Das `ETWAS´ nach dem Tod

Petra und Annegret – die Initiatorinnen des Totenhemd-Blogs – haben in einer Blog-Aktion die Frage aufgeworfen, was nach dem Tod kommt (den Beitrag dazu findet Ihr hier). Dies sind meine Gedanken dazu:

So weit ich mich zurück erinnern kann, habe ich daran geglaubt, dass nach dem Tod ETWAS ist. Als Kind war es der Glauben, dass ich in den Himmel komme. Ich konnte mir DSC_0188das gut vorstellen. Wenn ich nach oben sah und an sonnigen Tagen die Weite des Himmels endlos schien, dann war es für mich klar, dass es da oben mehr als genug Platz für uns alle gibt. In meiner Vorstellung gab es dort wundervolle grüne Wiesen mit einem bunten Blumenteppich, auf dem jeder der Lust hatte, herum tollen durfte. Und es gab einen idyllischen Bach, der leise plätschernd durch die Wiese floss. Und ein Stück weiter ein Wäldchen mit einer Sonnenbeschienen Lichtung. Und all meine Tiere, die schon gestorben waren, würde ich dort wiedertreffen.

Dann kamen die Zeiten, in denen ich nicht mehr betete, kein abendliches „Lieber Jesus mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm“, keine Kirchgänge mehr. Aber der Glauben an ETWAS nach dem Tod blieb bestehen.

Ich schaute etliche Filme / Serien, die sich um dieses Thema drehten: Ein Engel auf Erden, Ein Hauch von Himmel, Hinter dem Horizont. Nun glaube ich trotzdem nicht, dass Michael London mir irgendwann als Engel begegnen wird. Oder dass ich mir wie Robin Williams mein Leben nach dem Tod selber malen kann. Aber ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass nachdem ich gestorben bin und mein Körper seine Lebensfunktionen aufgegeben hat, meine Seele einen neuen Platz bekommt.

Ich glaube daran, dass meine Mutter mich in meinem Sterbemoment abholen wird (während sie starb, hat sie ebenfalls ihre Mutter gesehen) und dass dann auf der Schwelle des Todes die Tödin mit ihrer Sichel meinen Lebensfaden durchtrennen wird, damit ich weitergehen kann. Wohin? Wie es da aussieht? Was dann passiert? Ihr ahnt es… ich weiß es nicht. Warum ich dann davon überzeugt bin? Schlichtes Bauchgefühl.

Und ja, mir haben schon viele gesagt, dass das alles Quatsch sei. Nach dem Tod käme ein großes NICHTS. Und wie ich überhaupt so etwas glauben könnte. Schließlich würde die Wissenschaft dieses und jenes sagen.

Tja, ich weiß ganz tief in mir drin, dass da ETWAS ist. Und dieses Gefühl oder Wissen oder was auch immer es ist, sorgt dafür, dass ich – wenn irgendwann der Tag gekommen ist – ohne Angst der Tödin entgegentreten werde. Schließlich ist sie es auch, die neben der Sichel ein paar Ähren dabei hat. Damit etwas neues entstehen kann. Und warum – so frage ich Euch – soll ich versuchen, mich von diesem Bauchgefühl abzubringen? Es tut mir gut und dass ist das einzige was für mich zählt.

15 Kommentare zu „Das `ETWAS´ nach dem Tod

  1. Diese Grundüberzeugung habe ich auch. Noch vager (was Bilder angeht) als du, aber ja, da ist was, da kommt was, wir verpuffen nicht, irgendwas geschieht „danach“.
    Es gibt dieses schöne, oft bemühte Bild von der Raupe und dem Schmetterling; die Raupe, die stirbt, um erneut in einer ganz anderen Form neu geboren zu werden. Der Tod gleichzeitig als Ende, als Durchgang, als Tor … wohin? Wir werden sehen.
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Allein an Deinem Kommentar kann man (und auch Frau 😉 ) mal wieder sehen, wie wichtig es ist, sich über diese Themen auszutauschen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich direkt auf jemanden „stoße“, der ähnlich denkt. Danke für Deine Worte! Und ja, wir werden sehen…
      Liebe Grüße
      Nicole

      Gefällt 4 Personen

  2. Das ist interessant. Ich bin sehr christlich aufgewachsen, aber selbst, als ich noch voller Überzeugung zu einem Gott betete (heute bin ich Agnostikerin), habe ich NIE an etwas nach dem Tod geglaubt oder glauben wollen. Ich möchte nicht in „etwas“ nach dem Leben wieder ein Bewusstsein haben oder Gefühle. Ich möchte einfach „nicht mehr sein“. Komisch oder?

    Gefällt 3 Personen

    1. Ehrlich geschrieben finde ich das gar nicht komisch! Jede(r) hat seinen eigenen Weg, sein eigenes Denken. Für mich sind meine Gefühle, mein Denken goldrichtig. Ich fühle mich damit wohl. Und Du mit Deinem Denken. Schön finde ich, wenn Menschen einfach offen für das Denken und sprechen über diese Themen (sterben, Tod und Trauer) sind. Und die Vielfalt ist doch gerade spannend. Und wer weiß, was ich denke, wenn der Tag X gekommen ist?!

      Gefällt 4 Personen

  3. Schöne Gedanken, liebe Nicole…
    Besonders die Tödin hat mich lächeln lassen – ich denke und spreche vom Tod, obwohl der oder die seltsam geschlechtslos daher kommt…
    Meine Idee vom „Danach“ ist anders. Dazu aber in einem eigenen Text mal mehr ;0)
    Liebste Grüße
    Anja

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    1. Danke liebe Anja ❤
      Dann bin ich schon jetzt sehr gespannt auf Deine "Danach-Idee"!
      Und was die Tödin betrifft: ich habe erst in meiner Ausbildung zur Seelfrau von ihr gehört. Ja, es gibt tatsächlich den Tod (der meist mit Sense, Totenschädel und "kahlen Umfeld" dargestellt wird. Und dann gibt es die Tödin. Sie hat eine Sichel dabei – durchtrennt also ebenfalls den Lebensfaden – aber sie hat auch Ähren dabei. Als Zeichen dafür, dass neues folgt. Und dieses Bild finde ich so schön! Laut den Legenden stritten der Tod und die Tödin übrigens immer, teilten sich aber ansonsten die Arbeit.
      Auch da wird es nochmal einen Extra Beitrag geben! 😀
      Liebste Grüße zurück
      Nicole

      Gefällt 3 Personen

  4. Hallo Nicole, danke für deine Gedanken zu dem „Etwas“ danach. Mir gefällt, dass es da einen „Schnitt“ gibt von der Tödin. Der Lebensfaden wird durchtrennt … ein Schnitt zwischen Leben und Tod. Das ist für mich eindrücklich und wichtig. Schnitt, Punkt, Aus, Tod. „Tot sein, jetzt bist Du an der Reihe :-)“.
    Da gibt es dann kein Vertun.
    Rituale braucht’s im Leben wie im Tod scheint es.

    Danke nochmals! Herzlich und schönen Abend. Petra

    Gefällt 2 Personen

    1. Guten Morgen Petra,

      ja, mich fasziniert die Tödin, seit ich von ihr in meiner Ausbildung zur Seelfrau gehört habe. Vorher wusste ich gar nicht, dass es sie gibt?! Und es war wieder schön bei Eurer Aktion dabei zu sein. 😀
      Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche
      Nicole

      Gefällt 1 Person

  5. Auch ich bin überzeugt und teile dein Bauchgefühl, dass der Tod nicht das Ende ist.
    Die Tödin, ja, warum nicht? Es wird Zeit, der Weiblichkeit mehr Raum und Bedeutung zu geben.
    Unser Pfarrer spricht seit einiger Zeit beim Schlusssegen von der ‚heiligen Geistin‘ .

    LG Anna-Lena

    Gefällt 2 Personen

    1. Wie schön, dass es hier außer mir einige Bauchgefühl-Menschen gibt. ❤
      Das mit der Tödin klingt jetzt vermutlich nach Feministin pur oder so. Bin ich ehrlich gesagt gar nicht (großes Outing… 😉 ) aber während beim Tod eben alles kahl und kalt und vorbei ist, gibt es bei der Tödin die Hoffnung auf etwas danach… ausgedrückt durch die Ähren in ihrer Hand. Ich werde da auch nochmal einen Beitrag zu schreiben. Ein sehr spannendes Thema!
      Heiligen Geistin klingt für mich ähnlich merkwürdig wie Ampelweibchen… aber ich kann leicht reden, ich konnte meinen Weg als Frau immer frei gehen. Andere eben nicht…
      Hab einen schönen Start in die Woche! Liebe Grüße
      Nicole

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      1. Zur Erklärung:
        Bezogen auf den Heiligen Geist: Das Wort RUACH ist im Hebräischen weiblich, also eigentlich „Geistin“.

        Ich habe Tödin noch nie gehört, aber der Begriff gefällt mir, auch deine Erklärung dazu.
        Dazu muss Frau auch nicht unbedingt feministisch orientiert sein, denken wir lediglich an Gleichberechtigung. Als Kind wollte ich unbedingt Päpstin werden, nun bin ich schon Rentnerin und nix ist daraus geworden … 😆 !

        Liebe Grüße und auch dir eine gute Woche,
        Anna-Lena

        Gefällt 1 Person

  6. @Anna-Lena: DANKE für die Erklärung! Wieder etwas dazu gelernt!
    Ja, ich habe die Tödin auch nur durch die Seelfrau Ausbildung kennen gelernt und war gleich fasziniert. Darüber werde ich auf jeden Fall noch einen Beitrag schreiben!
    So wie ich Dich hier kennenlernen durfte, wärst Du bestimmt eine tolle Päpstin mit offenen Ansichten! Also ich bin dafür!! 😀
    Dir auch eine schöne Woche liebe Anna-Lena! ❤

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