Ich drabble mein Leben

Sonntag, 22. November 2020, 14:15 Uhr

Der Geruch von selbstgemachten Frikadellen hängt im Haus. Mein Mann hat sie auf meinen Wunsch hin heute gemacht. Sie sind genauso gut, wie früher von meiner Mutter. Und so war unsere Mahlzeit heute auch ein Erinnerungsessen an sie. An die Zeit, als ich ein kleines Mädchen war und sie mich Tagein, Tagaus verwöhnt, umsorgt und geliebt hat. Die Spuren, die sie in meinem Herzen hinterlassen hat, sind tief. Und manchmal schmerzen sie fast unerträglich, aber meist wärmen sie mich und ich fühle eine tiefe Dankbarkeit für all das, was sie mir geschenkt hat. Meine Mama – für immer in meinem Herzen.

Montag, 23. November 2020, 9:39 Uhr

Dive into the sea. Das Bild zeigt eine Frau, die ins Wasser springt. Am Wasser, am Meer – da möchte ich jetzt sein. Am Strand entlanggehen, den Wellen zusehen, wie sie über den Sand und meine nackten Füße schwappen. Das Geschrei der Möwen übertönt hin und wieder das Meeresrauschen. Ich bohre meine Zehen in den Sand, spüre mich und das Leben. Ein paar Meter entfernt dümpelt eine Qualle vorbei, ich folge ihr mit den Augen, möchte nicht in ihre Nähe kommen. Ich bücke mich nach einer Muschel, spüre unter meinen Fingern die Tastatur meines Laptops und bin zurück in meiner Montags-Welt.

Dienstag, 24. November 2020, 20:10 Uhr

Im Frühjahr haben wir als Schreib-Buddys begonnen. Zwei Frauen, die sich nicht kannten, vom Zufall zusammengewürfelt. Wir haben uns unsere Texte gegenseitig vorgelesen, uns Wertschätzung entgegengebracht. Beschlossen dann, diesen Weg weiter zu gehen, den Austausch zu genießen, die Motivation und Inspiration. Monate sind mittlerweile vergangen, das Jahr neigt sich dem Ende zu und aus den zwei Schreib-Buddy sind Schreib-Freundinnen geworden. Heute Vormittag sind wir uns wieder über Facetime begegnet. Nun sind wir zwei Frauen, die sich kennen. Wir wissen einiges voneinander, wir schätzen uns. Der erste Termin für 2021 steht. Ein gutes Gefühl. 

Mittwoch, 25. November 2020, 12:40 Uhr

Zoom, Facetime, WhatsApp – die Möglichkeiten, sich auszutauschen sind in den vergangenen Jahren immens gewachsen. Gerade in dieser Zeit empfinde ich das als Geschenk. Klar, persönliche Treffen fehlen mir, aber ich habe in den letzten Monaten Begegnungen gehabt, die es ohne Corona nicht gegeben hätte. Wie würde ich mich fühlen, wenn ich nicht mal eben telefonieren könnte?  Oder skypen? Keinen Kontakt zu den Menschen hätte, die mir fehlen? Auf jeden Fall deutlich schlechter als jetzt. Denn so habe ich heute schon ein Treffen mit einer Schreibgruppe gehabt, eine liebe WhatsApp Nachricht bekommen und mit meiner Freundin telefoniert. Ich fühle große Dankbarkeit.

Donnerstag, 26. November 2020, 11:39 Uhr

Ich liebe Spaziergänge im Regen. Wenn dicke Tropfen vom Himmel herabstürzen und an mir entlanglaufen. Ich lege meinen Kopf in den Nacken, schließe die Augen und spüre der Nässe auf meiner Haut nach. Meine Hündin schüttelt sich, – sie teilt meine Begeisterung nicht – Wasserspritzer fliegen aus ihrem Fell. Vor mir eine Pfütze durch die ich genüsslich hindurchstapfe, während ein Schwall Wasser in meine Gummistiefel hineinläuft. Das kleine Mädchen in mir jubelt. Hin und wieder rutsche ich auf dem nassen Boden weg, kann mein Gleichgewicht gerade noch halten. Bei aller Regen-Liebe: mit dem Po in den Matsch klatschen – das möchte ich nicht.

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