Das Märchen der guten Vorsätze

Wie ist das bei Euch mit den Vorsätzen? Nehmt Ihr Euch etwas vor, bevor Ihr in das neue Jahr startet? Also ich schon länger nicht mehr. Denn mal ehrlich: nur weil Schlag Mitternacht ein neues Jahr beginnt, bin ich persönlich weder disziplinierter noch Ziel orientierter. Dass was ich wirklich ändern will, mache ich nach und nach und dieser Willen hat bei mir überhaupt nichts – mehr – mit dem neuen Jahr zu tun. Aber selbstverständlich muss das jeder für sich entscheiden. Und wenn Ihr Vorsätze gefasst habt, dann drücke ich Euch feste die Daumen und natürlich wünsche ich Euch auch ansonsten alles Gute für das Jahr 2019!

Aber nun zu meinem Schreibkick… (übrigens eine Erfindung von Sabi, deren facebook Gruppe Ihr hier findet!)

Das Märchen der guten Vorsätze
von Nicole Vergin

Klingkling…
Das laute Stimmengewirr, das durch den großen Saal rauschte, sorgte dafür, dass nur wenige den Kopf hoben und in die Richtung schauten, aus der das leise klingen kam. Erst ein lautes RUHE sorgte für selbige.
„Danke, dass ihr alle gekommen seid!“
Alle Augen waren nun auf den Redner gerichtet.
„Meine lieben guten Vorsätze. Ihr wisst alle, warum wir hier heute zusammen gekommen sind: Silvester naht und damit auch das neue Jahr und…“
Allgemeines stöhnen und seufzen hallte durch den Saal.
„Und“, fuhr der Redner fort, „die Menschen wollen sich wieder mal unserer bedienen. Indem sie uns lauter Versprechungen machen.“
„Im nächsten Jahr fange ich endlich mit Sport an“, ertönte eine betont alberne Stimme aus den vielen Reihen der guten Vorsätze.
Prompt fielen andere ein: „Ich werde endlich abnehmen“, „Ich höre mit dem Rauchen auf“, „Kein Alkohol mehr“ – und etliches mehr.
„Ich bitte wieder um Ruhe“, der Redner hob beschwichtigend die Arme, aber die guten Vorsätze waren inzwischen von ihren Stühlen aufgesprungen und einer rief laut: „Wir lassen uns das nicht mehr gefallen!“
„Deswegen sind wir ja hier“, auch der Redner wurde nun deutlich lauter, woraufhin sich alle wieder setzten.
„Ihr habt Recht“, fuhr er fort, „wir dürfen uns diesen Missbrauch nicht mehr gefallen lassen. Wir stehen den Menschen im nächsten Jahr einfach nicht mehr zur Verfügung. Wir werden uns zurückziehen. Dann werden sie schon sehen, was sie ohne uns schaffen. Gar nichts.“
Die anderen guten Vorsätze klatschten begeistert Beifall.

Tja, und so kam es dann auch. Der Silvesterabend nahte, die Menschen wollten gute Vorsätze fassen, aber da waren plötzlich keine mehr. Und auch am Neujahrsmorgen, egal wo sie suchten und wie sehr sie auch grübelten – es waren einfach keine guten Vorsätze da.
Und dann geschah etwas, womit die guten Vorsätze nicht gerechnet hatten: anstatt sich weiter auf die Suche nach ihnen zu machen oder in Trübsinn zu verfallen, ging es den Menschen plötzlich gut. So gut wie lange nicht mehr an einem 01. Januar.
Niemand schleppte sich, obwohl er keine Lust hatte, auf seine erste Laufrunde des Jahres, nur weil er es sich vorgenommen hatte. Im Internet wurden keine Fitnessgeräte bestellt, die dann sowieso nur im Keller eingestaubt wären. Die Bücher über all die zahlreichen Diäten würden in den Regalen liegenbleiben.
Stattdessen horchten die Menschen in sich hinein und fragten sich, was sie an diesen ersten Tagen des Jahres gerne tun würden. Womit würde es ihnen gut gehen? Und während der eine seinen Rausch auf dem Sofa ausschlief, machte der andere einen gemütlichen Spaziergang und noch ein anderer hatte plötzlich gar nicht mehr so große Lust auf Schokolade wie sonst, denn plötzlich fiel das ständige Verbot einfach weg.

Die guten Vorsätze beobachteten all das aus ihrem Versteck mit großer Sorge. Und die schlauen unter ihnen suchten sich direkt eine neue Beschäftigungsmöglichkeit. Andere hingegen hofften, dass die Menschen sie im kommenden Jahr wieder anfragen würden.

Und ob das überhaupt noch nötig sein wird, ja, das könnt nur ihr entscheiden.

Diesmal waren dabei:

Rina

Veronika

Das Thema für den 01. Februar lautet: Imaginäre Freunde

 

16 Comments on “Das Märchen der guten Vorsätze

  1. Sehr gut. Genauso sollte es sein. Endlich ohne irgendwelche selbstaufgelegten Ketten, das neue Jahr starten.
    Schön geschrieben.
    Ein frohes neues Jahr.

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Schreibkicks – Märchen der guten Vorsätze – Geschichtszauberei

  3. Pingback: Schreibkick: Vom Märchen der guten Vorsätze. | vro jongliert

  4. Tolle Geschichte. 🙂 Ich habe mir noch nie gute Vorsätze gemacht. Ich sehe das so wie Du. Wenn man etwas ändern will, dann soll man das auch tun. Egal ob gerade ein neues Jahr anfängt oder nicht. Ist doch nur unsere Zeitrechnung, damit wir Menschen alles einordnen können. Wer weiß ob das überhaupt stimmt? Fast jedes Land feiert zu einem anderen Zeitpunkt Neujahr. Darum verstehe ich auch nicht, wenn manche Menschen Silvester melancholisch werden.
    LG Susanne

    Gefällt 1 Person

    • Danke! 😀 ❤ Ich früher schon… und das war echt nervig und hat – außer zu Enttäuschungen – zu nichts geführt. Und genau: letztendlich ist es EIN Tag im Jahr, im Leben… wie schön, dass Du es auch so siehst!

      Liebe Grüße
      Nicole

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  5. Hey Nicole,

    mir geht es ähnlich, ich nehme mir auch nichts mehr vor fürs neue Jahr. Wenn ich etwas ändern will, dann tue ich das dann, wenn es für mich passt. Und das ist selten am Anfang eines neuen Jahres.
    Da muss ich die guten Vorsätze deiner Geschichte wohl enttäuschen. Ich werde sie auch nächstes Jahr nicht anfragen 🙂

    Liebe Grüße,
    Sabi

    Gefällt 1 Person

    • Hi Sabi! 😀

      Das ist sicher auch das beste! Aber es gibt immer noch massenhaft Menschen, die sich den guten Vorsätzen „zum Frass vorwerfen“. Muss eben jeder für sich entscheiden!

      Liebe Grüße
      Nicole

      Liken

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