„Wenn es soweit sein wird“ – ein Gedicht von F. Barth und P. Horst

Am vergangenen Dienstag, im Kurs für SterbebegleiterInnen, habe ich das nachfolgende Gedicht kennengelernt. Es hat mich sehr berührt und ich möchte es gerne mit Euch teilen.

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Wenn es soweit sein wird

wenn es soweit sein wird
mit mir
brauche ich den engel
in dir

bleibe still neben mir
in dem raum
jag den spuk der mich schreckt
aus dem traum

sing ein lied vor dich hin
das ich mag
und erzähle was war
manchen tag

zünd ein licht an das ängste
verscheucht
mach die trockenen lippen
mir feucht

wisch mir tränen und schweiß
vom gesicht
der geruch des verfalls
schreck dich nicht

halt ihn fest meinen leib
der sich bäumt
halte fest was der geist
sich erträumt

spür das klopfen das schwer
in mir dröhnt
nimm den lebenshauch wahr
der verstöhnt

wenn es so weit sein wird
mit mir
brauche ich den engel
in dir

von: Friedrich Karl Barth und Peter Horst

Kurs für SterbebegleiterInnen – die ersten Wochen sind vorbei

Jeden Dienstagabend steige ich ins Auto und fahre in das 15 km entfernte Neustadt am Rübenberge. Dort findet seit September der Kurs für SterbebegleiterInnen des Hospizdienstes DASEIN statt. Bis Ende November läuft der Grundkurs, in dem die TeilnehmerInnen darauf vorbereitet werden, Menschen auf ihren letzten Wegen zu begleiten.

Es geht um Themen wie zuhören, wahrnehmen, verstehen… darum, sich auf einen IMG_2058Menschen einzulassen. Für mich fühlt es sich wie eine Reise an. Eine Reise, die meine Erfahrungen mit sterben und dem Tod beinhalten. Und natürlich die der anderen TeilnehmerInnen. Eine Reise also, die einiges in Bewegung setzt. Tief im Inneren. Und ja, das tut auch mal weh. Kratzt an Wunden und alten Narben. Eine Auseinandersetzung mit mir, mit meinem Leben. Um dann wieder in die Richtung zu blicken, in die es gehen soll.

Der Umgang unter den TeilnehmerInnen – ebenso natürlich wie mit der Leitung – ist von Respekt geprägt. Ohne Befürchtungen kann ich in diesem Kreis äußern, wenn mir etwas Sorge bereitet. Wenn ich meine, mit einer künftigen Situation vielleicht nicht klar zu kommen. So wie am letzten Dienstag. Eine Zweier-Übung, in der der eine einen kranken Menschen gespielt hat, der nicht mehr sprechen konnte und der andere musste ihn verstehen.

Ja, an diesem Punkt befielen mich Hemmungen und auch Zweifel. Würde ich mit solchen Situationen künftig klar kommen? Mir fiel ein, wie meine Mutter in ihrer Sterbephase etwas wollte und es mir mit Blicken versucht hat, klar zu machen. Und ich dachte immer nur: sie ist meine Mutter – ich muss doch wissen was sie will und braucht! Letztendlich holte ich die Pflegerin, die das Bedürfnis meiner Mutter dann ergründete und Abhilfe schaffte. Und ich stand mit hängenden Armen daneben.

Am Dienstag, in der gespielten Situation bekam ich es hin. Ich verstand, was die andere Teilnehmerin von mir wollte (ich hatte ihr im Voraus meine Befürchtungen geschildert und sie hatte mich ermutigt). Und es nahm mir einen Teil meiner Bedenken. Nein, ich denke nun nicht, dass ich das von jetzt auf gleich problemlos hin bekomme. Aber durch den Austausch mit den Kursleitern und den anderen TeilnehmerInnen verstand ich, dass Jede(r) seine Stärken und Schwächen hat. Und dass ich daran arbeiten kann, nach und nach meine Grenzen zu verschieben.

Es ist, als bekäme ich in diesem Kurs nach und nach Teile eines Puzzles. Manche passen auf Anhieb und mit manchen muss ich ein wenig herumprobieren. Aber ich bin nicht allein. Jetzt nicht und auch später nicht. Und dass macht Mut und schenkt mir die Zuversicht, die ich brauche um diesen Weg weiter zu gehen.

Die ersten Praxiserfahrungen machen wir dann ab Dezember, wenn Jede(r) über drei Monate eine(n) BewohnerIn „zu geteilt“ bekommt, die man dann wöchentlich besucht, um das im Grundkurs erlernte erstmals „anzuwenden“.

Ich schätze mal, ich werde dann auch ein wenig aufgeregt sein. Auf jeden Fall werde ich dann hier davon erzählen.

„Ich lebe mit meiner Trauer“ – ein Buch von Chris Paul

Im Rahmen meiner Ausbildung zur Seelfrau gibt es eine Liste mit Pflichtlektüre, die ich IMG_2103nach und nach lese. Begonnen habe ich mit einem Buch von Chris Paul: „Ich lebe mit meiner Trauer“.

Ich habe in den vergangenen Jahren bereits etliche Bücher zu den Themen Sterben und Tod gelesen, aber im Bereich Trauer ist das meiste für mich Neuland. Natürlich habe ich meine eigenen Erfahrungen gelebt, aber sich auf der sachlichen Schiene (die natürlich trotz allem immer Empathie beinhaltet) damit zu befassen ist doch noch einmal etwas anderes.

Chris Paul stellt in diesem Buch einen neuen Ansatz vor (das Buch ist von 2017). Während ich bisher meist von Trauerphasen gehört habe, die man als Trauernde(r) nach und nach durchleiden muss, schreibt sie vom Kaleidoskop des Trauerns.

Jeder, der schon mal ein Kaleidoskop benutzt hat, kann sich sicher erinnern, wie sich die kleinen Teile immer wieder vermischen, sich manchmal überlappen und man hin und wieder Mühe hat mit den Augen zu folgen. Auch in der Trauer funktioniert nichts nach Schema F. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen, geht seinen eigenen Weg. Es gibt kein Richtig und kein Falsch.

Ich hatte zugegebenermaßen bisher im Trauerfall noch nicht das Bedürfnis nach einem Buch zu greifen. Vielleicht, weil mir auch noch nicht klar war, dass ich dort tatsächlich Hilfe bekommen könnte bzw. ist mir meist ein persönlicher Kontakt lieber. Aber manche Menschen sehen dies anders oder haben vielleicht auch keine andere Möglichkeit bzw. kann man es natürlich auch begleitend lesen.

Dieses Buch ist lebendig, mit anschaulichen Beispielen, mit vielen Möglichkeiten, wie man auf seinem Trauerweg ein Stück vorankommen kann. Ich für meinen Teil bin froh, dass ich es nun kenne. Denn einiges davon wird mir in meiner persönlichen Zukunft sicher weiterhelfen und auf meinem beruflichen Weg, als Trauerbegleiterin, sowieso.

„Ein Wochenende mit Dir“ – ein besonderer Online Kurs von Barbara Pachl-Eberhart

Ich habe einen Kuchen gebacken. Einen Topfkuchen. Ganz simpel. Ohne EPSR3375Schokoladenüberzug. „Schierer Topfkuchen“, wie meine Mutter ihn genannt hätte. Den mochte sie am liebsten, da ließ sie alles für stehen. Und für sie habe ich ihn gebacken. Und ja, meine Mutter ist letztes Jahr im Juni verstorben. Wieso ich dann einen Kuchen für sie gebacken habe?

Das liegt an dem Online Kurs Angebot von Barbara Pachl-Eberhart: „Ein Wochenende mit Dir.“ In einer Gesellschaft, in der Viele den Tod gerne an den Rand des Lebens drängen, bietet Barbara Pachl-Eberhart (Autorin, Schreibcoach und Lehrerin für kreatives biographisch-literarisches Schreiben – diese Angaben habe ich direkt von der Website, die Ihr hier findet) eine wundervolle Möglichkeit „sich liebevoll mit einem Menschen, der schon gestorben ist und der Ihnen am Herzen liegt zu verbinden“.

Als ich dies las, war es für mich ein wahres Geschenk, denn ich war gerade in einer Phase, in der ich darüber nach dachte, mich mit den diversen Hinterlassenschaften (Briefe, Fotos und andere Kleinigkeiten) auseinander zu setzen. Und ich wusste, ich würde dies auch gerne schreiberisch begleiten. Denn über das Schreiben drücke ich mich seit Kindesbeinen aus und ich halte auch vieles aus meinem Leben auf diese Art und Weise in Worten fest. Aber an dieser Stelle fehlte mir ein Ansatzpunkt. Ein Aufhänger. Nein, in Wirklichkeit fehlte mir Jemand, der mich an die Hand nahm. Der mich liebevoll und einfühlsam auf dieser Reise mit meiner Mutter begleiten würde.

Kann dies ein Online Kurs? Das würde ich nicht grundsätzlich mit Ja beantworten. Aber dieser kann es. Für mich zumindest hat es „funktioniert“. Ich habe mich an diesen zweieinhalb Tagen meiner Mutter sehr nah gefühlt. Für mich war sie da. Bei und mit mir. Ich habe gelacht und auch mal geweint. Und es hat unglaublich gut getan, dies zuzulassen. Mir diese Zeit zu nehmen. Sie mir zu gönnen. Denn Trauer ist nicht einfach abzuhaken. Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und sagen: „Ok, das wars. Weiter im Alltag.“

Wobei – und das ist ein wichtiger Hinweis, der von Barbara Pachl-Eberhart gemacht wird – der Kurs ist nicht für „frische“ Trauer geeignet. Und selbstverständlich muss sich da Jeder selber hinterfragen: „bin ich schon so weit?“ Was im Vorhinein sicherlich auch schwierig zu beantworten ist. Aber bei Interesse hilft es schon einmal weiter, sich das Angebot genau durchzulesen und dann in Ruhe darüber nachzudenken.

Ich jedenfalls habe diese Tage sehr genossen. Wobei der letzte Tag mir in Teilen schon zu anstrengend war und ich eine Übung ausgelassen habe. Denn diese Zeit – so schön sie auch war – hat eben auch Kraft gekostet. Kraft, die ich allerdings im Nachhinein durch frische Energie zurück bekommen habe. Wie das funktioniert hat, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Und ob das bei Anderen auch so klappt, natürlich auch nicht. Aber es ist – wie oben geschrieben – eine wundervolle Möglichkeit, noch einmal Zeit mit einem geliebten Menschen zu verbringen. Und ja, dann kann auch nochmal der richtige Zeitpunkt da sein, um den Lieblingskuchen zu backen.

Übrigens: als ich am letzten Tag den Abschluss gemacht und mich zurück gelehnt habe, flog auf einmal ein heller Schmetterling – vermutlich aus der Familie der Weißlinge – durch mein Wohnzimmer. Alle Fenster und Türen waren seit Stunden geschlossen. Er flog vor meinem Gesicht entlang und setzte sich dann auf die Fensterbank. Behutsam umfasste ich ihn mit beiden Händen – ich weiß, der Flügelschmelz… – öffnete das Fenster, er blieb noch einen Moment sitzen und flog dann davon… Danke Mama.

Eine Führung durch das Krematorium in Hannover-Lahe

„Hier arbeiten wir, trinken Kaffee und lachen auch.“ Mit diesen Worten führt der Technische Leiter des Krematoriums mich in das Büro. „Sie wollen damit sagen, dass hier ganz normale Menschen arbeiten“, entgegne ich, woraufhin er lächelnd nickt.

Und dann zeigt er mir, wie die fünf Öfen über das entsprechende PC-Programm DSC_0012gesteuert werden können und auch wie es um die heutigen Emissionswerte – also alles was aus den großen Schornsteinen des Gebäudes in die Luft geht – steht. Ein wichtiger Punkt, der im täglichen Arbeitsablauf genau im Auge behalten und regelmäßig geprüft wird.

Durch eine große Scheibe haben wir freien Blick auf die Öfen. Einige Särge stehen davor, zur Einäscherung bereit. Ich habe vor meinem Besichtigungstermin bereits eine Dokumentation über die Arbeit in einem Krematorium gesehen, aber es ist natürlich etwas ganz anderes hier nun zu stehen und zu wissen, dass ich den Verstorbenen ganz nah bin.

„Haben Sie starke Nerven?“, fragt mich der technische Leiter, als wir uns dann auf den Weg in die Einäscherungshalle machen. Dabei lächelt er verschmitzt und fügt hinzu: „Ist nur ein Witz.“ Locker geht es bei dieser Führung zu. Locker, aber in einer Art und Weise, die immer durchblicken lässt, dass hier sorgfältig und mit dem nötigen Respekt gegenüber den Verstorbenen gearbeitet wird. Ein Punkt, den ich persönlich als sehr wichtig empfinde.

Und dann stehe ich in der großen Einäscherungshalle. An diesem Nachmittag sind noch zwei Öfen in Betrieb. Es geht in Richtung des Feierabends, wie mir erklärt wird und es laufen jeweils nur so viele Öfen, wie benötigt werden. Ja, bei allem Respekt, aller Achtung: hier muss definitiv gearbeitet werden. Und wenn ich mir anschaue, dass nicht nur einige Särge vor den Öfen sondern auch im Vorraum stehen, dann wird mir erst so richtig klar, wie viel hier Tag für Tag zu tun ist.

„Man kann nicht um jeden Verstorbenen trauern“, erklärt dann der Technische Leiter auch, „wir kennen die Menschen, um die es da geht in den seltensten Fällen. Da muss schon der Job gemacht werden.“ Aber, fügt er hinzu, ihm sei seine Arbeit mit den Jahren eine echte Herzensangelegenheit geworden. Er hält sie für sinnvoll und achtet stets darauf, dass alles im Sinne der Verstorbenen und auch der Angehörigen geregelt wird. „Ja, meine Arbeit macht mir Spaß. Auch wenn sich das für Außenstehende vielleicht komisch anhört“, erklärt er, „ich stelle mir vor, dass ich diese Menschen auf ihrem allerletzten Weg, als eine Art Fährmann, begleite und dafür sorge, dass alles glatt geht.“ Eine sehr sympatische Einstellung, wie ich finde.

Nun bekomme ich auch den Bereich hinter den Öfen zu sehen. Dort, wo über eine Art Guckloch kontrolliert wird, ob die Einäscherung bereits vollständig erfolgt ist. Denn erst dann wird die Asche automatisch aus dem Ofen heraus geschoben, und in einem Aschekasten aufgefangen. Ich schaue durch das Loch mitten hinein in den 800 ° heißen Ofen und kann mich im Anschluss davon überzeugen, dass nach erfolgter Einäscherung genau diese Asche in die Urne gelangt. Mittels eines sogenannten Schamottsteins der eine Nummer enthält, wird hier für Ordnung gesorgt.

Ohne groß darüber nachzudenken, hatte ich bisher gedacht, dass nach der Einäscherung nur noch feine Asche übrig bleibt. Aber dem ist nicht so. Mit einer Art Metallkamm wird dann durch die Reste – die auch noch Knochenteile enthalten – gegangen und alles das heraus geholt, was nicht mit in die Knochenmühle kann und soll. Denn dort erst entsteht die feine Asche, die letztendlich in die Aschenkapsel kommt. Zusammen mit dem Schamottstein. Das Ganze wiederum kommt in eine Schmuckurne, das ist die, die wir letztendlich bei Trauerfeiern zu sehen bekommen.

Ich staune über all die kleinen und große Schritte, die hier notwendig sind. Und ich bin froh, dass es heutzutage auch die Gelegenheit gibt, hinter die Kulissen eines solchen Unternehmens – denn die Feuerbestattungsgesellschaft Hannover und Niedersachsen mbH ist ein wirtschaftliches Unternehmen und gehört nicht zur Stadt Hannover – zu blicken.

Wie kommt man denn nun an solch eine Arbeitsstelle, frage ich neugierig und staune. Seit dreieinhalb Jahren erst ist der technische Leiter hier tätig. Er ist gelernter Elektriker und Heizungsbauer und war nach langen Jahren mit seiner Arbeit nicht mehr zufrieden. Etwas neues musste her. Etwas, dass ihm Zufriedenheit verschaffen sollte. Auf die Anzeige des Krematoriums ist er durch puren Zufall gestoßen und er dachte sich: „Ich gehe mal hin und schaue was das mit mir macht.“ Inzwischen ist er zum Technischen Leiter aufgestiegen und liebt seinen abwechslungsreichen Job.

Denn es gehört so einiges dazu. Wie der Umgang mit den Angehörigen, die ihre Verstorbenen auch ins Krematorium begleiten wollen. Ein Abschiedsraum wurde dafür eingerichtet. Und während der Rest des Gebäudes eher nüchtern und zweckmäßig ist, kann man hier erkennen, dass sich um die Trauernden gekümmert wird. Eine Sitzgruppe, angenehmes Licht, ein CD Player und auch eine Grünpflanze sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Von hier aus können die Angehörigen der Einfahrt des Sarges in den Ofen durch den Blick durch ein Spezialfenster beiwohnen, das im Anschluss wieder undurchsichtig wird.

Ich habe an diesem Nachmittag noch so einiges erfahren, wie z. B. dass ein Teil der Energie aus dem erhitzten Kühlwasser für die Räumlichkeiten des Laher Friedhofs genutzt wird und dass man in Bremen – im Gegensatz zu den anderen Bundesländern – die Urne ausgehändigt bekommen kann. Was mir aber vor allem im Gedächtnis bleiben wird ist, dass es Menschen gibt, die sich sorgfältig um unsere Verstorbenen kümmern. Es macht also Sinn zu wissen, mit welchem Krematorium der Bestatter meines Vertrauens zusammen arbeitet. Denn ja, es gibt auch schwarze Schafe.

„Machen sie ordentlich Werbung für uns, denn wir sind die besten in Hannover“, meint der Technische Leiter zum Abschied, als ich ihm noch erzähle, dass ich einen Blog Beitrag schreiben werde. „Na klar“, lache ich, „und sie sind in Hannover auch die einzigen…“ Ein breites Grinsen als Reaktion. Mit herzlichem Dank verabschiede ich mich.

Ach ja, Fotos durfte ich aus Datenschutzgründen verständlicherweise nicht machen. Daher habe ich als kleinen Eindruck ein Foto aus dem Friedhofsmuseum Hannover-Seelhorst eingestellt, wo es früher auch ein Krematorium gab. Ich hatte in Lahe auch noch eines außen vom Gebäude gemacht… leider habe ich das dann versehentlich gelöscht…

… ABER wer sich noch genauer informieren möchte, findet hier den Link zur Website der Feuerbestattungsgesellschaft und hier die Dokumentation auf youtube, die ich mir im voraus angeschaut hatte.

 

Der Beginn des Kurses `Sterbende begleiten lernen´rückt näher

Meine Ausbildung zur `Seelfrau´in Hamburg hat ja bereits im Mai begonnen. Aber da ich mich ja entschlossen habe, mich in den kommenden zwei Jahren nicht `nur´in der DSC_0012Theorie mit den Themen Sterben, Tod und Trauer auseinander zu setzen, werde ich mich künftig ehrenamtlich beim Hospizdienst DASEIN engagieren. Und um dies tun zu können, muss man vorab an einem 9-monatigen Kurs `Sterbende begleiten lernen´ teilnehmen.

Gestern Abend gab es nun eine Info Veranstaltung. Erstmals bin ich dort den Kursleitern und Mitarbeitern des ambulanten Hospizdienstes begegnet und ich war froh, dass ich mich gleich wohl gefühlt habe. Denn mal ehrlich: bei diesem Thema mit Menschen zusammen zu arbeiten, die einem so gar nicht liegen – nein, das wäre nichts für mich. Aber das Ehepaar, das diesen Kurs leitet, gefällt mir gut.

Es sind einige Interessenten für den Kurs da gewesen und jeder kam mit seiner eigenen Geschichte, seinen eigenen Gründen, warum Er oder Sie sich dort engagieren möchte. Es sind Gleichgesinnte und wie so oft, tut es gut, einfach über das Sterben reden zu können, ohne beim Gegenüber Ängste auszulösen.

Im September wird der Kurs mit einigen theoretischen Wochen beginnen und danach folgt ein Praxisteil, bei dem wir erstmals durch regelmäßige Besuche bei Bewohnern von Pflegeheimen, einen Eindruck von unserer künftigen Tätigkeit bekommen werden.

Ja, es wird um Menschen gehen. Um Menschen, die dem Ende ihres Lebens nahe sind. Die unterschiedlichsten Situationen werden uns begegnen. Menschen unterschiedlichsten Alters, mit ihren ganz individuellen Lebensgeschichten. Mit Zugehörigen, die ebenfalls Unterstützung benötigen.

Durch die Gespräche am gestrigen Abend wurde für mich all das noch realer. Denn es klafft durchaus eine Lücke zwischen „Ich engagiere mich bei einem ambulanten Hospizdienst“ – also dem `nur´darüber sprechen – und es dann auch wirklich tun.

Mein Wunsch, diesen Weg zu gehen, hat sich nicht geändert. Ich fülle die Anmeldung noch heute aus und ja, ich freue mich auf diesen Kurs. Freue mich darauf zu lernen, wie ich Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten kann. Freue mich, dass ich diese Chance bekomme. Und ich bin sicher, dass dies auch viel mit mir, mit meinem Leben, meinem Denken und fühlen machen wird. Und auch darauf freue ich mich.

Ich bekomme in den letzten Monaten oft die Frage zu hören „Meinst du, du kannst das?“ Die ehrliche Antwort lautet: „Ich weiß es nicht.“ Aber ich weiß, dass ich die Bereitschaft dazu habe. Ich glaube fest daran, dass ich stark genug dafür bin. Oder es meist sein werde. Aber wie es dann tatsächlich sein wird – nein, dass weiß ich natürlich nicht. Ich werde mich darauf einlassen und dann, dann werde ich weitersehen.

DreamWalking – ein Interview mit Lydia Ruckensteiner

IMG_5294Im Mai diesen Jahres habe ich meine Ausbildung zur Seelfrau in Hamburg begonnen. Die Ausbildung beinhaltet Sterbe-, Trauer- und Seelenbegleitung. Was die ersten beiden Bereiche betrifft, habe ich mich in den vergangenen Jahren bereits damit beschäftigt. Aber Seelenbegleitung? Nein, da habe ich bisher keinerlei Kenntnisse. Also begab ich mich auf die Suche und bekam von Google u. a. den Begriff DreamWalking angeboten. Das machte mich neugierig und glücklicherweise „lief“ mir kurz darauf Jemand über den Weg, der sich damit auskennt und bereits Erfahrungen hat. Und so kam das folgende Interview mit Lydia Ruckensteiner zustande.

Lydia, bitte stell Dich einmal selbst vor, damit die die Dich bisher nicht kennen, wissen wer Du bist und was Du machst.

Ich bin Lydia. Wortmalerin und Seelenmensch. Ich schreibe viel – vor allem Gedichte und Texte, die zum Nachdenken anregen. Ich habe den Gedichtband „Gedankenflüsterei“ veröffentlicht und schreibe inzwischen auch mit anderen Menschen, indem ich sie in meinen Schreibkreisen in ihre Fantasie und Kreativität führe. Außerdem arbeite ich energetisch. Ich bin Prana-Energiearbeiterin und lasse teilweise meine schamanischen Fähigkeiten mit einfließen. Mir wird nachgesagt, dass ich ein besonderes Gespür für das `nicht Sichtbare´ habe. Zusätzlich bin ich – ganz bodenständig – als Teilzeitkraft im Verkauf tätig.

Was ist DreamWalking und wie bist Du dazu gekommen?

DreamWalking ist energetische Seelenbegleitung. Dabei werden Seelen hauptsächlich im Sterbeprozess und über den Tod hinaus begleitet.
Der Auftrag dafür kommt vom Sterbenden selbst oder, falls das nicht mehr möglich ist, von den Angehörigen.
Ein DreamWalk ist grundsätzlich für alle seelischen Übergangsprozesse wie z.B. Geburt, tiefgreifende Veränderungen und Wandlungsprozesse im alltäglichen Leben, spirituelle Reifung usw. geeignet. Ich selbst habe aber bisher nur sterbende Menschen begleitet.
Ein DreamWalker greift nicht in den Prozess ein, er ist Begleiter, Beobachter, Freund und Zuhörer. Er nimmt nichtphysische Vorgänge wahr und erkennt an, was ist. Er verfolgt keine eigenen Ziele, sondern ist einfach nur da. Er respektiert die Entscheidungen der zu begleitenden Seele und versteht ihre Botschaften.

Die Tatsache, dass ich zum DreamWalking gekommen bin, ist für mich im Nachhinein betrachtet, ganz klar.
Ich war schon immer `anders´. Ich hatte schon früh die Gabe, energetische Schwingungen zu spüren und Dinge wahrzunehmen, die anderen verborgen blieben.
Vor einigen Jahren durfte ich dann eine Frau treffen, deren Mutter es sehr schlecht ging. Es stellte sich schnell heraus, dass ich diese Mutter-Tochter Beziehung energetisch im Sterbeprozess unterstützen würde, indem ich Bilder, die ich plötzlich hatte, mitteilte. Ich kannte die Sterbende nicht. Sie konnte sich aber nicht mehr selbst mitteilen, konnte nicht mehr sprechen und war bewegungsunfähig. Die von mir beschriebenen und übermittelten Bilder waren für die Tochter sehr hilfreich und fühlten sich für sie stimmig an. Ich konnte aus der Ferne treffende Auskünfte über ihren Zustand geben, was mich teilweise auch selber verblüffte. Da ich aber auch früher schon immer wieder mal solche Erfahrungen gemacht hatte, nahm ich es als Gabe an und wehrte mich nicht mehr dagegen.
Kurz darauf hörte ich von einem Seminar „DreamWalker Ausbildung“. Es war aber gar nicht so klar, dass ich das auch machen wollte. Die oben genannte Tochter war `zufälligerweise´ auch angemeldet und ließ nicht mehr locker, da sie meinte, dass das für mich wahrscheinlich genau passen würde.
So habe ich denn dann eine Ausbildung in DreamWalking bei Andrea Fuchs (www. lokahinui.at) absolviert.

Wie reagiert Dein Umfeld auf Deine Beschäftigung mit den Themen Sterben und Tod?

Mein Umfeld hat nicht unbedingt viel Verständnis für meine Tätigkeit. Es ist eher ein `gewähren lassen´, vielleicht mit einem kleinen `was soll das Ganze überhaupt´ im Hinterkopf. Da ich aber allen bekannt bin mit meinem Hang zu solchen Dingen, ist es für alle o.k., was ich mache. Sie müssen es nicht verstehen. Meine Fähigkeiten und Interessen sorgen nicht immer für Begeisterungsstürme. Das macht nichts. Für mich selbst ist es eine große Bereicherung und es hat mir neue Sichtweisen auf das Thema `Tod und Sterben´ eröffnet, was in meiner damaligen Lebenskrise sehr hilfreich für mich war und mich überhaupt erst in die annehmende Auseinandersetzung mit diesen Prozessen geführt hat.

Welche Erfahrungen hast Du bisher mit und durch das DreamWalking gemacht?

Die Erfahrungen, die ich bisher mit und durch DreamWalking gemacht habe sind allesamt berührend. Es erweitert meinen Horizont, es macht klar, dass es so viel mehr gibt, als wir uns jemals vorstellen könnten. Und es zeigt eindeutig, dass jede Seele ihren ganz eigenen, gewählten Weg hat, der für andere nicht unbedingt verständlich sein muss. Die Aufgabe, eine Seele energetisch begleiten zu dürfen, hat für mich etwas Großes, etwas Ehrfürchtiges, ja fast würde ich sagen, etwas `Heiliges´. Es tun sich Räume und andere Welten auf, von denen wir kaum etwas ahnen würden. Es lässt unsere eigene Endlichkeit erkennen, zeigt aber auch, dass nach dem Tod nicht alles zu Ende ist.
Natürlich kann das niemand beweisen, wir werden es nie ergründen können, was wirklich passiert, was wirklich ist, wenn die Seele den Körper hier zurücklässt, doch alleine die Vorstellung, dass es ein `Danach´ gibt und die Seele in ihre ursprüngliche Form zurückkehrt, deckt sich doch mit vielen Aussagen, die wohl jeder kennt.
Die Sprüche, die wir im Angesicht des Todes sagen, sind wahrscheinlich berechtigter, als wir bewusst wahrnehmen. „Jetzt geht er heim“, „jetzt ist sie bald angekommen“, „bald ist sie im Licht“, „grüß mir alle, die du dort oben triffst“ und noch vieles mehr, sagen doch im Grunde nichts anderes, als dass wir annehmen, dass es nach dem Tod irgendwie weiter geht. Vielleicht ist es auch nur die Hoffnung darauf. Ich weiß es nicht. Aber eines ist gewiss: Energie kann nie verloren gehen.

Hat sich etwas in Deinem Leben, Deinem Denken und / oder Fühlen durch die Beschäftigung mit DreamWalking verändert? Wenn ja, dann was?

Teilweise habe ich oben schon erwähnt, was sich verändert hat. Auf jeden Fall meine Sicht- und Denkweise betreffend unserer Zeit hier auf Erden. Für mich ist es jetzt tatsächlich fühlbar, dass dies hier nur ein kleiner Abschnitt auf dem langen Weg unserer Seele ist. Dass sie hier nur Körper hat, um ihre Erfahrungen zu machen, ihre Aufgaben zu erfüllen, um Gefühle und Emotionen zu leben, um sich selbst zu geben und um ihre Weite und Größe spüren zu können. Darum denke ich inzwischen, dass es sehr wichtig ist, dass wir dies alles auch wirklich tun, dass es nicht nur ein Gedanke ist, sondern dass wir es auch wirklich umsetzen. Den Impulsen der Seele zu folgen ist so einfach und trotzdem das Schwierigste überhaupt.

Liebe Lydia, ich danke Dir für Deine offenen Antworten und für den Einblick in Dein Tun. Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute!

HINWEIS: Ihr habt weitere Fragen zum Thema DreamWalking oder möchtet gern den Gedichtband „Gedankenflüsterei“ bestellen? Dann wendet Euch direkt an Lydia unter der folgenden E-Mail Adresse: lydiar72@hotmail.com.