Ich schwanke

Ich schwanke
von Nicole Vergin

Ich schwanke.
Seit einem Jahr Corona. Das Virus Covid-19 ist dauerpräsent. Die Darstellung des Virus kennt inzwischen wohl jeder. Sogar den Weihnachtsbaum vor dem Kanzleramt hat es „geschmückt“.

Ich schwanke.
Der erste Lockdown meines Lebens, letztes Jahr im März. Geschäfte und Schulen wurden geschlossen, ebenso Restaurants. Kein Kino, Theater, keine Konzerte. Stattdessen für Viele arbiten im Home Office, gespickt mit dem Home Schooling der Kinder.

Ich schwanke.
Die wohl meist genannten Worte des Jahres: Corona, Lockdown, Shutdown, Kontaktsperre, Pandemie, Impfgipfel, Geschwurbel, Corona-Verschwörer und -Leugner, Querdenker. Sicherlich waren es noch mehr.

Ich schwanke.
Menschen, die um ihre Existenz banken. Studenten, deren Jobs als Bedienung plötzlich wegfielen. Friseure, die kein Haar mehr krümmen durften. Ich las von einer Kneipenbesitzerin in Hannover, die bald in den Ruhestand gehen wollte. Nun musste sie ihre Altersvorsorge nutzen, um nicht unterzugehen. Ihr nüchternes Fazit: „Dann gehe ich halt nicht in den Ruhestand.“

Ich schwanke.
Seit Dezember der zweite Lockdown. Das ersehnte und benötigte Weihnachtsgeschäft fiel aus. Die Unterschiede zum ersten Lockdown: die Menschen sind mutloser, unwilliger, abgekämpfter, verzweifelter… Kein Gesang auf den Balkonen, weniger Zusammenhalt und Verständnis. Der Winter, die Dunkelheit setzen dem ganzen die Krone auf.

Ich schwanke.
Es geht mir gut. Insgesamt. Ich habe ein Dach über dem Kopf, zu essen und trinken. Mir ist warm. Mein Körper ist gesund. Meiner Familie und meinen Freunden geht es gut. Ich habe viel neues in dieser Zeit ausprobiert – nehme an Online Schreibtreffen teil, schaffe es, einen Hula-Hoop-Reifen über lange Zeit kreisen zu lassen. Ich poliere meine Englischkenntnisse auf, und habe angefangen zu malen und Collagen zu basteln. Doch mein Herz, meine Seele schmerzen. Mir fehlt das ungezwungene Treffen mit meinen Freunden, die Umarmungen. Und auch die Berührungen in meiner Arbeit als Sterbe- und Trauerbegleiterin. Das alles schmerzt und hinterlässt Narben. Obwohl es mir doch eigentlich gut geht.

Ich schwanke.

Hinweis: Dieser Text ist im Rahmen des Projekts Zeit-Zeugen von Barbara Pachl-Eberhart entstanden. Bei näherem Interesse findet Ihr hier die Website.
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