Christmas-Cool-Man – Teil 3/3

Christmas-Cool-Man – Teil 3/3 (Teil 1 findet Ihr hier und Teil 2 hier)
von Nicole Vergin

Und dann war der große Moment gekommen. Alle Wichtel hatten sich wieder einmal in der Weihnachtswerkstatt versammelt.
Der Weihnachtsmann kam als letzter herein und versuchte in seinem nagelneuen Jogginganzug so würdevoll wie möglich zwischen den anderen Platz zu nehmen. Ein Anblick, der bei einigen Wichteln für unterdrücktes Gelächter sorgte. Hörb-Män klickte währenddessen die Datei mit dem Film an und dann begann das Spektakel.

Sportlich und beinahe schon dynamisch sprang der selbsternannte Christmas-Cool-Man ins Bild. Genau wie seine ihn umringenden Wichtel trug er eine Basecap verkehrtherum auf seinem weißen Haar.
„Hey, was geht ab, Leute“, rief er in die Kamera. Und dann rappte er los: „Heute back ich, yeah, und Morgen brau ich, yeah…“ Die Wichtel und selbst der Weihnachtsmann brachen in tosendes Gelächter aus, so dass sie glatt den Rest des Textes übertönten.
Da war Hörb-Män, wie er die Rentiere aus dem Stall trieb und sie frei ließ. Und da hopste Monti in einer viel zu weiten Hose, deren Mitte bis zu seinen Knien runterhing durchs Bild. Gemeinsam mit Bernhard zersägte er einen geschmückten Tannenbaum und warf ihn in den Kamin. Und der Christmas-Cool-Man persönlich schmiss vor aller Augen seine Weihnachtsmann Kleidung inklusive der schönen roten Mütze mit dem weißen Bommel in einen Altkleider Container.
Die letzte Einstellung zeigte ihn in einem Liegestuhl am Strand, Palmen um ihn herum und in seiner Hand hielt er einen Cocktail.
„Prost“, rief er, „auf ein neues Weihnachtsfest!“
Weit und breit sah man weder Geschenke, noch Rentiere und auch keine Wichtel mehr.
Es war still geworden in dem kleinen Raum. Auf einmal war niemandem mehr zum Lachen zumute. Nicht einmal dem Christmas-Cool-Man. Mit Mühe rang er sich ein Lächeln ab.
„Yeah, toll gemacht.“ Er hielt ihnen seine großen Hände zum Abklatschen hin. Aber kein Wichtel rührte sich. Es war mucksmäuschenstill. Nur der Laptop ließ ein leises Surren erklingen.

„Du guckst ja schon wieder auf die youtube Seite!“
„Hast Du mich erschreckt“, entgegnete der Weihnachtsmann, während er Bernhard einen grimmigen Blick zuwarf.
„Hier tut sich einfach nichts“, jammerte er, „nur ein paar Leute haben bisher unseren Film gesehen. Und auf meiner facebook Seite sieht es nicht anders aus.“
„Das dauert ein wenig“, unbemerkt hatte Monti das Zimmer betreten.
„Aber mein Film sollte doch um die ganze Welt gehen!“
„Das wird er bestimmt auch, aber es ist wie bei einer Schneelawine.“
„Schneelawine?“
„Ja, die kann auch mit wenig Schnee beginnen. Und dann rollt die Kugel einen Berg hinunter und wird größer und größer. Weil immer mehr Schnee an ihr kleben bleibt.“
„Da hörst Du es. Also hab ein wenig Geduld!“, mahnte Bernhard.

Die Tage schleppten sich dahin und die sonst so fröhliche Stimmung in der Eisigen Gasse 1 wurde zusehends frostiger. Jeder versuchte sich so gut es ging, abzulenken. Die Wichtel überboten sich gegenseitig im Schnee schippen. Eine Arbeit, um die sie sich sonst immer gedrückt hatten. Einige bastelten sogar r Geschenke, obwohl sie nicht so recht wussten wofür. Und die Rentierställe waren nie sauberer gewesen, als in dieser Zeit.
Bis an einem eisigkalten Morgen Hörb-Män mitsamt einem Schwung Schnee zur Tür herein purzelte. „Hey Leute – seht Euch das an!“
Er wühlte sich aus dem Schneeberg heraus und hielt den Wichteln und dem Weihnachtsmann, die sich um ihn geschart hatten, sein Smartphone unter die Nasen.
„2.375 Klicks“, verkündete Hörb-Män stolz.
„Klicks?“ Der Weihnachtsmann zog seine Stirn in Falten.
„Das bedeutet, dass so viele Leute unseren Film gesehen haben!“ Monti strahlte ebenso wie alle anderen.
„Yippieh“, rief der Weihnachtsmann ausgelassen. Und dieses Mal wollten alle mit ihm abklatschen.

Von diesem Moment an ging ihr Film tatsächlich um die Welt. Anfangs schienen sich die Meisten über ihn zu amüsieren, aber an den geposteten Nachrichten auf facebook erkannten sie, dass die Menschen, ob groß oder klein, irgendwann begriffen, dass es Weihnachten, so wie sie es gewohnt waren, künftig nicht mehr geben sollte. Erst vereinzelt, dann immer mehr posteten sie auf facebook: „Soll das künftig Weihnachten sein?“, „Wo sind die Wichtel?“ und letztlich sogar „Wir wollen unser altes Weihnachten zurück!“
Als der Weihnachtsmann die Einträge las, musste er sich ein paar Tränen von seinem faltigen Gesicht wischen.
„Siehst Du“, meinte Bernhard, „Du hast die Menschen unterschätzt. Manchmal müssen sie nur ein wenig aufgerüttelt werden.“
Der Weihnachtsmann nickte, stand auf und holte aus einer Truhe seine Weihnachtsmann Bekleidung hervor. Liebevoll umfasste er den weißen Bommel seiner roten Mütze und nickte dem alten Wichtel zu.
„Kannst Du bitte dafür sorgen, dass es in die Reinigung kommt? Ich glaube, ich brauche es am nächsten Heiligen Abend.“
Und dann warf er mit Schwung das Rentenantragsformular in den Kamin, wo die Flammen sich darauf stürzten und es gierig verschlangen. Das brauchte er nun wirklich nicht mehr!

Ihr Lieben,
ich hoffe, Ihr habt trotz dieser schwierigen Zeit ein schönes Weihnachtsfest. Herzlichen Dank dafür, dass Ihr meine Geschichte gelesen habt – ich hoffe, sie hat Euch zum Lachen gebracht. Kommt gut durch die letzten Tage dieses außergewöhnlichen Jahres, werdet oder bleibt gesund und passt auf Euch auf!
Alles Liebe ❤
Eure Waldträumerin Nicole

16 Comments on “Christmas-Cool-Man – Teil 3/3

  1. Pingback: Christmas-Cool-Man – Teil 2/3 – Die Waldträumerin

    • Liebe Sabine,
      vielen Dank für Deine Worte. ❤ Ich hoffe, Du hattest wundervolle Feiertage mit Deinen Lieben. Ich wünsche Dir nächste Woche einen guten Rutsch in ein gesundes neues Jahr mit vielen Sonnenstunden.
      Alles Liebe
      Nicole

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Nicole. 💕
    Vielen Dank für diese tolle Geschichte.
    Schön dass du sie aus der Mottenkiste geholt hast.
    Solch eine Weihnacht mag man sich nicht vorstellen, lach….

    Auch ich wünsche dir ganz wunderbare Weihnachtsfeiertage, mit viel Muße und Freude. 🌲🎅🎁

    Alles Liebe für dich, Nati

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank – es freut mich sehr, dass Dir die Geschichte gefällt! ❤ Und vor allem, dass ich Dich damit zum Lachen bringen konnte. 😀 Ja, als der Antrag in Flammen aufging, war ich auch sehr erleichtert… ein Weihnachten ohne Weihnachtsmann?? Nö!!!!!!!!
      Ich hoffe Du hattest ein schönes Fest und kommst nun gut in ein gesundes neues Jahr!
      Liebe Grüße
      Nicole

      Gefällt 1 Person

  3. Zum Glück ist er vernünftig geworden. Wer will schon einen rappenden Weihnachtsmann…obwohl das bestimmt witzig aussah.
    Danke für die schöne Geschichte….Tradition ist Tradition.

    Schöne Weihnachten.

    Gefällt 1 Person

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