, wie wir sie gerne mögen.“
„Ein wenig angetrocknet von der Sonne?“, Tapsis dunkle Augen leuchteten, als Tipsi nickte. „Und ein wenig schrumpelig?“
„Genau!“, jubelte sein Bruder, „und ein Teil liegt bereits am Boden, wir brauchen sie nur noch aufpicken. Es ist wie im Schlaraffenland!“
„Im Schlaff… waaas?“
Ohne eine Antwort zu geben, breitete Tipsi seine schwarzen Flügel aus und stieß sich von dem Ast auf dem sie saßen ab. „Komm, beeil dich, sonst fressen uns andere noch die Beeren vor dem Schnabel weg.“
Nun war auch Tapsi endlich richtig wach und hüpfte wild auf dem Ast herum. Mit dem Flugstart hatte er schon immer Probleme gehabt, doch dann segelte auch er endlich durch die Luft. Ein sanfter Wind wehte und trug ihn ohne große Mühe über die Bäume hinweg in den Nachbargarten.

„Ich sehe sie schon“, rief er mit leuchtenden Augen, als sie nebeneinander in den Sinkflug gingen.
Und tatsächlich: unter ihnen stand die herrliche große Eberesche und reckte ihre bereits kahlen Zweige, an deren Enden noch etliche der roten Vogelbeeren hingen, in den blauen Herbsthimmel.
„Da“, rief Tapsi aufgeregt, „da liegen ganz viele auf einem Haufen.“ Mit einem satten Bauchklatscher landete er inmitten der kleinen roten Beeren, die er sofort eine nach der anderen gierig aufpickte.

„Hey, ihr Zwei!“
Eine fremde Stimme riss die Brüder aus ihren Futterträumen.
„Gebt ihr mir auch welche ab?“ Ein kleiner Igel kam auf seinen vier kurzen Beinen eilig angelaufen.
„Igel fressen keine Vogelbeeren“, Tipsi flatterte abwehrend mit den Flügeln.
„Wer sagt das?“ Der Igel sah ihn aus seinen dunklen Augen, die wie kleine Stecknadelköpfe aussahen, neugierig an.
„Na ich. Tipsi, die allwissende Amsel.“
„Ha, ha, ha“, lachte Tapsi, wobei er sich fast an einer Beere verschluckte und erst einmal husten musste. „Du und allwissend?“, fügte er dann hinzu.
„Na, was ist denn hier so lustig?“ Unter einem naheliegenden Kirschlorbeer huschte eine Maus hervor.
„Der Vogel da sagt, er sei allwissend“, erklärte der Igel. Dann kratzte er sich mit der Hinterpfote am Kopf. „Was ist denn allwissend?“
„Einer, der glaubt, er hat die Weisheit mit Löffeln gefressen“, erklärte die Maus und hielt schnüffelnd ihre kleine Nase in die Luft. „Die Beeren riechen aber gut.“ Sie machte ein paar Sätze durchs Gras und biss gleich darauf in eine hinein.
„Och nee“, nun mischte sich auch Tapsi ein, „wenn ihr jetzt alle mitesst, bleibt gar nichts für mich übrig.“
Die Maus stellte sich kauend auf die Hinterbeine und schaute einmal um sich herum. Dann wandte sie sich wieder an Tapsi. „Hier gibt es doch noch massenhaft Beeren. Das reicht doch wohl für uns alle.“
„Mmh“, machte Tapsi. So ganz überzeugt war er nicht. Und dass, obwohl er bereits ein wenig Bauchweh hatte, weil er ganz schnell, so viele Beeren wie möglich gefuttert hatte.
Inzwischen hatte sich auch der Igel eine der Beeren geschnappt und hinein gebissen. „Iiih“, er schüttelte sich und spukte den Rest aus, „die sind ja total bitter.“
„Ich sag ja, dass Igel die nicht mögen“, nickte Tipsi sichtlich zufrieden.
„Aber euch schmecken sie doch auch“, der kleine Igel sah sich nach einer weiteren Beere um, als eine Stimme ertönte.

„Maxi, wo steckst du nur schon wieder?“, eine Igel Dame kam auf die kleine Gruppe zu gelaufen. „Immer treibst du dich rum.“ Sie sah ein wenig erschöpft aus. „Euch drei Geschwister zu hüten, ist wirklich schlimmer, als einen Sack Flöhe zu beaufsichtigen.“ Sprachs und schob gleich darauf ihre Nase zwischen ihr Stachelkleid und dann war ein leises Knacken zu hören.
„Mama ist die beste Flohjägerin weit und breit“, Maxi schaute die anderen sichtlich stolz an.
„Ja, ja“, ein liebevoller Blick traf das Igelkind, „aber nun komm nach Hause. Papa hat ein paar Käfer für euch Kinder mitgebracht.“ So schnell ihn seine kurzen Beine trugen, rannte Maxi los, ein kurzes „Tschüss“ über die Schulter rufend.
Tipsi, Tapsi und die kleine Maus sahen ihm erstaunt nach.
„Also fressen Igel wohl doch keine Vogelbeeren“, stellte Tapsi fest und stopfte sich bereits die nächsten in den Schnabel.
„Hb i ja gwust“, quetschte Tipsi an einer Beere vorbei.
Die kleine Maus indessen futterte einfach still vor sich hin. Sie wollte wohl nicht riskieren, doch noch von den Brüdern verjagt zu werden.

Diesmal waren dabei:

Sabi

Veronika

Rina

Corly

Christine

Das Thema für den 01. Dezember lautet: Zeitkapsel

Und für den 24. Dezember gibt es noch ein Weihnachtsspecial: Die Sache mit dem Rentier

 

 

10 Kommentare zu „Herbstmomente – ein verspäteter Schreibkick

    1. Oh, das ist auch ein schönes Bild, das Du da „malst“. So in etwa war es übrigens, als ich bei mir aus dem Fenster schaute und die Amseln beobachtete. Wobei es ganz schön viele waren! Und irgendwann kam dann ein anderer Vogel (keine Ahnung was das für einer war) dazu. Und SCHWUPPS war die Idee geboren. 😀

      Liebe Grüße auch an Dich
      Nicole

      Gefällt 1 Person

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