„Ich und sterben?…“ – ein Besuch auf der Messe `Leben und Tod´in Bremen (Teil 1)

RCHE0901Schon Wochen vor meinem Messebesuch fiel mir eines der diesjährigen Werbemittel in die Hand: ein Lesezeichen mit den Worten: „Ich und sterben? Nur über meine Leiche!“

Ich lachte. Genau mein Humor. Und dann dachte ich darüber nach: ist es denn immer noch so, dass Menschen den Tod aus dem Leben ausschließen wollen? Bei all dem, was es mittlerweile zu lesen, hören, sehen… gibt? Ja. Tatsächlich.

Die Messe `Leben und Tod´, die in diesem Jahr zum 10. mal in Bremen stattgefunden hat, bietet tolle Möglichkeiten, sich über alles rund um den Tod zu informieren. Einfach mal rein zu schnuppern. Und wem das dann doch noch zu „unheimlich“ ist, der kann ja jetzt einfach mal meinen Beitrag lesen…

IMG_3662Abfahrt 7:54 Uhr. So stand ich am 10. Mai bereits am frühen Morgen in Nienburg am Bahnsteig. Der Zug fuhr pünktlich und ich war bereits nach einer dreiviertel Stunde wohlbehalten in Bremen. Es folgte ein Fußweg von ca. drei Minuten und schon stand ich vor der Messehalle. Einfacher geht es wirklich nicht und ich konnte sicher sein, dass ich abends nicht, wie im Vorjahr, im Rückreise Verkehr feststecken würde.

Meine Vorfreude auf diesen Messebesuch war riesig! Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, wo ich nichts und niemanden kannte, war ich diesmal mit tollen Menschen verabredet und auch an einigen Ständen gab es ein herzliches Wiedersehens-Hallo. (Von einer Begegnung werde ich in einem gesonderten Beitrag noch erzählen… ❤ )

Die Stimmung war also von Anfang an bestens und so stürzte ich mich mitten hinein ins Getümmel und in das tolle Vortragsprogramm. Ich hatte mich im Voraus entschlossen, nicht als Fachbesucher teilzunehmen – und somit Workshops und weitere Vorträge besuchen zu können – da es auch so ein reichliches Angebot gab und bei einem Tag einfach nicht genügend Zeit für alles blieb. (Im nächsten Jahr werde ich an beiden Tagen teilnehmen!)

Und hier nun einige meiner ganz persönlichen Highlights in diesem Jahr:

Vortrag: Palliative Care – Lebensqualität (nicht nur) für das Lebensende
von Prof. Dr. Borasio

IMG_3674Auf diesen Vortrag hatte ich mich schon Wochen vorher gefreut, denn Prof. Dr. Borasio hatte mir mit seinem Buch „Über das Sterben“ bereits 2011 zahlreiche Fragen zum Thema `Sterben´ beantwortet. Und zwar nicht auf Fachchinesisch, sondern klar, offen, verständlich und das auch noch mit Empathie.

Und genauso ist dieser Arzt, dieser besondere Palliativmediziner. Ein Mann, der sicherlich bei vielen aneckt, wenn er – so wie in seinem Vortrag – Aussagen trifft, wie z. B.:
„Die Ehrenamtlichen (Sterbebegleiter) sind unbezahlte Profis“
„Die Pharmakonzerne machen ihre Umsätze nunmal nicht mit spiritueller Begleitung“ (im Kontext dazu, dass Körper UND Seele Beachtung finden müssen)
und zum Thema `Übertherapiert am Lebensende´: „Privat versichert zu sein, ist ein hohes Gesundheitsrisiko. Wer kann, der rette sich noch in eine gesetzliche“.

Mich hat dieser Vortrag ebenso beeindruckt wie sein Buch. Und wer sich auch dafür interessiert, dem lege ich diese Lektüre wärmstens ans Herz. (Das Lesen des Buches hat dafür gesorgt, dass ich meine Mutter viel besser in ihrem Sterbeprozess begleiten konnte!)

Lesung: „The End“
von Eric Wrede

IMG_3678Im vergangenen Jahr sah ich eine Doku mit und über Eric Wrede. (Leider finde ich sie jetzt nicht wieder, aber hier findet Ihr auf youtube ein Interview) Den Mann, der Musikmanager war und auf Bestatter umsattelte. Warum und wie? Das erzählt er in seinem Buch. Als ich im Programm der Messe von dieser Lesung las, wusste ich, dass ich sie mir nicht entgehen lassen würde!

Denn Eric Wrede ist nicht einfach „nur“ Bestatter, er ist es mit Leib und Seele und mit der Überzeugung, dass ein Verstorbener ein Recht auf eine respektvolle Behandlung hat und dass ein „guter“ Abschied die Angehörigen in ihrer Trauerarbeit unterstützen kann. Denn das ist leider nicht selbstverständlich.

Während der Lesung beobachtete ich einige Male die ZuhörerInnen und ich erkannte, was ich mir schon gedacht hatte: dieser entschlossene junge Mann, ist nicht jedermanns „Sache“. Muss ja auch nicht. Und dass sich einigen vermutlich die Fußnägel aufgerollt haben, als er davon las, wie er mal eine Urne auf einem Berliner Friedhof bei Nacht (ich glaube Nebel gab es nicht) ausgegraben hat, ist ja vielleicht auch verständlich. ABER, lest die ganze Geschichte und bildet Euch selber eine Meinung. Im seinem Buch findet Ihr nicht nur eigene Erlebnisse, sondern auch zahlreiche Anregungen und Hilfestellungen für einen Trauerfall. Und glaubt mir: jeder braucht das mal und es kann hilfreich sein, wenn man dann nicht völlig ahnungslos und dadurch rasch überfordert ist.

Soviel zu den Programmpunkten im Forum, die ich besucht habe. Im zweiten Teil meines Berichts wird es dann um die Stände gehen, die für mich in diesem Jahr besonders interessant waren.

Und es gilt wie immer: wenn Ihr Fragen habt – zum Messebesuch oder auch rund um die Themen Sterben, Tod und Trauer – immer her damit. Ich beantworte sie gerne unten in den Kommentaren oder per Mail!

Hier findet Ihr noch den Bericht von 2018!

Und hier den 2. Teil des Berichts von 2019!

10 Kommentare zu „„Ich und sterben?…“ – ein Besuch auf der Messe `Leben und Tod´in Bremen (Teil 1)

    1. Vielen Dank liebe Moni! Es freut mich, dass Dir mein Beitrag gefällt. Ja, so eine Messe ist definitiv nicht alltäglich – muss und sollte sie meiner Meinung nach auch nicht. Denn das Leben steht ja im Vordergrund! ❤
      Liebe Sonntagsgrüße
      Nicole

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  1. Immer wieder faszinierend, wie Dich das Thema „Sterben“ fasziniert. Ich lese darüber bei Dir sehr gerne!
    Ich habe noch eine Frage zu Deinem Schreibstil, und fasse es bitte nicht als Kritik auf. Ich meine, Du schreibst auch für Kinder und machst auch Lesungen für Kinder?
    Du benutzt Formulierungen wie: „Meine Vorfreude auf diesen Messebesuch war riesig!“ Oder in einem anderem Beitrag so etwas wie: „Schmeckt unglaublich lecker!“ Derlei Wendungen finden sich seit 30 Jahren nicht mehr in meinem Sprachschatz. 😉 Wie gesagt, ich will nichts kritisieren – es fällt mir nur auf.

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    1. Das freut mich sehr, Christoph! Ja, das Thema fasziniert mich tatsächlich nach wie vor. Es wird also noch etliche Beiträge dazu geben! 😉
      Und ich freue mich darüber, dass Du meine Beiträge und Geschichten so intensiv liest, dass Dir meine Wort- und Satz-Wendungen auffallen. Denn – ehrlich geschrieben – fällt es mir nicht auf. Warum nicht? Weil ich so bin. Auch im wahren Leben. Ich schreibe, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Nicht immer, denn bei vielen Geschichten passt es nicht. Aber bei meinen Beiträgen lege ich überhaupt keinen Wert auf Stil. Da bin ICH ICH.
      Und was meine Geschichten betrifft, habe ich ja schon mal versucht zu erklären, dass es für mich einfach Geschichten sind. Dass die eine und andere besser zu Kindern passt, ergibt sich einfach. Und egal, ob ich Lesungen für Kinder oder für Erwachsene mache, meine RIESIG, ZAUBERHAFT, UNGLAUBLICH… Wendungen bringe ich überall unter. 😉 Und dann mag Mensch mich… oder nicht.
      Frag gerne weiter, wenn Dir wieder mal etwas spanisch vorkommt! 😀

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  2. Äh … heißt es „spanisch“ oder „panisch“? … wenn ich zufällig in eine Deiner Lesungen gerate und vor lauter spanisch panisch davon laufen muß? 😀

    Ich höre zweierlei öfter, wenn ich schriftlich kommuniziere. Meine „Ausführlichkeit“ und meine „Inentsität“ – hey, ich bin Autor, das ist mein Job! Oder? Schreiben würde ich nicht, wenn es mir lästig wäre, und in die Tiefe zu gehen, ist für mich einfach überlebensnotwendig. Also was? Es gibt durchaus üble Zeitgenossen, deren Urteil schnell gefällt ist, so von zuviel Zeit zum Denken und mach was Anständiges, wo auch Geld rein kommt, faseln. Tja, ich kann nicht behaupten, ich hätte den Stein der Weisen gefunden, (der ist vielleicht schwerer, als man denkt), es entspricht mir einfach, Filialleiter eines Supermarktes oder Baggerfahrer im Braunkohletageabbaugebiet eher wohl nicht.

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  3. Da kann ich Dich beruhigen… vorläufig gibt es keine Lesungen von mir. Insofern kannst Du Dir bei der Überlegung ob es spanisch oder doch panisch heißt ruhig Zeit lassen! 😉

    Gut, dass Du Deine Entsprechung gefunden hast! Und üble Zeitgenossen mit vorschnell-Urteil gibt es ja sowieso immer und überall. Heutzutage glaube ich – dank Social Media – wohl noch extremer. Also machen „Leute wie wir“ doch weiter etwas „Unanständiges“. (ich glaube meine Fußbeschwerden schlagen mir ein wenig aufs Hirn…)

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    1. Gute Besserung für den Fuß! Und wenn es nötig ist … fürs Hirn! 😉
      Nun, die üblen Zeitgenossen, die unsere Arbeit als „unanständig“ diffamieren, sind die einen.
      Die anderen sind für mich die Träumer, die Weltfremden und diejenigen, die sich einer Illusion hingeben. Alle, die ihre Romane und Bücher schreiben wollen, in denen es z. B. von Elfen, Einhörnern und Zauberlehrlingen nur so wimmelt. Was ich sagen möchte, es gibt auch immer Leute, die meinen, Schreiben zu können, ohne das Handwerk zu beherschen, ohne Talent und ohne den realistischen Blick für die Literaturszene oder die Ellbogen für ein erforderliches Durchsetzungsvermögen zu haben.
      Du selbst wirst ja noch ein Schreibseminar geben. In meiner 25-jährigen Teilnahme bei einer Autorengruppe war von uns niemand bereit, diesen „Schwebern“ so etwas wie eine „Ausbildung“ zu verpassen. Daher löste sich das Problem ganz hurtig von selbst; sie packten ihre Elfen mit den spitzen Ohren, das Pferd mit dem Horn und verschwanden. Wer weiß schon wohin …

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      1. Dankeschön! ❤ Ja, das Hirn leidet unter dem Bewegungsmangel… 😉
        Na, Du weißt ja wie das bei mir läuft: da geht es zauberhaft und magisch zu. Ich habe immer ein paar Elfen und Einhörner als Untermieter und ich bin die größte Träumerin, die man sich nur vorstellen kann.
        Mein Schreib-Lust Seminar dreht sich rein um die Lust am Schreiben. Es geht um den Spaß am Geschichten erfinden und den Mut, diese aufzuschreiben. Das Handwerk des Schreibens können gerne andere den schreibenden Menschen beibringen. Das habe ich etliche Jahre gemacht und es hat mir überhaupt keinen Spaß gemacht.
        Da schwebe ich lieber weiter durch meine Geschichten-Träume, schwinge mich auf mein Einhorn und galoppiere davon. Und wohin… das verrate ich nicht! 😉

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