Projekt abc – I wie Ich

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Und schon sind wir im März angekommen und das Projekt abc, das Wortman wieder ins Leben gerufen hat, ist beim Buchstaben I angelangt.

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Spontan fiel mir zum Buchstaben I das Buch „Das kleine Ich-bin-Ich“ ein. Ein Kinderbuchklassiker aus dem Jahr 1972 von Mira Lobe und Susi Weigel. Es geht darin um ein kleines buntes Tier, das nicht weiß wer oder was es ist. Und so fragt es jedes Tier, dass es trifft… Aber niemand kann ihm helfen. Und es ähnelt auch keinem von ihnen. Tja und irgendwann stellt es dann schlicht fest: „Ich bin ich.“

Mein Sohn hatte dieses Buch und mir ist die Geschichte damals ans Herz gewachsen. Die Botschaft dahinter habe ich mir selber hinter die Ohren geschrieben: ich muss nicht so sein oder aussehen wie die anderen. Ich bin ich. Und das ist gut so!

Dass hat mir z. B. auch geholfen, als meine Mutter mal zu mir sagte: „Woher hast du das wohl, das du so anders bist, als wir anderen in der Familie“ – nein, sie meinte das gar nicht böse. Aber sie verstand einfach vieles von dem wie ich handelte und dachte nicht. Wobei sie mich immer so akzeptiert und geliebt hat, wie ich bin. Auch wenn es ihr manchmal sichtlich schwerfiel…

Und daher also heute: I wie ICH!

P.S. Es gibt sogar bei Wiki einen Eintrag zu dem Buch, den Ihr hier findet!

Die Welt bei Nacht

Der 1. des Monats ist da und somit Zeit für den aktuellen Schreibkick – diesmal zum Thema „Die Welt bei Nacht“. Der Schreibkick ist eine Idee von Sabi Lianne und die facebook Seite dazu findet Ihr hier.

Bis gestern Abend hatte ich keinen blassen Schimmer, was ich schreiben sollte. Also habe ich einfach alles aufgeschrieben, was mir durch den Kopf gegangen ist… und dann, bei der Abendrunde mit Gina war plötzlich die Idee geboren – und hier ist sie:

Die Welt bei Nacht
von Nicole Vergin

„Opa? Bringst du mich heute wieder ins Bett?“ Seit ihr Großvater zu Besuch war, wollte Sina das am liebsten jeden Abend.
„Na klar“, der Großvater streckte lächelnd seine Hand aus und kurz darauf gingen sie einträchtig in Sinas Zimmer, wo ihre Mutter gerade die bunt gestreiften Vorhänge zuziehen wollte.
„Warte“, rief Sina und lief zum Fenster. „Opa, schau mal wie dunkel es schon ist.“
Nebeneinander standen sie am Fenster und schauten hinaus in die Nacht, die nur vom Licht zweier Straßenlaternen unterbrochen wurde.
„Ich mag es gar nicht, wenn es so dunkel ist.“ Sina drückte ihre Nase gegen die Scheibe. „Und du?“
„Ich finde es schön, wenn es abends langsam dunkel wird und alles ruhiger ist, als am Tag.“ Nun drückte auch der Großvater seine Nase an die Scheibe.
Sina kicherte, als sie die Nasenabdrücke betrachtete. „Aber es ist alles schöner, wenn es hell ist“, meinte sie dann.

„Weißt du denn, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass die Nacht in die Welt kam?“
„Och Opa. Die Nacht gab es doch schon immer!“ Sina wusste das längst, sie war ja kein Baby mehr.
Ihr Großvater zwinkerte ihr zu und schüttelte dann den Kopf. „Nein, nein. Es gab Zeiten, in denen war es immer nur Tag! Und willst du nun die Geschichte hören?“
„Oh ja“, wie der Blitz war Sina in ihr Bett gesprungen und hatte sich unter die Decke gekuschelt. Ihr Großvater erzählte tolle Geschichten, da wollte sie sich nicht eine einzige entgehen lassen.

„Na gut, dann erzähle ich sie dir.“ Er rückte sich Sinas Schreibtischstuhl an ihr Bett, setzte sich darauf und begann: „Es war einmal vor langer Zeit, da herrschte die Sonne allein oben am Himmel. Tag für Tag leuchtete sie mit ihren hellen Strahlen, so dass alle Menschen immer Licht hatten.“
„Und was war, wenn es Wolken am Himmel gab?“
„Dann war die Welt mal ein wenig dunkler. Aber nie so dunkel, wie es jetzt nachts ist.“
„Aber wie kam es denn dann, dass es Nacht wurde?“ Neugierig sah Sina ihren Großvater an, der bereitwillig weiter erzählte.
„Nachdem die Sonne lange Zeit immer geschienen hatte, war sie eines Tages müde. Und zwar so richtig. Immer wieder fielen ihr die Augen zu.“ Der Großvater schloss die Augen und ließ sich ein Stück vornüber fallen.
„Bestimmt hat sie auch gegähnt“, fügte Sina hinzu und machte mit weit geöffnetem Mund „uaaaaaaaaah“.
„Genau“, lachte ihr Großvater und fiel in das „uaaaaah“ ein.
Sina kicherte. Mit ihrem Opa konnte sie wirklich jeden Blödsinn machen.

„Und weil sie ja nicht schlafen durfte, bekam die Sonne auch noch schlechte Laune.“ Der Großvater zog die Mundwinkel nach unten und machte ein grimmiges Gesicht.
„Bestimmt hat sie auch die Sonnenstrahlen angemeckert“, kicherte Sina.
„Genau! Es war ja so schon nicht leicht, diese ganze Strahlen-Bande zu bändigen, aber nun wo sie auch noch so müde war…“
„Und was passierte dann?“
„Tja, eines schönen Tages klopfte es plötzlich bei der Sonne an der Haustür“, mit dem Zeigefingerknöchel machte der Großvater die Klopfgeräusche auf dem Nachtschrank nach.
„Die Sonne hat ein Haus?“, staunte Sina ungläubig.
„Klar, was dachtest du denn?“
„Und wer stand vor der Tür?“
„Ein Mondgesicht. Ein rundes Vollmondgesicht. Hallo, ich bin der Mond, sagte es. Ich habe gehört, du kannst mich brauchen.“ Der Großvater hatte die Wangen aufgeblasen, um das Gesicht des Mondes darzustellen. „Aber die Sonne wollte anfangs ihre Macht über die Welt nicht teilen. Sie wollte weiter alles für sich haben. Und daher hat sie den Mond, mitsamt seinen Sternen, die er auch dabei hatte, einfach wieder vor die Tür gesetzt.“
„Das war ja ganz schön blöd“, Sina schüttelte den Kopf.
„Stimmt. Und der Mond wusste das. Er wusste, dass er einfach nur weiter abwarten musste und irgendwann würde seine Zeit kommen.“
„Bestimmt ist die Sonne irgendwann doch eingeschlafen!“
Der Großvater zwinkerte seiner Enkelin zu. „Genau so war es. Sie konnte sich eines Tages einfach nicht mehr wachhalten. Und als sie eingeschlafen war, schliefen auch all die kleinen Sonnenstrahlen ein und niemand leuchtete mehr. Die Menschen saßen plötzlich im Dunkeln.“
Gespannt sah Sina ihren Großvater an. „Hatten die Menschen Angst?“
„Oh ja, natürlich hatten sie Angst. Sie kannten es ja gar nicht, ohne das Sonnenlicht zu sein. Aber noch bevor sie sich etwas überlegen konnten, erschien plötzlich oben am Himmel etwas Helles. Erst dachten sie, die Sonne sei zurück gekommen, aber…“
„Es war der Mond!“ Sina strahlte über das ganze Gesicht.
„Genau! Und mit ihm kamen auch die Sterne und da an diesem Tag keine Wolken die Sicht verdeckten, konnten sie alle um die Wette leuchten und die Menschen freuten sich darüber, dass sie zumindest etwas Licht hatten.“
„Und was hat die Sonne gemacht, als sie wieder aufgewacht ist? War sie sehr wütend, dass der Mond einfach wieder aufgetaucht war?“
„Nein, die Sonne war das erste Mal nach langer Zeit ausgeschlafen und hatte gute Laune. So, als ob du am Wochenende ausschlafen kannst und nicht morgens für die Schule früh aufstehen musst.“ Der Großvater zwinkerte Sina zu. „Sie hat sich dann tatsächlich bei dem Mond und auch den Sternen für die Hilfe bedankt.“
„Und dann haben sie abgesprochen, dass sie sich immer abwechseln würden, stimmts?“
Der Großvater nickte. „Seit diesem Zeitpunkt gibt es den Tag und die Nacht. Und ich finde beides schön.“

Sina war wieder aus dem Bett geklettert und stand nun am Fenster und sah zum Himmel hinauf, wo der Mond gerade hinter einer Wolke hervorlugte. „Eigentlich finde ich die Welt bei Nacht auch ganz schön“, stellte sie dann fest.
Als sie sich gleich darauf wieder in ihr Bett kuschelte murmelte sie schläfrig: „Schlaf gut, liebe Sonne. Wir sehen uns morgen früh wieder!“

Diesmal waren dabei:

Rina

Corly

Veronika

Sabi Lianne

Das Thema für den 01. April lautet: Im Spiegel

Als Miranda in Rente gehen durfte

Vor einigen Wochen wurde bei mir in der Gegend ein Schäferhund ausgesetzt. Ein wunderschönes Tier. Angebunden an einem Baum, harrte der schwarze Rüde bei Minustemperaturen aus. Wartete auf seine Menschen, die nicht kamen. Weil sie ihn nicht mehr wollten.

Das Tierheim aus dem unsere Gina stammt, bekommt zur Zeit täglich Neuzugänge. Galgos – eine spanische Windhundrasse, die für die Jagd benutzt werden – werden (im günstigsten Fall) am Tierheim abgegeben oder ausgesetzt, auch mal lebend in einen trockenen Brunnenschacht geworfen.

Grausame Tierschicksale, wohin man auch sieht. Und dann gibt es da all diese Menschen, die sich um diese Tiere kümmern. Die den „übrig gebliebenen“ ein liebevolles Zuhause geben. So wie es Miranda erfahren durfte. Miranda ist eine wunderschöne Fuchsstute. Eine Pferdedame aus einem guten Stall, die Jahrelang in der Zucht eingesetzt wurde und ihrem Züchter viele Fohlen geschenkt hatte.

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Miranda und Susanne – Zwei, die sich vertrauen

Mit 20 Jahren hatte sie 2011 also schon so einiges in ihrem Leben erlebt und war nicht mehr die taufrische junge Stute, die ein gesundes Fohlen nach dem anderen auf die Welt bringt. Zwei Totgeburten in zwei aufeinander folgenden Jahren sorgten dafür, dass ihr Schicksal besiegelt werden sollte. Der Züchter wollte den „unnützen Fresser“ zum Schlachter bringen.

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Und an dieser Stelle trat Susanne Rittscher in Mirandas Leben. Susanne konnte es nicht glauben, dass Miranda nach all dem was sie geleistet hatte, abgeschoben werden sollte. Und sie war keinesfalls bereit, das einfach so hinzunehmen. Gemeinsam mit anderen Unterstützern schuf sie einen Platz auf ihrem Hof, auf dem Miranda ihre wohlverdiente Rente genießen kann. Gegen die Einsamkeit bekam sie den Wallach Bachhus an ihre Seite, der leider im vergangenen Jahr die Reise über die Regenbogenbrücke gemacht hat. Erneut war guter Rat teuer. Neben der Trauer um den geliebten Vierbeiner – die sowohl Miranda als auch Susanne schwer zu schaffen machte – musste ein neuer Wegbegleiter gefunden werden. Wobei letztendlich tatsächlich Frank Weber vom Fernsehsender VOX behilflich war. Seit einigen Monaten ist nun Herr Nielsson bei Miranda mit eingezogen.

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Miranda mit ihrem neuen Freund Herrn Nielsson

Ja, was ich jetzt hier mal eben in wenigen Sätzen zusammen gefasst habe, bedeutet für Susanne jeden Tag Arbeit und vor allem auch die Sorge, dass alles weiterhin finanziert werden muss. Denn – ganz nebenbei… – finden auf ihrem Hof auch Streunerkatzen und geschundene Hundeseelen ein liebevolles Zuhause.

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Auch Giada mag die schöne Stute

Und für Miranda bedeutet das alles, das sie in der vergangenen Woche ihren 28. Geburtstag feiern durfte. Happy birthay, liebe Miranda und ich wünsche Dir von Herzen noch viele weitere schöne Jahre. Und Susanne, vor Dir ziehe ich den Hut und wünsche Dir weiter alles Gute für Deine so wertvolle Arbeit für und mit den Tieren, die es im Leben nicht immer leicht hatten!

Schaut doch einfach mal auf Mirandas Seite vorbei, die Ihr hier findet! Dort gibt es noch viele weitere Fotos von ihr und allen Hofbewohnern!

Projekt abc – H wie Hochsitz

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Das Projekt wurde von Wortman „wieder belebt“ – eine spannende Fotoreise durch das Alphabeth. Und heute ist auch schon der Buchstabe H dran…

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In meiner Kindheit zogen mich Hochsitze magisch an. Kaum, dass ich einen erspähte, krabbelte ich bereits die Stufen hinauf und dann… war ich auf einmal groß. Richtig groß. Und konnte von oben herab und über alles hinweg blicken. Dass diese in den Himmel gebauten Gestelle oftmals baufällig waren, kratzte mich natürlich kein Stück und meiner Familie graute es hin und wieder sicherlich, wenn ich mich mal wieder vom Acker machte. Wobei ich als Stadtkind erst die Gelegenheit dazu bekam, als meine große Schwester aufs Land zog.

Heute sind Hochsitze meist niedrig. Also eher Niedrigsitze. Warum? Keine Ahnung. Auf jeden Fall sind diese kleinen Dinger transportabel, haben eine Vorrichtung zum anhängen und Reifen drunter. Trotzdem stehen sie meist an festen Stellen, wo sie vor sich hin gammeln. Offene Hochsitze gibt es kaum noch. Heute sind die Sitze umbaut und wenn man mal einen Blick hineinwirft, findet man auch mal ein Sitzkissen und anderen Komfort.

Nachdem klar war, dass ich für das H das Wort Hochsitz wähle, lauerten sie plötzlich überall. Bei meinen täglichen Spaziergängen mit Gina sehe ich sie jetzt nahezu an jeder Feld- / Wald- und Wiesen-Ecke. Und da ich mich nicht für einen entscheiden wollte… habe ich einfach mehrere fotografiert.

Ach ja, heute muss sich niemand mehr um mich Sorgen machen: ich habe Höhenangst und zumindest die „normal“ großen Hochsitze sind vor mir sicher. Vielleicht haben ja auch immer mehr andere Menschen Höhenangst und es gibt daher bevorzugt die niedrigen Holzbauten…

Vier Wochen mit Gina: Ein Liebesbrief an eine zauberhafte Hündin

Morgen ist es genau vier Wochen her, dass Du zu uns gekommen bist. Eine kleine schwarz-weiße Hündin, die unsere Herzen im Sturm erobert hat. Den Moment, als sie Dich aus dem Transportkorb heraus geholt haben und Du ganz eingeschüchtert da gestanden hast… den werden wir nie vergessen.

Die letzten vier Wochen mit Dir waren unglaublich. Du verzauberst uns an jedem Tag, in jedem Moment, den wir mit Dir verbringen. Egal, ob Du wie ein Wirbelwind durch den Garten saust oder zwischen uns auf dem Sofa selig schlummerst.

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So vieles haben wir in dieser kurzen Zeit schon erlebt. Du hast Trecker kennen gelernt. Anfangs hast Du Dich zitternd an uns gedrängt, inzwischen hüpfst Du hinterher, als wolltest Du sagen: hey, komm her! Trau dich! Auch vor Kühen hast Du keine Scheu mehr und auch Pferde sind keine fremden Wesen mehr für Dich.

Ja, Du bist eine unglaublich mutige kleine Hündin. Mit der dazu passenden Vorsicht. Du schaust Dir die Menschen und Hunde, die Dir bei unseren Spaziergängen begegnen genau an. Und dann entscheidest Du, wem Du vertrauen magst oder vor wem Du lieber noch ein wenig in Deckung gehst.

Du liebst es, wenn wir mit Dir zum spielen auf den Hundeplatz gehen. Sonntags, wenn es für die Hunde bis 40 cm stattfindet und Du nicht gleich vor einem Bernhardiner stehen musst. Und auch die Hundeschule, das lernen, macht Dir Spaß. In Windeseile hast Du „Sitz“ gelernt und gehst auch problemlos im Kurs an unserer Seite mit durchhängender Leine.

Und heute waren wir sogar das erste Mal bei unserem Tierarzt. Wir hatten Dir doch nicht zuviel versprochen, oder? Er war genauso behutsam und sorgfältig im Umgang mit Dir, wie wir das immer gewohnt waren. Das erste Kennenlernen, dass wir Dir nicht zumuten wollten, wenn erst ein Krankheitsfall eintritt, verlief wunderbar und Du warst zwar auch dort vorsichtig und zurückhaltend, aber nicht ängstlich.

Für jeden Tag, den wir bisher mit Dir verbringen durften, sind wir dankbar! Und wir freuen uns auf alle die noch kommen werden – wir lieben Dich sehr, kleine Gina!

Hinweis: Solltet Ihr übrigens den Beitrag über Ginas Ankunft verpasst haben, dann findet Ihr ihn hier!

Und ein ganz dickes Dankeschön nochmal an A.S.P.A Friends e.V., die uns wunderbar beraten und dafür gesorgt haben, dass unsere Gina zu uns kommen konnte!

abc.Etüden – Que serà, serà

Etüden 2019 08+09 | 365tageasatzadayUnd weiter geht es mit den abc.etüden von Christiane. Ihr erinnert Euch? Texte mit max. 300 Wörtern und dieses Mal sollen enthalten sein: Altersschwach, Lesezeichen und hüpfen.

Und hier kommt mein Beitrag (der Titel hakt… aber mir ist gerade nichts anderes eingefallen:

Que serà, serà
von Nicole Vergin

Mit schweren Füßen schlurfte er durch den verstaubten Laden. Beinahe war es ein Segen, dass seine Augen ihn nach und nach im Stich ließen. So sah er den Staub auf den alten Büchern und die Spinnenweben über den Regalen nicht mehr so deutlich. Gut, dass seine Else den Verfall ihres geliebten Buchladens nicht mehr erlebt hatte. Spätestens dass hätte sie umgebracht. Aber so war es dieses versoffene Schwein mit seiner Luxuskarosse gewesen, dass sie ihm entrissen hatte.

Für einen Moment erlaubte er sich von der Vergangenheit zu träumen. Er hörte die Stimme von Doris Day, wie sie „Que serà, serà“ sang und sah seine Else übermütig wie ein junges Füllen durch den Buchladen hüpfen.

Zwei Jahrzehnte waren seitdem vergangen und ja, er musste es sich eingestehen: mit dem hüpfen war es bei ihm nicht mehr weit her. Altersschwach war er geworden. Ein Greis, so hatte seine Enkelin, dieses unerzogene Gör, ihn neulich erst genannt. Aber senil, nein, senil war er nun wirklich nicht. Nach wie vor war es ihm ein leichtes „Die Glocke“ von Schiller zu rezitieren. Er räusperte sich kurz, streckte seine mageren Arme in die Luft und begann: „Fest gemauert in der Erde, steht die Form aus… aus… verflixt.“ Er ließ die Arme sinken und zuckte die Schultern. Egal. Jeder hatte mal einen schlechten Tag.

Die Glocke läutete. Hoffnungsvoll sah er zur Ladentür. Vielleicht würde der Tag doch noch gut werden.
„Haben sie Lesezeichen?“
Ohne zu antworten, drehte er sich weg und schlurfte hinüber in den Lagerraum.

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