Beerdigungs-Clown und Bestattungs-Spielzeug – ein Besuch auf der Messe `Leben und Tod´in Bremen (Teil 2)

Teil 1 meines Messe-Berichts findet Ihr hier und Teil 3 hier!

Nachdem ich meinen Highlights des diesjährigen Vortragsprogramms gelauscht und zudem schon die ersten tollen Begegnungen hatte, machte ich mich daran, durch die Halle zu stromern und mir das Angebot an den Ständen anzuschauen. Einiges kannte ich bereits vom vergangenen Jahr, aber es war auch viel Neues dabei. Besonders gut gefiel mir:

Bestattungs-Spielzeug

Kinder können sich heutzutage in die unterschiedlichsten Welten hinein spielen: sie können als Ritter Drachen erlegen, Prinzessin im eigenen Schloss sein, im Operationssaal stehen und operieren. Es gibt unzählige Möglichkeiten. Und einige davon können dabei behilflich sein, Kindern die Welt zu erklären.

Auf der Messe stand ich nun auf einmal dem Erfinder des Bestattungs-Spielzeug an seinem Stand gegenüber. Der Niederländer Richard Hattink ist Trauerpädagoge und bietet mit seinem Angebot eine Möglichkeit, Kindern den Tod auf spielerische Art näher zu bringen. Ihr ahnt es wahrscheinlich schon: ich war hin und weg von dem kleinen Friedhof, der Trauerhalle, dem Sarg und den passenden Figuren. Alles übrigens von der Marke Lego. Eine Welt zum be-greifen.

Und dazu dieser aufgeschlossene, sympatische Mann, bei dem ich mir nur allzu gut vorstellen kann, wie er Kindern dieses Thema – das oft durch die Erwachsenen tabuisiert wird – nahe bringt.

Schaut Euch doch einfach mal hier auf seiner Webseite um!

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Eifeler Urnen-Manufaktur

„Urnen aus Laubhölzern der Vulkaneifel“ – so steht es auf der Eingangsseite der Webseite. Die Zeit der „Einheitsurnen“ ist längst Geschichte. Heutzutage besteht auch hier die Möglichkeit der individuellen Gestaltung. Und wer – so wie ich – ein Holz-Fan ist, der sollte sich doch unbedingt diese wunderschön gestalteten Urnen anschauen. Handarbeit von A-Z.

Auf der Webseite (die Ihr hier findet) gibt es übrigens einen interessanten Einblick in die Werkstatt.

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Waterurn BV

Ich bleibe noch einmal beim Thema `Individuelle Urnen´. Dieses Angebot kommt aus den Niederlanden (hier findet Ihr die Webseite, die allerdings auf holländisch ist, aber die Anbieter sprechen auch Deutsch – habe ich getestet! 😉 ) Die Technik des Ganzen habe ich ehrlich gesagt nicht so richtig verstanden, ich war einfach zu fasziniert davon, wie wunderschön sich diese Urnen z. B. in einem Garten integrieren lassen. Wobei man sich dafür die Asche des Verstorbenen aushändigen lassen müsste, was in Deutschland bisher nur im Bundesland Bremen möglich ist. Oder – so der Anbieter – man lässt die Kremierung in Holland vollziehen und bekommt sie dann. Wobei ich persönlich bisher nie den Wunsch hatte meine lieben Verstorbenen bei mir im Garten zu haben.

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Beerdigungs-Clown

„Die schwere Decke der Trauer etwas anheben“, so steht es auf dem Flyer von Kaala Knuffl (alias Birgit Sauerschell), der Beerdigungs-Clownin. Mit ihrer in rot und schwarz gehaltenen Clowns-Gewandung hat sie meinen Blick sofort angezogen. Einen Clown auf einer Beerdigung? Das hat mich neugierig gemacht.

Ich hatte ein sehr interessantes Gespräch mit Kaala Knuffl und konnte mir sofort gut vorstellen, bei einer Trauerfeier mit ihr ganz neue Wege zu gehen. Denn ein Clown ist eben mehr als der Spaßmacher im Zirkus. Auch in Krankenhäusern gibt es ja schon lange die Klinik-Clowns, die dort hervorragende und wichtige Arbeit leisten.

„Poesie am Grab“ – „Erleichternde Hoffnung“ – „Ein Mittler zwischen Tod und Leben“. Schaut doch einfach mal auf ihrer Website vorbei, die Ihr hier findet!

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Friedhofsgeflüster

Eine hochgewachsene Frau, ganz in Schwarz mit Korkenzieherlocken. Es ist die „Schwarze Witwe“, die von Dr. Anja Kretschmer verkörpert wird. In einer Gewandung aus dem 18. Jahrhundert bietet sie Führungen über Friedhöfe in ganz Deutschland an, bei denen die ZuhörerInnen jede Menge über alte Traditionen rund um das Thema Tod erfahren.

Neben einem Flyer mit etlichen Terminen erhalte ich auch noch einen Leichenbitter, einen selbst gemachten Kräuterschnaps, den die Messe-BesucherInnen auch als Mitbringsel käuflich erwerben können. Als kleinen Eindruck habe ich im Nachhinein noch hier auf der Webseite gestöbert und mir hier einen kleinen Film angeschaut. Und im September kann ich die „Schwarze Witwe“  auf dem Engesohder Friedhof in Hannover dann auch live erleben.

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Dies ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt der zahlreichen Stände auf der Messe. Zusätzlich gibt es Möglichkeiten, sich über Hospiz- und Palliativarbeit, über Patientenverfügungen, Sterbe- und Trauerbegleitung und vieles mehr zu informieren. Und all dies in einem lockeren Rahmen, in dem es – zumindest mir – leicht fällt, ins Gespräch zu kommen.

Erwähnenswert ist noch die Ausstellung „Gemeinsam unterwegs“, die Bilder des Langeooger Inselmalers Anselm zeigte mit Zitaten aus Liedern von Rolf Zuckowski. Wunderschöne Bilder, die ich mir lange angeschaut habe. Bei Interesse findet Ihr diese und andere auf der Seite des Inselmalers (hier).

Der 3. und letzte Teil meines Messe-Berichtes folgt in den nächsten Tagen und handelt von einer besonderen Begegnung.

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12 Kommentare zu „Beerdigungs-Clown und Bestattungs-Spielzeug – ein Besuch auf der Messe `Leben und Tod´in Bremen (Teil 2)

  1. Liebe Nicole,
    auch ich sage Danke fürs Mitnehmen und die vielen Fotos dazu. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass eine solche Messe so vielseitig und interessant und vor allem „lebensnah“ sein kann.
    Lieben Gruß
    moni

    Gefällt 1 Person

    1. Magst Du mir den einen oder anderen Aspekt schreiben? Das würde mich sehr interessieren! Und ja, ich entdecke auch immer wieder neue Möglichkeiten und Wege, was diese Themen betrifft.
      Inzwischen habe ich auch begriffen, wie wichtig dieses „Fell versaufen“ sein kann. Zusammen kommen, sich gemeinsam erinnern und austauschen und dabei eben auch essen und trinken. Warum nicht, wenn es gut tut!

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      1. Es sind einfach die Aspekte einer gewissen Leichtigkeit, mit dem Tod umzugehen, die mich auch „erleichtert“ haben, d.h. das „Friedhofsgeflüster“ und das Bild vom Geige spielenden Tod.

        Die Beerdigungen, die ich in Deutschland mitgemacht habe, waren alle ausschließlich ernster Natur, zumindest die Aktionen auf dem Friedhof. Und viele Unwahrheiten oder Halbwahrheiten wurden da über den Gestorbenen verbreitet, tod-ernste Gesichter zwar gemacht, hinter vorgehaltener Hand zwar gelacht. Aber es war immer irgendwie bedrückend und oft etwas beschämend.

        Ganz anders die Gewohnheiten in Mittelamerika, wo wir ein paar Jahre verbracht haben. Da stand der Sarg offen im Wohnzimmer, jeder konnte noch einmal zu dem Toten hingehen, und dann saß man um den Toten herum und es wurde erzählt, gelacht und auch „das Fell versoffen“. Alles am Vortage der Beerdigung. Die Beerdigung dann wiederum am nächsten Tag katholisch zeremoniell geprägt. Aber niemals war so das „vorgezeigte“ Gefühl der „übermächtigen“ Trauer präsent.
        Oft wurde dann nach ein paar Wochen, Monaten treffen auf dem Friedhof arrangiert, wo man saß, aß und einfach „Zeit“ mit dem Toten verbringen wollte.

        Eines meiner Enkelkinder hat ein Soziales Jahr in Bolivien verbracht. Sie erzählte uns, dass dort ebenfalls regelmäßig Treffen auf dem Friedhof statt finden, mit Essen, Trinken, lustig sein, im und für das Gedenken mit dem Toten und „mit ihm“.

        Und so bleiben dann doch starke Bindungen zu dem Toten bestehen. Anders, als nur beim Blumen gießen.

        Gruß Werner

        Gefällt 2 Personen

  2. Danke für Deine interessante Antwort!

    Genauso ist es auf dieser Messe: neben dem ernsten und traurigen, die erleichternden Aspekte. Der Pantomime, der den Tod mit roter Clownsnase mimt. Eine Möglichkeit in einem Sarg probe zu liegen. Und dann vielleicht nur einen Stand weiter, ein Gespräch über letzte Tage in einem Hospiz. Leben und Tod Hand in Hand. So kommt es mir vor und so ist es für mich stimmig!

    Daher freue ich mich auch darüber, dass auch in Deutschland immer öfter Beerdigungen stattfinden, die – ich schreib mal – dem Leben zugewandter sind. Dieses ernste und leicht beschämende kenne ich auch. Da läuft mir ein Schauder über den Rücken. Ich habe z. B. die Trauerfeier für meine Mutter so gestaltet, dass wir ihr Leben gefeiert haben. Mit einer Künstlerin, die mit uns die Lieblings-Volkslieder meiner Mutter gesungen hat und bei der ihre Kinder selber Worte der schönen Erinnerungen gefunden haben.

    Andere Länder können wir uns da – wer es mag – als Vorbild nehmen. Ganz wie Du es schreibst. Jeder sollte für sich entscheiden, welche Art von Trauerfeier er für seine Lieben möchte. Außer sie haben selber Wünsche geäußert.

    Nochmals danke für Deine Antwort und hab ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße
    Nicole

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Nicole,
    ein sehr interessanter Bericht, ganz besonders fesselnd die schwarze Witwe. Ich habe ja immer so einen Hang zum Gruseln und zum morbiden, ihren Termin in Hannover habe ich mir mal gemerkt, weiß aber noch nicht ob wir da nicht im Urlaub sind. Aber spannend finde ich es allemal.
    Bei der Trauerfeier für meinen Vater vor vielen Jahren passierte etwas so schönes: als der Pastor so in seiner Rede war, flog auf einmal ein Pfauenauge vom Sarg hoch … und der Pastor schwenkte von seiner Rede über zu der Trauerkultur der Indianer, das hat mich sehr bewegt und ich habe es meinen Kindern weiter erzählt und jeder der dabei war und dem ich es erzählte grüßt heute noch die Pfauenaugen mit „Hallo Peter“ (unsere Kinder sagen schau da ist Opa) – mir war dieser Schmetterling der größte Trost 😉
    Liebe Grüße
    Kirsi

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Kirsi,
      ich freue mich sehr, dass Dir mein Bericht gefällt! Und ja, als ich die Schwarze Witwe gesehen habe, gab es für mich auch kein Halten mehr! Für den Termin in Hannover muss man sich übrigens anmelden und die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Ich weiß es auch noch nicht genau, ob ich es schaffe. Ich hoffe! 😀
      Wie schön, liebe Kirsi! Ich konnte mir die Szene beim lesen eben richtig vorstellen und hatte eine kleine (positive) Gänsehaut. Was für eine schöne Erinnerung für Euch, die Ihr in Euren Herzen bewahren könnt. ❤
      Was meine Mutter betrifft, hatte ich einige Erlebnisse mit einem Zitronenfalter, die mir auch viel bedeuten. ❤
      Ganz liebe Grüße an Dich
      Nicole

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