Ultralauf in Kleinalmerode – Bilstein-Marathon

Mein Mann Holger hat sich wieder auf die „Lauf-Socken“ gemacht… ich staune jedes Mal nur und freue mich über seine Beiträge, die er hier mit uns teilt!

Bilstein-Ultra in Kleinalmerode – 28. April 2019
von Holger Vergin

Am letzten Sonntag stand schon mein dritter Ultra in diesem Jahr auf dem Programm. Nachdem es zuletzt wochenlang trocken und mild, eher warm war, war für den Lauftag bedecktes Wetter mit Schauern, Gewittern (!), aber auch stellenweise Sonnenschein angesagt. Ich überlegte, was ich anziehen sollte und nahm schließlich kurze und lange Sachen sowie Regenjacke und Mütze mit. Um 4:30 Uhr saß ich im Auto und machte mich auf die ca. 180 KM lange Fahrt zum Startort in Kleinalmerode. Das liegt zwischen Göttingen und Kassel und ist ein eher verschlafenes Örtchen. Aber nicht am Tag des Bilstein-Marathons – dann können sich maximal 500 Teilnehmer vom Reiz der Gegend im Kaufunger Wald und rund um den namensgebenden Bilstein überzeugen. Dort ist auch der höchste Punkt der Strecke mit etwas über 640 m üNN.


Aber der Reihe nach: Gegen 7:20 Uhr erreichte ich den Ort, stellte mein Auto ab und nach kurzem Fußweg zum Bürgerhaus konnte ich noch die Wanderer bei ihrem Start über die Marathondistanz anfeuern. Ich nahm meine Unterlagen in Empfang, schnupperte noch ein wenig Wettkampfluft und bereitete mich dann auf den Start vor.

Das Teilnehmerlimit von 500 gilt übrigens für alle Strecken zusammen (21 KM, Marathon, Wandern und Ultra). Gegen 8:30 Uhr machten sich etwas über 100 Teilnehmer auf den langen Weg. Wie das so ist, wird am Anfang noch mehr „gequatscht“ und alle sind guter Dinge.

Wir laufen ein Stück durch den Ort und umrunden dann den Rodeberg. Hier geht es schon ordentlich auf und ab, insgesamt sollen auf der Ultra-Strecke 1.500 Höhenmeter zusammen kommen. Das Feld zieht sich bald auseinander und ich finde allmählich meinen Laufrhythmus. Wir laufen aus dem Waldstück heraus, über Feldwege zur ersten Verpflegung.

Bei dieser Veranstaltung wird übrigens auf Plastikbecher verzichtet, heißt, jeder Teilnehmer bringt seinen eigenen Becher mit. Hat man so etwas nicht, kann man vor Ort den faltbaren BiMa-Becher erwerben. Dieser ist platzsparend unterzubringen und die Idee finde ich einfach klasse. Bei bis zu 10 Verpflegungsstellen und 500 Teilnehmern kann man so einiges sparen, sehr lobenswert. Da ich im Januar schon mit eigenem Becher unterwegs war, mache ich das jetzt natürlich genauso. Weil ich meinen Rucksack dabei habe, fällt der Becher nicht mehr groß ins Gewicht.

An der Hasenmühle vorbei, auf einem schönen Trailstück, komme ich wieder nach Kleinalmerode zurück und die ersten ca. 14 Kilometer sind geschafft.

Über den Hubenröder Weg geht es in langen, allmählichen Steigungen bis zum Steinberg hinauf, auf ca. 588 m üNN. Und diese langen, allmählichen Steigungen haben es in sich. Ich war vor 5 Jahren schon mal auf dieser Strecke unterwegs und damals dachte ich mir: „Na, so steil ist es hier nicht, da kannst Du bestimmt laufen. Außerdem sind es heute ja „nur“ 57 KM, da müsste die Kraft doch locker reichen.“ Und schon hatte ich die Wirkung unterschätzt, dass nämlich diese Art Steigung den Körper total auslaugen kann, wenn man nicht aufpasst. Ich war zwar 2014 körperlich nicht völlig am Ende, aber damit gerechnet hatte ich so nicht. Das wurde mir erst hinterher bewusst. Und deshalb war mir jetzt auch klar, dass ich solche Wege langsam und ruhig angehen sollte.

Das Schlussstück zum Steinberg war schön trailig, landschaftlich sehr reizvoll und oben angekommen waren ca. 25 KM geschafft. Wir liefen wieder abwärts und dann um den Giesenberg herum. Dieser Abschnitt war sehr abwechslungsreich und hatte tolle Trail Abschnitte. Dann folgte ein heftiger Anstieg und über uns drehten sich die riesigen Windenergieanlagen.

Auf den breiten Waldwegen oben angekommen liefen wir teils sehr dicht an diesen Windrädern vorbei. Und auch wenn wir alle wissen sollten, wie wichtig diese Anlagen auf unserem Weg in eine CO²- arme Welt sind, war mir beim Vorbeilaufen allein ob der schieren Größe etwas mulmig zumute. So etwas gibt es im beschaulichen Rehburg eben nicht.

Es folgten wieder lange Bergab Passagen – mittlerweile hatte sich auch die Sonne mal blicken lassen – und diese mündeten schließlich in einen ewig erscheinenden Anstieg zum Bilstein, dem namensgebenden Gipfel mit Aussichtssturm. Ewig sind immerhin 5-6 Kilometer und natürlich ging ich dieses Stück komplett. Schon von weitem hörte ich eine Blaskapelle Musik machen, allerdings probten sie anscheinend nur, und nur wenige Ausflügler hielten sich bei der bewirtschafteten Hütte auf.

Leider gab es heute keine so schöne Fernsicht, da es doch recht bewölkt war. Nach einem kurzen Trailstück kam die nächste Verpflegung und der breite Waldweg führte ebenso ewig erscheinende Kilometer bergab. Ich lief langsam aber stetig und fragte mich, ob noch ein größerer Anstieg käme. Klar, hätte ich mir das Höhenprofil vorher angesehen, und nicht erst jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, hätte ich gesehen dass es nur noch ein bisschen wellig bergauf und bergab geht. Und so war es dann auch, wobei hier noch einige nette kleine Trail Abschnitte auftauchten. Manch kurzer, aber „fieser“ Anstieg war auch noch dabei, aber dann war es soweit, ich konnte das Ziel schon hören.

Und nach 7:16 Std. war ich dann da, wo ich am Morgen gestartet bin. Voller Stolz hatte ich meinen 43. Ultra insgesamt beendet. Genauso viele Marathons bin ich bisher in meinem Leben gelaufen und der nächste Lauf wird wieder ein Ultra.
Nachdem ich das Kuchenbuffet geplündert hatte – naja nicht ganz – machte ich mich auf den Heimweg und dann … Beine hochlegen und genießen.

 

7 Kommentare zu „Ultralauf in Kleinalmerode – Bilstein-Marathon

  1. Den BiMa muss man einfach mögen. Hatte letztes Jahr dort meine Ultra Premiere und bin dieses Jahr dort nochmal gestartet. Auf deine stattliche Anzahl an Ultras und Marathons werde ich also nie kommen. Respekt!

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, Holger ist beim BiMa auch „Wiederholungstäter“, weil es ihm vor Jahren schon einmal gut gefallen hat. Danke auf jeden Fall für Deine Worte (habe ich natürlich gleich weiter gegeben) und Glückwunsch zu den ersten Ultras! Gibt es darüber auch irgendwo etwas zu lesen?

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