Ich möchte Dir so vieles erzählen…

… und muss mich auch nach über zwei Jahren oft nach daran erinnern, dass Du nicht mehr lebst. Du bist tot. Immer noch. (Wünschen wir uns nicht alle immer mal wieder, dass unsere Lieben doch einfach wieder „auftauchen“?)

Es gibt so viele kleine und große Situationen in meinem Leben, von denen ich Dir gerne erzählen möchte. Ich mache das dann auch. Einfach so, in meinem Gedanken. Lasse mein Herz sprechen und hoffe, dass Dich meine Nachrichten irgendwie erreichen.

Über viereinhalb Jahrzehnte konnte ich Dich um Rat fragen. Dein Meinung war mir wichtig. Zumindest als Erwachsene. Und auch, wenn wir nicht immer einer Meinung waren, so konnte ich doch über alles mit Dir reden. Und das war schön.

Das mit der Trauer ist so unkontrollierbar. Hätte mir vor Deinem Tod jemand gesagt, wie es mir noch nach über zwei Jahren manches mal ergeht… nein, ich hätte es nicht geglaubt. Aber die Lücke, die Du in meinem Leben hinterlassen hast, ist groß. Meist ist dieses Loch in meinem Herzen mit Liebe und Erinnerungen angefüllt. Aber manchmal reicht das nicht aus.

Von jetzt auf gleich weine und hadere ich. Will Dich zurück … will will will… Und dann wieder vergehen Wochen, in denen ich einfach liebevoll an Dich denke – und manchmal vergehen sogar Tage an denen ich gar nicht an Dich denke.

Wie gerne mache ich Pläne für mein Leben. In meinem riesigen Kalender habe ich einen Jahresplan. Ich plane jeden Monat, jede Woche, jeden (All-) Tag… aber Trauer ist nicht planbar. Nicht einmal im Ansatz. Inzwischen habe ich das begriffen. Und seit dem begreifen ist es einfacher geworden. Naja, einfacher… ich kann besser damit umgehen, wenn mal wieder ein Trauer-und-Sehnsuchts-Tsunami auf mich zurollt und mich mitreißt.

So wie vor ein paar Tagen. Ich war in unserem hiesigen Blumengeschäft, habe ein Mitbringsel für eine liebe Freundin besorgt und da stand dieser kleine Engel. Er schaute mich an. Ich habe es genau gesehen. Und prompt fiel mir ein, dass ich Deinen Erinnerungstisch lange nicht verändert habe. Über den heißen Sommer habe ich dort keine Blumen hingestellt. Ich habe nicht einmal die Tischdecke gewaschen.

Für mich war das ein Zeichen, dass ich in meiner Trauer einen Riesenschritt nach vorn gemacht habe. Und habe es mir daher auch nicht übel genommen, dass ich nicht einmal Deine Lieblingsteddys abgestaubt habe.

Aber als ich dort im Laden stand, da wäre ich am liebsten sofort losgerannt und hätte mich darum gekümmert. Wie hatte ich das alles nur so verlottern lassen können? Ich habe nicht nur den Engel, sondern auch gleich noch ein Alpenveilchen (die mochtest Du immer so gern) gekauft.

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Nun ist der Erinnerungstisch fast wieder so, wie ich ihn (aktuell) haben möchte. Ok, die Collage in dem Rahmen, die werde ich vielleicht noch gegen Fotos austauschen. Mal schauen. Das eilt nicht. Ich schätze, da werde ich mich dran machen, wenn der nächste Trauer-und-Sehnsuchts-Tsunami vielleicht kommt. Vielleicht kommt er auch nicht. Wer weiß das schon…

„Dein Sternenkind“ – ein Gespräch mit der Sternenkind-Fotografin Birgit Gantze

Unser Sohn ist in diesem Jahr 24 Jahre alt geworden. Ein junger Mann, der mit beiden Beinen fest im Leben steht und auf den wir sehr stolz sind. Ich erinnere mich noch gut an die Schwangerschaft, die Vorfreude, den Tag der Geburt. Alles ging glatt: Mutter und Kind wohlauf!

Dieses Glück haben nicht alle Eltern.

Es ist ein Thema, vor dem man am liebsten die Augen verschließen, es ausblenden möchte. Und leider ist es auch im 21. Jahrhundert noch so, dass oftmals das Mäntelchen des Schweigens über den Tod eines Babys gehängt wird. Gerade, wenn diese sehnlichst erwarteten kleinen Menschen bereits im Mutterleib oder kurz nach der Geburt sterben.

Aber es gibt sie, diese Sternenkinder und leider sind es jedes Jahr unglaublich Viele, die nie die Chance bekommen, ein Leben zu leben. Zurück bleiben verwaiste Eltern. Denn Eltern sind sie. Egal, wie winzig klein, wie leicht ihre Sternchen waren.

Birgit GantzeUnd genau um diese Eltern und ihre Kinder geht es, wenn sich Birgit Gantze auf den Weg in ein Krankenhaus macht. Seit zwei Jahren ist sie für die Organisation `Dein Sternenkind´als Fotografin im Einsatz. Ehrenamtlich. So wie rund 600 andere Fotografinnen und Fotografen schenkt sie den Eltern Erinnerungen an ihre Kinder.

„Ich hatte schon länger darüber nachgedacht, mich als Fotografin für `Dein Sternenkind´zu engagieren“, erzählt sie. Eine Entscheidung, die  sich Birgit nicht leicht gemacht und die sie bisher nicht bereut hat.

Bei ihrem ersten Einsatz hätte sie mit zitternden Knien vor dem Kreissaal gestanden und etliche Male tief durchgeatmet, bis es ihr gelungen sei, die Tür zu öffnen und in eine Situation hinein zu treten, die für Eltern schlimmer nicht sein könnte. Was sie an diesem Tag jedoch hauptsächlich gespürt habe, sei unendliche Liebe, die den Raum erfüllt habe.

Während mir Birgit von ihrer ehrenamtlichen Arbeit erzählt, leuchten ihre Augen und es ist deutlich, dass diese Einsätze eine Herzensangelegenheit für sie sind. Birgit ist eine Tänzerin. Sie ist Körpertherapeutin und hat künstlerische Fotografie studiert. All das fließt in die liebevoll begleitenden Begegnungen mit den Eltern und ihren Sternenkindern ein. Und als ich sie frage, wie ich sie hier vorstellen soll, antwortet sie erst lachend: „Vielleicht bin ich die kreative, fotografierende, tanzende Körpertherapeutin?“ und dann nachdenklicher: „Aber am sichersten bin ich einfach nur ein Mensch, der seine Träume ein ganz klein wenig leben will, so wie es eben möglich ist. Der sich selbst im Leben Sinn geben möchte, und nicht abstumpfen will in dieser hektischen unmenschlichen Welt.“

Ihre Worte berühren mich und ich habe das Gefühl einen Eindruck erhascht zu haben, wie Birgit einen Weg in das trauernde Herz der Sternenkind-Eltern findet.

Im Anschluss an die Einsätze, werden die Fotos bearbeitet und, sofern die Familien in Birgits Nähe wohnen, bringt sie ihnen den Stick – auf den Sterne gedruckt sind – mit den wertvollen Erinnerungen persönlich vorbei. Immer hübsch verpackt in – teilweise handgefertigten – Schachteln.

Aber wie wird sie mit all dem Leid, dass sie über ihre ehrenamtliche Tätigkeit erlebt, fertig? „Die Organisation `Dein Sternenkind´unterstützt die Fotografen u. a. durch die Möglichkeit einer Supervision“, erläutert Birgit mir. Und zudem könne sie sich mit ihrer Mutter austauschen, die ebenfalls ehrenamtlich bei einem Kriseninterventionsteam vom roten Kreuz tätig ist.

Trotz all der Unterstützung und dem Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen –  einfach ist diese Arbeit sicherlich nicht. Aber – und das ist mir im Laufe des Gesprächs noch um ein vielfaches deutlicher geworden – sie ist immens wichtig, um den Eltern und anderen nahen Angehörigen die Chance zu geben, sich in jeder Einzelheit an ihr Sternenkind erinnern zu können.

Denn wie steht es auf der Eingangsseite der Website von `Dein Sternenkind´:

„Wir fotografieren nicht den Tod, wir fotografieren sehnlichst erwartetes Leben“
Zitat von Birgit Walter-Lüers, ebenfalls Sternenkind-Fotografin.

Liebe Birgit, ich danke Dir sehr für das wunderbare Gespräch, das mich sehr bereichert hat. Ich wünsche Dir weiter von Herzen alles Gute und viel Kraft für Deine wichtige Arbeit!

Weitere Informationen über `Dein Sternenkind´findet Ihr auf der Website:
www.dein-sternenkind.eu

Und näheres über Birgit Gantze findet Ihr auf Ihrer Website:
www.human-in-balance.jimdo.com
und hier auf facebook die Seite Fotokunst.

Zuletzt noch die Website www.biggiismus.de von Birgit Walter-Lüers.

 

 

 

 

Meine ersten Schritte als Sterbebegleiterin

Ende Mai hatte ich ja meinen Kurs für ehrenamtliche SterbebegleiterInnen abgeschlossen. Danach war erstmal Urlaub angesagt und dann folgte das Gespräch mit einer der Koordinatorinnen des ambulanten Hospizdienstes DASEIN.

67027359_2332366050349838_6742935334293602304_nEin Personalbogen wurde ausgefüllt und etliche Fragen geklärt, wie z. B. ob ich bestimmte Begleitungen von vornherein ausschließen würde (bestimmte Erkrankungen), innerhalb welches Radius ich zur Verfügung stehen würde und ähnliches. Ich wurde über meine Schweigepflicht aufgeklärt und darüber, dass ich ein Mal monatlich an einem Reflexionsabend teilnehmen muss, auch wenn ich gerade keine Begleitung habe.

Ich verließ an diesem Tag das Büro mit dem Gedanken: Wann starte ich wohl in meine erste Begleitung? Die Frage war rasch beantwortet. Bereits am nächsten Tag kam ein Anruf. Die Erklärung, um wen es sich handelt. Die Krankheitsgeschichte und wo ich hin müsste. „Magst Du die Begleitung übernehmen?“ „Ja.“ Also eigentlich alles ganz einfach…

Es gab ein erstes Treffen zusammen mit der Koordinatorin, ein Kennenlernen. Herrje, ich war so aufgeregt! In ein fremdes Haus, in eine fremde Familie, die sich gerade in einer extremen Lebenssituation befindet. Das empfinde ich definitiv als Herausforderung. Eine, die ich allerdings gerne angenommen habe.

Inzwischen sind sieben Wochen vergangen und ich habe mich nach und nach in meine neue Aufgabe eingefunden. Es gibt immer wieder Momente, wo ich mich frage, wie ich mich nun am besten verhalte. Was ich tue. Und was nicht. Aber das man sich über die Wochen nun ein wenig kennen gelernt hat, macht es auch leichter.

Gestern Abend hatte ich den ersten Reflexionsabend und es tut gut in diesem Rahmen darüber sprechen und sich austauschen zu können. Wobei mich einiges an Reaktionen erstmal verunsichert hat. Aber ich denke, das ist am Anfang ganz normal. Ich gebe mir Zeit, um in diese Aufgabe hinein zu wachsen, höre auf mein Bauchgefühl und tue mein Bestes. Und mehr verlangt auch niemand.

Memento Tag – end-lich leben: Überlegungen zu meiner Trauerfeier

Keine Sorge! Soweit ich weiß, werde ich in absehbarer Zeit nicht sterben. Und ich denke auch nicht den ganzen Tag darüber nach, wann es wohl soweit sein wird. Denn glücklicherweise weiß das niemand. Und darüber bin ich froh!

Was ich ganz sicher weiß ist, dass dieser Tag irgendwann da ist. Und dann?

Heute findet das erste Mal der (Ge)Denk- und Aktionstag, der `Memento Tag´ statt. (Die Website dazu findet Ihr hier!) Ein Tag, an dem etliche Aktionen rund um das Thema Tod stattfinden und an dem einfach mal darüber gesprochen werden kann / soll / darf… Oder geschrieben.

Memento Tag

Und daher erzähle ich Euch heute, was ich mir (bisher) für meine Trauerfeier / Beerdigung überlegt habe:

Obwohl ich seit Jahrzehnten mit Begeisterung über Friedhöfe streife, möchte ich in einem Ruheforst, also im Wald, meine letzte Ruhe finden. Ich mag den Gedanken, dass Spaziergänger an meinem Baum entlanggehen, dass meine Lieben dort einen Ort haben, zu dem sie gehen können, aber nicht zwangsläufig zur Grabpflege hin müssen. Und in der Natur bin ich ja sowieso seit jeher zuhause.

Mir genügt ein einfacher Sarg und dass nicht nur, weil ich für eine Beisetzung im Wald kremiert werden muss, sondern weil ich es gerne schlicht habe.

Eine Trauerfeier in einer Kapelle brauche ich nicht. Mir genügt es, wenn vor dem versenken meiner Urne im Wald, ein paar Lieder gespielt werden. Und wer mag, kann etwas über mich sagen. Erzählen, wie ich war. Anekdoten. Etwas zum Lachen, zum Weinen. Schön wäre, wenn „Dancing Queen“ von ABBA gespielt würde und – sofern das nicht zu teuer ist – Jemand live „I did it my way“ singen würde.

Je nachdem, wann der Tod mich holt, ist vielleicht sogar noch an der Kastanie, wo meine Mutter beigesetzt wurde, ein Plätzchen frei. Die Kastanie ist klein – die meisten wollen anscheinend große Bäume – so dass sich so schnell eventuell niemand findet, der ausgerechnet dorthin möchte.

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Ach ja, und auf dem Namensschild, das dann an dem Baum angebracht wird, kann gerne eine Muschel abgebildet sein. Denn ich liebe ja das Meer! Allerdings nicht so sehr, dass ich dort verstreut werden möchte.

Ja, so in etwa könnte das Ganze ausschauen. ABER – und nun kommt der wichtigste Punkt überhaupt – wenn meine Lieben, nach meinem Tod andere Ideen und Wünsche haben: bitteschön! Dann können sie gerne alles über den Haufen werfen und es so gestalten, wie es ihnen gerade gut tut. Denn wie schrieb Mascha Kalécko in ihrem Gedicht „Memento“:

Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andern muss man leben.

Für den Fall jedoch, dass meine Lieben in dieser Extrem-Situation nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht, dann haben sie durch meine Notizen etwas woran sie sich lang hangeln können. Und dass kann manchmal echt Gold wert sein!

„…ein Stück untröstlich“ – ein Buch von Anja Pawlowski

Im vergangenen Jahr stieß ich auf einen Blog. Ich las die aktuellen Beiträge und war gefangen. Gefangen in diesen offenen Worten. Worte, die vom Sterben, dem Tod, der Trauer und ganz viel vom (Über-) Leben erzählen. Nun bin ich kein großer Fan vom Lesen an Bildschirmen. Ich war hin- und hergerissen, denn eigentlich hätte ich doch nur allzu gerne ALLES auf diesem Blog gelesen.

Da kam mir die Nachricht im Mai doch gerade recht: „Der gefühlvolle Blog als gebundenes Buch“ – so steht es vorne auf dem Cover – ich war begeistert und wusste: dieses Buch will ich haben!

Vorweg: allein die Gestaltung, die Illustrationen sind wunderschön. Und solltet Ihr das Buch irgendwann in den Händen halten, dann blättert mal durch (so wie früher die Daumenkinos) und schaut auf den Seiten unten rechts in die Ecken… nee, mehr verrate ich dazu nicht!

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Und nun sitze ich hier, habe die letzte Seite gelesen, das Buch zugeklappt und fühle mich bereichert. Anja Pawlowski findet Worte für Situationen, die so Viele sprachlos machen. Beim Lesen hatte ich oft Tränen in den Augen: aus Mitgefühl, aber auch weil mir vieles so bekannt vorkam. Denn Trauer kann jeden treffen. Mit voller Härte. Und zu lesen, dass man nicht der einzige Mensch auf der Welt ist, dem es so ergeht (auch wenn ich das niemandem wünsche!) tut gut.

Jeder Mensch geht in der Trauer seinen ganz eigenen Weg, aber es kann nie schaden, einmal über den Tellerrand (oder in diesem Fall in dieses Buch) zu schauen, denn vielleicht findet man ja den einen und anderen hilfreichen Hinweis oder schlicht ein wenig Trost in dunklen Stunden.

„Einfach mal machen, könnte ja gut werden“, den Satz von Anja Pawlowski werde ich mir auf jeden Fall hin und wieder zu Herzen nehmen!

Und wenn Ihr noch mehr über die Autorin wissen wollt, dann schaut doch auf ihrem Blog vorbei oder / und in meinem Beitrag.

Hinweis: Unbezahlte Werbung aus purer Begeisterung!

 

Anja von „…ein Stück untröstlich“ – eine wundervolle Begegnung auf der Messe `Leben und Tod´in Bremen (Teil 3)

„Bin bei den Stehtischen, blau-weiß geringeltes Shirt“. Ich drückte auf `senden´. Ok, gleich würde ich sie persönlich treffen. Anja. Anja, die ich bisher nur aus dem Internet kannte und mit der ich – zumindest schriftlich – auf einer Wellenlänge war. Ob wir uns nicht mal „live und in Farbe“ begegnen wollten, hatte sie mich via facebook gefragt, als klar war, dass wir Beide auf der Messe `Leben und Tod´in Bremen sein würden. Und ich hatte aus vollem Herzen zugestimmt.

Denn mal ehrlich: ich war ja auch neugierig. Neugierig, wer denn wohl hinter diesem besonderen Blog „…ein Stück untröstlich“ steckt. (Hier gehts lang zu Anjas Blog!) Wie ist die Frau, die dort ihre Trauer öffentlich teilt und so vielen anderen aus den trauernden Herzen schreibt, ihnen Mut macht und ein Stück zur Seite steht.

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Wir machten es uns auf einem der Sofas in der Lese-Ecke bequem und… kamen sofort ins Gespräch. Und einiges davon möchte ich hier gerne mit Euch teilen. (Ja, Anja weiß davon und hat zugestimmt! 🙂 )

Dass mit dem Schreiben hat Anja erst in der Trauer um ihren Mann für sich entdeckt. Anfangs waren es „nur“ die sogenannten Morgenseiten, in denen sie sich alles von der Seele geschrieben hat. Bis sie dem Aufruf von Silke Szymura gefolgt ist und den Gastbeitrag „Darf ich bitte trotzdem Witwe sein“ geschrieben hat (hier ist der Link dazu!). Das erste Mal hinaus ins weite Netz. Mit ihren Erfahrungen, Gefühlen, all dem Schmerz.

„Ich wollte das laut und öffentlich kundtun“, erzählt sie mir. Und genau so entstand dann auch ihr Blog „…ein Stück untröstlich“. Das war 2017 und inzwischen werden Anjas Beiträge nicht nur von zahlreichen LeserInnen geschätzt, sondern sie selbst sagt, dass sich u. a. durch das Schreiben vieles gewandelt und sich daraus eine faszinierende Entwicklung ergeben hat.

Eine, dieser Entwicklungen ist: Anjas Blog gibt es nun auch als Buch. Ein Buch, mit dem für sie ein Kapitel abgeschlossen und das zugleich ein Meilenstein ist. (Ich lese es gerade und werde Euch noch gesondert davon erzählen)

Ein Satz ist mir aus diesem bereichernden Gespräch sehr im Gedächtnis geblieben: „Bei allem was du verlierst, gewinnst du auch etwas. Du musst deinen Blick weiten.“

Liebe Anja, ich danke Dir für dieses Gespräch und ich freue mich, dass wir uns persönlich begegnet sind! ❤

Teil 1 meines Messebesuchs findet Ihr hier und Teil 2 hier!

Beerdigungs-Clown und Bestattungs-Spielzeug – ein Besuch auf der Messe `Leben und Tod´in Bremen (Teil 2)

Teil 1 meines Messe-Berichts findet Ihr hier und Teil 3 hier!

Nachdem ich meinen Highlights des diesjährigen Vortragsprogramms gelauscht und zudem schon die ersten tollen Begegnungen hatte, machte ich mich daran, durch die Halle zu stromern und mir das Angebot an den Ständen anzuschauen. Einiges kannte ich bereits vom vergangenen Jahr, aber es war auch viel Neues dabei. Besonders gut gefiel mir:

Bestattungs-Spielzeug

Kinder können sich heutzutage in die unterschiedlichsten Welten hinein spielen: sie können als Ritter Drachen erlegen, Prinzessin im eigenen Schloss sein, im Operationssaal stehen und operieren. Es gibt unzählige Möglichkeiten. Und einige davon können dabei behilflich sein, Kindern die Welt zu erklären.

Auf der Messe stand ich nun auf einmal dem Erfinder des Bestattungs-Spielzeug an seinem Stand gegenüber. Der Niederländer Richard Hattink ist Trauerpädagoge und bietet mit seinem Angebot eine Möglichkeit, Kindern den Tod auf spielerische Art näher zu bringen. Ihr ahnt es wahrscheinlich schon: ich war hin und weg von dem kleinen Friedhof, der Trauerhalle, dem Sarg und den passenden Figuren. Alles übrigens von der Marke Lego. Eine Welt zum be-greifen.

Und dazu dieser aufgeschlossene, sympatische Mann, bei dem ich mir nur allzu gut vorstellen kann, wie er Kindern dieses Thema – das oft durch die Erwachsenen tabuisiert wird – nahe bringt.

Schaut Euch doch einfach mal hier auf seiner Webseite um!

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Eifeler Urnen-Manufaktur

„Urnen aus Laubhölzern der Vulkaneifel“ – so steht es auf der Eingangsseite der Webseite. Die Zeit der „Einheitsurnen“ ist längst Geschichte. Heutzutage besteht auch hier die Möglichkeit der individuellen Gestaltung. Und wer – so wie ich – ein Holz-Fan ist, der sollte sich doch unbedingt diese wunderschön gestalteten Urnen anschauen. Handarbeit von A-Z.

Auf der Webseite (die Ihr hier findet) gibt es übrigens einen interessanten Einblick in die Werkstatt.

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Waterurn BV

Ich bleibe noch einmal beim Thema `Individuelle Urnen´. Dieses Angebot kommt aus den Niederlanden (hier findet Ihr die Webseite, die allerdings auf holländisch ist, aber die Anbieter sprechen auch Deutsch – habe ich getestet! 😉 ) Die Technik des Ganzen habe ich ehrlich gesagt nicht so richtig verstanden, ich war einfach zu fasziniert davon, wie wunderschön sich diese Urnen z. B. in einem Garten integrieren lassen. Wobei man sich dafür die Asche des Verstorbenen aushändigen lassen müsste, was in Deutschland bisher nur im Bundesland Bremen möglich ist. Oder – so der Anbieter – man lässt die Kremierung in Holland vollziehen und bekommt sie dann. Wobei ich persönlich bisher nie den Wunsch hatte meine lieben Verstorbenen bei mir im Garten zu haben.

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Beerdigungs-Clown

„Die schwere Decke der Trauer etwas anheben“, so steht es auf dem Flyer von Kaala Knuffl (alias Birgit Sauerschell), der Beerdigungs-Clownin. Mit ihrer in rot und schwarz gehaltenen Clowns-Gewandung hat sie meinen Blick sofort angezogen. Einen Clown auf einer Beerdigung? Das hat mich neugierig gemacht.

Ich hatte ein sehr interessantes Gespräch mit Kaala Knuffl und konnte mir sofort gut vorstellen, bei einer Trauerfeier mit ihr ganz neue Wege zu gehen. Denn ein Clown ist eben mehr als der Spaßmacher im Zirkus. Auch in Krankenhäusern gibt es ja schon lange die Klinik-Clowns, die dort hervorragende und wichtige Arbeit leisten.

„Poesie am Grab“ – „Erleichternde Hoffnung“ – „Ein Mittler zwischen Tod und Leben“. Schaut doch einfach mal auf ihrer Website vorbei, die Ihr hier findet!

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Friedhofsgeflüster

Eine hochgewachsene Frau, ganz in Schwarz mit Korkenzieherlocken. Es ist die „Schwarze Witwe“, die von Dr. Anja Kretschmer verkörpert wird. In einer Gewandung aus dem 18. Jahrhundert bietet sie Führungen über Friedhöfe in ganz Deutschland an, bei denen die ZuhörerInnen jede Menge über alte Traditionen rund um das Thema Tod erfahren.

Neben einem Flyer mit etlichen Terminen erhalte ich auch noch einen Leichenbitter, einen selbst gemachten Kräuterschnaps, den die Messe-BesucherInnen auch als Mitbringsel käuflich erwerben können. Als kleinen Eindruck habe ich im Nachhinein noch hier auf der Webseite gestöbert und mir hier einen kleinen Film angeschaut. Und im September kann ich die „Schwarze Witwe“  auf dem Engesohder Friedhof in Hannover dann auch live erleben.

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Dies ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt der zahlreichen Stände auf der Messe. Zusätzlich gibt es Möglichkeiten, sich über Hospiz- und Palliativarbeit, über Patientenverfügungen, Sterbe- und Trauerbegleitung und vieles mehr zu informieren. Und all dies in einem lockeren Rahmen, in dem es – zumindest mir – leicht fällt, ins Gespräch zu kommen.

Erwähnenswert ist noch die Ausstellung „Gemeinsam unterwegs“, die Bilder des Langeooger Inselmalers Anselm zeigte mit Zitaten aus Liedern von Rolf Zuckowski. Wunderschöne Bilder, die ich mir lange angeschaut habe. Bei Interesse findet Ihr diese und andere auf der Seite des Inselmalers (hier).

Der 3. und letzte Teil meines Messe-Berichtes folgt in den nächsten Tagen und handelt von einer besonderen Begegnung.

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