Ultralauf in Hörsum – Schneewittchen-Trail

Am Wochenende hat mein Mann wieder an einem Ultraulauf teilgenommen und wie versprochen kommt hier sein Bericht, den er mir wieder für meinen Blog zur Verfügung gestellt hat – DANKE dafür und nochmal GLÜCKWUNSCH, ich bin sehr stolz auf Dich!

Schneewittchen-Trail in Hörsum – 09. März 2019
von Holger Vergin

Seit Tagen schon ist das Wetter regnerisch, stürmisch und ungemütlich. Die Aussicht auf meinen zweiten Ultra in diesem Jahr war eher getrübt. Nun ja, ich bin zwar kein Schönwetterläufer, aber die Schauer und Sturmböen, die seit Tagen über das Land ziehen, bergen ja auch eine gewisse Gefahr, wenn man sich z.B. bei einem Traillauf vornehmlich im Wald aufhält.
Nun gut, ich war gemeldet, hatte trainiert und freute mich auf den Lauf. Vor 4 Jahren war ich schon mal in Hörsum am Start, damals noch auf der 80-KM-Strecke. Aber das wäre dieses Jahr zuviel gewesen. Somit standen 53 KM und 2.475 Höhenmeter auf dem Programm. Nach der Erfahrung im Januar (s. Bericht) ging ich von ca. 8 Stunden Laufvergnügen aus.

Die Anfahrt begann gegen 4.40 Uhr und dauerte knapp 2 Stunden. In der Zeit regnete es mal mehr, mal weniger, aber in Hörsum war es zwischenzeitlich trocken. Die 6-Uhr-Starter (80 KM) waren da schon das erste Mal nass geworden. Nach Begrüßung und Einchecken konnte ich ausgiebig frühstücken, –  Hauptquartier war das Hotel zur Eule – wartete das Eintreffen von weiteren Teilnehmern ab und kurz vor 8 Uhr standen wir auf der Straße und der Chef, Michael Neumann, schickte uns auf die Reise.


Einige flottere liefen vorweg und ich reihte mich im hinteren Drittel ein, wenn man bei letztlich 11 Finishern überhaupt von einem „Feld“ sprechen kann. Aber dass ist das Schöne an einem Einladungslauf, man ist unter sich, das ist wie ein Familientreffen.

Vorweg: Während des ganzen Laufs bekam ich nur wenige Regentropfen ab, auf der Heimfahrt jedoch stürmte und schüttete es besonders gruselig.

Mein Start war wie gewohnt verhalten und zu Anfang war ich mit einigen Damen unterwegs, wir unterhielten uns und trabten voran. Es ging von Anfang an aufwärts und der Boden wechselte zwischen „Waldautobahn“ und Single-Trail und, ganz wichtig, wir waren immer auf der Suche nach der gelben Raute. Diese war an Bäumen oder auch an Bänken oder Strommasten aufgesprayt und diente als Streckenmarkierung. Alternativ konnte man mit topographischer Karte oder mit GPS-Track an der Wegfindung arbeiten. GPS hatte allerdings den Nachteil, dass das Signal an manchen Stellen mal eben gute 50 Meter neben dem Track war und die Orientierung eher erschwert war. Aber wenn man sich erstmal „reingefunden“ hatte, war es im Prinzip einfach. Man musste nur aufpassen.


Von hinten kam ein Läuferpärchen zu uns aufgelaufen, ich hatte gar nicht mitbekommen, dass die Teilnehmer an der dritten Disziplin (30 KM) auch schon gestartet waren, und da die Damen gerade Pause machten, zog ich mit den beiden Kurzstrecklern weiter. Wir unterhielten uns gut, und kurz vor KM 10 (VP 1, unbemannt / VP bedeutet Verpflegungspunkt) ging es eine kleine Anhöhe hoch, die ich komplett lief und auf der folgenden Steigung war ich dann allein unterwegs. Aber nicht lange, drei Kilometer weiter traf ich auf zwei vor mir gestartete Läufer, sie wussten nicht so recht, ob es links oder rechts weiterging, eine weitere Läuferin kam von hinten angelaufen und wir bogen rechts ab und dann ging es gleich links weiter.

Der Boden war matschig und rutschig wie Schmierseife und schon bald nach diesem Stück ging es steil bergab. Aber nicht auf ebenen Wegen, hier waren tiefe Spuren und abgebrochene Zweige und quer liegende Baumstämme zwangen uns zu einem Hindernislauf. Während die anderen Läufer eher zaghaft waren, schritt ich konsequent voran. Als das Stück vorüber war, waren auch die Mitläufer „weg“. Ich drehte mich nicht mehr um und lief die anschließende Bergab Passage zügig hinunter.

Bald war ich am nächsten VP (KM 20) und trank einen Schluck Wasser. Mehr benötigte ich nicht zu diesem Zeitpunkt, bedankte mich und lief weiter. Über ein Feld zu einem Radweg und dann wieder hinauf in den Wald. Die sich hieran anschließende Passage war wieder sehr matschig und rutschig und anschließend wurde es auch nicht viel besser. Immer wieder lagen Äste quer, das Laub war an manchen Stellen kniehoch, kaum vorstellbar, das außer uns Trailläufern hier jemals irgendwer lang geht, wozu auch?


Dann gelangte ich wieder auf eine „Waldautobahn“, der Anstieg ließ mich wieder gehen, das ist übrigens immer eine gute Möglichkeit sich zu erholen, und dann bog der Track rechts ab. Es ging steil bergauf, und dann lagen nicht nur Äste quer, sondern der ganze Weg schien von Bäumen versperrt. Doch, ich war richtig, ich erinnerte mich an diese Stelle und oben angekommen fand ich den Weg nur anhand der gelben Markierungen, weil eigentlich kein Weg da war.

Nach einem weiteren heftigen Bergab-Trail lief ich über eine marode, asphaltierte Straße, um nach wenigen hundert Metern wieder rechts abzubiegen und mühsam einen steilen Anstieg zu erklimmen. Da sah ich weit vor mir einen weiteren Läufer klettern und wunderte mich, wo der wohl herkam. Auf dem anschließen Flachstück war er aber nicht mehr zu sehen. Kurz rechts in den Wald, zwischen den Feldern bergab und Hörsum und das Ende der ersten Etappe mit 30 KM und 1.250 HM lag bald hinter mir.

In der Verpflegung traf ich dann den anderen Läufer. Er zog sich gerade um, während ich ein Malzbier trank, ein paar Kleinigkeiten futterte und mich auf die zweite Runde machte. Kurze Zeit später lief er zu mir auf, er hätte echte Motivationsprobleme und ob wir nicht zusammen laufen könnten. Klar, sagte ich, das geht, aber normalerweise, ich kannte den Läufer, sei er viel schneller und ich könnte nicht versprechen, sein Tempo zu halten.

Zugegebenermaßen lief es dann besser als gedacht, die Trailpfade machten viel Spaß, das Wetter war trocken und nur etwas windig. Als es eine lange Steigung hochging, gab ich ihm von meinen Erdnüssen ab –  super Universalsnack für Ultra’s – und trotzdem musste er kurz darauf pausieren und durchatmen. Ich ließ ihn zurück, leider, und trabte weiter. Es gab immer wieder heftige Steigungen durchs Unterholz und genauso steile Abstiege, ich machte jede Menge Höhenmeter und dann, nach ca. 45 KM war ich an der Adamishütte. Die 80er liefen hier noch eine Extraschleife, für mich ging es direkt bergab und erstmal aus dem Wald heraus. Aber nicht ohne vorher noch etwas Malzbier zu trinken und ein paar Snacks zu futtern, vorzugsweise salzige Sachen.

 

Als ich ankam machte sich gerade ein anderer Läufer auf den Abstieg, und trotzdem ich nicht lange in der VP war, sah ich diesen erst im Ziel wieder. Aber noch war es nicht soweit und es gab noch ein paar fiese Anstiege mit Dornenbewuchs und anderen „Gemeinheiten“. Über Felder hinweg durch einen „Zwergentunnel“ und dann am Rand von Alfeld durch ein Gewerbegebiet. Nochmals ein knackiger Anstieg auf rutschigen Wegen und hinter mir zog es sich dunkel zu. Erste Tropfen fielen und ein Donnerschlag verhieß nichts Gutes. Ausgerechnet jetzt musste ich noch mal über ein freies Feld, aber von Blitz und Donner war dann nichts mehr zu hören und zu sehen. Ein letzter steiler Anstieg, hinab nach Hörsum, durch ein Wohngebiet und nach 7:18 Stunden war ich im Ziel.

Geschafft, dort traf ich dann den Läufer, den ich an der Adamishütte gesehen hatte und es stellte sich heraus, dass das der Sieger der 80-KM-Strecke war. Und noch etwas stellte sich heraus, nämlich das ich der Sieger der 53-KM-Strecke war. Ich meinte mich verhört zu haben. Ich sollte den Lauf gewonnen haben? Es gab noch zwei Frühstarter um 6 Uhr, aber beide waren langsamer als ich, so dass es feststand. Ich war viel zu verblüfft, um mich richtig zu freuen, ich konnte es einfach nicht glauben. Aber als Michael mir gratulierte, Urkunde und Siegerpräsent überreichte, realisierte ich es so langsam.
In den ganzen 27 Jahren, in denen ich an Volksläufen teilnahm, hatte ich noch nie etwas gewonnen, weder eine Altersklassen geschweige denn einen Lauf.
Ich war der Sieger – toll!

Nachlese: Heute, am Sonntag danach sitze ich hier und schreibe meinen Bericht. Es regnet schon den ganzen Tag, jetzt wandelt sich das Ganze auch noch in Schnee. Was habe ich doch gestern für ein Glück gehabt!

Fazit: Den Schneewittchen-Trail habe ich jetzt schon 2x mitgemacht, Michael Neumann veranstaltet auch noch andere Läufe, an denen ich auch teilnahm. Und allen gemeinsam ist, das sie mit viel Liebe zu uns Läufern und mit viel Verständnis für unsere Bedürfnisse gemacht sind. So werden auch die 2 Hunde, die ihre Besitzer begleitet haben, in der Ergebnisliste aufgeführt – schließlich haben sie auch gefinished!

Jetzt lege ich wieder die Beine hoch, die Zeit für Regeneration ist auch wichtig, und freue mich auf weitere Läufe.

5 Kommentare zu „Ultralauf in Hörsum – Schneewittchen-Trail

    1. Liebe Moni,
      also wenn er tatsächlich ein Ultraläufer ist, dann war er an diesem Tag auf jeden Fall langsamer als mein Mann! 😉 Ja, es war tatsächlich ein großes Glück, wobei Ultraläufern ja kaum ein Wetter abschrecken darf…
      Liebe Dienstagsgrüße
      Nicole

      Gefällt 1 Person

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