Kurs für SterbebegleiterInnen: Ein Vortrag im Hospiz

Während der Praktikumsphase finden neben den Reflexionsabenden auch unterschiedliche Fortbildungen statt. An einem Dienstag habe ich mich – gemeinsam mit zwei anderen KursteilnehmerInnen – abends auf den Weg nach Hannover gemacht. Unser Ziel war das stationäre Hospiz Luise.

Kurt Bliefernicht – Leiter des Hospizes – empfing uns freundlich und dann begannen zwei interessante Stunden. Seit nunmehr 25 Jahren arbeitet Herr Bliefernicht im Hospiz Luise und er habe es nicht einen Tag bereut. Was ich bei dieser schweren Aufgabe wirklich bewunderswert finde.

IMG_3045Im Hospiz gibt es Räumlichkeiten für acht Bewohner. Eine Zahl, die im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen Hannovers (532.163 / 2016), verschwindend gering scheint. Nach wie vor sterben die meisten Menschen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Es gibt drei stationäre Hospize in Hannover, die laut Herrn Bliefernicht, gut zusammenarbeiten. Zusätzlich gibt es die ambulanten Hospizdienste, die gemeinsam mit Palliativteams, Sterbende Zuhause begleiten und betreuen. Ambulant geht dabei immer vor stationär.

Egal, ob nun ambulant oder stationär, es gehe immer um den individuellen Menschen. Denn jede(r) stirbt anders, ebenso wie die Menschen vorher unterschiedlich leben. Daher ist der Personalschlüssel im Hospiz auch auf 1,35 Mitarbeiter für einen Bewohner angelegt und es sind jeweils zwei Nachtwachen vor Ort.

Wer denkt, dass im Hospiz nicht „nur gestorben“ wird, der irrt. Im Hospiz Luise bemüht sich das Team darum, die letzte Lebenszeit so lebendig und würdevoll wie möglich zu gestalten. Unter anderem gibt es eine Kunst- und Musiktherapie und es wird auch schon mal im Winter für eine Bewohnerin gegrillt, weil sie dies immer so gerne mochte (am Tag darauf ist sie im Kreise ihrer Lieben verstorben).

Bei dieser geringen Anzahl an Plätzen muss es natürlich Aufnahmekriterien geben: eine unheilbare Krankheit, die jetzt fortschreitend ist und in absehbarer Zeit zum Tode führt; eine Erkrankung mit einer hohen Symptomlast (etwas, das Zuhause pflegerisch nicht mehr zu bewältigen ist); alle Ressourcen für ein Sterben im eigenen Zuhause sind ausgeschöpft und es muss eine Übereinstimmung des Kranken mit der Zielsetzung des Hauses geben.

Das Hospiz Luise ist eine Einrichtung der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Hildesheim. Einer Konfession muss man dennoch nicht angehören und – wie Herr Bliefernicht es ausdrückte – „… soll auch niemand im Hospiz Luise mit dem Kreuz erschlagen werden…“ Aber wer den Bedarf nach einer christlichen Begleitung hat, bekommt sie selbstredend und es gibt auch eine kleine Kapelle direkt im Hause.

Im Schnitt befinden sich die Patienten 17 – 21 Tage im Hospiz. Im Jahr 2018 wurden vier Patienten wieder nach Hause entlassen – oftmals ergeht es ihnen durch die Rundum Versorgung deutlich besser – wovon zwei zurück gekehrt und dann dort verstorben sind.

Auch die Krankenkassen haben für die Kostenübernahme Richtlinien. Verbleibt ein Patient länger als 6 – 8 Wochen im Hospiz, muss der weitere Aufenthalt begründet werden. Dazu sollte man wissen, dass die Krankenkassen nur einen Teil der Kosten übernehmen. Der Rest wird über Spenden finanziert, so dass der Patient selber nichts bezahlen muss. Vielleicht habt Ihr in Todesanzeigen schon einmal Spendenaufrufe der Angehörigen gelesen, die für ein Hospiz sammeln.

Wichtig für die Patienten ist sicherlich, dass die Angehörigen kommen und gehen können, wie sie wollen (ich gehe hierbei jetzt von einem guten Verhältnis aus). Die Türen des Hospizes werden Tag und Nacht für sie geöffnet, so dass man seine Lieben rund um die Uhr begleiten kann. Oder aber auch zwischendurch Atem schöpfen kann und sie trotz allem gut versorgt weiß.

„Sterben ist erstmal blöd“, allgemeines Lachen über diese flapsig wirkende Aussage von Herrn Bliefernicht – wie gut, dass Menschen, die in solchen Bereichen arbeiten, ihren Humor nicht verloren haben! – und fährt fort: „Aber das wie, wie ich von dieser Welt gehe…“ Ja, nicht nur ich nicke dazu, denn genau um dieses WIE geht es uns doch. Dieses WIE, dass wir versuchen wollen so gut wie möglich für die Sterbenden „hin zu bekommen“. Dafür zumindest möchte ich mich einsetzen.

Und zu diesem Einsatz gehört es auch, die Augen nicht vor der Realität zu verschließen. Die Realität, die oftmals eben auch schlecht riecht, sogar stinkt, schwer zu ertragen oder auch blutig ist. Denn eine von vielen praktischen Tipps ist es, einen Patienten der verblutet auf eine rote Wolldecke zu legen. Ich schlucke. Aber ja, das klingt sinnvoll.

Jedes Jahr sterben im Hospiz Luise Menschen. Und sie werden nicht vergessen. Denn immer vor Ostern werden die An- und Zugehörigen zu einem Gedenk Gottesdienst eingeladen. Und dies als Abschluss des tollen Vortrags zu hören, hinterlässt bei mir ein warmes Gefühl und den Wunsch aufkommen, dass so viele Menschen wie möglich so liebevoll begleitet sterben wie hier im Hospiz Luise.

Wenn Ihr noch mehr wissen wollt, schreibt Eure Fragen gerne in die Kommentare und hier findet Ihr auch die Website vom Hospiz Lusie.

5 Kommentare zu „Kurs für SterbebegleiterInnen: Ein Vortrag im Hospiz

  1. Ich finde es unglaublich toll, dass du diesen Weg gehst! Mein vater wäre auch gern in einem Hospitz gestorben, aber letzten Endes endete sein leben dann leider doch im Krankenhaus 😦 Meine Mutter ist weiterhin Förderin eines Hospitzes und ich denke, nach deinen sehr interessanten Artikeln, werde ich mich vor Ort mal umschauen, für welches Hospitz ich spenden könnte.
    Danke, dass du deine Erfahrungen teilst!

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Sonja, es tut mir sehr leid für Deinen Vater – und auch für Dich und Deine Mutter – , dass sein Wunsch in einem Hospiz zu sterben nicht in Erfüllung gehen konnte. Und ich hoffe sehr, dass er im Krankenhaus die bestmögliche Begleitung hatte! ❤
      Wie schön, dass Ihr Euch auch weiter für die Hospitzarbeit einsetzt. Ich freue mich immer, wenn ich erfahre, dass Menschen bereit sind, sich mit diesen Themen auseinander zu setzen.
      Danke, dass Du meinen Beitrag gelesen und kommentiert hast!
      Ganz liebe Grüße
      Nicole

      Gefällt 1 Person

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