Wie ich beim herabschauenden Hund auf den Hund herab schaute

Das erste Mal Yoga mit Hund. Ich rolle meine Matte aus und bevor sie überhaupt flach am Boden liegt, hüpft Gina bereits mit Schwung darauf. Welches Abenteuer wohl jetzt auf sie wartet? Ich setze mich im Schneidersitz auf die Matte – auf das Stück, das ich mir erobert habe – lege meine Hände auf meine Oberschenkel… schwupps schiebt Gina ihren Kopf unter meinem Arm hindurch und schlabbert mir durch das Gesicht. In diesem Stil geht es bei den nächsten Übungen weiter. Irgendwann legt sie sich aufs Sofa und schaut von dort interessiert weiter zu. Und dann mache ich den herabschauenden Hund… hopsspringwedel schon rennt sie unter mir durch und ich muss aufpassen, dass ich vor lauter Lachen nicht auf sie drauf falle.

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Seit Ginas Ankunft am Samstag ist schon so unglaublich viel passiert, dass ich kaum weiß, wo ich anfangen soll. Aber wie ich im letzten Beitrag versprochen habe, schildere ich Euch nun noch die Highlights der ersten Tage.

Obwohl Gina bereits ein Jahr alt ist, kennt sie bisher wirklich nichts. Sitz, Platz, bei Fuß, an der Leine gehen… nichts. Denn logischerweise hatte im Tierheim niemand Zeit, ihr etwas beizubringen. Der riesengroße Vorteil ist, dass wir es nun so halten können, wie wir wollen. Da wird also weder an der Leine geruckt, wenn sie mal einen Moment stehenbleibt, um durchzuatmen und Mut zu sammeln, um dann weitergehen zu können. Noch drücken wir auf ihr Hinterteil und ziehen dabei den Kopf nach oben, damit sie sich hinsetzt.

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Gina ist eine unglaublich kluge Hündin, die alles neue in sich aufsaugt und sobald wir ihr ein wenig Raum zum verarbeiten lassen, merkt sie sich alles in Windeseile. Am Esstisch wird nicht hochgesprungen. Kein Problem. Aber wenn ich an meinem Schreibtisch sitze, da darf sie mir mit den Vorderbeinen auf meine Beine springen und dann gibt es eine Kraulpause. Und nein, sie hat überhaupt keine Probleme damit, dass zu trennen.

Ebenso schnell hat sie verstanden und akzeptiert, dass ich alleine ins Bad gehe. Und inzwischen steht sie nicht einmal mehr vor der Tür, sondern liegt gemütlich auf ihrer Decke und riskiert ein Auge, wenn ich wieder reinkomme.

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Zwei Tage lang stand sie zu Beginn der Spaziergänge meist eine Weile angeleint in der Wintergartentür. Wir konnten förmlich sehen, wie sie grübelt und nachdenkt. Wie sie Mut sammelt, um in die große Welt hinaus zu gehen. Inzwischen ist sie die erste die hinaushopst und dann losmarschiert.

Ja, innerhalb dieser wenigen Tage hat sie sich bei uns problemlos eingelebt – worüber wir unglaublich glücklich sind! – sie schläft und frisst und kuschelt, als würde sie nichts anderes kennen. Draußen gibt es immer Momente, in denen sie stehenbleibt und es eine Weile dauert, bis sie sich weitertraut. Und als gestern ein riesiger Trecker an uns vorbei gerumpelt ist, da war sie im Anschluss so fertig, dass ich kehrt gemacht habe und nach Hause gegangen bin. Kommentarlos, ruhig, einfach die „Aktion“ abgebrochen. Heute war sie zwar sichtlich aufgeregt, als wir an der Stelle erneut vorbei kamen, aber als sie es dann tatsächlich gewagt hat, weiter zu gehen, war ihr Selbstbewusstsein noch ein Stückchen gewachsen. Und ich mächtig stolz auf diese wunderbare kleine Hündin.

Soviel für Heute, denn nun habe ich wichtigeres zu tun: eine weitere Krauleinheit steht jetzt auf dem „Programm“!

3 Kommentare zu „Wie ich beim herabschauenden Hund auf den Hund herab schaute

  1. Ich freu mich so für Gina- Maus! 🙂 Ihr macht das genau richtig. Den Hund erst einmal wirklich ankommen und langsam die neue Welt erkunden lassen. Gina sieht sehr intelligent aus, ich kann mir gut vorstellen, wie schnell sie lernt. Die meisten Hunde aus dem Süden, versuchen es dem Menschen immer alles recht zu machen. Gerade solche Hunde die vorher auf der Straße gelebt haben. Sie erleben erst einmal den absoluten Kulturschock, wenn sie hier in Deutschland ankommen und das erste Mal ein Haus betreten. Sie kennen nichts, nicht einmal ihren Namen, den ihnen die spanischen Tierschützer gegeben haben. Erstaunlich finde ich es immer wieder, wie schnell sich diese Hunde in ihrem neuen Leben zurecht finden. Wie sie lernen und wie dankbar sie sind. Ihr habt jetzt einen Rohdiamanten und könnt das Beste aus der süßen Maus herausholen. ❤
    LG Susanne

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für Deine lieben Worte! ❤ Stimmt, Gina versucht alles so gut wie sie es gerade kann zu machen. Ein absoluter Schatz! Und erstaunlicherweise war das "im Haus sein" gleich überhaupt kein Problem – bis auf eine Kleinigkeit: ihr Spiegelbild im Fenster… wir hatten vorsichtshalber schon ein paar Zettel an die Scheibe geklebt, damit sie auch nicht gegen rennt (Wintergartentür) aber dann für zwei Abende noch Zeitung darüber geklebt. Und inzwischen hat sie auch diese Angst verloren. Du hattest uns ja glücklicherweise vorher darauf hingewiesen, dass sowas passieren kann. Sonst hätten wir vielleicht erstmal gar nicht gewusst, warum sie Angst hat. Danke nochmal für Deine wertvollen Tipps! ❤
      Liebe Grüße und komm gut ins Wochenende
      Nicole

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