Ultralauf am Dörnberg

Da staunt Ihr… eben schreibe ich noch etwas von `langsam wieder fit werden´ (in meinem Beitrag „Fit mit 50“) und nun geht es um einen Ultralauf (alles was länger ist, als ein „gewöhnlicher“ Marathon; 42,195 km)!

Ihr ahnt es schon: ich bin den Ultra nicht gelaufen. Nein, der Ultraläufer in unserer Familie ist mein Mann Holger. Und auch wenn Fitness für mich nicht bedeutet, dass ich so lange Läufe machen muss, ist er für mich mit seiner Disziplin und Bewegungsfreude bereits seit über 20 Jahren ein Vorbild. Und ich liebe es, wenn er von seinen Läufen erzählt und so bin ich auf die Idee gekommen, ihn zu bitten von seinem letzten Lauf hier auf dem Blog zu erzählen. Viel Spaß beim Lesen!

Lebensbogen Ultra in Zierenberg – 19. Januar 2019
von Holger Vergin

Nach längerer Zeit war es mal wieder soweit: ich hatte mich für einen Ultralauf in der Nähe von Kassel angemeldet und beschlossen, schon am Freitag anzureisen. Da es sich bei diesem Traillauf um einen Einladungslauf handelte, war die Teilnehmerzahl eher gering – am Ende starteten ca. 20 Läufer und Läuferinnen – also sehr familiär. Den Veranstalter und einige Teilnehmer kannte ich schon länger und so freute ich mich auch auf nette Gespräche am Abend. Nach ca. drei Stunden Fahrt traf ich in Zierenberg ein und nachdem die anderen Übernachtungsgäste eingetroffen waren, gab es ein leckeres Abendessen in den Räumen der Lebensbogen-Gemeinschaft.

2Am Samstagmorgen genossen wir zusammen ein umfangreiches Frühstück. Das übliche fachsimpeln und die lockere Atmosphäre ließen im Übrigen keinen Gedanken an einen Wettkampf aufkommen und so standen wir schließlich gegen 9 Uhr an der „Startlinie“ und mit einem „Na denn mal los“ ließ uns Organisator Jochen auf die Strecke.

Knackiger Frost und erste Schneefälle hatten in den Tagen zuvor aus der Strecke eine tolle Winterlandschaft gezaubert. Ach ja, die Strecke. Es handelte sich um eine 10-KM-Runde, die im günstigsten Fall fünfmal gelaufen wurde. Zweimal sollte man links rum, zweimal rechts rum und die letzte Runde konnte man selbst die Richtung entscheiden. Dazu kamen ca. 330 Höhenmeter, so das am Schluss ca. 1.650 Höhenmeter auf der Uhr standen.

Aber der Reihe nach. Nach dem Start setzte ich mich erstmal souverän ans Ende des Feldes, um alles von hier kontrollieren zu können. Mit dem GPS-Gerät in der Hand – eine Streckenmarkierung gab es nicht, nur einen Track – lief ich los und schon nach 3hundert Metern waren wir im ersten Waldstück. Die schnelleren Läufer setzten sich rasch ab und wir bildeten mit fünf Teilnehmern den Schluss. Wir quatschten, mußten aber immer wieder auf den Weg achten. Zum einen lag überall ein wenig Schnee, aber auch unebene und gefrorene Teilstücke lösten sich ab. Auch hier ging es schon abwechselnd rauf und runter. „Traillaufen hat was mit Aufpassen zu tun“, hat mal ein Läufer gesagt. Wie wahr, gerade hier mit verschneiten und gefrorenen Wegen traf das genau zu.

1Nachdem wir ca. fünf Kilometer zurückgelegt hatten, bog der Track rechts ab und führte über einen steilen Anstieg zum Dörnberg hinauf. Trotz herrlichstem Sonnenschein war selbiger an dieser Stelle heute noch nicht aufgetaucht und so war dieses Teilstück – von Fahrspuren zerfurcht und an manchen Stellen war das vom Berg abfließende Wasser gefroren – besonders anspruchsvoll. Der Weg führte nach rechts, hier war eine Hütte und man hatte einen tollen Blick in nebelverhangene Täler.

Aber oben waren wir noch lange nicht. Schmale Singletrails führten serpentinenartig immer höher und dann wurde der Blick auf den Gipfel frei, der noch zu erklimmen war. Hier oben ging auch ein leichter Wind und nach der Kletterpartie waren wir froh, mal wieder ein Stück laufen zu können.

Nach weiteren tollen Aussichtspunkten drehte der Track dann rechts in den Wald und es ging bergab. Mit viel Vorsicht konnte man hier halbwegs herunterlaufen, dann gab es sogar ein Stück Aspalt, doch nach zweihundert Metern waren wir wieder auf geschotterten Wegen und dann wieder auf Trails unterwegs. Durch ein Drehgatter hindurch stieg der Weg nochmal steil an und an einer ungewöhnlichen Felsformation vorbei. Ein weiteres Drehgatter und nach eine kurzen Anstieg tauchte ein Schild auf, „Vorsicht Flugbetrieb“. Heute waren allerdings keine Segelflieger unterwegs und so konnten wir bedenkenlos die Ebene überqueren und sahen dann schon bald das Café der Wohnanlage der Lebensbogen-Gemeinschaft, das uns als Start und Ziel diente.

20

Die erste Runde hatte ich nach ca. 75 Minuten absolviert, kurze Verpflegungsaufnahme, den Transponder zur Zeitnahme aktiviert und auf zur zweiten Runde. Diesmal lief ich nochmals in die gleiche Richtung und aus unserem Grüppchen waren so nach und nach einige zurückgeblieben oder schneller geworden, so dass wir zu zweit waren, als wir losliefen. Das ist dann auch bis zum Schluss so geblieben. Auf der zweiten Runde steckte ich mein GPS-Gerät an den Rucksack und wollte die Strecke nach dem Gedächtnis laufen. Das hat bis auf ein, zwei Stellen auch gut geklappt. Der Anstieg zum Dörnberg war wegen der Sonneneinstrahlung schon an einigen Stellen angetaut und mancher Teilnehmer kam uns schon entgegen, weil er nach der ersten Runde die Richtung gewechselt hat. Auch diese Runde konnte ich nach knapp 75 Minuten beenden, Verpflegung, auschecken und raus auf die dritte Runde, diesmal erst über das Flugfeld.

Der Anstieg zum Dörnberg von dieser Seite war gefühlt etwas länger und beim Abstieg musste man sehr aufpassen, nicht auszurutschen, so das an Laufen, zumindest für mich, nicht unbedingt zu denken war. Aber auch diese, so wie die vierte Runde konnten wir 21nach ca. 80 Minuten beenden, so das wir noch genug Zeit für die Schlußrunde hatten.
Mittlerweile hatte ich bei der Verpflegung auch meine geliebten Erdnüsse gefuttert, – dadurch nehme ich Salz auf, was für Ultras enorm wichtig ist – Apfelschorle dazu und auf ging es in die fünfte Runde, die Genussrunde. Hier nahm ich mir dann auch endlich Zeit für ein paar Bilder. Und so gelangten wir, meine unermüdliche Laufbegleiterin und ich, kurz vor 16 Uhr zum letzten Mal auf das Flugfeld und beendeten den Lauf nach 6:50 Stunden überglücklich und zufrieden.

22Die letzten waren wir dann im übrigen nicht. Einige Teilnehmer sind zwischendurch ausgestiegen und nach uns kamen noch mindestens zwei Läufer an.
Es gehören eben nicht nur läuferische Fähigkeiten dazu, solch eine Herausforderung zu meistern, auch der Kopf muss mitspielen. Aber wenn alles klappt, dann macht das Ganze unheimlich viel Spaß.
Ich bin jedenfalls froh, auch heutzutage noch diese Leistung bringen zu können. Meine Liebe zur Natur und zur Bewegung können sich in so einem Rahmen voll austoben.
Nach dem Duschen trafen wir uns noch im Cafe, die Urkunden und weitere Finisherpräsente wurden verteilt und dann machte ich mich auf die Heimfahrt.

 

7 Kommentare zu „Ultralauf am Dörnberg

    1. 5 Kilometer sind doch super! Läuferisch läuft bei mir im Moment nichts. Ein kurzes aufflackern im letzten Jahr und im Moment sind es eben Spaziergänge, was ja auch gut ist. Aber ich plane gemeinsam mit unserem neuen Hund mal wieder einzusteigen. Aber dann auch kurze Strecken! 😀

      Gefällt mir

    1. Dankeschön, geb ich weiter! 😀
      Bei dem Event nicht, aber grundsätzlich: JA! Wie z. B. bei der Veranstaltung über die ich in diesem Beitrag geschrieben habe: https://diewaldtraeumerin.com/2018/07/19/es-gibt-ja-berge-im-sauerland/

      Mein Mann musste nach einer Verletzung langsam wieder einsteigen und hat dann an dieser Wanderung (55 km) teilgenommen.

      Also, falls Du Dich auch gerne anmelden möchtest, können wir diesen Lauf sehr empfehlen. 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s