Bin ich ein Gewohnheits-Tier?

Seit über 20 Jahren wohnen wir auf dem Land. Mit eigenem Garten. Und in dem gibt es Rasen. Naja, eher Moos mit Gras. Es ist eben ein Wald-Grundstück, was wir wunderschön finden und einfach Naturnah lassen. Aber auch das Gras muss hin und wieder gemäht DSC_0045 - Kopiewerden. Und das ist meist meine Aufgabe. Ich mache das gerne. Als Autorin, die einen Großteil ihrer Arbeitszeit am Schreibtisch verbringt und sich so manchen Tag fragt: „Habe ich überhaupt IRGENDETWAS geschafft“, ist es eine Wohltat, mit dem Mäher über das Grundstück zu knattern und SOFORT Ergebnisse zu erzielen.

Vor ein paar Tagen war es nun wieder soweit. Das Gras trocken genug und der Blick in den Himmel überzeugte mich davon, dass es auch so bleiben würde. Also, rein in Jeans und Turnschuhe und raus in die Garage, um den Rasenmäher zu holen. Die Garage… Moment. Da war doch was. Ach ja, wir haben sie vor eineinhalb Wochen abreißen lassen, das olle, marode Teil.

Na gut, auf dem Absatz kehrt gemacht und Marsch hin zu der neuen Gartenhütte, wo wir nun unsere Gerätschaften aufbewahren. Nach einem kleinen Kampf mit der noch schwer gängigen Tür, zerrte ich den Rasenmäher heraus. Nun noch das Kabel, dann anschließen… och nee, noch ein Problem. Die Steckdose, die ich sonst benutzt habe, ist mitsamt der Garage verschwunden.

Aber selbst ist die Frau, fand ich selbstverständlich auch dafür eine Lösung. Triumphierend schaltete ich bald darauf den Rasenmäher an, ließ ihn kurz rattern, während ich mich irritiert umschaute und dann den Motor wieder ausgehen ließ. Ich war der Verzweiflung nahe, raufte mir die Haare. Nachdem ich alle Problemchen aus dem Weg geräumt hatte, stolperte ich nun gedanklich über die wirkliche Problematik: ich stand nicht wie sonst zu Beginn VOR, sondern HINTER dem Haus. Das bedeutete, ich musste nun ganz andere Mäh-Wege fahren. Mir eine neue Routine anschaffen. Meine Jahrzehntelangen Mäh-Gewohnheiten ändern. Einen Moment überlegte ich, ob ich damit nicht doch überfordert bin.

Ihr lest schon: ich übertreibe ein klitzekleines Bisschen… Aber habt Ihr das nicht schon selber erlebt? Jemand will Euch helfen die Geschirrspülmaschine einzuräumen, macht es aber nicht richtig. Ein Gast setzt sich auf den Platz auf dem Ihr IMMER sitzt. Ihr fahrt bei Freunden mit und die fahren zu Eurem Lieblings-Restaurant einen ganz anderen Weg, als ihr es gewohnt seid.

Wie ist das denn nun mit Gewohnheiten? Sind sie spießig? Öde? Ist man deswegen langweilig?

Bei Wikipedia steht dazu folgendes: Als Gewohnheit (auch Usus, lat. uti „gebrauchen“) wird eine unter gleichartigen Bedingungen entwickelte Reaktionsweise bezeichnet, die durch Wiederholung stereotypisiert wurde und bei gleichartigen Situationsbedingungen wie automatisch nach demselben Reaktionsschema ausgeführt wird, wenn sie nicht bewusst vermieden oder unterdrückt wird. Es gibt Gewohnheiten des Fühlens, Denkens und Verhaltens.

Tja, irgendwie finde ich mich da schon mit einigem wieder. Aber ehrlich geschrieben, finde ich das gar nicht schlimm. Zumindest so lange, wie ich nicht dazu verdammt bin, für ewig an jeder Gewohnheit (auch an denen die ich gerne loswerden möchte) fest zu halten.

Und genau darum mache ich hin und wieder einfach mal etwas anders. Teils sind das Kleinigkeiten, wie z. B. morgens wenn ich das Haus lüfte, öffne ich die Fenster in unterschiedlicher Reihenfolge. Hört sich merkwürdig an, aber anfangs war es durchaus ein schräges Gefühl. Wenn ich Ziele regelmäßig ansteuere, dann tue ich dies gern über unterschiedliche Wege. Auch meinen Tagesablauf – soweit möglich – gestalte ich hin und wieder mal anders: nach dem aufstehen einfach mal eine Runde Yoga. Oder vor dem Frühstück schon mal eine Viertelstunde E-Mails beantworten. So bleibe ich ein wenig flexibel, was mir persönlich gut tut.

Und trotz allem hat mich das mit dem veränderten Mäh-Weg durcheinander gebracht… vielleicht sollte ich doch noch mehr an meiner Flexibilität arbeiten. Andererseits geben mir Gewohnheiten auch einfach Sicherheit und sie vereinfachen vieles. Und das ist auch nicht zu verachten.

Wie handhabt Ihr es mit Gewohnheiten? Liebt oder verabscheut Ihr sie? Ich bin gespannt!

Störtebeckerstraße? Klingt gut!

Die April-Sonne lacht vom blauen Himmel herunter, der Wind zerzaust meine Haare und hinterlässt auf meinen Lippen einen Hauch von Salz. Gemütlich trete ich in die DSC_0237Pedale meines gelben Leih-Fahrrads, das brav die Straße am Hafen von Langeoog entlang rollt. An der nächsten Kreuzung sehe ich ein Straßenschild: Störtebeckerstraße – ja, das klingt gut. Mit einer fließenden Bewegung biege ich in die Straße ein, ohne zu wissen wo genau sie mich hinführt.

Wann hattet Ihr das letzte Mal die Gelegenheit, nur das zu tun worauf Ihr Lust habt? Eure eigenen Wege zu gehen oder zu fahren. Einfach mal so lange wie ihr wollt auf dem Sofa, einer Bank mit Blick aufs Wasser, in einem Café bei ein, zwei, drei Tassen Kaffee sitzen und ein gutes Buch lesen oder einfach die Gegend und die anderen Menschen zu beobachten.

Eine Woche Auszeit auf der „Insel fürs Leben“, auf Langeoog. Ursprünglich als Schreib-Woche angedacht, um ein neues Projekt auf den Weg zu bringen, aber eben auch, um 24 Stunden des Tages nach belieben zu nutzen, zu genießen oder auch gemütlich an mir vorbeiziehen zu lassen.

In meinem Alltag bin ich ein absoluter Planungsmensch: es gibt einen Jahresplan und der wird dann auf die Monate, Wochen und Tage herunter gebrochen. Nur so gelingt es mir, meine Ziele – sei es bei meiner Arbeit als Autorin, beim Sport oder schlicht bei der Haus- und Gartenarbeit – zu erreichen. Denn selbstständig zu sein, bedeutet eben auch immer sich selbst zu organisieren, motivieren, anzutreiben.

Tja, und vor all diesen Planungen hat sich dann irgendwann meine Muse und auch meine Spontanität versteckt. Denen war das einfach zuviel. Zu viele Listen, Kalender, Einträge… na eben alles was so zum planen dazu gehört.

Und daher sollte es genau dies für meine Insel-Zeit nicht geben. Alles kann, nichts muss sozusagen. Anfangs stand ich auch prompt ein wenig wie bestellt und nicht abgeholt herum. Doch dann begann ich in mich hinein zu horchen: „Hey Nicole, worauf hast du WIRKLICH Lust?“

Herausgekommen ist eine Vielfalt, die ich nicht erwartet hatte: lange Strandspaziergänge, Radtouren, Fototouren, gemütliches in der Ferienwohnung sitzen und lesen – wobei ich mein Buch sowieso überall mit hingeschleppt habe – ich bin essen gegangen, war im Kino und ja, ich war sogar kreativ und zwar kreativer als all die Monate zuvor. Sogar mit Schere und Klebestift habe ich nach Ewigkeiten mal wieder hantiert.

Und, ja eben diese spontanen Entscheidungen, die ich Tag für Tag gefällt habe. Wie eben in der Nähe vom Hafen, als ich einfach so in die Störtebeckerstraße eingebogen bin. Ohne zu wissen, wann ich wohl wieder in der Ferienwohnung oder sonstwo sein würde. Weil es einfach nur ums wohlfühlen ging.

Nun ist mir natürlich klar, dass nicht Jeder mal eben eine längere Auszeit nehmen kann, aber ich werde das auch im kleinen Zuhause weiterführen. Einfach hin und wieder einen Tag raus aus allem. Ohne ständig ans Handy zu gehen, Nachrichten bei Social Media zu verteilen oder sich um die Hausarbeit zu kümmern. Und wer auch dafür keine Zeit hat, der kann es doch auch Stundenweise versuchen, denn mal ehrlich: da geht doch Qualität vor Quantität.

Und wer weiß, vielleicht erreiche ich künftig meine Ziele auch mit weniger Planung und mehr Spielraum für Spontanes. Versuchen werde ich es auf jeden Fall!

Könnt ihr auch den Frühling riechen?

Lorelei Gilmore kann den Schnee riechen. Dieses kleine Detail aus der von mir sehr geliebten Serie „Gilmore Girls“ ist mir von Anfang an im Gedächtnis geblieben. Warum? Kann ich etwa ebenso wie Lorelei den ersten Schneefall des Winters voraussagen? Nein, aber ich konnte es so gut nach empfinden, weil es mir mit dem Frühling ähnlich geht.

Der Start in meine persönlichen Frühlingsgefühle hat nichts mit dem Datum zu tun. Oder mit den ersten Krokussen in meinem Garten. Oder den wunderschönen, inzwischen blühenden Forsythien. Mein Frühlings-Herz schlägt schneller, wenn die ersten Felder umgepflügt und für das säen vorbereitet werden.

Genau dann riecht es nach der aufgebrochenen dunklen Erde, die nach dem Winter erst einmal tief durchzuatmen scheint. Wie in meiner Kindheit – da ich in der Stadt aufgewachsen bin, hatte ich nicht allzu oft Gelegenheit dazu, während ich heute die Felder fast vor der Haustür habe – hocke ich dann am Feldrand und wühle mich mit den Fingern tief hinein, pflüge sozusagen ein wenig nach. Und dann – ja, dann ist für mich wirklich der Frühling da.

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Mal raus aus dem Hamsterrad

Habt Ihr schon einmal gesehen, wie ein Hamster in seinem Rad läuft und läuft und läuft? Auf den ersten Blick sieht das ja irgendwie niedlich und witzig aus. Nur leider ist es das nicht. Denn wie es oft bei den anfangs so geliebten Haustieren ist: plötzlich lässt das Interesse an ihnen nach und Putzi, Wutzi oder auch Mausi fehlt es an Beschäftigung, Liebe, Abwechslung… vor allem, wenn es sich wie bei Hamstern um Einzelgänger handelt und man sie nicht mal eben damit abspeisen kann, ihnen einen Gefährten in den ohnehin schon zu engen Käfig zu setzen.

Aber an dieser Stelle wollte ich eigentlich gar nicht mit erhobenem Zeigefinger auf vermeintliche Tierfreunde zeigen. Nein, mir geht es um das Hamsterrad. Oder vielmehr möchte ich es als Metapher für den Alltag unzähliger Menschen nutzen.

Da tauchen bei Euch gleich Bilder von Eurem Alltag auf? Wie Ihr jeden Morgen zur selben Zeit aufsteht, im Vorbeigehen frühstückt, die Yoga Übungen aufgrund akuten Zeitmangels auf irgendwann verschiebt und Euch dann in das tägliche Einerlei stürzt?

Na gut, so dramatisch muss es ja nicht sein. Aber oft schlagen die Wellen des Alltags eben doch gnadenlos über uns zusammen und wenn wir nicht hin und wieder das Rad – um wieder bei dem niedlichen, vernachlässigten Hamster zu bleiben – einmal stoppen, dann verpassen wir nicht nur so einiges im Leben, sondern riskieren im schlimmsten Fall sogar krank zu werden.

Genau aus diesem Grund habe ich mir für 2018 vorgenommen, öfter mal unterwegs zu sein. Raus zu gehen, über den Tellerrand zu schauen, den Horizont zu erweitern, mir Zeit für mich zu nehmen. Nennt es, wie Ihr wollt.

Nun war mein „mal rauskommen“ in der vergangenen Woche gleich etwas „größer“. DSC_0172Berlin hieß mein Reiseziel. Vier Tage habe ich gemeinsam mit meinem Mann in dieser Stadt verbracht, die mich immer wieder aufs neue in ihren Bann zieht. Und natürlich werde ich darüber noch ein, zwei Beiträge schreiben.

Worauf ich jedoch mit diesem Beitrag hinaus will: nach meiner Auszeit bin ich voller Motivation, Energie und mit neuen Ideen heimgekehrt. Und ich konnte es kaum abwarten, mich wieder in meine Schreib-Welten zu stürzen. Was vor der Reise noch ganz anders aussah…

Klar, man kann nicht immer einfach so eine Reise machen. Oft fehlt das Geld oder auch die Zeit. Für mich bedeutet daher „mal rauskommen“ auch, kleinere Unternehmungen zu machen. Ich interessiere mich z. B. für historische Gebäude. Eine Ausstellung mit Fotos DSC_0024von Kirchen aus meiner Umgebung brachte mich darauf, diese Kirchen zu besuchen und selber Fotos zu machen. Finanziell bedeutet das, dass ich die Spritkosten zahlen muss und das zeitliche umfasste bei den Besuchen, die ich bisher gemacht habe jeweils rund zweieinhalb Stunden. Also etwas, das ich durchaus in meinen Alltag einbauen kann.

Und wenn ich danach wieder in mein „Hamsterrad“ steige, dann tue ich das mit deutlich mehr Elan und ja, manchmal bin ich dann sogar so übermütig, dass ich einfach mal in die andere Richtung drehe.

Was macht Ihr, wenn der Alltag mal eintönig ist oder Ihr das Gefühl habt, immer nur sinnlos im Kreis zu rennen? Schreibt mir doch gerne in die Kommentare, was Ihr für Ideen habt! Vielleicht ist ja das eine und andere dabei, dass ich auch einmal ausprobieren kann.