Ausstellung „Trauer geht `unter die Haut´“

„Bedeutet Trauertattoos, dass man sich den Namen des Verstorbenen in die Haut stechen lässt?“ Das wurde ich kürzlich gefragt, als ich von der Ausstellung „Trauer geht `unter die Haut´“ erzählte. Die Antwort: ja, es kann der Name sein. Oder etwas anderes, das Trauerende mit den Verstorbenen in Verbindung bringt.

Wie der Vater, der auf seinem Arm ein Filly Pferd trägt. Eins von diesen quietschbunten Plüschpferden, die mal ein (Ein) Horn oder auch gerne Krönchen tragen. Und wenn ein Vater seiner 13-jährigen Tochter zwei Tage vor ihrem Tod genau so ein Kuscheltier geschenkt hat, ja, dann ist das ein guter Grund, dass es nun seinen Arm ziert.

Trauer ist individuell. Und die Wege, die Menschen in diesen Zeiten gehen, sind alles andere als gradlinig. Das machte Fr. Dr. Tanja Brinkmann in ihrem Vortrag anlässlich der Vernissage, die am Freitag in der Stadtkirche in Wunstorf stattfand, klar. Und dass Tattoos eine von vielen Möglichkeiten sind, eine Verbindung zu den geliebten Menschen zu behalten.

„Say hello again. Warum Verbindungen zu Verstorbenen oftmals heilsam sind“, war der Titel des Vortrags, der mich sehr berührt hat. Fr. Dr. Brinkmann hat eine wunderbare Art, dieses Thema greifbar zu machen und Möglichkeiten aufzuzeigen mit der Trauer weiter zu leben. Bei Interesse schaut doch einmal auf ihre Website, die Ihr hier findet.

Ergänzend gab es bei der Vernissage einen Stand von Gela Hecking-Kühl zum Thema Charatücher und Chara Tuch Kissen. Eine weitere, wie ich finde sehr schöne Option, Trauer ins Leben zu integrieren. Zu diesem Thema werde ich gesondert noch einen Beitrag schreiben, da ich Frau Hecking-Kühl in ihrer Werkstatt besuchen darf. Vorab könnt Ihr Euch gerne hier bei ihr auf der Website umschauen.

Gestern habe ich zwei Stunden lang die Ausstellung „begleitet“. Sprich, ich stand gemeinsam mit einer Kollegin für Fragen oder auch Gespräche bereit. Und es war so berührend zu sehen, wie die Besucher die Ausstellung erleben. Einige, die anfangs sehr skeptisch wirkten, waren rasch in den Lebensgeschichten der Trauernden, die unter den Fotos stehen, gefangen. Etliche haben ihre Gedanken dazu in einem Gästebuch hinterlassen. So wie der junge Vater, der schrieb: „Mein kleiner Sohn ist in die Kirche hineingelaufen und hat mir dadurch schöne Eindrücke verschafft.“

Auch einen Eintrag auf Rumänisch gab es, denn Tod und Trauer macht vor Landesgrenzen nicht Halt. Oder die ältere Dame, die mit sehr strengem Gesichtsausdruck herein kam. Deren Züge mit dem Betrachten der einzelnen Fotos immer weicher wurden und die sich freute, als meine Kollegin sie noch ansprach und ihr Informationsmaterial mit auf den Weg gab.

Die zwei Stunden vergingen wie im Fluge und ich freue mich, dass ich sowohl am Freitag als auch nächste Woche Dienstag nochmals die Ausstellung mitbetreuen werde. Und falls Jemand von Euch in der Nähe wohnt, dann kommt doch gerne vorbei.

Hier noch die Ausstellungszeiten:

Wunstorf in der Stadtkirche
25.10., Freitag, 10 – 18 Uhr

Neustadt am Rübenberge in der Liebfrauenkirche
29.10., Dienstag, 14 – 18 Uhr
01.11., Freitag, 10 – 16 Uhr
02.11., Samstag, 10 – 16 Uhr
03.11., Sonntag 11 – 13 Uhr

Die Autorinnen des Projektes: Katrin Hartig & Stefanie Oeft-Geffarth
Ein Projekt der CONVELA GmbH
Veranstalter der Ausstellung: DASEIN, Ambulanter Hospiz- und Palliativberatungsdienst Neustadt-Wunstorf

Zum Abschluss einige Foto Impressionen…

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4 Comments on “Ausstellung „Trauer geht `unter die Haut´“

  1. Als mein Bruder starb, hat sich meine Nichte (seine Tochter) einen Satz auf ihren Arm tätowieren lassen, den er oft unter seine Briefe und Mails an uns geschrieben hat, ich habe überlegt es ihr gleich zu tun, noch konnte ich mich nicht dazu aufraffen. Es gibt viele Möglichkeiten seiner Trauer Ausdruck zu verschaffen und das Andenken zu bewahren!
    Danke für deinen Bericht.
    Herzlichst, Ulli

    Gefällt 1 Person

    • Danke, dass Du Deine Erfahrung mit uns teilst liebe Ulli. ❤ Eine sehr berührende Erinnerung, die Deine Nichte sich da hat tätowieren lassen.
      Wie gut, dass es viele Möglichkeiten gibt. So kann Jede(r) ihren / seinen eigenen Trauerweg finden und gehen.
      Alles Liebe für Dich
      Nicole

      Gefällt 1 Person

  2. Zufällig bin ich beim Zappen bei einem Bericht im TV hängen geblieben, wo erklärt wurde, wie man sich in der Schweiz aus einem Teil der Asche des Verstorbenen einen Diamanten pressen lassen kann. Sicher wirst Du davon gehört haben.
    Interessant war eine Frau, deren Mann noch nicht lange verstorben war, und dessen Diamant in ihrer Halskette ist.
    Sie sagte so ähnlich: „Dann war ich mit ihm im Theater. Es war ein Musical, das hätte ihm nicht gefallen, aber er war wenigstens bei mir.“ Und sie war den Tränen nahe …

    Gefällt 1 Person

    • Den Bericht habe ich auch gesehen. Für mich wäre ein Diamant nichts, aber der Frau hilft es in ihrer Trauer und ich fand es wunderschön ❤ Und der Goldschmied hatte sich da auch ein tolles Schmuckstück einfallen lassen!

      Gefällt 1 Person

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