Kartoffelpuffer-Wettessen – Wenn das Lieblingsessen eine Leiter in den Himmel baut

„Mama, wann machst Du mal wieder Puffer??“ – Wie oft habe ich in meiner Kindheit diese Frage gestellt… Mein Vater und ich haben immer Kartoffelpuffer-Wettessen gemacht. Da ging es um die Menge, nicht um Geschwindigkeit. Es war einfach so toll, diese Leckerei zu futtern. Mein Vater aß sie mit Apfelmus und ich mit Salz oder Zucker. Am allerallerliebsten mit Zucker. Einer richtig dicken Schicht, unter der der Puffer kaum noch zu erkennen war. Und wenn ich dann das abgeschnittene Stück Puffer zum Mund führte, dann fiel die Hälfte des Zuckers auf den Teller. Aber das musste so sein. Genau so.


Meine Mutter liebte die Wochenenden, an denen sie Kartoffelpuffer machte nicht besonders. Denn sie hatte die Arbeit und wir das Vergnügen. Schließlich war sie die Hausfrau und es war ihr Job. Ja, so habe ich das damals noch kennen gelernt. Mein Vater hat im Haushalt keinen Finger krumm gemacht. Ich in meiner Kindheit übrigens auch nicht… Übrigens hat meine Mutter „ganz nebenbei“ auch gearbeitet, erst in einer Bäckerei – sie war gelernte Verkäuferin – und später hatte sie dann unterschiedliche Putzstellen in Privathaushalten. Teilweise bis zu drei zeitgleich. Und das wöchentlich.

Trotzdem weiß ich, dass sie sich immer gefreut hat, wenn mir ihr Essen geschmeckt hat und sie das daher auch gerne gemacht hat. Irgendwann habe ich sie dann mal nach dem Rezept für ihre Kartoffelpuffer gefragt. Leider in einer Zeit, in der sie selber nicht mehr gekocht hat und sich daher nicht mehr genau erinnern konnte. Ich habe es dann versucht und es ist nix draus geworden.

Danach hatte ich das Thema `selbstgemachte Kartoffelpuffer´ für lange Zeit abgehakt. Aber nun war da dieser Weihnachts-Roman von der Familie mit dem Reibekuchen-Stand („Das Leben ist kein Punschkonzert“ von Heike Wanner). Und in dem Buch hinten drin ein Rezept. Als ich es las, war mir klar: das probiere ich aus! Heute stand ich also in der Küche – wobei mein Mann die Kartoffeln geschält hat, denn Hausarbeit wird bei uns geteilt – habe Teig angerührt und dann die Puffer Stück für Stück in heißem Fett gebraten. Sofort roch es wie früher in der Küche meiner Eltern. Es kamen Erinnerungen hoch und ich schwelgte in dem Geborgenheits-Gefühl, dass ich damals immer verspürt habe.

Einen Teil der Puffer habe ich mit Lachs und Kräuterquark genossen (Vorlieben ändern sich ja auch mal), aber einen Teil eben auch mit Salz und – vor allem – Zucker! Und es war himmlisch, so unfassbar lecker!

Auf so viele Arten kann man sich in seiner Trauer an einen geliebten Menschen erinnern. Und Essen ist eine davon. An diesem Wochenende habe ich nicht nur Puffer gemacht, sondern auch einen Topfkuchen – den Lieblingskuchen von meiner Mutter – den sie genau so mochte, wie ich ihn immer mache. Ohne irgendwelchen Schnick-Schnack, sondern „schierer Kuchen“, wie sie es genannt hat.

Ja, manchmal kann selbst das Lieblingsessen eine Leiter in den Himmel bauen und eine liebevolle Verbindung zu dem geliebten Menschen zaubern…

11 Kommentare zu „Kartoffelpuffer-Wettessen – Wenn das Lieblingsessen eine Leiter in den Himmel baut

  1. Ich finde das Bild so schön, eine Leiter in den Himmel bauen!
    Auch ich liebe Reibeplätzchen und habe sie oft gemacht für meine Kinder, heute bereite ich sie nur noch selten zu, aber wenn, dann eine riesige Portion und dazu lade ich die Kinder ein.
    Wir lieben sie mit Marmelade oder Rübenkraut, aber auch mit Lachs und Kräuterquark. Mit Zucker kannte ich es noch nicht (auch nicht mit Salz), aber beim nächsten Mal werde ich das probieren und an dich denken dabei!
    Liebe Grüße
    Regina

    Gefällt 1 Person

    1. Danke liebe Regina ❤ Dieses Bild tauchte bei mir tatsächlich während des Essens auf…
      Ich freue mich, dass es bei Euch auch Reibeplätzchen-Zusammenkünfte gibt. So etwas bleibt – wie man ja sieht – hängen.
      Dann bin ich gespannt, ob Dir das schmeckt. Die meisten mögen das so nicht 😉 Und wie schön, dass Du dann an mich denkst. ❤
      LIebe Grüße
      Nicole

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