Ich drabble mein Leben

Freitag, 27. November 2020,12:07 Uhr

Ich komme mir heute vor, wie der undankbarste Mensch der Welt. Ich habe zu nichts Lust, weder aufs arbeiten oder den Hausputz. Und müsste ich nicht mit unserer Hündin raus, dann würde ich mich unter meiner Bettdecke verkriechen. So aber bin ich mit ihr spazieren gegangen. Mit bleischweren Füßen und dem Gefühl der Undankbarkeit im Nacken. Ich habe ein Dach über dem Kopf. Ich habe zu essen. Ich werde geliebt. Ich bin gesund. Was will ich mehr? Sei nicht enttäuscht von Dir, sage ich mir selber, auch du darfst mal durchhängen. Mit dieser Erlaubnis im Kopf fühle ich mich besser.

Samstag, 28. November 2020, 19:48 Uhr

Der Tag geht langsam zu Ende. Überall Lichter leuchten hinter den Fensterscheiben. Die Adventszeit beginnt. Das erste meiner fünfzig Lebensjahre, in dem es keinen Weihnachtsmarkt gibt. In den letzten Jahren war ein Besuch auf selbigem für mich nicht mehr von Interesse. Fressbuden und Kommerz. Hin und wieder mal ein kleiner Markt, wo sich die Betreiber um ein wenig Heimeligkeit bemühen. Doch diesmal fällt all das weg. Und ein Stück weit fehlt mir die Möglichkeit, dass ich zwischen den Buden herumschlendern könnte, wenn ich es wollte. Wie müssen sich da erst die Menschen fühlen, die durch die Weihnachtsmärkte ihren Lebensunterhalt verdienen.

Sonntag, 29. November 2020,21:46 Uhr

Der erste Advent hat bei uns so wie in jedem Jahr begonnen: mit einem gemütlichen Frühstück. Auf dem Tisch viele Leckereien, daneben der Adventskranz, die erste Kerze entzündet. Und trotzdem ist da dieses Gefühl, dass das Leben eben doch anders ist. Dass die Welt Kopf steht, die Menschen Herausforderungen meistern müssen. Während die kleine Flamme flackert, wandern meine Gedanken zurück in die vergangenen Monate. Zu den zahlreichen kleinen und großen Ereignissen, die ihre Spuren in meinem Herzen hinterlassen haben – schöne und schreckliche. Gemeinsam mit meiner Familie habe ich diese Zeit erlebt und durchgestanden. Eine kleine Friedens-Insel in einem wogenden Lebens-Meer.

Dienstag, 01. Dezember 2020, 16:01 Uhr

Der 01. Dezember ist da, das 1. Türchen am Adventskalender geöffnet. Oder vielmehr mehrere „Türchen“ geöffnet. In diesem Jahr habe ich ein Sammelsurium an Kalendern. Einen mit Musik, einen für Hündin und Herrchen, einen mit Lila-Kuh-Schoki und drei zum Lesen. Keine Ahnung, wie diese Ansammlung zustande gekommen ist. Geplant war das nicht. Früher habe ich mit meiner besten Freundin gewetteifert, wer die meisten Adventskalender hat. Dieses Jahr hätte ich eine gute Chance auf den Sieg. Es ist doch immer wieder spannend wie und wodurch Erinnerungen ans Tageslicht kommen. Keine Ahnung wann ich an diese Situation das letzte Mal gedacht habe.

Mittwoch, 02. Dezember 2020, 10:57 Uhr

Heute Morgen war Familien-Frühstück angesagt. Endlich wieder gemeinsame Zeit. Im Hintergrund singt Bing Crosby von weißer Weihnacht. Auf dem Tisch alles was das Frühstücksherz begehrt: Von Müsli über frische Brötchen bis hin zum leckeren Rührei. Mal eben wird nebenbei vom Sohn eine neue Sportart erfunden: Pillard – Billard mit Paprika. Praktisch, weil hinterher noch essbar. Wir scherzen, lachen und kabbeln uns auch. Zusammensein birgt eben auch mal Stolpersteine. Gleich werden wir noch mit unserer Hündin spazieren gehen, durch den Wald streifen und die frische Luft genießen. Und der restliche Tag? Den lassen wir einfach auf uns zukommen und genießen die Stunden.

4 Comments on “Ich drabble mein Leben

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