Nochmal plauschen…

So, nun möchte ich doch heute nochmal kurz auf einen kleinen Plausch mit Euch reinschauen. Ich hoffe, Ihr hattet alle eine schöne Weihnachtszeit. Bei uns war es super gemütlich und einfach schön! Mit Raclette essen, Spaziergängen an der Elbe (wir waren ja in Dresden) und einem Spiele Marathon, der in unserer Familie mittlerweile Tradition ist und bei dem ich einen respektablen 3. Platz (von 3…) errungen habe.

Inzwischen sind mein Mann und ich wieder Zuhause und nach zwei kurzen Arbeitstagen genießen wir nun die nächsten freien Tage. Ich bin ja nach wie vor mit dem lesen von Weihnachtsromanen beschäftigt (2 1/3 noch) und ansonsten bereiten wir uns auf die Ankunft unseres neuen Familienmitglieds Gina (den Beitrag dazu findet Ihr hier) vor. Was heute zum Beispiel bedeutete, dass wir ihr Schloss (für Gina nur das Beste!) im Wohnzimmer aufgestellt haben. Dorthin kann sie sich zurückziehen, wenn sie die Schnauze von uns mal so richtig voll hat. Selbstverständlich habe ich höchstpersönlich den Komfort des künftigen Eigenheims getestet. Ok, ich bin vielleicht ein wenig zu groß dafür…

Inzwischen haben wir auch meinen Arbeitsplatz von unterm Dach juchhe, gemütlich in eine Ecke des Wohnbereichs verlagert. Damit Gina mich künftig bei der Arbeit unterstützen kann: versuchen auf den Schoss zu krabbeln, Pfoten auf den Schreibtisch legen, mir durchs Gesicht schlabbern… sowas eben, Ihr wisst schon… Und um das neue Arbeits-Feeling gleich mal zu testen, habe ich mich daran gemacht, meinen Kalender für 2019 von außen zu gestalten. Sowas macht mir inzwischen richtig Spaß und ja, es motiviert mich dann im kommenden Jahr auch, meine Ziele zu erreichen!

Morgen an Silvester gibt es dann ganz simpel Kartoffelsalat mit Bockwürstchen. Den Salat nach einem Rezept, das meine Mutter schon von ihrer Mutter übernommen hat. Ich liebe das sehr und habe dann auch immer das Gefühl, als würde sie mir dabei über die Schulter linsen.

Glücklicherweise ist auch mein Fuß nach dem Bänderanriss fast wieder in Ordnung. Ich kann wieder ohne Krücken gehen und kleine Spaziergänge machen – herrje, hat mir das gefehlt! Und übernächste Woche werde ich dann auch endlich wieder in den Stall zu Dalli fahren können. Diesmal werde ich allerdings keine Stangen über den Reitplatz tragen… damit werde ich noch ein wenig warten…

Was macht Ihr so an diesen Tagen zwischen den Jahren? Erzählt doch mal, ich bin so neugierig! Auf jeden Fall wünsche ich Euch schon mal einen guten Rutsch in ein gesundes Neues Jahr und ich sage DANKE! Dafür, dass Ihr die Waldträumerin ein Stück begleitet und für all Eure Kommentare, ohne die dieser Blog echt dröge wäre!

Alles Liebe für Euch und ich freue mich auf 2019!

P.S. Ich fasse übrigens schon seit Jahren keine guten Vorsätze mehr und der Schreibkick, der am 01.01.2019 veröffentlicht wird, zeigt auch deutlich, dass das gerade in diesem Jahr sowieso schwierig werden könnte…

 

 

Nackte Tatsachen im Weihnachtsroman?

Stand heute habe ich 10 Weihnachtsromane bzw. Weihnachtsgeschichten gelesen. Das 11. Buch habe ich heute begonnen und dann warten noch zwei auf mich. Mal abgesehen von dem Spaß, den ich nach wie vor habe, stelle ich auch immer mehr fest, wie unterschiedlich diese Bücher doch sind.

IMG_2645

Inzwischen ist mir ja so einiges in den Geschichten begegnet, aber in dem Buch „Winter Zauberküsse“ von Sue Moorcroft ist doch nochmal – für mich – neue Weihnachts-Themen-Kost aufgetaucht: es geht um Racheporno.

Racheporno? Dieses Wort hatte ich tatsächlich noch nicht gehört oder gelesen (wobei mir rasch klar war, worum es sich dabei handelt). Ein sehr ernstes Thema. Es geht darum, dass Menschen Nacktfotos, die ursprünglich freiwillig gemacht worden sind, nach einer Trennung als Rache veröffentlichen. Oder es zumindest androhen. Und dieses Thema ist nun also hier sehr im Vordergrund. Was eindeutig zeigt, dass Weihnachten eben keine reine heile-Welt-Zeit ist.

Ansonsten ist Ava (die Hauptfigur) eindeutig Weihnachtsgeschädigt, da die Eltern in ihrer Kindheit dieses Fest mit ihr nicht gefeiert haben. Heute nun ist sie eine – leider – erfolglose Modistin (früher Putzmacher, also Hutmacher), die auf einer Vorweihnachtsfeier Sam kennenlernt. Sam hat ebenfalls sein Päckchen zu tragen und zwar in Form einer an Krebs erkrankten Mutter. Und für eben diese, möchte er einen Hut haben. Dass Ava nebenbei dann noch seine Freundin spielen wird, weiß sie bei Annahme des Auftrags noch nicht. Mir hat diese Geschichte von den bisher gelesenen am wenigsten gefallen. Aber Aufnahme in meine Sammlung findet sie natürlich trotzdem und bei Interesse sollte sich jeder von Euch ein eigenes Lese-Bild machen.

Von Nacktfotos hin zu einer zauberhaften Geschichte von Cornelia Funke. Größer geht der Unterschied wohl nicht… Habt Ihr Geschwister? Wenn ja, wart Ihr auf sie schon einmal eifersüchtig? Genau darum geht es anfangs: Julia und Olli wünschen sich Adventskalender. Die tollen mit Schokolade. Olli bekommt seinen Wunsch erfüllt, während Julia vor Neid beinahe grün wird. Hat sie doch nur so einen doofen Papieradventskalender, der ein Haus darstellt. Als sie das erste Türchen öffnet, erlebt sie eine große Überraschung. Und schon bald ist Olli neidisch auf ihren Adventskalender. Eine unglaublich schöne, magische Weihnachtsgeschichte, die ich nur wärmstens empfehlen kann!

Und dann kam das bisherige Highlight meiner Weihnachts-Lese-Reise: „Hollys Weihnachtszauber“ von Trisha Ashley. In dieser Geschichte werden alle meine Weihnachts-Roman-Lieblings-Themen bedient: ein altes – ein wenig herunter gekommenes – Herrenhaus. Ein mürrischer Eigentümer. Eine Housesitterin, die Weihnachten nach dem Tod ihres Mannes verabscheut. Ein Pferd, ein Hund und etliche Figuren, die mehr oder weniger schrullig sind. Und… viiiiiiiel Schnee und gutes Essen!! Mal ehrlich, was will ich mehr! Mögt Ihr solche Geschichten auch? Falls Ihr Tipps habt… ich bin noch offen für die nächste Lese-Weihnacht…

Mit der letzten Buch Beschreibung geht es nochmal in die Kinder Abteilung: „Zauberspuk beim Weihnachtsmann“ von Mauri Kunnas. Ich hatte Euch schon „Wo der Weihnachtsmann wohnt“ von ihm vorgestellt (den Beitrag findet Ihr hier) und auch diese Geschichte – und vor allem die Illustrationen!!) haben mich wieder begeistert! Konrad Kandis, der Süßigkeiten Hersteller ist mir natürlich ans Herz gewachsen und auch Boris, die Spinne, die vermutlich in einer Tischritze von König Artus Tafelrunde geboren wurde. Und nun weiß ich auch, welches Geschenk Schurki letztendlich bekommen hat! Falls Ihr Kinderbücher mit tollen Illustrationen mögt: UNBEDINGT lesen und anschauen! Ich habe ja dieses Jahr Weihnachten ein Exemplar des anderen Bandes verschenkt und das Bild von dem 2-jährigen beschenkten Jungen, wie er andächtig die Bilder betrachtet… hach…

Frohe Weihnachten mit der Weihnachtsmaus

DSC_0021

 

Lacht Ihr auch gerne? Auch in der Weihnachtszeit? Dann gefällt Euch das nachfolgende Gedicht vielleicht genauso sehr wie mir!

Frohe Weihnachten wünsche ich Euch von ganzem Herzen!

 

Die Weihnachtsmaus

Die Weihnachtsmaus ist sonderbar –
sogar für die Gelehrten.
Denn einmal nur im ganzen Jahr
entdeckt man ihre Fährten.

Mit Fallen und mit Rattengift
kann man die Maus nicht fangen.
Sie ist, was diesen Punkt betrifft,
noch nie ins Garn gegangen.
Das ganze Jahr macht diese Maus
den Menschen keine Plage.
Doch plötzlich aus dem Loch heraus
kriecht sie am Weihnachtstage.

Zum Beispiel war vom Festgebäck,
das Mutter gut verborgen,
mit einem mal das Beste weg
am ersten Weihnachtsmorgen.

Da sagte jeder rundheraus:
Ich hab´ es nicht genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen.

Ein andres Mal verschwand sogar
das Marzipan von Peter;
Was seltsam und erstaunlich war.
Denn niemand fand es später.

Der Christian rief rundheraus:
ich hab es nicht genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen!

Ein drittes Mal verschwand vom Baum,
an dem die Kugeln hingen,
ein Weihnachtsmann aus Eierschaum
nebst andren leck`ren Dingen.

Die Nelly sagte rundheraus:
Ich habe nichts genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen!

Und Ernst und Hans und der Papa,
die riefen: welche Plage!
Die böse Maus ist wieder da
und just am Feiertage!

Nur Mutter sprach kein Klagewort.
Sie sagte unumwunden:
Sind erst die Süßigkeiten fort,
ist auch die Maus verschwunden!

Und wirklich wahr: Die Maus blieb weg,
sobald der Baum geleert war,
sobald das letzte Festgebäck
gegessen und verzehrt war.

Sagt jemand nun, bei ihm zu Haus,
– bei Fränzchen oder Lieschen –
da gäb es keine Weihnachtsmaus,
dann zweifle ich ein bißchen!

Doch sag ich nichts, was jemand kränkt!
Das könnte euch so passen!
Was man von Weihnachtsmäusen denkt,
bleibt jedem überlassen.

Autor: James Krüss

Die Sache mit dem Rentier

Ja, heute gibt es einen Weihnachts-Special-Schreibkick: Die Sache mit dem Rentier.

Ich habe in den letzten Wochen immer wieder darüber nachgedacht, was ich wohl schreiben könnte. Und dann bin ich im Internet darüber gestolpert, dass einem Fotograf in Norwegen ein weißes Rentier vor die Linse gekommen ist (wenn Ihr es sehen wollt, klickt hier drauf) und da war meine Idee geboren!

Ach ja: die Schreibkicks sind eine Idee von Sabi Lianne und die dazu gehörige Facebook Gruppe findet Ihr hier.

Habt einen schönen Heiligabend Ihr Lieben! ❤

Die Sache mit dem Rentier
von Nicole Vergin

Leises weinen drang durch die Wand ihres Zimmers. Traurig starrte Lea an die Decke. Seit ihrer Mutter der Job im Supermarkt gekündigt worden war, weinte sie fast jede Nacht. Tagsüber tat sie dann so, als wäre es gar nicht schlimm, dass der Laden zum Ende des Jahres geschlossen und alle Mitarbeiter entlassen wurden. Aber Lea wusste, dass es so schon nicht leicht gewesen war, Miete und Essen und Kleidung zu bezahlen. Und wie sollte es dann erst im nächsten Jahr werden?
Lea drehte sich auf die Seite und knipste ihre Nachttischlampe an. Der Lichtschein war gerade einmal so groß, dass ihr Bett beleuchtet war. Als sie die Hand nach dem Buch ausstreckte, in dem sie gerade las, tanzten Schatten über die Wände. Normalerweise gelang es ihr immer, sich mit den bunten Geschichten in ihren Büchern abzulenken, aber heute schaffte es nicht einmal Pippi Langstrumpf sie aus ihren Grübeleien zu reißen. Dabei liebte sie dieses verrückte Mädchen, das sich ihre Welt einfach so machte, wie sie ihr gefiel. Warum konnte sie das nicht auch? Dann hätte sie ihrer Mutter helfen können. Aber so.

Irgendwann fielen ihr dann doch die Augen zu. Und im Gegensatz zu den letzten Nächten, in denen sie schlimme Träume gehabt hatte, träumte sie diesmal etwas schönes. Sie war im Stadtpark unterwegs und ging einen der vielen Wege, die von dicken alten Eichen gesäumt waren. Plötzlich trat hinter einem der Bäume ein Rentier hervor. Aber kein gewöhnliches. Nein, es war ein Rentier, dessen Fell schneeweiß war. Doch noch bevor Lea näher an das Tier herangehen konnte, wachte sie auf. Es war noch mitten in der Nacht und sie hörte von Ferne die Kirchenglocken elf Mal läuten. Was für ein verrückter und vor allem schöner Traum. Sie kuschelte sich erneut tief unter ihre Decke und schlief gleich darauf mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein.

Der nächste Tag war der 23. Dezember. Einen Tag vor Heiligabend. Aber obwohl Lea gemeinsam mit ihrer Mutter die kleine 2-Zimmer Wohnung geschmückt hatte, kam keine richtige Weihnachtsstimmung auf.
Dabei hatte sich Lea beim aufwachen glücklich gefühlt. Anders, als die Tage zuvor. Und auch nach dem aufstehen dachte sie immer wieder an das weiße Rentier. Wie schön sein Fell im Traum geleuchtet hatte, als es da so stand. Aber gab es denn überhaupt Rentiere mit weißem Fell? Bisher hatte Lea immer nur Fotos von Rentieren gesehen, die ein braunes oder grau-braunes Fell hatten. Sie beschloss im Internet nachzuschauen.
Kurz darauf saß sie in ihrem Zimmer vor dem Laptop, den die Mutter ihr vor einigen Monaten gekauft hatte, als sie in die 5. Klasse gekommen war. Sie brauchte ihn nun für die Schule und sie hatte sich beinahe dafür geschämt, weil sie wusste, dass dafür eigentlich kein Geld da war.
Aber es war schon toll, wenn man einfach mal was im Internet nachschauen konnte. Rasch gab sie bei der Suchmaschine „Rentiere“ ein und scrollte dann durch die Ergebnisse. Bereits unten auf der ersten Seite wurde sie fündig: da war doch tatsächlich einem Fotografen in Norwegen ein junges schneeweißes Rentier begegnet. Neugierig betrachtete Lea das Foto. Wie hübsch das Tier aussah. Erneut stahl sich ein Lächeln auf ihr Gesicht.
Sie stutzte. Obwohl es im Moment wirklich eine traurige Zeit für sie war und sie sich sehr um ihre Mutter sorgte, schaffte es der Anblick eines weißen Rentiers, ihr für einen Augenblick den Kummer zu nehmen. Ob es etwas besonderes mit diesen Tieren auf sich hatte? Diesmal gab sie „weiße Rentiere“ in die Suchmaske ein und tatsächlich stieß sie auf eine Seite auf der stand, dass die Begegnung mit einem weißen Rentier Kraft schenkt und Glück bringt.
Lea sah nachdenklich aus dem Fenster hinaus. Kraft und Glück. Genau das war es doch was ihre Mutter im Moment brauchte. Sie zog eine Grimasse. Nun fehlte ihr also nur noch ein weißes Rentier. Mutlos schaltete sie ihren Laptop aus. Sie mussten wohl auf anders zurecht kommen.

Leas Herz klopfte schneller. Da, da war es wieder. Sie war denselben Weg gegangen, wie in der vergangenen Nacht und nun stand das weiße Rentier erneut vor ihr und sah sie aus seinen sanften braunen Augen an. Als sie dieses Mal erwachte, brauchte sie einen Augenblick, um zu begreifen, dass es wieder ein Traum gewesen war. Alles hatte so echt ausgesehen. Sie drehte sich auf den Rücken und zog die Decke bis unter das Kinn. Das Bild, wie das Rentier hinter dem Baum hervor getreten war, stand ihr nach wie vor deutlich vor Augen.
Wie kam es, dass sie auch in dieser Nacht von dem weißen Rentier geträumt hatte. Purer Zufall? Oder ein Zeichen? Aber wofür? Dafür, das Glück zu suchen?
Lea grübelte und grübelte, aber sie kam zu keinem Ergebnis. Und während die Gedanken weiter in ihrem Kopf Karussell fuhren, schlief sie erneut ein und begann zu träumen…

Da war der Weg im Stadtpark. Sie spürte den eisigen Wind, der zwischen den Bäumen entlangfegte. Als sie nach oben sah, staunte sie über die zahlreichen Sterne, die dort um die Wette funkelten. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass sie deutlich sehen konnte, wohin sie ihre Schritte lenkte. Da hinten, da war die alte Eiche, deren ausladende Äste sich weit über den Weg erstreckten. Jetzt im Winter sah es ohne das Laub aus, als würden sich Finger nach ihr ausstrecken. Aber Lea verspürte keine Angst. Im Gegenteil, es war ein wenig das Gefühl, als ob sie nach längerer Zeit nach Hause kommen würde.
Und in diesem Moment trat das weiße Rentier ein drittes Mal aus dem Schatten des Baumes hervor. Doch dieses Mal blieb es nicht reglos stehen, sondern machte ein paar Schritte auf sie zu. Es kam ihr ein Stück entgegen. Und auch Lea ging weiter. Und so kamen sie sich näher und näher.
Leas grüne Augen schauten direkt in die braunen des Rentieres. So lange bis sie spürte, dass jemand an ihrer Schulter rüttelte.
„Lea, wach auf!“
Schlaftrunken schlug sie die Augen auf und statt in die Augen des Rentieres, sah sie in die ihrer Mutter.
„Och Mama“, nuschelte sie verschlafen, „was ist denn los?“
„Wir müssen doch noch rasch ein paar Kleinigkeiten einkaufen, bevor die Geschäfte schließen.“

Seufzend rappelte sie sich auf. Stimmt, sie hatte ja versprochen ihrer Mutter zu helfen. Während sie sich so schnell wie möglich die Zähne putzte, eine Katzenwäsche machte und sich anzog, geisterte ihr weiter das weiße Rentier durch den Kopf. Glück und Kraft. Glück und Kraft. Obwohl es ihr nicht wirklich klar war, wie ihrer Mutter das helfen könnte, hatte Lea nach den Träumen das Gefühl, sie sollte versuchen ihrer Mutter das Rentier zu zeigen.
Ruckartig blieb sie stehen, so dass ihre Mutter, die hinter ihr die Treppe hinunterlief, direkt in sie hinein rannte.
Auf die Frage, ob sie etwas vergessen habe, schüttelte sie nur den Kopf und ging weiter.
Ihrer Mutter das Rentier zeigen? Drehte sie nun völlig durch? Aber auf einmal schien es ihr so klar zu sein, was die Träume bedeuteten. Sie sollte ihre Mutter zu dem weißen Rentier bringen. Damit es ihr Glück und Kraft schenken konnte. Auch wenn ihr jetzt nicht klar war, was das für ihre Mutter bedeuten konnte. Aber ihr Bauchgefühl sagte ihr, dass sie es zumindest versuchen musste. Und heute war doch Heiligabend. Wenn es heute kein Wunder geben würde, wann denn dann?

Der Einkauf dauerte eine halbe Ewigkeit. Die Leute drängten sich in dem Laden, als würde es nach Weihnachten nichts mehr zu kaufen geben. Lea nutzte die Wartezeit in der Schlange, um sich zu überlegen wie sie ihre Mutter in den Stadtpark locken könnte. Dummerweise fiel ihr absolut nichts ein. Und als sie dick bepackt mit ihren Einkäufen nach Hause kamen, beschloss sie, den direkten Weg zu gehen und ihrer Mutter einfach die Wahrheit zu sagen.
Sie erzählte ihr von den drei Träumen und von dem weißen Rentier, das der Fotograf in Norwegen gesehen hatte. Und davon, dass weiße Rentiere Glück bringen sollten.
„Und deshalb soll ich heute bei der Kälte in den Stadtpark gehen?“ Ihre Mutter strich ihr liebevoll über den Kopf. Lea zerriss es das Herz, als sie in die müden und traurigen Augen ihrer Mutter sah.
„Mama“, sie griff nach deren Hand und sah sie entschlossen an, „wir müssen es einfach versuchen. Sagst du nicht immer, dass ich auf mein Bauchgefühl hören soll?“
„Ja, schon…“
„Siehst du“, fiel Lea ihr ins Wort, „lass uns doch einfach vor dem Essen noch einen kleinen Spaziergang machen. Und wenn wir dort niemandem begegnen, dann waren wir wenigstens an der frischen Luft.“
Bei diesen erwachsen klingenden Worten, lächelte ihre Mutter.
„Na, bei soviel Klugheit kann ich wohl nicht nein sagen. Aber du musst mir nachher helfen das Essen vorzubereiten. Wenn Oma und Opa heute Abend kommen, muss alles fertig sein.“
Lea nickte und sprang dann auf und zog sich in Windeseile wieder an. Sie hatte ihre Mutter überzeugt, vielleicht würde nun doch noch alles gut werden.

„Es schneit!“ Lea legte den Kopf in den Nacken, öffnete den Mund und versuchte die Flocken aufzufangen. Mit mäßigem Erfolg. Aber trotzdem strahlte sie über das ganze Gesicht. Schnee. Es war magisch, wenn diese dicken weißen Flocken vom Himmel fielen. Bestimmt war das ein gutes Zeichen.
Sie griff nach der Hand ihrer Mutter und zog sie durch das schmiedeeiserne Tor, hinein in die Parkanlage. „Komm! Ich bin ganz sicher, dass wir hier dem weißen Rentier begegnen. Genauso wie ich es im Traum gesehen habe!“
Lea sah ihrer Mutter an, dass sie nur um ihr einen Gefallen zu tun, mit kam.
Nebeneinander gingen sie den Weg entlang. Ihre Schritte waren durch die dünne Schneeschicht, die sich bereits gebildet hatte, gedämpft. Außer ihnen war niemand zu sehen. Wahrscheinlich waren sie alle schon auf dem Weg in die Kirche oder zu ihren Familien.

Vor ihren Mündern waren Atemwolken, die Luft war klirrend kalt und an etlichen Zweigen der großen Eichen hingen Eiszapfen.
„Da vorne müssen wir rechts abbiegen“, erklärte Lea ihrer Mutter, „und dann ist es nicht mehr weit bis zu der Stelle an der ich das Rentier im Traum gesehen habe.“
Ihre Mutter griff nach ihrer Hand. „Lea, du bist aber nicht allzu enttäuscht, wenn wir hier keinem Rentier begegnen.“ In ihren Augen las Lea Sorge.
„Ist schon gut, Mama.“ Zuversichtlich ging sie weiter, den Blick fest und entschlossen nach vorne gerichtet.

Als sie auf dem Weg angelangt waren, den sie im Traum gesehen hatte, hielt Lea ein paar Schritte lang die Luft an. Nun würde es gleich soweit sein. Jeden Moment würde das weiße Rentier hinter einem der Bäume hervortreten. Und dann… ja, was würde dann eigentlich passieren? Lea warf einen raschen Blick auf ihre Mutter. Am besten, sie glaubte einfach daran, dass irgendetwas tolles passieren würde. Vielleicht konnte das Rentier auch Wünsche erfüllen und ihre Mutter würde einen neuen Job bekommen.
Je weiter sie auf dem Weg vorankamen, desto bedrückter fühlte sich Lea. Nirgends war ein Tier, geschweige denn ein Rentier zu sehen. Wie ein kleines Mädchen hatte sie sich aufgeführt. So, als wüsste sie nicht längst, dass es Wunder gar nicht gäbe. Nicht einmal am Heiligen Abend.
Vielleicht sollte sie in ihrem Alter doch nicht mehr Pippi Langstrumpf lesen, ihre Freundinnen machten sich deswegen sowieso schon über sie lustig. Man konnte sich die Welt eben doch nicht so machen, wie sie einem gefiel.
„Schatz“, ihre Mutter legte ihr den Arm um die Schulter, „wollen wir langsam umdrehen und nach Hause gehen?“
Lea wollte schon nicken, als sie nur wenige Meter von ihnen entfernt, ein Geräusch hörte, als würden kleine Zweige knacken. So, als würde Jemand sich nähern.
Und dann trat, genau wie in ihrem Traum, ein wunderschönes weißes Rentier hinter einem der Bäume hervor. Es trat auf den Weg hinaus und sah von dort Lea und ihrer Mutter entgegen.
„Das ist es“, flüsterte Lea unnötigerweise, denn das ihre Mutter das Rentier selber sah, war ja klar. Und es hatte ihr auch prompt die Sprache verschlagen.
„Komm“, sie zupfte ihre Mutter am Jackenärmel, „lass uns hingehen. Vielleicht lässt es sich streicheln.“

Vorsichtig, Schritt für Schritt, gingen sie näher, während das Rentier sie weiter aus seinen sanften braunen Augen betrachtete. Als sie ihm gegenüber standen, streckte Lea behutsam die Hand aus. Sie lachte, als das weiche Maul des Rentiers über ihre Haut strich.
„Du bist wunderschön“, sagte sie leise. Auch ihre Mutter streichelte das Tier nun sanft, das daraufhin seinen großen Kopf vorsichtig an der Schulter der Mutter scheuerte. Dann nickte es einmal, schnaubte, drehte sich um und verschwand so leise wie es gekommen war, hinter den Bäumen.
„Warte“, rief Lea ihm hinterher, „ich dachte du kannst uns noch helfen. Vielleicht einen Wunsch erfüllen…“
Aber ihre Mutter unterbrach sie, nahm sie in die Arme und flüsterte ihr leise ins Ohr: „Du hast mir heute schon einen Wunsch erfüllt, mein Schatz. Du hast mir gezeigt, dass es Wunder gibt. Und dass schenkt mir Hoffnung. Dafür danke ich dir von Herzen. Gemeinsam werden wir es auch nächstes Jahr schaffen.“
Lea standen Freudentränen in den Augen. Eng drückte sie sich an ihre Mutter. „Frohe Weihnachten, Mama.“

Diesmal waren dabei:

Veronika

Sabi

Rina

Corly

Das Thema für den 01. Januar lautet: Das Märchen der guten Vorsätze

Weihnachts-Romane – ich schwelge weiter!

Am 25. November (also am 0. Advent…) habe ich ja mit meiner Weihnachts-Romane-Lese-Challenge begonnen und oftmals ist es ja so, dass anfängliche Begeisterung auch gerne mal verpufft. Aber in diesem Fall… NEIN, kein Stück! Es macht mir nach wie vor unglaublichen Spaß, all diese Geschichten, die (meist) in der Weihnachtszeit spielen, zu lesen.

Heute möchte ich Euch von zwei Romanen erzählen. Und zwar aus der Winter-Street-Reihe von Elin Hilderbrand. Den 2. Band hatte ich Euch ja schon vorgestellt (warum erst diesen anstelle des 1.? Lest es einfach in meinem Beitrag nach!)

IMG_2475

Im 1. Band – „Winterglanz“ – sind mir nun also all die Menschen aus dem 2. Band begegnet. Vorrangig die Mitglieder der Familie Quinn, um die sich diese Reihe ja dreht. Klar wusste ich nun schon, wie es für die Tochter mit ihrer Suche nach Mr. Right weitergehen würde. Und was es mit Mrs. und Mr. Claus auf sich hatte, war für mich auch nichts neues, aber trotzdem hat es Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Zu erfahren, warum die Figuren so und nicht anders handeln. Wie war das doch gleich in der Vergangenheit?

Und weil ich mit den Quinns so richtig warm geworden war, habe ich den 3. Band – „Winterhochzeit“ – auch gleich dran gehängt. Anfangs war ich tatsächlich enttäuscht, denn dieser startet im Frühling. Hey! Ich wollte doch Weihnachts- / Winter-Romane lesen. Und es ging dann prompt auch mit den einzelnen Jahreszeiten weiter bis… ja, bis die Weihnachtszeit da war. Und schon lange vorher stellte ich fest, dass es schön war, die Familie einmal durch das ganze Jahr zu begleiten. So hatte die Autorin natürlich noch einmal ganz andere Möglichkeiten, das Leben ihrer Figuren darzustellen.

Ach ja, vor einigen Wochen ist übrigens Band 4 der Winter-Street-Reihe erschienen, der (wahrscheinlich) letzte Band. Mal schauen, ob ich mir das Buch – eins geht ja immer noch… – noch in diesem Jahr oder dann doch erst im nächsten zulege…

Ein Fitzelchen Frieden

„Imagine all the people, living life in peace“ (stell dir vor, all die Leute, lebten ihr Leben in Frieden), sang John Lennon einst. Von vielen wurde er verlacht. Weil er glaubte, dass Musik die Menschen zusammenbringen könnte.
IMG_2393
Und ja, Frieden in der Welt haben wir auch durch diesen wunderschönen Song nicht bekommen. Leider. Aber was ist falsch daran, darauf zu hoffen? Und kennt es nicht jeder von Euch, dass Musik etwas in einem auslöst? Sehnsucht. Trauer. Schmerz. Aber auch Hoffnung. Liebe. Erinnerungen…

Vergangenen Dienstag war ich auf einem Weihnachtskonzert. Die „Christmas Tour“ von Patricia Kelly hat in Hannover Station gemacht. Das ich als erklärter Weihnachts-Fan Weihnachtslieder liebe, liegt auf der Hand. (Ja, auch „Last Christmas“!) Schon Wochen vorher habe ich mich auf diesen Tag gefreut, denn als bekennender Fan der Kelly Family wusste ich schon vorher, dass Patricia Kelly mir einen großartigen Abend bieten würde.

Und genauso war es auch! Sie sang deutsche Weihnachtslieder ebenso wunderschön wie spanische und auch die bekannten amerikanischen Lieder, wie „White Christmas“ , das jetzt gerade während ich diesen Beitrag schreibe, in der Version von Bing Crosby in Dauerschleife läuft. Gemeinsam mit einer großartigen Band hat Patricia Kelly teilweise die altbekannten Lieder neu arrangiert, aber auch klassische Versionen wie z. B. von „Es ist ein Ros entsprungen“ mit ihrer wundervollen Stimme zu Gehör gebracht.

Ebenso wie es damals sicherlich John Lennon wusste, weiß auch ich, dass – egal ob Weihnachtszeit ist oder nicht – Menschen auf dieser Welt hungern. Dass es auch in der Weihnachtszeit Mord und Totschlag, Kriege gibt. Und dass – leider – auch Musik keinen Frieden schaffen kann.

Aber an diesem Abend, als die ZuhörerInnen all diesen Liedern lauschten, sie teilweise mit sangen und als die Zugabe „Stille Nacht, heilige Nacht“ in drei Sprachen erklang und wir alle zusammen die deutsche Strophe sangen – während Patricia Kelly und die Band (bis auf einen Musiker, der uns bis zum letzten Ton auf der Akustik Gitarre begleitet hat) die Bühne nach und nach schweigend verlassen haben – da war es auf einmal da: dieses kleine Fitzelchen Frieden. Mitten im Saal, unter all diesen Menschen breitete es sich aus und hinterließ zumindest in meinem Herzen ein kleines Licht. Ein Licht, dass sich HOFFNUNG nennt.

Und mit dieser HOFFNUNG und einem Lächeln auf meinem Gesicht gehe ich weiter durch mein Leben…

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will be as one

Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer,
Aber, ich bin nicht der Einzige!
Und ich hoffe, eines Tages wirst auch du einer von uns sein,
Und die ganze Welt wird eine Einheit.

Kurs für Sterbebegleiter/innen: Emotionaler Einstieg ins Praktikum

Die ersten zwei Wochen meines Praktikums sind vorbei. Zwei Mal habe ich jetzt Fr. Müller (das ist selbstverständlich nicht der richtige Name!) in ihrem Zimmer im Pflegeheim besucht.

DASEIN, so heißt der ambulante Hospizdienst, bei dem ich den Kurs belege. Und genau darum geht es, um das `Da sein´ für Menschen in Lebenslagen, in denen sie Unterstützung benötigen. Im Moment „geistert“ mir noch so vieles durch den Kopf. Daher gibt es heute erst einmal ein paar Gedankenfetzen… und im nächsten Jahr dann  mehr.

Da seinIMG_5294
den Weg mitgehen
begleiten
nicht vorweg laufen

Da sein
wenn die Kraft fehlt
die Augen um Hilfe rufen
der Mund Worte formt

Da sein
wenn die Stille Raum fordert
Hilflosigkeit um Halt bittet
der Kälte getrotzt wird

Da sein
Hände halten
Wangen streicheln
tröstend umarmen