Landpartie Nienburg – viel schöner, als gedacht!

Jedes Jahr von Frühling bis zum Herbst hängen bei uns in der Gegend grüne Plakate. Dann weiß ich: Aha, hier wird wieder für die Landpartien im Umkreis geworben. Vor meinem geistigen Augen sah ich früher Stände mit Keramik, Frauen mit großen Hüten und leicht blasierten Gesichtsausdrücken und Menschen, die Dinge kaufen, die sie zuhause in die Ecke stellen und vollstauben lassen. Es lebe das Klischee!

Vor zwei Jahren fragte mich dann eine Freundin, ob ich nicht mit ihr zur Landpartie auf dem Klostergelände Schinna gehen wollte. Ok, dachte ich, sollten mir die oben genannten Klischees begegnen, könnte ich mich zumindest auf dem Gelände umschauen – schließlich bin ich erklärter Kirchen- und Klostergebäude Fan – und einen Tag mit meiner Freundin genießen. Wie es mir gefallen hat? Tja, dieses Jahr kam der Vorschlag von mir…

Allein die Location – so sagt man doch heute?! – ist einen Besuch wert. Unter alten Bäumen, inmitten der historischen Gebäude gibt es zahlreiche Stände, die von Obst und Brot über Gewürze bis hin zu Kleidung und Dekoration alles anbieten.

Was ich besonders mag, ist das herum schlendern, schauen, auch mal ins Gespräch kommen. Wie z. B. am Stand des Bremer Gewürzhandels, wo es die unterschiedlichsten Gewürzmischungen und Leckereien wie Wasabi Erdnüsse gibt. Worüber Frau dann auch gleich ins Gespräch kam und die Stand Inhaberin uns sagte, man müsste die Nüsse ganz rasch zerkauen und nicht lutschen. Warum? Ganz einfach: ansonsten brennt die Zunge höllisch vom Wasabi, was nur durch das vermischen mit der Erdnuss verhindert werden kann. Und dann ist es wirklich superlecker!

Lange standen wir auch am Info Stand des Kinderhospiz Löwenherz. Eine gute Gelegenheit, sich hier einmal schlau zu machen. Und wer es nicht kennt: dort werden Familien mit todkranken Kindern aufgenommen und es wird sich im Pflegeverhältnis 1:1 um sie gekümmert. Leider gibt es aktuell zu wenig Fachkräfte, die dort arbeiten wollen, so dass einige der Plätze leider nicht besetzt werden können. Dabei gibt es eine Warteliste von Familien, die diese Plätze dringend benötigen würden. Am 22. September 2018 gibt es einen Tag der offenen Tür. Vielleicht eine Möglichkeit, Berührungsängste abzubauen. Bei Interesse einfach mal hier klicken.

Ansonsten haben wir an diesem sonnigen Tag in aller Ruhe die unterschiedlichsten Angebote bestaunt, uns wunderschöne Kerzenständer, leckere Aufstriche und besagte Gewürzmischungen gekauft. Auch das leibliche Wohl kam nicht zu kurz: draußen sitzen und Flammkuchen mit Spinat und Käse, geräucherte Kartoffeln – sogenannte Rökjes – mit Lachs essen und hausgemachte Mango Lassi genießen.

Nicht zuletzt ist es auch immer spannend, die Besucher zu beobachten und ja, es gibt sie, die Frauen mit den großen Hüten, die so elegant wie möglich über das unebene Gelände stöckeln. Aber hauptsächlich sind es Menschen, die so wie wir einfach die Landpartie genießen. Und damit Ihr einen Eindruck bekommt: hier ein paar Impressionen!

Ach ja… vom 06. – 09. September 2019 findet die nächste Landpartie Nienburg, Kloster Schinna bei Stolzenau statt. Ich werde bestimmt dabei sein!

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Es ist Sonntag

Es ist Sonntag. Einfach so. Keine To-Do-Liste, die darauf wartet, dass ich Schreib-, Haus- DSC_0037und Gartenarbeiten erledige und abhake. Keine Termine, die mich in ein Zeit-Korsett zwängen. Auch die sportlichen Aktivitäten lasse ich heute hinten über fallen. Yoga. Walken. Step Aerobic. All das kann warten.

Denn heute ist Sonntag. Passend scheint die Sonne, der Himmel ist blau. Hin und wieder zieht friedlich ein Watteweißes Wölkchen vorbei. Der Wind rauscht durch die Bäume, lässt die Birken im Garten einen gemütlichen Walzer tanzen.

Sonntag. Der 7. Tag der Woche. Der Tag, der die Woche abschließt und in dessen Verlauf sich oftmals der Gedanke an den folgenden Montag, den Start in die nächste Woche, in mein Denken einschleicht.

Es ist Sonntag. Zeit, dass Fahrrad hervor zu holen und beim radeln still die Natur zu genießen. Zeit, mein Buch zu Ende zu lesen und mich danach auch noch in eine aktuelle Zeitschrift zu vertiefen. Ich lese von Urlauben in einem Bulli und beginne selbst zu träumen, meine Gedanken auf reisen zu schicken. Abschalten. Kraft tanken. Genießen. Wohlfühl-Erinnerungen sammeln.

Manchmal möchte ich an solchen (Sonn) Tagen, die Zeit anhalten. Die Momente festhalten und nur noch ein wenig länger verweilen. Doch dann lasse ich los mit dem Wissen, dass es wieder solche Tage geben wird. Freie Tage mit dem Sonntagsgefühl.

Männer weinen nicht

In dieser Woche hocke ich abends gemütlich mit meinem Mann auf dem Sofa, während im Fernsehen die Leichtathletik Europameisterschaft gezeigt wird, die derzeit in Berlin stattfindet. Ja, ich liebe es, mir einige Tage lang die unterschiedlichsten Wettkämpfe anzuschauen – wobei das Thema Doping mir in den vergangenen Jahren immer mal wieder die Stimmung verhagelt hat – mit den Athleten mitzufiebern und sie lautstark anzufeuern.

Am Mittwoch Abend fand das Finale des Zehnkampfs der Männer statt. Zwei Tage sportelten die Athleten bei bis zu 40 ° um die Wette. Und ja, es waren auch deutsche Teilnehmer dabei. Mit einem habe ich besonders mitgefiebert: Arthur Abele. Mit seinen 32 Jahren gehört er inzwischen sozusagen zu den „Senioren“ und wer seine sportliche Geschichte ein wenig kennt, wundert sich vielleicht, dass er überhaupt noch dabei ist. Immerhin wurde er Jahrelang immer wieder durch Verletzungen im Training zurück geworfen. Da nützt dann auch die größte Disziplin oder ein überragendes Talent nichts. Und obwohl viele ihm abgeraten haben, hat er selbst nach einer Wettkampfpause von vier Jahren (verletzungsbedingt) noch einmal angegriffen.

Und dieses Jahr nun endlich sein großer Moment. Nach der letzten Disziplin, dem 1.500 Meter Lauf ist es glasklar: Arthur Abele ist der Europameister der Zehnkämpfer im Jahre 2018. Die Zuschauer bejubeln ihn, ich hopse auf dem Sofa herum und Arthur Abele… weint. So richtig. Nicht ein verkniffenes Tränchen. Er weint vor Freude, Erleichterung, weil der Druck von ihm abfällt…

Ich bin gerührt und greife ebenfalls nach dem Taschentuch, schnaube mir die Nase und wische die Tränen von den Wangen. Und höre, wie der Kommentar darüber spricht, das Arthur Abele weint. Erklärend, beinahe entschuldigend hört sich das in meinen Ohren an.

Hallo?!, denke ich, leben wir noch in der Steinzeit?? In der Zeit, als es hieß: Männer weinen nicht!? Oder: ,Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Und all diesen Mist. Offensichtlich. Mit wachsendem Ärger höre ich zu, wie der Kommentator weiter erklärt und macht und tut.

Spontan springen meine Gedanken zu meinem ersten Ausbildungs-Wochenende zur Trauerbegleiterin in Hamburg. Ich denke daran, wie Teilnehmerinnen davon erzählen, wie schwierig es für Männer oftmals ist zu, trauern. Dass sie sich ihrer Gefühle schämen. Dass Männer doch nicht weinen, dass sie stark sein müssen. Und wie schwierig es ist, in der Trauerbegleitung ein Türchen in diesen so fest gebauten Mauern zu finden.

Ja, ich hatte gedacht, wir – die Menschen, egal ob Männer oder Frauen – wären da heutzutage schon weiter. Und an vielen Stellen sind wir es ja auch. Aber hier ist nach wie vor etwas stecken geblieben. Gerade kürzlich erzählte eine junge Mutter mir, dass der Vater ihres Sohnes gesagt hätte, sie sollte ihn nicht immer gleich trösten, wenn „mal was ist“. Sonst würde er zu weich werden. Glücklicherweise ist sie da anderer Auffassung und wird sicherlich einen Weg finden. Aber mal ehrlich: wie traurig ist das denn?!

Vor Ewigkeiten hat ja Herbert Grönemeyer schon über Männer gesungen („Männer weinen heimlich…“) und als ich vorhin bei Google „Männer weinen nicht“ eingegeben habe, ist mir ein Lied angezeigt worden von Adesse feat. Sido mit genau diesem Titel. Und der Text trifft den Nagel auf den Kopf („Sie schreien den Schmerz in sich hinein“ lautet eine Zeile). Hört es Euch einfach mal an (klick) und lest gerne auch mal die Kommentare darunter…

Hier mein ganz persönlicher Aufruf an meine Mitmenschen, egal ob Frauen oder Männer: weinen ist voll ok. Zeigt Gefühle, seid empathisch. Denn das macht uns menschlich!

Und: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH dem Europameister der Zehnkämpfer 2018, Arthur Abele!

Ich bin dann mal schwach

Menschen müssen stark sein. Tough nennt man das heute wohl. Alles schaffen, mit links  DSC_0009– im Notfall auch rechts – erledigen. Per WhatsApp, Instagram, Twitter ständig up to date und selbstverständlich erreichbar sein. „Muss nur noch kurz die Welt retten“ singt ja passenderweise auch Tim Bendzko.

Schwäche ist verpönt. Da brauchen wir uns nichts vor zu machen. Psychische Instabilität, Depressionen – lieber nicht. Am besten damit hinter dem Berg halten, sich verstecken, bis man wieder funktioniert.

Ich bin schwach.

Seit Wochen schon. Und ich finde nicht, dass man „das“ bzw. sich deshalb verstecken muss. Ja, manchmal falle ich in tiefe, schwarze Löcher. Und es ist verdammt mühsam da wieder raus zu kriechen. Glücklicherweise habe ich Menschen, die mir Rettungsseile, Strickleitern zuwerfen, mir ein Licht in der Dunkelheit anzünden. Trotzdem kann ich nicht einfach einen Schalter umlegen und dann SWITCH ist es wieder gut.

Und überhaupt: was bedeutet schon „es ist wieder gut“. Menschen fühlen sich nun mal aus den unterschiedlichsten Gründen manchmal echt Scheiße. Allein. Traurig. Wir müssen nicht immer lachen und fröhlich sein. Weinen erleichtert. Lachen übrigens auch. Also warum nicht beides zulassen?

Tja, aber obwohl ich hier nun offen darüber schreibe, ist es doch Tatsache, dass ich mich in den vergangenen Wochen versteckt habe. Vor dem, was ich tun muss, tun sollte, vor meinen Mitmenschen, ja teilweise sogar vor Freunden. Aber ich finde das in Ordnung. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich solche Phasen habe. Dass ich sie manchmal wirklich brauche, um mich neu zu sortieren. Und – besonders wichtige Erfahrung – ich weiß, dass es bei mir wieder besser wird. Dass es Licht am Ende des Tunnels gibt. Oder am Horizont. Oder so.

Also krabbele ich auch dieses mal Schritt für Schritt zurück ins Leben. Und ich weiß, dass ich hinterher wieder ein Stück stärker bin. Und DIESES stärker sein tut mir gut und fühlt sich richtig an.

Die Lust am Sommer-Regen

Ich liebe es, im Regen spazieren zu gehen. Und jetzt im Sommer ist es nochmal so schön, denn selbst wenn ich klitschnass werde, friere ich nicht. In den vergangenen Wochen war es meist sonnig und trocken. Sehr trocken. Unsere Teich Frösche waten mittlerweile durch Schlamm, anstatt im Wasser zu plantschen.

Aber heute Morgen weckte mich das prasseln von Regentropfen auf unserem DSC_0561Dachfenster. Gemütlich kuschelte ich mich noch ein paar Minuten unter die Decke, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und beobachtete, wie die Tropfen auf die Scheibe platschten und dann die Schräge hinunter rutschten. Wie Kinder auf einem Spielplatz.

Und dann hielt mich nichts mehr. Rein in die Klamotten, kurz zwischen Tür und Angel die Zähne geputzt und dann nichts wie raus. Spontan verlängerte ich meine übliche Morgenrunde, hielt mein Gesicht in den warmen Sommer-Regen, patschte durch Pfützen wie früher als kleines Mädchen und beobachtete, wie Tropfen über grün leuchtende Blätter liefen, wie sie auf dem sandigen Boden sich zu Pfützen zusammen taten.

Nach nur wenigen Minuten klebte mir die Jeans auf der Haut fest, durch meine Brille konnte ich kaum noch sehen und ich sang laut: „I´m singing in the rain“.

Als ich später zuhause im Radio den Moderator sagen hörte, dass es ja sooo schade sei, dass der kalendarische Sommerbeginn mit einem Regentag startete, schaltete ich aus, tanzte übermütig ein paar Schritte und begann erneut zu singen: „I´m siiiiiiingin in the rain. Yes, singing in the rain. What a glorious feeling. I´m haaappy again!“

Bin ich ein Gewohnheits-Tier?

Seit über 20 Jahren wohnen wir auf dem Land. Mit eigenem Garten. Und in dem gibt es Rasen. Naja, eher Moos mit Gras. Es ist eben ein Wald-Grundstück, was wir wunderschön finden und einfach Naturnah lassen. Aber auch das Gras muss hin und wieder gemäht DSC_0045 - Kopiewerden. Und das ist meist meine Aufgabe. Ich mache das gerne. Als Autorin, die einen Großteil ihrer Arbeitszeit am Schreibtisch verbringt und sich so manchen Tag fragt: „Habe ich überhaupt IRGENDETWAS geschafft“, ist es eine Wohltat, mit dem Mäher über das Grundstück zu knattern und SOFORT Ergebnisse zu erzielen.

Vor ein paar Tagen war es nun wieder soweit. Das Gras trocken genug und der Blick in den Himmel überzeugte mich davon, dass es auch so bleiben würde. Also, rein in Jeans und Turnschuhe und raus in die Garage, um den Rasenmäher zu holen. Die Garage… Moment. Da war doch was. Ach ja, wir haben sie vor eineinhalb Wochen abreißen lassen, das olle, marode Teil.

Na gut, auf dem Absatz kehrt gemacht und Marsch hin zu der neuen Gartenhütte, wo wir nun unsere Gerätschaften aufbewahren. Nach einem kleinen Kampf mit der noch schwer gängigen Tür, zerrte ich den Rasenmäher heraus. Nun noch das Kabel, dann anschließen… och nee, noch ein Problem. Die Steckdose, die ich sonst benutzt habe, ist mitsamt der Garage verschwunden.

Aber selbst ist die Frau, fand ich selbstverständlich auch dafür eine Lösung. Triumphierend schaltete ich bald darauf den Rasenmäher an, ließ ihn kurz rattern, während ich mich irritiert umschaute und dann den Motor wieder ausgehen ließ. Ich war der Verzweiflung nahe, raufte mir die Haare. Nachdem ich alle Problemchen aus dem Weg geräumt hatte, stolperte ich nun gedanklich über die wirkliche Problematik: ich stand nicht wie sonst zu Beginn VOR, sondern HINTER dem Haus. Das bedeutete, ich musste nun ganz andere Mäh-Wege fahren. Mir eine neue Routine anschaffen. Meine Jahrzehntelangen Mäh-Gewohnheiten ändern. Einen Moment überlegte ich, ob ich damit nicht doch überfordert bin.

Ihr lest schon: ich übertreibe ein klitzekleines Bisschen… Aber habt Ihr das nicht schon selber erlebt? Jemand will Euch helfen die Geschirrspülmaschine einzuräumen, macht es aber nicht richtig. Ein Gast setzt sich auf den Platz auf dem Ihr IMMER sitzt. Ihr fahrt bei Freunden mit und die fahren zu Eurem Lieblings-Restaurant einen ganz anderen Weg, als ihr es gewohnt seid.

Wie ist das denn nun mit Gewohnheiten? Sind sie spießig? Öde? Ist man deswegen langweilig?

Bei Wikipedia steht dazu folgendes: Als Gewohnheit (auch Usus, lat. uti „gebrauchen“) wird eine unter gleichartigen Bedingungen entwickelte Reaktionsweise bezeichnet, die durch Wiederholung stereotypisiert wurde und bei gleichartigen Situationsbedingungen wie automatisch nach demselben Reaktionsschema ausgeführt wird, wenn sie nicht bewusst vermieden oder unterdrückt wird. Es gibt Gewohnheiten des Fühlens, Denkens und Verhaltens.

Tja, irgendwie finde ich mich da schon mit einigem wieder. Aber ehrlich geschrieben, finde ich das gar nicht schlimm. Zumindest so lange, wie ich nicht dazu verdammt bin, für ewig an jeder Gewohnheit (auch an denen die ich gerne loswerden möchte) fest zu halten.

Und genau darum mache ich hin und wieder einfach mal etwas anders. Teils sind das Kleinigkeiten, wie z. B. morgens wenn ich das Haus lüfte, öffne ich die Fenster in unterschiedlicher Reihenfolge. Hört sich merkwürdig an, aber anfangs war es durchaus ein schräges Gefühl. Wenn ich Ziele regelmäßig ansteuere, dann tue ich dies gern über unterschiedliche Wege. Auch meinen Tagesablauf – soweit möglich – gestalte ich hin und wieder mal anders: nach dem aufstehen einfach mal eine Runde Yoga. Oder vor dem Frühstück schon mal eine Viertelstunde E-Mails beantworten. So bleibe ich ein wenig flexibel, was mir persönlich gut tut.

Und trotz allem hat mich das mit dem veränderten Mäh-Weg durcheinander gebracht… vielleicht sollte ich doch noch mehr an meiner Flexibilität arbeiten. Andererseits geben mir Gewohnheiten auch einfach Sicherheit und sie vereinfachen vieles. Und das ist auch nicht zu verachten.

Wie handhabt Ihr es mit Gewohnheiten? Liebt oder verabscheut Ihr sie? Ich bin gespannt!

Störtebeckerstraße? Klingt gut!

Die April-Sonne lacht vom blauen Himmel herunter, der Wind zerzaust meine Haare und hinterlässt auf meinen Lippen einen Hauch von Salz. Gemütlich trete ich in die DSC_0237Pedale meines gelben Leih-Fahrrads, das brav die Straße am Hafen von Langeoog entlang rollt. An der nächsten Kreuzung sehe ich ein Straßenschild: Störtebeckerstraße – ja, das klingt gut. Mit einer fließenden Bewegung biege ich in die Straße ein, ohne zu wissen wo genau sie mich hinführt.

Wann hattet Ihr das letzte Mal die Gelegenheit, nur das zu tun worauf Ihr Lust habt? Eure eigenen Wege zu gehen oder zu fahren. Einfach mal so lange wie ihr wollt auf dem Sofa, einer Bank mit Blick aufs Wasser, in einem Café bei ein, zwei, drei Tassen Kaffee sitzen und ein gutes Buch lesen oder einfach die Gegend und die anderen Menschen zu beobachten.

Eine Woche Auszeit auf der „Insel fürs Leben“, auf Langeoog. Ursprünglich als Schreib-Woche angedacht, um ein neues Projekt auf den Weg zu bringen, aber eben auch, um 24 Stunden des Tages nach belieben zu nutzen, zu genießen oder auch gemütlich an mir vorbeiziehen zu lassen.

In meinem Alltag bin ich ein absoluter Planungsmensch: es gibt einen Jahresplan und der wird dann auf die Monate, Wochen und Tage herunter gebrochen. Nur so gelingt es mir, meine Ziele – sei es bei meiner Arbeit als Autorin, beim Sport oder schlicht bei der Haus- und Gartenarbeit – zu erreichen. Denn selbstständig zu sein, bedeutet eben auch immer sich selbst zu organisieren, motivieren, anzutreiben.

Tja, und vor all diesen Planungen hat sich dann irgendwann meine Muse und auch meine Spontanität versteckt. Denen war das einfach zuviel. Zu viele Listen, Kalender, Einträge… na eben alles was so zum planen dazu gehört.

Und daher sollte es genau dies für meine Insel-Zeit nicht geben. Alles kann, nichts muss sozusagen. Anfangs stand ich auch prompt ein wenig wie bestellt und nicht abgeholt herum. Doch dann begann ich in mich hinein zu horchen: „Hey Nicole, worauf hast du WIRKLICH Lust?“

Herausgekommen ist eine Vielfalt, die ich nicht erwartet hatte: lange Strandspaziergänge, Radtouren, Fototouren, gemütliches in der Ferienwohnung sitzen und lesen – wobei ich mein Buch sowieso überall mit hingeschleppt habe – ich bin essen gegangen, war im Kino und ja, ich war sogar kreativ und zwar kreativer als all die Monate zuvor. Sogar mit Schere und Klebestift habe ich nach Ewigkeiten mal wieder hantiert.

Und, ja eben diese spontanen Entscheidungen, die ich Tag für Tag gefällt habe. Wie eben in der Nähe vom Hafen, als ich einfach so in die Störtebeckerstraße eingebogen bin. Ohne zu wissen, wann ich wohl wieder in der Ferienwohnung oder sonstwo sein würde. Weil es einfach nur ums wohlfühlen ging.

Nun ist mir natürlich klar, dass nicht Jeder mal eben eine längere Auszeit nehmen kann, aber ich werde das auch im kleinen Zuhause weiterführen. Einfach hin und wieder einen Tag raus aus allem. Ohne ständig ans Handy zu gehen, Nachrichten bei Social Media zu verteilen oder sich um die Hausarbeit zu kümmern. Und wer auch dafür keine Zeit hat, der kann es doch auch Stundenweise versuchen, denn mal ehrlich: da geht doch Qualität vor Quantität.

Und wer weiß, vielleicht erreiche ich künftig meine Ziele auch mit weniger Planung und mehr Spielraum für Spontanes. Versuchen werde ich es auf jeden Fall!