Gina hat Bescheid gesagt

Letztes Wochenende. Ich liege gemütlich in meinem Bett und träume… bis eine aufgeregte Stimme mich aus dem Schlaf reißt: „Frauchen, Frauchen, wach auf! Draußen im Garten ist irgendwas!“ Kaum, dass sie mir Bescheid gesagt hat, läuft unsere Hündin Krallentrappelnd ums Bett.

Ich schlage die Bettdecke zurück und stehe mit schlafmüden Beinen auf. „Was hast Du denn gehört?“. „Draußen im Garten“, ihre Stimme klingt immer noch aufgeregt, „und die Nachbarhündin bellt ja auch. Frauchen, Frauchen, da muss etwas sein!“

Natürlich glaube ich ihr, schließlich hat Gina ein deutlich besseres Gehör als ich. Trotzdem finde ich in dieser Nacht nicht heraus, was sie aufgeweckt hat. „Wollen wir wieder schlafen gehen?“, frage ich sie und kraule ihr liebevoll den Rücken. „Ok“, sagt sie und legt sich wieder in ihr blau-graues Bett, seufzt noch einmal und ist schon eingeschlummert. Im Gegensatz zu mir. Ich brauche ein wenig länger.

Kommt Euch irgendetwas an dieser Story merkwürdig vor? Richtig! Hunde sprechen keine Menschensprache. Sie bellen. Etwas, was viele Menschen gar nicht mögen. Und was sie versuchen, ihren Hunden abzugewöhnen. Gerade vorgestern sagte eine Dame seufzend zu mir: „Ach, da bellt wieder dieser Hund.“ In der Nachbarschaft hatte ein Hund kurz angeschlagen. Vielleicht hat er sein Grundstück, seine Menschen verteidigt. Vielleicht hatte er vor etwas Angst, war aufgeregt.

Klar, ich kenne das auch, dass mich ein Geräusch wahnsinnig machen kann. Wenn es wieder und wieder und wieder ertönt. Ein einsamer Hund, der tagsüber jault, weil seine Familie arbeiten muss. So ein Konzert kann einen schon fertig machen. Aber mal ehrlich: was sollen Hunde tun? Sprechen – wie oben geschrieben – können sie nicht. Und so müssen sie sich – wie ja meist – versuchen, den Menschen anzupassen. Denn – seien wir ehrlich – Hunde müssen jeden Kompromiss eingehen. Es bleibt ihnen doch meist nichts anderes übrig.

Nun kann ich leicht reden. Wir leben in einem Haus, so dass sich keine Nachbarn gestört fühlen, wenn Gina mal nachts bellt. Was übrig sehr selten vorkommt. In einem Mietshaus sieht so etwas anders aus. Was ich – nur für mich! – auf jeden Fall festgestellt habe: je mehr ich mich aufrege und versuche, unsere Hündin ruhig zu bekommen, desto aufgeregter bellt sie.

Bei Gina bin ich glücklicherweise viel gelassener, als bei unseren früheren Hunden. Was eine Menge ausmacht. Aber ich versuche auch zu schauen: was braucht sie, damit es ihr gut geht. Und an welchen Stellen kann ich ihr entgegenkommen, damit nicht immer sie die Abstriche machen muss.

Nostra und Shira – unsere früheren Hündinnen – mussten sich zum Beispiel immer hinsetzen, wenn es an der Tür klingelte und wir Besuch bekamen. Dann warteten sie brav, bis ich ihnen das Kommando gegeben habe, das sie loslaufen durften. Gina darf einfach dabei sein. Und ja, am Anfang war sie sehr aufgeregt, hat gebellt, die fremden Menschen umkreist… Hundemenschen kennen das. Nachdem ich angefangen habe, locker damit umzugehen, wurde auch sie entspannter. Inzwischen bellt sie ein, zwei Mal, schnüffelt und dann ist gut. Und ich habe nicht mehr das Gefühl, dass ich ihr bellen unterdrücken muss, damit sie „brav“ ist.

Das ist nur eines von vielen Beispielen und mir ist klar, dass jeder Hund, jeder Mensch etwas anderes braucht. Ich erzähle dies auch nicht, weil ich glaube, den Stein der Weisen gefunden zu haben, sondern einfach… um davon zu erzählen.

Einiges von dieser Einstellung, die ich jetzt habe, ist einfach mit der Zeit entstanden. Aber etliches habe ich auch in den letzten Monaten dazu gelernt. Wir – mein Mann und ich – haben einen tollen Onlinekurs entdeckt: Clever and soul dogs. (Bei Interesse findet Ihr hier die Seite von Tina Schwarz und es handelt sich hier übrigens um UNBEZAHLTE WERBUNG, mal wieder aus purer Begeisterung) Dort haben wir so viele tolle Impulse bekommen, ich bin täglich dankbar dafür.

Ja, das sind meine heutigen Gedanken zum Thema `Leben mit Hunden´.

Habt einen schönen Tag und passt auf Euch auf!
Eure Waldträumerin Nicole und Gina, unsere Seelen-Hündin

16 Comments on “Gina hat Bescheid gesagt

  1. Ich kann das sehr gut nachvollziehen! Je mehr ich mich immer geärgert habe, über die Bellerei von unserem damals noch jungen Hund, umso mehr hat er sich reingesteigert. Er ist halt ein „Arbeitshund“, ein Border-Collie und die sind gleich mal aufgeregt.
    Jetzt im Alter ist er viel ruhiger geworden, ich auch – und wahrscheinlich liegt es auch daran, dass ich mich nicht mehr daran störe, wenn er dann doch mal etwas aufgeregt bellt. Denn ich bin täglich dankbar und froh, dass er noch immer an unserer Seite ist.
    Danke für deine Zeilen! Du hast den Hunden eine Stimme gegeben 🙂

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  2. Wir hatten vorher auch zwei Hunde. Einen Flatcoat Retriver – der erst im Alter angefangen hat mehr zu bellen.
    Und eine belgische Schäferhündin, die viel gebellt hat und je älter desto mehr. Das war schon sehr anstrengend da wir ja nachts arbeiten und sie bellte wenn wir weg gingen. Im Schlafzimmer haben sie sich dann aber wohl gefühlt und kaum gebellt.

    Unsere Hündin jetzt – bellt so gut wie gar nicht. Und ich muss sagen, dass ich das wirklich sehr angenehm finde. Wir können sie vor der Arbeit in den Hof lassen, wenn wir uns für die erste Gassirunde fertig machen, kann sie schon schnuppern. Das ging mit der Schäferhündin nicht. (Klar sie war ja auch ein Wachhund)
    Sie bellt mittlerweile nur, wenn der Postmann klingelt. Aber nur einmal.
    Ein Miteinander mit einem nicht bellenden Hund ist schon sehr entspannt.
    Aber mir fehlen meine anderen beiden immer noch.

    Habt ihr dann gefunden, weswegen sie dich geweckt hat?

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    • Ja, Hunde bellen oftmals mehr, wenn sie schwerhörig werden oder nicht mehr so gut gucken können. Dann stresst sie ihre Umwelt natürlich umso mehr.
      Und ich gebe Dir völlig Recht: ein Miteinander mit einem nicht bellenden Hund ist sehr entspannt.
      Nö, keine Ahnung warum sie gebellt hat??!! So dramatsich war es jedenfalls nicht, so schnell wie sie wieder eingeschlafen ist. 😉

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      • Vielleicht hat sie was geträumt..das macht unsere manchmal…
        Das witzige ist, dass sie ja so gut wie gar nicht bellt, aber wenn sie schläft öfter….was bellt sie da an, wenn sie im Realen Leben nicht bellt…so seltsam…

        Stimmt, der Rüde hatte schon bisschen trübe Augen…aber Leckerlis hat er immer noch gefangen wie kein 2. Das hat er drauf gehabt.

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    • Sie bellt und wufft auch oft im Traum. Aber diesmal ist sie rumgetapst. Wobei… vielleicht schlafwandelt sie ja??!! 😉
      Leckerli fangen ist ja auch wichtig!!! Ach ja, sie sind schon so Schätze… und wenn sie nicht mehr in unserem Leben sind fehlen sie unendlich. ❤

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      • Oh ja – das haben wir im letzten Jahr gemerkt, als die Hündin als letzte gegangen ist. Katzen sind doch irgendwie anders. Wir sind echt in ein Loch gefallen.

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    • Das ‚gefällt mir‘ bedeutet in diesem Fall: ich verstehe Dich und fühle mit. ❤ Hoffen wir, dass wir mit unseren jetzigen Schätzen noch ganz lange das Leben teilen dürfen. ❤

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