Summer in the city

Diese Geschichte ist inspiriert durch die Schreibkicks von Sabi Lianne. Jeweils zum 01. des Monats gibt es ein Thema, das jeder für sich frei interpretieren kann. So kommen die unterschiedlichsten Geschichten zustande. Wenn Ihr Lust habt auch einmal mitzumachen, dann klickt hier. Das Thema für den 01. Mai lautet: Vorfreude auf Sommergenüsse. Und wenn Ihr danach Lust auf den Song habt, denn klickt hier!

Summer in the city
von Nicole Vergin

Endlos lagen die Sommertage vor ihr. Heiß. Einsam. Eine Last. Ihre Freunde fuhren wie jedes Jahr in den Urlaub und sie musste in der klebrigen Land-Idylle ihrer Eltern bleiben. „Die Kühe füttern sich nicht von allein“, war die Reaktion auf ihr Drängen, ihre Lust nur einmal auszubrechen.

Und da war dieser Song, den sie vor Wochen im Radio gehört und sich dann mit dem Kassettenrecorder aufgenommen hatte. „Summer in the city“. Ihr Schulenglisch reichte nicht aus, um den Text vollständig zu verstehen, aber sie fühlte den Herzschlag, die Leidenschaft des Songs. Sommer in der Stadt. Ja, sie wollte auch in die Stadt. In die Großstadt. Irgendeine. Da, wo das Leben pulsierte, wo Menschen durch Innenstädte schlenderten. Die Frauen große Sonnenbrillen unter den ebenso großen, breitkrempigen Hüten trugen. Und Röcke, die so kurz waren, dass ihr Vater sie dafür ohrfeigen würde, wenn sie es nur einmal wagen würde, so etwas anzuziehen.

In der Großstadt tanzten sie – „dance all night“ – während sie hier ihre kostbare Zeit mit Kuhfladen und dem ausschrubben von Futtertrögen vertrödeln musste.

„Summer in the city“, sang sie laut bei der Stallarbeit und erschrak, als eine tiefe Stimme „Wer will schon im Sommer in der brütend heißen Stadt hocken“, einwarf.
Die Mistforke ging polternd zu Boden und eine heiße Röte schoss ihr ins Gesicht. Ein junger Typ stand vor ihr, Schnauzer, breite Koteletten und die Haare bis auf die Schultern. „Langhaarige Bombenleger“, würde ihr Vater nur verächtlich sagen.
Aber ihr Herz schlug aufgeregt, so als hätte es bereits eine Nacht durchgetanzt. Und davon erzählte sie ihm dann auch. Später, als sie Hand in Hand über die Wiesen der Eltern liefen. Hinter ihrem Rücken wohlbemerkt, wissend, dass diese es nicht gutheißen würden.

Zum ersten Mal Widerstand, eine winzige – wenn auch geheime – Rebellion. Er machte ihr Mut. „Lass dich nicht einsperren“, sprach von freien Menschen. Und – ihr Herzschlag machte einen Looping – von freier Liebe.

Leuchtendblauer Himmel über den ebenso leuchtenden grünen Wiesen. Die Butterblumen strahlten mit der Sonne um die Wette. Das gluggern des Bächleins, das am Rande der Wiese lief, war nun nicht mehr störend, sondern romantisch.
Ja, wer wollte denn schon im Sommer in die Stadt, wo doch das Leben, das wirkliche Leben nur auf dem Land zu finden war. Da taten nicht einmal die dumm dreinblickenden Kühe, der Romantik Abbruch.

„Ich komme wieder“, versprach er, als seine Lippen das letzte Mal ihre verschlangen.
Der anfangs so endlos scheinende Sommer war vorüber und auch er war fort.
Was blieb, war die Liebe für den Sommer auf dem Land. Und diese, das nahm sie sich trotz aller Verzweiflung und Trauer vor, diese würde sie an ihr Kind weitergeben.

Diesmal waren dabei:

Veronika

Eva

Rina

Sabi

Für den 1.6. lautet das Thema: Dumme Fee bei Licht