Ultralauf in Bad Münder – Süntel-Trail

Mein Mann Holger hat wieder die Lauf-Schuhe geschnürt und war diesmal im Süntel unterwegs…

Süntel-Trail in Bad Münder – 06. Juli 2019
von Holger Vergin

Wie war ich froh, dass dieser Lauf nicht schon eine Woche vorher auf dem Programm stand. Ich mag es zwar auch gerne mal warm, aber Temperaturen jenseits der 35-Grad-Marke müssen es auch nicht sein. Es hatte sich deutlich abgekühlt und für den Lauf waren Werte zwischen 16 und 20 Grad angesagt. Worum ging es? Häuptling Helmut hatte schon im Oktober des letzten Jahres zum Trail im Süntel aufgerufen und im November war die diesjährige Ausgabe mit ca. 30 Teilnehmern ausgebucht. Damals wusste ich noch nicht, ob und wie ich würde laufen können, aber nach mittlerweile drei gefinishten Ultra-Trails in diesem Jahr war ich zuversichtlich, auch wenn die Strecke von 50 Meilen (oder 80 KM) eine deutlich größere Herausforderung war.


In 2014 war ich dort die 50 KM und in 2015 auch schon die 50 Meilen gelaufen, ich wusste also, was mich erwartete. Aber auch das „Rahmenprogramm“ konnte sich sehen lassen. Ab 6 Uhr gab es Frühstück und nach dem Lauf gab es noch ein Abendessen in Buffetform. Und das alles zu vergleichsweise günstigen 50 Euro Startgeld.
Samstag früh um vier Uhr klingelte der Wecker, eine Runde mit unserem Hund Gina, Sachen packen und dann ca. 50 min. Autofahrt, schon war ich da und konnte mich nach der Anmeldung ans frühstücken machen. Die anderen Läufer trudelten allmählich ein und schließlich standen wir um kurz vor sieben vor der Bildungsstätte Bad Münder an einer imaginären Startlinie. Während wir noch so quatschten ertönte ein Schuss, und Helmut schickte uns auf den Weg.

Wie bei vielen dieser kleinen Läufe gab es keine Markierungen oder abgesperrte Straßen. Jeder hatte auf seinem GPS-Gerät den Track und musste die Strecke eigenständig finden. Und wie so oft ist es gerade bei Gruppen von drei, vier Läufern so, dass jeder denkt, einer weiß schon wo es lang geht, und schon hat man sich verlaufen. Daher finde ich es wichtig, erstmal auf dem eigenen Gerät zu schauen, das man auf dem richtigen Track ist und weiß, wie die Orientierung funktioniert.
Auch wenn der Lauf Süntel-Trail heißt, ging es zuerst in den Deister. Hier liefen wir die ersten ca. 16 KM und anfangs waren alle noch dicht zusammen und man konnte sich unterhalten. Es ging beständig auf und ab, viele Singletrails wechselten sich mit breiten Waldwegen ab und die ersten Höhenmeter wurden, je nach Können, gelaufen oder gegangen. Ein Steinbruch wurde umrundet und dann näherten wir uns schon dem Waldrand. Auf einen Radweg lief ich ca. 500 Meter, bog dann nach links ab, über die Straße und Richtung Süntel. An einem Golfplatz vorbei war der Einstieg in den nächsten Trail in den Osterberg nicht ganz leicht zu finden. Dort verlief dann eine Bahnlinie, an der ich kurze Zeit entlanglief und nach einem weiteren Linksknick kam wieder ein schöner Singletrail.

An dessen Ende stand ich dann unversehens in einem Feld. Wären vor mich nicht schon etliche Läufer durchgekommen, so wäre der Weg nicht einfach zu finden gewesen. Außerdem kannte ich das „Brennnesselfeld“ von den vorherigen Läufen, nur das damals so gut wie kein Bewuchs vorhanden war. Schon bald war ich dann im Süntel und es ging bergauf. In Klein-Süntel war die erste von vier Verpflegungsstellen und danach lief ich auf dem Panoramaweg am Waldrand entlang. Hier gab es tolle Ausblicke in die Landschaft, aber der wurzelübersäte Untergrund erforderte viel Aufmerksamkeit. An Welliehausen vorbei begann dann richtige Anstieg. Auf teils schmalen Singletrails wurde Höhenmeter um Höhenmeter erklommen, die Landschaft war dabei sehr urwüchsig. Quer liegende Bäume und brusthoher Bewuchs zeugten auch davon, dass außer uns hier niemand lang ging oder lief. Dann war der Süntelturm nicht mehr fern und nach dieser ersten Besichtigung verlief der Weg gleich wieder steil abwärts über Geröll und Wurzeln.

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Die Strecke führte uns jetzt für längere Zeit auf dem Rücken des Süntels durch die Landschaft, bis es unvermutet links ging, durch zugewachsene Fahrspuren, die einer anderen Zeit zu entstammen schienen. Wir verloren reichlich Höhenmeter, es ging zwischen Feldern hindurch und nach kurzer Zeit kamen wir zur zweiten VS, Pappmühle. Hier waren 39 KM geschafft. Etwas essen und trinken, die Wasserflaschen auffüllen und weiter. Am Blutbach entlang gelangte ich zur Baxmannbaude, hier begann der Aufstieg zum Hohenstein. Der Weg war durch viele Treppenstufen gekennzeichnet, die aber sehr unregelmäßig verlegt waren.

Nach einiger Zeit musste ich rechts abbiegen um den Einstieg in den Klippenweg nicht zu verpassen. Hier begann einer der schönsten Teile der Strecke. Steil aufragende Klippen zur Linken und unwirklich scheinender tiefer Märchenwald zur Rechten machten diesen Abschnitt zu einem echten Highlight. Der Weg führte auf einen breiten Waldweg und linksherum führte dieser zum Hohenstein. Von hier bietet sich ein traumhafter Blick ins weite Land.

Nach kurzem Genuss lief ich weiter, über Treppenstufen hinab und dann musste ich aufpassen, den Einstieg zu finden, wo es zur Blutbachquelle hinauf geht. Noch so ein traumhaftes Stück Weg, links und rechts erhoben sich dunkel die Talwände und der kleine Läufer marschierte stetig den Weg bergan. Bis auf das leise Plätschern des Baches war es still und die Strecke erforderte höchste Konzentration. Endlich oben fand ich die Quelle ausgedörrt vor, nur wenig Wasser war hier vorhanden. Nach kurzer Rast lief ich weiter und erreichte bald die Südwehe. Hier sollten wir aufpassen, nur ja den richtigen Weg zu finden. Ein Blick auf das GPS-Gerät reichte, und mir war klar, wo es lang ging. Hier oben auf der Südwehe war die Natur wieder sehr spektakulär und wildromantisch. Dann führte die Strecke bergab und ich näherte mich dem Waldrand.


Der Pfad der Sinne führte bei Kessiehausen am Wald entlang, und nach einer Weile ging es rechts ab und wieder bergan. Erst langsam dann stetig steiler werdend und schließlich über Stock und Stein kam ich an einem Weg heraus der mich gleich wieder bergab führte. Vorbei an einem weiteren Steinbruch kam ich zur dritten Verpflegung in Hamelspringe. Noch einmal auftanken und weiter zur Süntelturmrunde, in deren Verlauf ich zum zweiten Mal den Turm erblicken sollte. Hier war der Anstieg am Großen Steinbach entlang die kraftraubendste Aufgabe. Über 2,5 KM führt ein Panzerplattenweg gemächlich bergan um dann in einen kleinen steilen Trail überzugehen, der mich ziemlich forderte. Aber auch das war bald geschafft und so musste ich beim Bergablaufen nur noch auf den richtigen Weg achten. Einmal lief ich dann auch ein Stück zu weit, merkte dies aber schnell und korrigierte meinen Fehler. So kam ich nach ca. 70 KM zur Alten Ziegelei wo es noch mal Verpflegung gab. Mittlerweile hatte es ziemlich aufgefrischt und kurze Zeit später fielen erste Tropfen.

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Zwischen den Feldern hindurch war die Strecke offen, so dass ich bald froh war, nach dem Brennnesselfeld wieder das Waldstück erreicht zu haben, auf dem wir schon auf dem Hinweg unterwegs waren. Die Blätter hielten den jetzt heftigen Regen doch einigermaßen ab, und so ging ich einen Großteil des Weges. In der Hoffnung, das der Regen etwas nachließe, wenn ich wieder auf freier Strecke unterwegs war. Dies bewahrheitete sich leider nur zum Teil, so dass ich auf dem Rest des Laufweges ziemlich nass wurde. Da das Ziel aber nahe war, störte es mich dann irgendwann auch nicht mehr. Und endlich, nach 11:32 Stunden war ich dann da, überglücklich und erschöpft, aber nicht total fertig.

Ziemlich schnell war ich unter der Dusche verschwunden und konnte anschließend schon zum Essen gehen. Ich bediente mich reichlich am Buffet, immer mehr Läufer trudelten ein und wir tauschten gegenseitig unsere Erlebnisse aus. Gegen 20 Uhr gab es noch eine Siegerehrung und danach löste sich alles allmählich auf.
Nach der kurzen Heimfahrt reckte und streckte ich mich auf dem heimischen Sofa und freute mich über das Geschaffte.
Nächstes Jahr findet der Lauf am 18. Juli statt, ob ich wieder daran teilnehme werde ich erst im Lauf des Herbstes entscheiden.

 

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