Von Sterbebegleitung, Ausbildung und dem prallen Leben – ein Mischmasch-Plausch

Koffer packen. Darin bin ich inzwischen geübt. Seit Juni vergangenen Jahres fahre ich alle acht Wochen nach Hamburg, wo ich meine Ausbildung zur Seelfrau (Sterbe-, Trauer- und Seelenbegleiterin) mache. Auch Gina weiß inzwischen was es bedeutet, wenn mein roter Koffer aufgeklappt dasteht und ich alles hinein befördere was nicht bei Drei auf dem Baum ist. Dann schaut sie mich von unten herauf an… mit sooo traurigem Blick, dass ich kurz davor bin, wieder auszupacken. Was ich natürlich nicht tue, denn mein Mann verwöhnt unsere Süße, während ich weg bin, so dass ich ganz unbesorgt fahren kann.

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Während ich also routiniert meine Klamotten, Bücher, den Ausbildungsordner und was Frau sonst alles braucht, stapele, spazieren meine Gedanken auf eigenen Wegen. Seit Anfang der Woche ist meine erste Sterbebegleitung beendet und die vergangenen drei Monate wirken bei mir nach. Da kommen etliche Erinnerungen hoch. Schöne und traurige. Ich fühle mich durch das Erlebte bereichert, bin dankbar, dass ich Anteil nehmen und unterstützen durfte.

In den kommenden Wochen mache ich eine Pause und stehe nicht für die nächste Begleitung zur Verfügung. Zum einen möchte ich meiner Trauer – ja, ich trauere um den Menschen, der gestorben ist, auch wenn ich ihn nur kurz kannte – Raum geben, aber auch das in Ruhe erledigen, was in den kommenden Wochen ansteht.

Am 18. Oktober beginnt die Ausstellung zum Thema „Trauertattoos“ in Wunstorf (und im Anschluss noch in Neustadt am Rübenberge). Ich habe mich – neben vielen anderen ehrenamtlichen HelferInnen – bereit erklärt, beim Aufbau und der Begleitung der Ausstellung zu helfen. Worauf ich mich schon sehr freue! Ich bin gespannt, welchen Menschen ich in diesem Kontext begegne, welche Gespräche auf mich warten. Natürlich werde ich Euch im Anschluss davon berichten.

Und dann steht vom 01. – 03. November das jährliche Schreib-Lust Seminar in der Ev. Heimvolkshochschule in Loccum an, das ich aktuell vorbereite. Ich freue mich schon auf all die bunten Geschichten, die meine TeilnehmerInnen in diesen Tagen wieder zu Papier bringen werden. Etliche von ihnen nehmen bereits seit vielen Jahren daran teil, so dass diese Gruppe für mich etwas ganz besonderes ist.

Neben all dem darf natürlich unsere Hündin Gina nicht zu kurz kommen. Lange Spaziergänge, üben fürs Cross Dogging und seit neuestem macht sie gemeinsam mit Herrchen beim Mantrailing mit. Genau das richtige für unsere kleine Schnüffelnase.

Ach ja, eine Kleinigkeit noch – bevor ich dann meinen Koffer weiter packe – wusstet Ihr, dass es eigentlich Adventkalender heißen muss? Aber schaut Euch mal um: überall steht AdventSkalender. Frau lernt ja nie aus… aber ich werde das S auch weiterhin nutzen!

Habt einen schönen Abend und lasst es Euch gut gehen!

8 Kommentare zu „Von Sterbebegleitung, Ausbildung und dem prallen Leben – ein Mischmasch-Plausch

  1. Fast off topic, sorry: Nein, es muss nicht eigentlich „Adventkalender“ heißen. Das ist laut Duden österreichisch; hochdeutsch ist „Adventskalender“. Ja, kann sein, dass die Bayern und/oder sonstige Süddeutsche das anders sehen, Sprachgrenzen sind keine Ländergrenzen. Aber wir als Norddeutsche dürfen ganz sicher Adventskalender sagen!
    Liebe Grüße
    Christiane 😉

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    1. Ich DANKE Dir für Deinen Hinweis, liebe Christiane!! Den Hinweis auf Österreich hatte ich im Duden Eintrag überlesen. Ich hätte mein S im Adventskalender sowieso beibehalten, aber so ist ja noch schöner! 😉
      Liebe – und erleichterte – Grüße
      Nicole, deren Advents- und Weihnachtswelt nun wieder in Ordnung ist

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    1. Guten Morgen liebe Nati,
      bei der diesjährigen Messe Leben & Tod nannte Dr. Borasio bei seiner Eingangsrede die Ehrenamtlichen „unbezahlte Profis“. Es muss einfach noch viel geschehen bis klar ist, dass Jeder ein Recht auf Sterbe- und Trauerbegleitung hat. Wobei Sterbende zumindest inzwischen im häuslichen Bereich ein Palliativteam an die Seite bekommen. Das übernimmt dann auch die Krankenkasse. Aber es reicht eben nicht „nur“ die körperlichen Beschwerden zu lindern. Was Trauerbegleitung betrifft, kommt es bei den Krankenkasse so langsam an, wie wichtig das ist, um „Folgeschäden“ zu vermeiden. Die dann gut in Jahrelanger Therapie enden kann. Je nachdem wie traumatisch der Todesfall für die Angehörigen ist. Wenn meine Ausbildung zur Trauerbegleiterin beendet ist, werde ich zumindest in diesem Bereich nicht nur im Ehrenamt arbeiten. Kleine Schritte… 😉
      Hab einen schönen Tag
      Nicole

      Gefällt 2 Personen

    1. Es werden tatsächlich keine Seel-Männer ausgebildet. Eine Tatsache, die mich erst einmal abgeschreckt hat. Neben den „modernen“ Seiten der Ausbildung geht es auch um die historische Seite Und die Seelfrauen gab es früher im Kreise der Beginen. Also Frauen, die sich entschlossen haben, nicht den üblichen Lebensweg (Heirat, Kinder, Haushalt) zu gehen, sondern sich zusammen getan haben und selber für ihren Lebensunterhalt gesorgt haben. Sie haben u. a. als Handwerker gearbeitet und eben auch als Seelfrauen sprich sie haben die Sterbenden begleiten, die Toten gewaschen, die Trauerfeiern und Beerdigungen organisiert… Und so hat die Ausbilderin, die diese Ausbildung anbietet und konzepiert hat, beschlossen sie ausschließlich für Frauen anzubieten.
      Ich schätze diese Ausbildung sehr, bin von den Inhalten begeistert und dennoch sehr froh, dass ich bei meiner ehrenamtlichen Arbeit beim Hospizdienst auch mit Männern zu tun habe. Leider nur wenige… Für mich ergänzt sich das sehr gut.
      DANKE für Deinen Adventszeit-Wunsch, da freu ich mich sehr drüber! ❤
      Ich wünsche Dir eine gute Woche!

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      1. Ja, ich habe nicht vergessen, was für ein Weihnachtsfan Du bist! 😉
        Dass von Deiner Ausbildung Männer „ausgeschlossen“ werden, kann man so und so sehen. Ich habe damit kein Problem. Von den Beginen habe ich gehört.
        In richtigen Jobs, wo Frauen gerne ausgesperrt werden, geht es um Geld und Macht. Aber bitte, wenn man sich vorstellt was einen höheren Wert hat, einen Sterbenden zu trösten oder die Dividenden der Aktionäre zu erhöhen, muss ich nicht lange überlegen …

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