Und auf einmal scheint alles Kopf zu stehen

„Deutschland im Ausnahmezustand“ titelte der Münchner Merkur vor zwei Stunden online.

Ausnahmezustand? Ich schaue kurz bei Wikipedia vorbei und lese: „Als Ausnahmezustand wird ein Zustand bezeichnet, in dem die Existenz des Staates oder die Erfüllung von staatlichen Grundfunktionen von einer maßgeblichen Instanz als akut bedroht erachtet werden.“

COVID-19 ist der Name dieser „Instanz“. Ein Virus hat sich seit Anfang des Jahres in der Welt ausgebreitet und sorgt nun dafür, dass unser Leben Einschränkungen erfährt.

Letzten Donnerstag fand die monatliche Supervision statt, an der die Ehrenamtlichen des ambulanten Hospizdienstes teilnehmen müssen. Und die Frage in der Eingangsrunde lautete: Worüber habt Ihr Euch heute besonders Gedanken gemacht? Ich war nicht die Einzige, die in diesem Zusammenhang das Wort „Coronavirus“ ausgesprochen hat.

Bin ich panisch? Horte ich Klopapier? Schlage ich mich um ein paar Kilogramm Mehl? Nein. Aber das Ganze geht nicht spurlos an mir vorbei. Ich mache mir Sorgen: um die Menschen in meinem Umfeld, die fortgeschrittenen Alters sind und deren Immunsystem nicht mehr auf vollen Touren läuft. Und um die, die z. B. eine Krebserkrankung durchlitten haben und sich nun erst langsam wieder berappeln. Aber auch um die, die kleine Kinder haben und nicht wissen, wohin mit ihnen, während sie selber arbeiten müssen.

Ich selber arbeite seit vielen Jahren „von Zuhause“ – Home Office nennt sich das ja heute – und wie ich mein Ehrenamt wahrnehme, entscheide ich von Fall zu Fall. Die Spaziergänge mit unserer Gina kann ich gelassen weiter genießen, denn wenn wir tagsüber in unserer Abgeschiedenheit unterwegs sind, treffe ich nur selten andere Menschen. Auch mein Mann wird in Kürze den häuslichen Schreibtisch belegen, denn die Firma in der er arbeitet, hat an ihrem Standort rund 1.000 Mitarbeiter und denen wurde in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass sie nach und nach auch alle ins Home Office geschickt werden.

Mal ehrlich: so eine Situation habe ich in 50 Lebensjahren noch nicht erlebt. Ich bin eines dieser Glückskinder, die nicht in (deutschen) Kriegszeiten oder Kriegsgebieten geboren worden sind. Und auch andere Ausnahmesituationen – zumindest in diesem Umfang – nicht kennen. Und ja, ich habe schon ein mulmiges Gefühl. Nicht weil ich mich selber anstecken könnte, denn ich bin glücklicherweise gesund wie ein Fisch im Wasser, aber eben – wie oben erwähnt – Menschen, denen es nicht so gut geht. Und ja, mein Mitgefühl gilt auch all denen, die nun in finanzielle Schwierigkeiten geraten werden.

Ich hoffe, dass ein Großteil der Menschen vernünftig und ruhig reagiert. Dass es ein Miteinander gibt, auch wenn es sicherlich nicht einfach ist. Hier und da wird erwähnt, dass wir daran als Gemeinschaft wachsen können. Ob das klappt, weiß ich nicht, aber es wäre wirklich schön.

Passt gut auf Euch und Eure Lieben auf und werdet oder bleibt gesund!

6 Comments on “Und auf einmal scheint alles Kopf zu stehen

  1. Hallo Nicole.
    Wie funktioniert es denn, bei der derzeitigen Situation, in den Sterbehospizen?
    Ich hoffe nicht dass die Patienten dort allein gelassen werden.

    Gefällt 2 Personen

    • Guten Morgen liebe Nati,
      nein, kein Gast im Hospiz wird allein gelassen! Ich weiß allerdings nicht, ob auch da die Besuchszeiten eingeschränkt werden. Normalerweise kann man als Angehöriger immer da sein. Ich bin ja für einen ambulanten Hospizdienst tätig, also bei den Menschen Zuhause oder im Krankenhaus, Pflegeheim. Gerade gestern haben wir eine Mail bekommen, dass die nächsten vier Wochen unsere Begleitungen ausgesetzt werden müssen. Alles was jedoch notwendig ist, wird trotzdem „gemacht“. Mit den entsprechenden Hygienevorschriften und natürlich nur, wenn wir dazu bereit sind. Es ist also für Alle eine schwierige Zeit, aber ich hoffe, dass wir so gut es geht da durch kommen.
      Pass gut auf Dich auf und bleib hoffentlich gesund!
      Liebe Grüße
      Nicole

      Gefällt 1 Person

      • Guten Morgen Nicole.
        Ist auf jeden Fall eine schwierige Situation und man muss wohl überlegen wie man was am Besten händelt.
        Danke Nicole, wir sind alle fit und hoffen das Beste.
        Bleib du auch Gesund. 🍀
        LG, Nati

        Gefällt 1 Person

  2. Passt auch gut auf Euch auf! ❤
    Ich war heute einkaufen, doch den Weg hätte ich mir sparen können. Nur leere Regale in den Supermärkten. Es gab keine Mehl, Klopapier, Nudeln, Hefe, usw. Es ist unfassbar. Ich backe seit Jahren mein Brot selbst. Hefe war noch nie ausverkauft. Jetzt sind offensichtlich alle unter die Bäcker gegangen. Kein Geschäft hat mehr Hefe oder Mehl.
    Hoffen wir, dass sich alle bald ein bisschen beruhigen.
    LG Susanne

    Gefällt 1 Person

    • Das machen wir! Und Ihr auf Euch bitte auch! ❤
      Ich muss heute einkaufen, mal schauen was es noch so gibt. Hauptsächlich brauche ich Obst und Gemüse, das wird ja wohl da sein…
      Hefe ist ausverkauft? Die hält doch gar nicht so lange. Wahrscheinlich vergammeln die meisten Stücken dann. Sehr traurig!
      Genau, hoffen wir, dass sich bald alles und Alle wieder beruhigen.
      Alles Liebe
      Nicole

      Gefällt 1 Person

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