Kurz auftauchen

Vor einer Woche bin ich abgetaucht und ich werde auch noch weiter auf Tauchgang sein, aber heute will ich doch mal kurz auftauchen, um Luft zu holen… naja, Euch einfach kurz erzählen, was ich derzeit mache und wie es mir geht. Dabei kann ich dann auch direkt meine Gedanken sortieren.

Zu dem: WARUM bin ich abgetaucht und WAS ich im Moment mache:

Vom 22. – 24. März war ich wieder in Hamburg, wo ein weiteres Wochenende meiner Ausbildung zur Seelfrau (Sterbe-, Trauer- und Seelenbegleiterin) stattfand. Es war bereits das 6. Wochenende und es dreht sich nach wie vor um das Thema Erwachsenen-Trauer. Ich werde sicherlich noch Beiträge über die unterschiedlichen Themen schreiben, denn ich bin selbst immer wieder erstaunt, wie vielfältig das Ganze doch ist.

Aber an diesem Wochenende ging es um systemisches Arbeiten in der Trauerbegleitung. Und natürlich wird in dieser Ausbildung mit den eigenen Erfahrungen gearbeitet, was den Vorteil hat, dass ich diese selber aufarbeiten kann und was den Nachteil hat, dass eben auch Erfahrungen auf den Tisch kommen, die ich sehr gerne komplett aus meinem Hirn löschen möchte.

Am 5. Wochenende ging es u. a. um Suizid und wobei mir dies natürlich auch nahe geht (wir hatten vor Jahren selbst ein Familienmitglied, dass durch eigene Hand aus dem Leben geschieden ist), kam ich damit sehr gut klar.

Doch am 6. Wochenende hieß es gleich am Freitag, dass wir ein Genogramm (ein Genogramm ist eine grafische Darstellung einer Familienkonstellation, ähnlich wie ein Stammbaum) zeichnen sollten. Das Wort „Familie“ ließ mein Herz schneller schlagen. Aber nicht im positiven Sinne. Halb im Spaß sagte ich zu meiner Sitznachbarin: „Das ist die erste Aufgabe, die ich nicht machen will.“ Im Gegensatz zu mir, nahm sie dieses Gefühl was da gerade in mir auftauchte ernst und äußerte meine Bedenken laut. Wer jetzt denkt: wie übergriffig ist das denn, dem sage ich: es war ok, denn sie kennt mich schon sehr gut und wir haben ein Vertrauensverhältnis über die Monate aufgebaut. Zudem wusste sie, dass meine Mutter an diesem Tag ihren 89. Geburtstag gehabt hätte und ich emotional sowieso wackelig war.

Natürlich wollte ich mich gewohnt stark zeigen und es mit einem abwinken abtun. Aber da hatte ich die Wucht des Tsunamis in mir unterschätzt. Ich begann zu zittern und ohne eine Kontrolle darüber zu haben, weinte ich herzzerreißend. Das „Ende vom Lied“ war, dass unsere Ausbilderin diese Aufgabe mit mir gemeinsam anging und ich nicht allein davor saß.

Und da wurde mir so einiges klar… ja, ich hatte vor Jahren schon mit einem Großteil der Familie gebrochen, aber trotz allem ist sie da. Und trotz allem habe ich mit ihr zu tun. Auch wenn ich es nicht will, wir gehören zumindest von der Abstammung her zusammen und ich kann sie noch soweit wegdrücken, letztendlich lösen sie sich dadurch nicht in Wohlgefallen auf. Es wäre jetzt für heute zu viel, um noch ins Detail zu gehen. Fakt ist, ich hatte Einsichten, die mir sehr gut getan haben. Und die mir klar gemacht haben, dass ich eben damit noch nicht „durch“ bin.

Im Laufe des Wochenendes – dass mir trotz oder gerade wegen des schwierigen Einstiegs so viel positives gebracht hat – fielen mir die Kisten ein, die bei mir zuhause warteten. Kisten mit Briefen, Dokumenten von meiner Mutter, von meiner Familie. Und genau diese habe ich in dieser Woche vorgekramt und bin in meine Familiengeschichte eingetaucht. Und es ist faszinierend, berührend. Es macht mich wütend, froh und traurig. Und – das wichtigste – es tut mir so gut. Es ist, als würde ich mich um eine Verletzung, die eine große Narbe hinterlassen hat, kümmern. Eine Wunde, die bisher nur äußerlich verheilt war, heilt nun von innen.

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Ja, soviel für Heute. Ich werde sicherlich auch noch die nächste Woche weiter „schürfen“ und dann… mal sehen. Mir fehlt es natürlich, meine anderen Projekte hier auf dem Blog weiter zu verfolgen, aber ich weiß, dass ich mich dann nur verzetteln würde. Insofern bleibe ich jetzt erst einmal bei diesem einen Projekt und alles andere kommt später.

Ich hoffe, Ihr genießt gerade Euer Wochenende und es geht Euch gut. Ganz lieben Dank auch für Eure Kommentare unter meinem letzten Beitrag – ich freue mich so sehr darüber! Und ich werde sie später auch noch beantworten, aber im Moment – ich habe es ja oben geschrieben – will ich doch bei einer Sache bleiben und ich hoffe da auf Euer Verständnis. Danke!

Eine Weile abtauchen

DSC_0038Hier sollte eigentlich der Schreibkick für den April stehen. Aber ich habe mich am Wochenende entschlossen, einem meiner lang geplanten Projekte den Vorrang zu geben. Anstoß dafür war ein Erlebnis, das ich am letzten Seelfrau Wochenende hatte und dass mir gezeigt hat, dass ich vor einem Thema davon gelaufen bin.

Daher werde ich mich die nächsten ein, zwei Wochen hier ausklinken und offline arbeiten. Worum es geht, erzähle ich Euch später. Denn mal ehrlich, wenn ich jetzt erstmal wieder ins plauschen komme… na, Ihr kennt mich ja!

So, nun werde ich gleich noch meine aktuellen Nachrichten beantworten und dann bin ich weg. Lasst es Euch gut gehen und wir lesen uns dann bald wieder – ich freu mich drauf!

abc.Etüden – Que será, será 3

etüdeMax. 300 Wörter, die drei Begriffe enthalten müssen. Es ist wieder abc.Etüden Zeit und ich bin auf den aller- allerletzten Drücker dabei. Die Geschichte um meinen Buchhändler ließ mich nicht los, aber diesmal habe ich eine Szene aus einer anderen Sicht. Trotz allem eine Fortsetzung davon was bisher in Teil 1 und Teil 2 passiert ist. Und wenn Ihr die anderen Etüden auch gerne lesen mögt – kann ich nur empfehlen! – dann schaut bei der Initiatorin Christiane vorbei!

Que serà, serà 3
von Nicole Vergin

Besorgt sah Andrea ihr Gegenüber an. Leichenblass. Schweißtropfen auf der Stirn. Sie hätte den alten Mann nach seiner Ohnmacht doch lieber in ein Krankenhaus bringen sollen, anstatt jetzt hier mit ihm in dem kleinen Café gegenüber seiner Buchhandlung zu sitzen. Aber seine stammelnden Worte über das Lesezeichen, das wohl seiner Frau gehört hatte, die hatten sie gerührt und ihren Verstand in den Hintergrund geschoben.
Ist ja klar, dass mir so etwas passiert, dachte sie, und dass wo ich eigentlich nur ein Lesezeichen kaufen wollte.
Andrea beobachtete, wie ihr Gegenüber mit zittrigen Händen die Tasse an den Mund führte und einen Schluck Kaffee nahm.
„Geht es ihnen jetzt besser?“
Es dauerte eine Weile, bis seine Augen ihr Gesicht fanden und er nickte. Seine Stimme klang rau, als er ein „Danke“ flüsterte. Andrea nickte zurück und überlegte krampfhaft was sie noch sagen könnte, als der alte Mann wieder das Wort ergriff: „Unser ganzes Leben… Verdorben, vergiftet.“
Sie sah ihn fragend an.
„Durch den Unfall meiner Frau vor 20 Jahren. Wir hatten noch so viel vor. Damals. Mit der Buchhandlung. Und wir wollten reisen.“ Die Wörter kamen schneller und schneller, brachen sich Bahn wie das Wasser bei einem Staudamm, das sich endlich sein Flussbett zurück erobert. „Ich bin übrig geblieben oder wie meine Mutter immer gesagt hat: den Letzten beißen die Hunde. Aber nicht einmal die interessieren sich noch für mich.“
Andrea stiegen Tränen in die Augen. So viel Einsamkeit in einem einzelnen Menschen.
Sie suchte nach Worten, räusperte sich: „Was stand da eigentlich auf dem Lesezeichen?“
„Que serà, serà, das ist ein Lied von…“
„Doris Day, ich weiß.“
Der alte Mann sah auf und zum ersten Mal seit ihrer Begegnung tauchte ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht auf. Andrea lächelte zurück und dachte: Musik verbindet eben.

294 Wörter

Alle reden über Trauer 2019: Wie ich mir selbst meine Trauer aberkannte

alle reden über trauer„Alle reden über Trauer 2019“ – Silke Szymura hat in diesem Jahr zum zweiten Mal nach 2017 dazu aufgerufen, über dieses wichtige Thema zu sprechen, davon zu erzählen. Ihre Seite mit allen Beiträgen findet Ihr hier.

Ich habe lange darüber nachgedacht, von welcher Trauererfahrung ich Euch erzählen möchte. Wobei ich im Grunde schon wusste, welche Erfahrung darauf wartete, endlich einmal zur Kenntnis genommen zu werden…

Am 16. März 2015 ist mein Vater gestorben. Mein Vater. Der Mann, der in meiner Kindheit mein Held war. So lange, bis ich sein wahres Ich kennen- und verabscheuen lernte. Die letzten fünf Jahre vor seinem Tod, hatten wir keinen Kontakt mehr. Während dieser Zeit habe ich einen Schutzwall um mich herum aufgebaut. Ich begann mir darüber Gedanken zu machen, was im Falle seines Todes zu tun sein würde. Denn meine Mutter würde gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage sein, diese Pflicht zu übernehmen.

Am 17. März 2015 klingelte mein Telefon.
„Ich habe einen Brief vom Ordnungsamt erhalten.“ Die Stimme meiner Mutter klang panisch. Was kein Wunder war, hatte sie doch gerade schwarz auf weiß in nüchternen Worten mitgeteilt bekommen, dass ihr Ehemann, von dem sie getrennt lebte, verstorben war.
Ich weiß nicht mehr, was ich in diesem Moment fühlte. Ich weiß nur, dass ich mich innerlich rasch zur Ordnung rief. Mein Vater war gestorben. Ok. Mit diesem Anruf hatte ich gerechnet. Ich war vorbereitet.
„Ich bin gleich bei dir“, teilte ich meiner Mutter mit, zog mich rasch an, setzte mich ins Auto und fuhr los.

Auf der viertelstündigen Fahrt ging ich in Gedanken meine To-Do-Liste durch:
– einen Bestatter suchen und finden
– die Beerdigung organisieren
– mit einem Notar einen Termin für die Erbausschlagung machen.

Und dann stand ich auch schon vor meiner Mutter, die noch kleiner und zusammen gesunkener wirkte, als in der letzten Zeit sowieso schon. Ich nahm sie in die Arme. war dabei aber die ganze Zeit damit beschäftigt, die Nachricht in der Nähe meines Verstandes zu halten, weit weg von meinem Herzen. Das wollte davon ja sowieso nichts wissen.

Durch den Brief des Ordnungsamtes erfuhr ich, wo mein Vater zuletzt gewohnt hatte. Ich rief dort an und fragte, was nun zu tun sei. Die Mitarbeiterin teilte mir mit, dass meine Mutter für die Beerdigung zuständig sei und der Leichnam meines Vaters in einem Krankenhaus läge. Ganz nebenbei erfuhr ich, dass mein Vater mit einer Frau zusammen gelebt hatte. Diese meldete sich dann auch noch irgendwann bei meiner Mutter, aber nur um nach einer Unterschrift zu fragen, damit sie in der Wohnung bleiben könne.

Ich informierte noch telefonisch meine (Halb-) Schwester, damit sie sich um unsere Mutter kümmerte und fuhr dann wieder nach Hause. An diesem Tag machte ich sozusagen Nägel mit Köpfen. Ich suchte im Internet einen Bestatter heraus, der am Wohnort meines Vaters arbeitete, rief dort an und als die Frau am Telefon mir ihr Beileid ausdrücken wollte, sagte ich ihr, dass das nicht nötig sei. Dies sei für mich nur eine Pflicht, denn ich hätte keinen Kontakt mehr zu meinem Vater gehabt. Sie verstand mich, da sie ähnliches erlebt hatte. Mal wieder fügte sich etwas in meinem Leben.

Und dann war ich auch schon mit meinem Ordner unter dem Arm unterwegs zum Bestatter. Ja, ich hatte mich im Voraus schlau gemacht, was ich benötigen würde und mir dies zurecht gelegt. Die Fahrt zum Bestatter dauerte eine Stunde und ich war dankbar, noch am selben Tag dorthin kommen zu können.

Das Gespräch mit dem Bestatter war gut und tat mir gut. Ich konnte die Ärmel hochkrempeln und alles besprechen und klären. Das war wichtig für mich, wollte ich doch dieses Kapitel in meinem Leben endlich abschließen.

Zu all den Plänen, die ich mir damals zurecht gelegt hatte, gehörte es auch, dass ich nicht zu der Beerdigung meines Vaters gehen würde. Was sich nun sowieso als unnötig erwies, da ich eine anonyme Urnenbeisetzung in Auftrag gab, bei der sowieso niemand dabei sein konnte.
Und plötzlich regte sich etwas in mir. Was war das bloß? Aus dem Bauch heraus fragte ich, ob ich meinen Vater noch einmal sehen könnte.
Das sei kein Problem, wurde mir gesagt. Das Krematorium, in dem die Einäscherung stattfinden sollte, hätte einen Abschiedsraum. Dort könnten wir uns treffen und ich könnte Abschied nehmen. Ohne weiter zu überlegen, sagte ich zu.

Was mich dazu gebracht hatte, weiß ich bis heute nicht. Aber vermutlich war mir klar geworden, dass es in dieser Welt nur noch eine Möglichkeit geben würde, meinen Vater wiederzusehen. Und mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich diese nicht verstreichen lassen sollte.
Mein Mann bot mir sofort an, mich zu begleiten. Ich wollte erst ablehnen (schließlich war ich stark genug, alles allein zu regeln…), aber dann war ich schlau genug, dies nicht zu tun.

Den Moment, als ich den ersten Blick auf meinen Vater im Sarg warf, werde ich nie vergessen. Von jetzt auf gleich schwappte ein Gefühl in mir hoch, dass ich nicht erwartet hatte: Mitleid. Er lag da und sah winzig klein aus (er war an Kehlkopfkrebs gestorben). Und… er war ganz allein. Ich hatte ihm zwar oft gesagt, dass ihm dies passieren würde, wenn er sich nicht ändern würde, aber ich hatte es ihm nicht gewünscht. Außer in meiner größten Wut und Enttäuschung natürlich.
Aber an diesem Tag, nein, da war ich nur unendlich traurig für ihn. Denn er hatte alle Chancen, die ich ihm gegeben hatte, verspielt. Und nun war es für ihn zu spät. Ich sagte ihm, dass ich ihm verzeihen würde und dass, wenn wir uns irgendwann wiedersehen würden, er doch bitte noch einmal überlegen sollte, ob er nicht anders handeln könnte. Denn dann würde er noch einmal eine Chance bekommen.

Ich weinte nicht – und dabei weine ich sogar bei traurigen Filmen Rotz und Wasser – aber ich spürte eine große Ruhe. Einen Frieden, der da zwischen uns war. Und Dankbarkeit dafür, dass mein Bauchgefühl mir wieder einmal einen guten Weg gewiesen hatte.

Wochen später war ich dann noch auf dem Friedhof und stand mit zwei Gerbera in der Hand an dem Urnenfeld, wo er seine letzte Ruhe gefunden hat. Und dann, dann kamen die Tränen und ich begriff, dass ich mir meine Trauer um ein Haar selber aberkannt hatte. Ich hatte liebe Worte zurück gewiesen, weil:  wer ist schon um einen Vater traurig, mit dem man zu Lebzeiten keinen Kontakt haben wollte? Ja, ich hatte mir etwas vorgemacht, denn zum einen gibt es auch liebevolle Erinnerungen, die ich inzwischen zu schätzen weiß. Und zum anderen trauere ich auch um das was hätte sein können, was ich mir gewünscht hätte.

Ich habe daraus etwas wichtiges gelernt: Trauer sucht sich ihren Weg, egal wie sehr ich versucht habe, sie zu unterdrücken. Und wie ich tatsächlich in einer Situation reagiere, dass weiß ich erst, wenn ich mitten drin stecke.

In Erinnerung an meinen Vater: Herbert Deutschmann, geboren am 29. September 1938, gestorben am 16. März 2015.

Hinweis: die Begrifflichkeit der `aberkannten Trauer´ habe ich durch meine Seminare erst kennen gelernt. Dies findet „normalerweise“ von außen statt, wenn Menschen meinen, dass man selber keinen Grund zum Trauern hätte, z. B. die beste Freundin ist verstorben und dass deren Familie trauert wird selbstverständlich anerkannt, aber auch die übrig gebliebene Freundin kann eben eine große Trauer empfinden, was dann evtl. nicht gesehen wird bzw. gesehen werden kann. Wer näheres dazu wissen möchte, kann mich gerne fragen.

Projekt abc – L wie Lump

abc projekt

Dieses Fotoprojekt macht mir wirklich Spaß! Inzwischen sucht mein Hirn schon automatisch nach passenden Motiven und Ideen. Dieses Mal dreht es sich um den Buchstaben L und wie immer der Hinweis auf Wortman, der dieses tolle Projekt wieder belebt hat!

L wie Lump

Der Lump

Laut Wörterbuch ist ein Lump eine „männliche Person, die als charakterlich minderwertig, betrügerisch, gewissenlos handelnd angesehen wird“. Und es gibt noch den Hinweis, dass dies abwertend gemeint ist. Aha, wäre ich gar nicht drauf gekommen…

Wobei bei Wiktionary noch steht, dass mit Lump ein „zu mutwilligen Streichen aufgelegter Mensch“ gemeint sein kann. Und dies ist dann wiederum auf vertraulich, vertrauter Basis gemeint.

In meiner Kindheit wurde das Wort Lump noch häufig gebraucht. Meist jedoch eher im liebevoll-neckenden Ton, so dass ich eine gute Erinnerung daran habe. Und es fiel mir beinahe sofort ein. War also nur noch die Frage: wie den Lump darstellen?

Tja, und da hat sich mein Mann nicht nur mit mir gemeinsam den Kopf drüber zerbrochen, nein, er war tatsächlich auch bereit, den Lump darzustellen (wohlbemerkt den „dunklen Lump“).

DANKE bester Mann der Welt, das Du auch den größten Blödsinn mit machst! Du Lump Du… ❤

89 Jahre wären es heute…

Vor zwei Jahren haben wir zum letzten Mal Deinen Geburtstag gemeinsam gefeiert. Nachdem Du zwei Monate zuvor auf der Intensivstation gelegen hattest – dem Tod näher, als dem Leben – war es wie ein Wunder gewesen, dass Du noch ein letztes Mal Kraft geschöpft hattest.

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Der 87. Geburtstag – das letzte Foto von meiner Mutter und mir

Im engsten Familienkreis haben wir an Deinem 87. Geburtstag zusammen gesessen. Bei einem leckeren Kuchen und Schnittchen, beides vom Pflegeheim zur Verfügung gestellt, die auch einen wunderbaren Geburtstagstisch für Dich bereitet haben.

Dein Enkel war extra für diesen Tag angereist und Du hast Dich so gefreut, ihn zu sehen. Es hat Dein Glück an diesem Tag perfekt gemacht und Du hast gesagt, es sei der schönste Geburtstag Deines Lebens.

Zeitweise gingen Deine Gedanken an diesem Tag spazieren, Dein Blick ging durch uns hindurch. Du warst müde. So müde. Und ich konnte sehen, wie Deine Kraft weniger wurde. Schon an diesem Tag konntest Du kaum etwas essen. Dein Körper benötigte es nicht mehr. Aber Du hast Dich gefreut, wie gut es uns geschmeckt hat.

Wir alle hatten Geschenke für Dich, liebevoll verpackt. Denn das auspacken war bis zu diesem letzten Geburtstag immer das schönste für Dich gewesen. Wir mussten Dir hin und wieder helfen, wenn Deine Hände und Finger nicht mehr die Kraft aufbrachten. Aber Deine Augen, die haben geleuchtet.

Da das Wetter an diesem Tag schön war, beschlossen wir Dich noch durch den Garten zu schieben. Du wolltest den beginnenden Frühling sehen. Ein bisschen frische Luft atmen, nachdem Du fast nur noch in Deinem Zimmer im Bett liegen konntest.

Wir zogen Dich an und Dein Enkel schob Dich im Rollstuhl durch die schön gestaltete Anlage des Pflegeheims. Und obwohl Du mit jeder Sekunde müder zu werden schienst, hast Du gelächelt, wenn er gespielt schnell mit Dir um die Ecken geflitzt ist.

Das auskleiden aus den schönen Festsachen, die Dir die Pflegerinnen liebevoll ausgesucht und angezogen haben – wir waren extra früher hingefahren und diese lieben Menschen hatten schon alles vorbereitet! – hast Du schon nicht mehr richtig mitbekommen. Und die nächsten zwei Tage hast Du fast nur geschlafen. Aber es hatte sich gelohnt.

Genau zwei Monate später, am 22. Mai, bist Du eingeschlafen. An einem wunderschönen Frühlingstag. Aber in unseren Herzen bist Du nach wie vor lebendig und wirst es bleiben. Alles Liebe für Dich zu Deinem Ehrentag und lass Dich da wo Du bist ordentlich feiern!

 

 

Ein Jahr (und einen Tag) `Die Waldträumerin´ist erst der Anfang!

Gestern vor einem Jahr habe ich den ersten Beitrag auf diesem Blog gepostet: Begrüßungs-Geplauder. Er handelte von dem beginnenden Frühling und von den Überlegungen, die diesem Start voraus gegangen sind.

Forsythie

Ja, ich hatte 2017 lange überlegt, ob ich meinen alten Blog aufgebe – der sich rein um meinen Autoren-Alltag gedreht hat – und endlich dass mache, was ich wirklich will: Das Leben (Könnt Ihr auch den Frühling riechen?) und den Tod (Kann ein Herz an einer alten Zitruspresse hängen?) Hand in Hand gehen lassen. Was sie sowieso tun, ob wir das wollen oder nicht. Aber viele Blogs trennen das strikter. Was auch ok ist. Denn Trauernde, die Rat und Unterstützung suchen, wollen vielleicht gerade keine Jubelworte über Weihnachten, den Frühlingsbeginn…

Aber ich möchte auf diesem Blog den Themen Sterben, Tod und Trauer Raum geben – und dass mitten im Leben. Möchte die Möglichkeit geben, sich „nebenbei“ zu informieren über diese Themen, um die man vielleicht sonst gerne einen Bogen machen möchte. Zwischen all den Beiträgen über unsere Hundedame (Und plötzlich ist da wieder Pfotengetrappel), über sportliche Ambitionen (Fit mit 50), über Fotoprojekte (C wie Chinakohl) und eben auch dem, was mich als Autorin ausmacht (Adolar Adebar ist gut gelandet).

Und die „Rechnung“ ist aufgegangen! Etliche meiner früheren LeserInnen begleiten nun auch schon von Beginn an `Die Waldträumerin´ und unglaublich viele sind dazu gekommen. Ich liebe den Austausch mit Euch. Freue mich über Eure Kommentare, Euer Mitlesen.

Also stelle ich doch mal virtuell etwas zum anstoßen bereit (jeder nehme sich nach seinem Gusto) und dann heißt es: Happy Blog-Birthday, liebe Waldträumerin, auf viele weitere schöne Jahre und am allerwichtigsten DANKESCHÖN an Euch da draußen!