Als Miranda in Rente gehen durfte

Vor einigen Wochen wurde bei mir in der Gegend ein Schäferhund ausgesetzt. Ein wunderschönes Tier. Angebunden an einem Baum, harrte der schwarze Rüde bei Minustemperaturen aus. Wartete auf seine Menschen, die nicht kamen. Weil sie ihn nicht mehr wollten.

Das Tierheim aus dem unsere Gina stammt, bekommt zur Zeit täglich Neuzugänge. Galgos – eine spanische Windhundrasse, die für die Jagd benutzt werden – werden (im günstigsten Fall) am Tierheim abgegeben oder ausgesetzt, auch mal lebend in einen trockenen Brunnenschacht geworfen.

Grausame Tierschicksale, wohin man auch sieht. Und dann gibt es da all diese Menschen, die sich um diese Tiere kümmern. Die den „übrig gebliebenen“ ein liebevolles Zuhause geben. So wie es Miranda erfahren durfte. Miranda ist eine wunderschöne Fuchsstute. Eine Pferdedame aus einem guten Stall, die Jahrelang in der Zucht eingesetzt wurde und ihrem Züchter viele Fohlen geschenkt hatte.

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Miranda und Susanne – Zwei, die sich vertrauen

Mit 20 Jahren hatte sie 2011 also schon so einiges in ihrem Leben erlebt und war nicht mehr die taufrische junge Stute, die ein gesundes Fohlen nach dem anderen auf die Welt bringt. Zwei Totgeburten in zwei aufeinander folgenden Jahren sorgten dafür, dass ihr Schicksal besiegelt werden sollte. Der Züchter wollte den „unnützen Fresser“ zum Schlachter bringen.

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Und an dieser Stelle trat Susanne Rittscher in Mirandas Leben. Susanne konnte es nicht glauben, dass Miranda nach all dem was sie geleistet hatte, abgeschoben werden sollte. Und sie war keinesfalls bereit, das einfach so hinzunehmen. Gemeinsam mit anderen Unterstützern schuf sie einen Platz auf ihrem Hof, auf dem Miranda ihre wohlverdiente Rente genießen kann. Gegen die Einsamkeit bekam sie den Wallach Bachhus an ihre Seite, der leider im vergangenen Jahr die Reise über die Regenbogenbrücke gemacht hat. Erneut war guter Rat teuer. Neben der Trauer um den geliebten Vierbeiner – die sowohl Miranda als auch Susanne schwer zu schaffen machte – musste ein neuer Wegbegleiter gefunden werden. Wobei letztendlich tatsächlich Frank Weber vom Fernsehsender VOX behilflich war. Seit einigen Monaten ist nun Herr Nielsson bei Miranda mit eingezogen.

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Miranda mit ihrem neuen Freund Herrn Nielsson

Ja, was ich jetzt hier mal eben in wenigen Sätzen zusammen gefasst habe, bedeutet für Susanne jeden Tag Arbeit und vor allem auch die Sorge, dass alles weiterhin finanziert werden muss. Denn – ganz nebenbei… – finden auf ihrem Hof auch Streunerkatzen und geschundene Hundeseelen ein liebevolles Zuhause.

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Auch Giada mag die schöne Stute

Und für Miranda bedeutet das alles, das sie in der vergangenen Woche ihren 28. Geburtstag feiern durfte. Happy birthay, liebe Miranda und ich wünsche Dir von Herzen noch viele weitere schöne Jahre. Und Susanne, vor Dir ziehe ich den Hut und wünsche Dir weiter alles Gute für Deine so wertvolle Arbeit für und mit den Tieren, die es im Leben nicht immer leicht hatten!

Schaut doch einfach mal auf Mirandas Seite vorbei, die Ihr hier findet! Dort gibt es noch viele weitere Fotos von ihr und allen Hofbewohnern!

Projekt abc – H wie Hochsitz

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Das Projekt wurde von Wortman „wieder belebt“ – eine spannende Fotoreise durch das Alphabeth. Und heute ist auch schon der Buchstabe H dran…

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In meiner Kindheit zogen mich Hochsitze magisch an. Kaum, dass ich einen erspähte, krabbelte ich bereits die Stufen hinauf und dann… war ich auf einmal groß. Richtig groß. Und konnte von oben herab und über alles hinweg blicken. Dass diese in den Himmel gebauten Gestelle oftmals baufällig waren, kratzte mich natürlich kein Stück und meiner Familie graute es hin und wieder sicherlich, wenn ich mich mal wieder vom Acker machte. Wobei ich als Stadtkind erst die Gelegenheit dazu bekam, als meine große Schwester aufs Land zog.

Heute sind Hochsitze meist niedrig. Also eher Niedrigsitze. Warum? Keine Ahnung. Auf jeden Fall sind diese kleinen Dinger transportabel, haben eine Vorrichtung zum anhängen und Reifen drunter. Trotzdem stehen sie meist an festen Stellen, wo sie vor sich hin gammeln. Offene Hochsitze gibt es kaum noch. Heute sind die Sitze umbaut und wenn man mal einen Blick hineinwirft, findet man auch mal ein Sitzkissen und anderen Komfort.

Nachdem klar war, dass ich für das H das Wort Hochsitz wähle, lauerten sie plötzlich überall. Bei meinen täglichen Spaziergängen mit Gina sehe ich sie jetzt nahezu an jeder Feld- / Wald- und Wiesen-Ecke. Und da ich mich nicht für einen entscheiden wollte… habe ich einfach mehrere fotografiert.

Ach ja, heute muss sich niemand mehr um mich Sorgen machen: ich habe Höhenangst und zumindest die „normal“ großen Hochsitze sind vor mir sicher. Vielleicht haben ja auch immer mehr andere Menschen Höhenangst und es gibt daher bevorzugt die niedrigen Holzbauten…

Vier Wochen mit Gina: Ein Liebesbrief an eine zauberhafte Hündin

Morgen ist es genau vier Wochen her, dass Du zu uns gekommen bist. Eine kleine schwarz-weiße Hündin, die unsere Herzen im Sturm erobert hat. Den Moment, als sie Dich aus dem Transportkorb heraus geholt haben und Du ganz eingeschüchtert da gestanden hast… den werden wir nie vergessen.

Die letzten vier Wochen mit Dir waren unglaublich. Du verzauberst uns an jedem Tag, in jedem Moment, den wir mit Dir verbringen. Egal, ob Du wie ein Wirbelwind durch den Garten saust oder zwischen uns auf dem Sofa selig schlummerst.

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So vieles haben wir in dieser kurzen Zeit schon erlebt. Du hast Trecker kennen gelernt. Anfangs hast Du Dich zitternd an uns gedrängt, inzwischen hüpfst Du hinterher, als wolltest Du sagen: hey, komm her! Trau dich! Auch vor Kühen hast Du keine Scheu mehr und auch Pferde sind keine fremden Wesen mehr für Dich.

Ja, Du bist eine unglaublich mutige kleine Hündin. Mit der dazu passenden Vorsicht. Du schaust Dir die Menschen und Hunde, die Dir bei unseren Spaziergängen begegnen genau an. Und dann entscheidest Du, wem Du vertrauen magst oder vor wem Du lieber noch ein wenig in Deckung gehst.

Du liebst es, wenn wir mit Dir zum spielen auf den Hundeplatz gehen. Sonntags, wenn es für die Hunde bis 40 cm stattfindet und Du nicht gleich vor einem Bernhardiner stehen musst. Und auch die Hundeschule, das lernen, macht Dir Spaß. In Windeseile hast Du „Sitz“ gelernt und gehst auch problemlos im Kurs an unserer Seite mit durchhängender Leine.

Und heute waren wir sogar das erste Mal bei unserem Tierarzt. Wir hatten Dir doch nicht zuviel versprochen, oder? Er war genauso behutsam und sorgfältig im Umgang mit Dir, wie wir das immer gewohnt waren. Das erste Kennenlernen, dass wir Dir nicht zumuten wollten, wenn erst ein Krankheitsfall eintritt, verlief wunderbar und Du warst zwar auch dort vorsichtig und zurückhaltend, aber nicht ängstlich.

Für jeden Tag, den wir bisher mit Dir verbringen durften, sind wir dankbar! Und wir freuen uns auf alle die noch kommen werden – wir lieben Dich sehr, kleine Gina!

Hinweis: Solltet Ihr übrigens den Beitrag über Ginas Ankunft verpasst haben, dann findet Ihr ihn hier!

Und ein ganz dickes Dankeschön nochmal an A.S.P.A Friends e.V., die uns wunderbar beraten und dafür gesorgt haben, dass unsere Gina zu uns kommen konnte!

abc.Etüden – Que serà, serà

Etüden 2019 08+09 | 365tageasatzadayUnd weiter geht es mit den abc.etüden von Christiane. Ihr erinnert Euch? Texte mit max. 300 Wörtern und dieses Mal sollen enthalten sein: Altersschwach, Lesezeichen und hüpfen.

Und hier kommt mein Beitrag (der Titel hakt… aber mir ist gerade nichts anderes eingefallen:

Que serà, serà
von Nicole Vergin

Mit schweren Füßen schlurfte er durch den verstaubten Laden. Beinahe war es ein Segen, dass seine Augen ihn nach und nach im Stich ließen. So sah er den Staub auf den alten Büchern und die Spinnenweben über den Regalen nicht mehr so deutlich. Gut, dass seine Else den Verfall ihres geliebten Buchladens nicht mehr erlebt hatte. Spätestens dass hätte sie umgebracht. Aber so war es dieses versoffene Schwein mit seiner Luxuskarosse gewesen, dass sie ihm entrissen hatte.

Für einen Moment erlaubte er sich von der Vergangenheit zu träumen. Er hörte die Stimme von Doris Day, wie sie „Que serà, serà“ sang und sah seine Else übermütig wie ein junges Füllen durch den Buchladen hüpfen.

Zwei Jahrzehnte waren seitdem vergangen und ja, er musste es sich eingestehen: mit dem hüpfen war es bei ihm nicht mehr weit her. Altersschwach war er geworden. Ein Greis, so hatte seine Enkelin, dieses unerzogene Gör, ihn neulich erst genannt. Aber senil, nein, senil war er nun wirklich nicht. Nach wie vor war es ihm ein leichtes „Die Glocke“ von Schiller zu rezitieren. Er räusperte sich kurz, streckte seine mageren Arme in die Luft und begann: „Fest gemauert in der Erde, steht die Form aus… aus… verflixt.“ Er ließ die Arme sinken und zuckte die Schultern. Egal. Jeder hatte mal einen schlechten Tag.

Die Glocke läutete. Hoffnungsvoll sah er zur Ladentür. Vielleicht würde der Tag doch noch gut werden.
„Haben sie Lesezeichen?“
Ohne zu antworten, drehte er sich weg und schlurfte hinüber in den Lagerraum.

249 Wörter

Kurs für SterbebegleiterInnen: Ein Vortrag im Hospiz

Während der Praktikumsphase finden neben den Reflexionsabenden auch unterschiedliche Fortbildungen statt. An einem Dienstag habe ich mich – gemeinsam mit zwei anderen KursteilnehmerInnen – abends auf den Weg nach Hannover gemacht. Unser Ziel war das stationäre Hospiz Luise.

Kurt Bliefernicht – Leiter des Hospizes – empfing uns freundlich und dann begannen zwei interessante Stunden. Seit nunmehr 25 Jahren arbeitet Herr Bliefernicht im Hospiz Luise und er habe es nicht einen Tag bereut. Was ich bei dieser schweren Aufgabe wirklich bewunderswert finde.

IMG_3045Im Hospiz gibt es Räumlichkeiten für acht Bewohner. Eine Zahl, die im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen Hannovers (532.163 / 2016), verschwindend gering scheint. Nach wie vor sterben die meisten Menschen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Es gibt drei stationäre Hospize in Hannover, die laut Herrn Bliefernicht, gut zusammenarbeiten. Zusätzlich gibt es die ambulanten Hospizdienste, die gemeinsam mit Palliativteams, Sterbende Zuhause begleiten und betreuen. Ambulant geht dabei immer vor stationär.

Egal, ob nun ambulant oder stationär, es gehe immer um den individuellen Menschen. Denn jede(r) stirbt anders, ebenso wie die Menschen vorher unterschiedlich leben. Daher ist der Personalschlüssel im Hospiz auch auf 1,35 Mitarbeiter für einen Bewohner angelegt und es sind jeweils zwei Nachtwachen vor Ort.

Wer denkt, dass im Hospiz nicht „nur gestorben“ wird, der irrt. Im Hospiz Luise bemüht sich das Team darum, die letzte Lebenszeit so lebendig und würdevoll wie möglich zu gestalten. Unter anderem gibt es eine Kunst- und Musiktherapie und es wird auch schon mal im Winter für eine Bewohnerin gegrillt, weil sie dies immer so gerne mochte (am Tag darauf ist sie im Kreise ihrer Lieben verstorben).

Bei dieser geringen Anzahl an Plätzen muss es natürlich Aufnahmekriterien geben: eine unheilbare Krankheit, die jetzt fortschreitend ist und in absehbarer Zeit zum Tode führt; eine Erkrankung mit einer hohen Symptomlast (etwas, das Zuhause pflegerisch nicht mehr zu bewältigen ist); alle Ressourcen für ein Sterben im eigenen Zuhause sind ausgeschöpft und es muss eine Übereinstimmung des Kranken mit der Zielsetzung des Hauses geben.

Das Hospiz Luise ist eine Einrichtung der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Hildesheim. Einer Konfession muss man dennoch nicht angehören und – wie Herr Bliefernicht es ausdrückte – „… soll auch niemand im Hospiz Luise mit dem Kreuz erschlagen werden…“ Aber wer den Bedarf nach einer christlichen Begleitung hat, bekommt sie selbstredend und es gibt auch eine kleine Kapelle direkt im Hause.

Im Schnitt befinden sich die Patienten 17 – 21 Tage im Hospiz. Im Jahr 2018 wurden vier Patienten wieder nach Hause entlassen – oftmals ergeht es ihnen durch die Rundum Versorgung deutlich besser – wovon zwei zurück gekehrt und dann dort verstorben sind.

Auch die Krankenkassen haben für die Kostenübernahme Richtlinien. Verbleibt ein Patient länger als 6 – 8 Wochen im Hospiz, muss der weitere Aufenthalt begründet werden. Dazu sollte man wissen, dass die Krankenkassen nur einen Teil der Kosten übernehmen. Der Rest wird über Spenden finanziert, so dass der Patient selber nichts bezahlen muss. Vielleicht habt Ihr in Todesanzeigen schon einmal Spendenaufrufe der Angehörigen gelesen, die für ein Hospiz sammeln.

Wichtig für die Patienten ist sicherlich, dass die Angehörigen kommen und gehen können, wie sie wollen (ich gehe hierbei jetzt von einem guten Verhältnis aus). Die Türen des Hospizes werden Tag und Nacht für sie geöffnet, so dass man seine Lieben rund um die Uhr begleiten kann. Oder aber auch zwischendurch Atem schöpfen kann und sie trotz allem gut versorgt weiß.

„Sterben ist erstmal blöd“, allgemeines Lachen über diese flapsig wirkende Aussage von Herrn Bliefernicht – wie gut, dass Menschen, die in solchen Bereichen arbeiten, ihren Humor nicht verloren haben! – und fährt fort: „Aber das wie, wie ich von dieser Welt gehe…“ Ja, nicht nur ich nicke dazu, denn genau um dieses WIE geht es uns doch. Dieses WIE, dass wir versuchen wollen so gut wie möglich für die Sterbenden „hin zu bekommen“. Dafür zumindest möchte ich mich einsetzen.

Und zu diesem Einsatz gehört es auch, die Augen nicht vor der Realität zu verschließen. Die Realität, die oftmals eben auch schlecht riecht, sogar stinkt, schwer zu ertragen oder auch blutig ist. Denn eine von vielen praktischen Tipps ist es, einen Patienten der verblutet auf eine rote Wolldecke zu legen. Ich schlucke. Aber ja, das klingt sinnvoll.

Jedes Jahr sterben im Hospiz Luise Menschen. Und sie werden nicht vergessen. Denn immer vor Ostern werden die An- und Zugehörigen zu einem Gedenk Gottesdienst eingeladen. Und dies als Abschluss des tollen Vortrags zu hören, hinterlässt bei mir ein warmes Gefühl und den Wunsch aufkommen, dass so viele Menschen wie möglich so liebevoll begleitet sterben wie hier im Hospiz Luise.

Wenn Ihr noch mehr wissen wollt, schreibt Eure Fragen gerne in die Kommentare und hier findet Ihr auch die Website vom Hospiz Lusie.