Ich bin eine Seelfrau

CDYZ0585 - KopieEs ist Sonntag Nachmittag. Vom blauen Himmel strahlt die Sommer-Sonne herunter, die Vögel zwitschern. Gemeinsam mit Gina liege ich gemütlich im Garten auf einer Decke und lese, genieße die Zeit.

Vor einer Woche war das ganz anders. Da war ich – zum vorläufig letzten Mal – in Hamburg, im Stadtteil Bergedorf. Dort, wo ich zwei Jahre an der Weiterbildung zur Seelfrau teilgenommen habe. Und heute vor einer Woche fand die Abschieds-Zeremonie und Übergabe der Zertifikate statt. Zwei ganze Taschentücher habe ich vollgeheult. Eine Mischung aus Rührung und Erleichterung hatte sich in mir breit gemacht.

Zwei Jahre war ich im Schnitt alle acht Wochen für jeweils ein Wochenende nach Hamburg gefahren. Wir haben uns mit Themen rund um Sterben, Tod und Trauer auseinandergesetzt. Oftmals mit den eigenen Erfahrungen, die dann wieder ans Tageslicht zurückdrängten. Ich habe viel gelernt in dieser Zeit. Über – na klar – Sterben, Tod und Trauer, aber auch über mich. Ich bin ein ganzes Stück im Innersten gewachsen. Oft kam ich am Sonntagabend nach Hause und war völlig erschöpft – von all dem Neuen, aber auch von den Emotionen, die in mir hochgekommen waren. Und immer, jedes Mal, war mir klar: diesen Weg will ich gehen!

Und nun ist es soweit: seit einer Woche bin ich eine Seelfrau. Damit habe ich die Weiterbildung in Sterbe-, Trauer- und Seelenbegleitung abgeschlossen (um die Wahrheit der Ehre zu geben, muss ich im Oktober noch ein Wochenende nachholen, damit alles „komplett“ ist).

Natürlich habe ich mich gerade in den vergangenen Wochen gefragt, ob ich mich danach befähigt fühle, Menschen auf ihren Trauerwegen zu begleiten. (Sterbebegleitung mache ich bereits seit Juli 2019, da ich zeitgleich einen Kurs für ehrenamtliche SterbebegleiterInnen belegt hatte) Meine Antwort lautet: Ja. Dass ich weiterlernen muss und werde ist genauso klar, wie mein aktueller Mangel an Erfahrung. Aber Erfahrung bekomme ich eben auch nur durchs Tun. Und umso glücklicher bin ich, dass ich bei unserem ambulanten Hospizdienst DASEIN die Möglichkeit dazu bekomme – und mir das Vertrauen geschenkt wird – und ich seit der vergangenen Woche bereits mit einem Kollegen zusammen meine erste Trauergruppe leiten darf.

Gefühlsmäßig muss ich erst einmal alles nach und nach sacken lassen. Es war eine turbulente Zeit, die Corona-bedingt noch einmal eine ganz andere Wendung bekommen hat. Aber das Glücksgefühl über die abgeschlossene Weiterbildung, dass ist auf jeden Fall schon in vollem Umfang da!

Und wer noch etwas über die Weiterbildung zur Seelfrau erfahren möchte, klickt einfach hier!

15 Comments on “Ich bin eine Seelfrau

    • Vielen Dank, liebe Rina!
      Und was das belastende angeht: 1 x im Monat Supervision als Psychohygiene, eine gute Selbstfürsorge und zwischendurch durchatmen und Pause machen. So sind meine bisherigen Erfahrungen. Mal schauen, wie es über die Jahre wird. ❤

      Gefällt 1 Person

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