„Dein Sternenkind“ – ein Gespräch mit der Sternenkind-Fotografin Birgit Gantze

Unser Sohn ist in diesem Jahr 24 Jahre alt geworden. Ein junger Mann, der mit beiden Beinen fest im Leben steht und auf den wir sehr stolz sind. Ich erinnere mich noch gut an die Schwangerschaft, die Vorfreude, den Tag der Geburt. Alles ging glatt: Mutter und Kind wohlauf!

Dieses Glück haben nicht alle Eltern.

Es ist ein Thema, vor dem man am liebsten die Augen verschließen, es ausblenden möchte. Und leider ist es auch im 21. Jahrhundert noch so, dass oftmals das Mäntelchen des Schweigens über den Tod eines Babys gehängt wird. Gerade, wenn diese sehnlichst erwarteten kleinen Menschen bereits im Mutterleib oder kurz nach der Geburt sterben.

Aber es gibt sie, diese Sternenkinder und leider sind es jedes Jahr unglaublich Viele, die nie die Chance bekommen, ein Leben zu leben. Zurück bleiben verwaiste Eltern. Denn Eltern sind sie. Egal, wie winzig klein, wie leicht ihre Sternchen waren.

Birgit GantzeUnd genau um diese Eltern und ihre Kinder geht es, wenn sich Birgit Gantze auf den Weg in ein Krankenhaus macht. Seit zwei Jahren ist sie für die Organisation `Dein Sternenkind´als Fotografin im Einsatz. Ehrenamtlich. So wie rund 600 andere Fotografinnen und Fotografen schenkt sie den Eltern Erinnerungen an ihre Kinder.

„Ich hatte schon länger darüber nachgedacht, mich als Fotografin für `Dein Sternenkind´zu engagieren“, erzählt sie. Eine Entscheidung, die  sich Birgit nicht leicht gemacht und die sie bisher nicht bereut hat.

Bei ihrem ersten Einsatz hätte sie mit zitternden Knien vor dem Kreissaal gestanden und etliche Male tief durchgeatmet, bis es ihr gelungen sei, die Tür zu öffnen und in eine Situation hinein zu treten, die für Eltern schlimmer nicht sein könnte. Was sie an diesem Tag jedoch hauptsächlich gespürt habe, sei unendliche Liebe, die den Raum erfüllt habe.

Während mir Birgit von ihrer ehrenamtlichen Arbeit erzählt, leuchten ihre Augen und es ist deutlich, dass diese Einsätze eine Herzensangelegenheit für sie sind. Birgit ist eine Tänzerin. Sie ist Körpertherapeutin und hat künstlerische Fotografie studiert. All das fließt in die liebevoll begleitenden Begegnungen mit den Eltern und ihren Sternenkindern ein. Und als ich sie frage, wie ich sie hier vorstellen soll, antwortet sie erst lachend: „Vielleicht bin ich die kreative, fotografierende, tanzende Körpertherapeutin?“ und dann nachdenklicher: „Aber am sichersten bin ich einfach nur ein Mensch, der seine Träume ein ganz klein wenig leben will, so wie es eben möglich ist. Der sich selbst im Leben Sinn geben möchte, und nicht abstumpfen will in dieser hektischen unmenschlichen Welt.“

Ihre Worte berühren mich und ich habe das Gefühl einen Eindruck erhascht zu haben, wie Birgit einen Weg in das trauernde Herz der Sternenkind-Eltern findet.

Im Anschluss an die Einsätze, werden die Fotos bearbeitet und, sofern die Familien in Birgits Nähe wohnen, bringt sie ihnen den Stick – auf den Sterne gedruckt sind – mit den wertvollen Erinnerungen persönlich vorbei. Immer hübsch verpackt in – teilweise handgefertigten – Schachteln.

Aber wie wird sie mit all dem Leid, dass sie über ihre ehrenamtliche Tätigkeit erlebt, fertig? „Die Organisation `Dein Sternenkind´unterstützt die Fotografen u. a. durch die Möglichkeit einer Supervision“, erläutert Birgit mir. Und zudem könne sie sich mit ihrer Mutter austauschen, die ebenfalls ehrenamtlich bei einem Kriseninterventionsteam vom roten Kreuz tätig ist.

Trotz all der Unterstützung und dem Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen –  einfach ist diese Arbeit sicherlich nicht. Aber – und das ist mir im Laufe des Gesprächs noch um ein vielfaches deutlicher geworden – sie ist immens wichtig, um den Eltern und anderen nahen Angehörigen die Chance zu geben, sich in jeder Einzelheit an ihr Sternenkind erinnern zu können.

Denn wie steht es auf der Eingangsseite der Website von `Dein Sternenkind´:

„Wir fotografieren nicht den Tod, wir fotografieren sehnlichst erwartetes Leben“
Zitat von Birgit Walter-Lüers, ebenfalls Sternenkind-Fotografin.

Liebe Birgit, ich danke Dir sehr für das wunderbare Gespräch, das mich sehr bereichert hat. Ich wünsche Dir weiter von Herzen alles Gute und viel Kraft für Deine wichtige Arbeit!

Weitere Informationen über `Dein Sternenkind´findet Ihr auf der Website:
www.dein-sternenkind.eu

Und näheres über Birgit Gantze findet Ihr auf Ihrer Website:
www.human-in-balance.jimdo.com
und hier auf facebook die Seite Fotokunst.

Zuletzt noch die Website www.biggiismus.de von Birgit Walter-Lüers.

 

 

 

 

12 Comments on “„Dein Sternenkind“ – ein Gespräch mit der Sternenkind-Fotografin Birgit Gantze

  1. Liebe Nicole,
    danke herzlich für diesen berührenden Bericht.
    Es ist eine Information für mich, die ich noch nicht hatte (dass es „Sternenkinder-Fotografinnen“ gibt). Vielleicht kann ich sie aber für Begegnungen in meiner Arbeit brauchen.
    Herzliche Grüße
    Judith

    Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Nicole,
    Danke für deinen Bericht. Ich wusste, dass es diese Fotografen und Fotografinnen gibt, aber nicht, dass sie so gut organisiert sind und werde das mitnehmen.
    Ich habe schon manches Kind auf diesem Weg begleitet und wir machen immer Fotos von ihnen, auch Hand-und Fussabdrücke, die meisten Eltern nehmen das an.
    Liebe Grüße
    Natalie

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Natalie,
      es freut mich, dass er Dir gefallen hat. Wie wunderbar, dass Du auch Eltern in dieser schweren Zeit zur Seite stehst! ❤ Ich wünsche Dir weiter viel Kraft für Deine Arbeit.
      Liebe Grüße
      Nicole

      Gefällt 1 Person

      • Und ich sage ganz ehrlich: Ich bin froh, dass mich dieses „Schicksal“ nur alle ein, zwei Jahre und manchmal noch seltener mal ereilt.
        Ich bin ja teilzeitbeschäftigt und soo viele Kinder sterben zum Glück auch wieder nicht, aber bei allem Engagement nimmt es mich auch immer sehr mit, wobei es auch einen Unterschied macht, wie lange man ein Kind und seine Familie kannte, waren es Wochen oder Monate oder lernte man es erst unter Reanimation kennen.War es ein Tod, der unvermeidbar war oder hätte es auch anders laufen können.
        Ich gebe alles, aber es nimmt mich auch sehr mit. Sterbebegleitung als Schwerpunkt wäre nichts für mich.
        Liebe Grüße
        Natalie

        Gefällt 1 Person

  3. @ fundevogelnest: Das ist nur allzu verständlich, liebe Natalie! Vieles rund um den Tod – und auch das Sterben – ist schwer auszuhalten und mitzutragen. Aber wenn Kinder sterben, ist das noch einmal um ein vielfaches schwerer. Ich habe mich daher auch bewusst entschieden, keine Sterbebegleitung bei Kindern und Jugendlichen zu machen. Alles Gute für Dich und weiter viel Kraft für Deine Arbeit! ❤
    Liebe Grüße
    Nicole

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  4. Eine ganz wichtige Arbeit, die die Fotografen dort leisten. Ich selber bin des fotografierens leider nicht so mächtig und wäre wohl auch zu sehr emotional in das Thema eingebunden. Dennoch , es muss mehr über diese kleinen Menschen gesprochen werden, die nie die Chance hatten Ihre Eltern kennen zulernen oder manchmal nur für eine kurze Zeit

    Gefällt 1 Person

    • Ich danke Dir für Deinen Kommentar und Du hast vollkommen Recht: wie schlimm dieses Thema auch ist, ich hoffe auch, dass es nach und nach einen Platz im Leben findet!

      Liken

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