Christmas-Cool-Man – Teil 2/3

Christmas-Cool-Man – Teil 2/3 (den 1. Teil findet Ihr hier)
von Nicole Vergin

Bereits zwei Stunden später fand eine außerordentliche Wichtelversammlung statt. Alle waren zusammen gekommen, so dass die Weihnachtswerkstatt bis auf den letzten Winkel gefüllt war.
In der Ecke bullerte ein Kachelofen und alle Wichtel, die in seiner Nähe saßen bekamen nach und nach rotglühende Wangen. Bernhard, dem im Alter immer mehr die Kälte in die Knochen kroch, hatte es gut gemeint. Schließlich war es draußen noch Winter und die Schneemassen, die sich vor den Fenstern türmten strömten eine eisige Kälte aus.

„Hiermit erkläre ich die 5.678. außerordentliche Wichtelversammlung…“ Bernhards Worte gingen in dem allgemeinen Gewimmel unter.
Wie schon in den anderen 5.677 Wichtelversammlungen zuvor, stieg Hugo auf einen zweistufigen Tritt und brüllte: „Heiliger-Abend-Erster-und-Zweiter-Weihnachtstag-Ruhe-ist-jetzt-angesagt!“
Schlagartig verstummten Alle und sahen mit großen Augen auf Bernhard.
„Danke“, nickte dieser Hugo zu.
„Dass ich aber auch immer erst laut werden muss“, brummelte dieser in seinen grauen Bart.
„Also, Ihr wisst, dass der Weihnachtsmann Veränderungen plant, weil er glaubt, dass die Kinder das altmodische Weihnachten nicht mehr wollen.“
Alle nickten, einige warfen ein leises „Ein paar Änderungen haben noch niemandem geschadet“, dazwischen.
„Wir, die Dienstältesten Wichtel haben darüber beratschlagt und wollen nun von Euch wissen: wollt Ihr tatsächlich, dass Weihnachten künftig ohne einen schön geschmückten Weihnachtsbaum, ohne liebevoll verpackte Geschenke, ohne Rentiere …“
Je weiter er mit seiner Aufzählung kam, umso stiller wurden selbst die Jungwichtel, die anfangs noch recht vergnügt gewirkt hatten.
„Das wäre ja dann ALLES anders“, fasste es Monti zusammen, nachdem eine Weile keiner etwas gesagt hatte.
Bernhard nickte und sah sich im Kreise der Wichtelschar um. Nachdenklich wirkten sie. Nachdenklich und irgendwie traurig.
„Ich würde sagen, dass wir abstimmen. Wer ist dafür, dass wir mit der Zeit gehen und alles am nächsten Heiligen Abend anders machen?“
Zwei, drei, vier Hände gingen in die Luft.
„Und wer möchte, dass es zwar hin und wieder ein paar Änderungen gibt, aber das meiste so bleibt wie es immer war?“
Zufrieden sah Bernhard zu, wie sich fast alle Wichtelhände in die Höhe erhoben. Einige hatten sich weder zuvor noch jetzt gemeldet, aber das war auch in Ordnung. Schließlich herrschte bei den Wichteln Demokratie und Meinungsfreiheit.
„Das ist ja alles gut und schön“, grummelte Hugo mitten in die muntere Wichtelgesellschaft hinein. „Aber ich verstehe immer noch nicht, was wir nun tun können, um die Meinung des Weihnachtsmannes zu ändern.“
Auch auf anderen Gesichtern sah Bernhard Fragezeichen. Auf eine Handbewegung hin, trat Hörb-Män nach vorn, klappte seinen Laptop auf und sagte: „Eigentlich bräuchten wir ja noch einen Beamer. Dann könnte ich Euch das folgende in ganz groß zeigen, aber Bernhard hat gesagt…“
„Komm zur Sache“, riefen einige, „wir wollen hier nicht Wurzeln schlagen.“
Hörb-Män lief rot an. „Schon gut. Also, ich zeige Euch hier mal Filme aus dem Internet. Youtube nennt sich das Ganze…“
Und schon flimmerte eine witzige Szene über den Bildschirm und zog die Blicke der Wichtel, für die das noch unbekannt war, auf sich.
„So“, fuhr Bernhard anschließend fort, „nachdem Ihr Euch nun alle ein Bild gemacht habt, komme ich zu meinem Plan. Wir sagen dem Weihnachtsmann, dass er für sein neues Weihnachten Werbung machen muss und dass sich dafür am besten ein Film eignen würde. Er schaut sich übrigens gerade selber welche auf youtube an, damit wir ihn dann hoffentlich schneller überzeugen können. Der Film wird alles zeigen, was es künftig nicht mehr geben soll. Und dann hoffe ich, dass die Kinder das sehen und sich das alte Weihnachtsfest zurückwünschen.“
„Na, hoffentlich wird das was“, grummelte der ewig pessimistische Hugo. Aber die anderen Wichtel sahen begeistert aus. Bernhard ließ sich zufrieden auf einen Stuhl plumpsen. Nun galt es also, einen Film zu drehen, der die Kinder auf der ganzen Welt von ihrer Art Weihnachten zu feiern, überzeugen würde.

Pardauz!
Noch bevor die Wichtel weiter planen konnten, passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Die Tür wurde aufgerissen, der Weihnachtsmann stolperte der Länge nach hinein und an seinem Bein hing der Wichtel, der eigentlich Schmiere stehen sollte.
„Tschuldigung“, murmelte der, nachdem er sich wieder aufgerappelt hatte, „ich war wohl ein bissel eingenickt…“ Verlegen zupfte der kleine Kerl an seinen rot-geringelten Socken herum.
Noch bevor ein anderer etwas sagen konnte, hüpfte der Weihnachtsmann ausgelassen herum und rief: „Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen drehe ich für youtube einen Film! Ach wie gut, dass bald jeder weiß, dass ich Christmas-Cool-Man heiß!“
Nach einer Weile hörte er auf zu hüpfen und sah sich um. „Was ist hier eigentlich los? Eine Versammlung? Egal, es ist umso besser, dass ich Euch alle hier antreffe. Hörb-Män, welch coole“, für einen Moment blickte er stolz in die Runde, „welch coole Idee, mir dieses youtube zu zeigen. Was man da alles machen kann.“ Er ruderte vor Aufregung mit den Armen. „Da gibt’s Leute, die singen und tanzen und manche zeigen irgendwelche komischen Turnübungen – es ist fantastisch!“
Die Wichtel grinsten sich an und taten auf einmal sehr geheimnisvoll.
„Ich will jetzt auch einen Film drehen!“, schloss der Weihnachtsmann seine Ausführungen.
„Das ist ja einfacher, als ich dachte“, flüsterte Bernhard Monti zu, der genau wie alle anderen erleichtert aussah, dass es erst gar nicht nötig war, den Weihnachtsmann von ihrem Plan zu überzeugen.

In den kommenden Tagen ging im Haus des Weihnachtsmanns alles drunter und drüber. Da wurde diskutiert, geplant und vorbereitet. Es war erstaunlich, wie viel Arbeit in so einem Film steckte.
Aber schließlich und endlich war es soweit. Der Film über den Christmas-Cool-Man und seine neue Art Weihnachten zu feiern war fertig! Monti und Hörb-Män übernahmen es, das Werk hochzuladen und im Internet bekannt zu machen. Selbstverständlich hatten sie zu diesem Zweck dem neuen Weihnachtsmann eine facebook Seite eingerichtet. Monti postete den Link für ihren Film, damit möglichst viele ihn sehen würden. Einige der Jungwichtel, die schon länger bei facebook waren und bereits Freunde hatten, teilten die Nachricht und drückten natürlich auch den like Button.
„Mmm“, machte Bernhard nachdenklich, während er mal wieder seinen Bart zerwühlte.
„Was ist denn?“, fragte Hugo ihn.
„Es ist komisch“, entgegnete dieser, „eigentlich haben wir das ja nur gemacht, um die Welt davon zu überzeugen, Weihnachten wie immer zu feiern. Aber irgendwie hat es auch Spaß gemacht und ich bin schon ganz aufgeregt, wenn ich daran denke, dass wir gleich das erste Mal den Film on… on…“
„Online“, half Monti ihm weiter.
„Richtig, online sehen können. Vielleicht ist doch nicht alles schlecht an diesem Technikkrams…“
Der kleine Monti nickte und sah dabei sichtlich zufrieden drein.

Den 3. Teil findet Ihr hier!

23 Comments on “Christmas-Cool-Man – Teil 2/3

  1. Pingback: Christmas-Cool-Man – Teil 1/3 – Die Waldträumerin

  2. Ich ziehe selber lesen dem Hören deutlich vor und werde geduldig auf Teil 3 warten. Andererseits: Es ist natürlich ein Unterschied, ob man die lesende Autorin „kennt“ oder nicht. Also werde ich vielleicht doch … 🤔😁
    Hab du einen erfüllten Tag! 😁
    Verregneter Morgenkaffeegruß 😁🌧️🪔☕🍪👍

    Gefällt 2 Personen

    • Das geht mir ganz genauso! Verrückt, ich lese selber eben auch lieber, als dass ich mir vorlesen lasse. Aber ich LIEBE vorlesen. Und das ist auch der Teil, den ich von meiner früheren Arbeit am meisten vermisse: die Lesungen. 😉
      Ich danke Dir! ❤ Auch für Dich einen wundervollen Tag! 😀
      Liebe Morgen-Grüße – auch mit Regen vorm Fenster… – 😉

      Gefällt 2 Personen

  3. Pingback: Christmas-Cool-Man – Teil 3/3 – Die Waldträumerin

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