abc.Etüden – Zwergen-Realität

abc.etüden 2020 47+48 | 365tageasatzaday

Max. 300 Wörter, die drei Begriffe enthalten müssen. Es ist nach langer Abstinenz auch bei mir mal wieder abc.Etüden Zeit. Die Begriffe Quelle, griesgrämig und stöbern haben mich spontan angesprochen. Ich habe das Bild eines Zwerges vor mir gesehen und dann… ich sag mal: ich hab ein wenig rumgeblödelt. 😉 Und wenn Ihr die anderen Etüden auch gerne lesen mögt – kann ich nur empfehlen! – dann schaut bei der Initiatorin Christiane vorbei.

Zwergen-Realität
von Nicole Vergin

Wenn er an die alten Volksmärchen denkt, kommt ihm regelmäßig die Galle hoch. In diesen Geschichten ist alles immer gut und schön – spätestens am Ende. Und vor allem, wenn sie von dem ach so fleißigen und braven Schneewittchen erzählen.

Mit griesgrämiger Miene stapft der Zwerg durch den Wald. Von wegen: sie räumt auf und hält unsere Hütte sauber. Er schüttelt den Kopf und denkt missmutig: Ich bin doch der, der immer putzen muss. Und nicht nur das, sie holt ja nicht einmal Wasser von der Quelle. Dabei braucht sie das meiste davon selbst.

Den lieben langen Tag hübscht sie sich auf: „Ich muss meine Haare waschen, sonst sind sie nicht mehr so schwarz wie Ebenholz. Ich darf nicht in die Sonne, sonst ist meine Haut nicht mehr weiß wie Schnee. Ich brauche Honig für meine Lippen, damit sie weiter so leuchtend rot wie Blut sind.“ Ihre zickige Stimme hallt in seinen Gedanken wider.

Er kann ihre Ausreden einfach nicht mehr hören. Ganz abgesehen davon, dass sie auch ständig in den Sachen der Zwerge stöbert und sich einfach nimmt, was sie braucht. Also, wenn ihm diese Gebrüder Grimm irgendwann einmal über den Weg laufen, dann wird er ihre Nasen mal direkt in die Realität stoßen.

205 Wörter

Montags-Plausch

Mitten auf dem Feld liegt ein kleines gelbes Blatt. Ich schaue mich um. Der Baum von dem es herüber geweht ist, steht etliche Meter entfernt. Es sieht hübsch aus auf dem dunklen sandigen Boden. Drumherum ein wenig Grün. Ich zücke mein Handy, um ein Foto zu machen. Noch bevor ich den Auslöser drücken kann, trägt es der Wind ein Stückchen weiter. Nun liegt es am Rand meines Bildausschnittes. Ich strecke meine Hand aus, will es zurücklegen. Doch nein, ich drücke den Auslöser. Für mich symbolisiert das Blatt heute Vormittag ein Stück aus dem wahren Leben. Wenn wir uns gerade an etwas gewöhnt haben, uns mit einer Situation arrangiert haben, dann kommt plötzlich ein Windstoß und wir finden uns an einer anderen Stelle wieder. Oder sind hingefallen. Und es bleibt uns dann nichts anderes, als von dem Punkt aus zu schauen, wie es weitergehen kann.



Dieses Erlebnis hatte ich heute bei Ginas und meinem Vormittags-Spaziergang.

Und sonst? Mein Mann arbeitet heute mal nicht im Home Office, sondern das zweite Mal seit März im Unternehmen vor Ort. Manches lässt sich eben nicht per Internet klären und regeln. Es ist ein komisches Gefühl. In all den Monaten habe ich mich an diese Situation des gemeinsamen Home Office gewöhnt. Auch Gina war heute Morgen irritiert.

Weihnachtsstimmung gibt es bei uns immer erst ab dem 1. Advent. Aber im Corona Jahr bin ich noch Weihnachts-bedürftiger als sonst. Daher habe ich mir letzte Woche erstmal einen Weihnachtsstern gekauft, der nun in der Küche steht und wunderschön aussieht. Außerdem gibt es bei Netflix eine wundervolle Serie, die ich gerade schaue: „Dash und Lily“. Zwei Teenys, die ihre Gedanken über ein rotes Notizbuch austauschen, ohne sich persönlich zu kennen. Dass die Serie in New York spielt, ist für mich noch das I-Tüpfelchen. Ich war zwar noch nie in New York, aber ich liebe einfach Weihnachtsgeschichten, die dort spielen. ❤ Falls Ihr mal reinschauen wollt: hier ist der Trailer!



Gestern kam die Nachricht, dass mein Hula Hoop Reifen in den nächsten Tagen geliefert wird. Und dann gibt es auch endlich die versprochenen Videos zu meinen ersten Versuchen… ach ja, ich habe mich nun doch entschlossen, meinen alten Instagram Account dafür zu nutzen: die_waldtraeumerin.

Und zu guter Letzt: ich habe mir endlich eine Fotokugel (nennt man sie überhaupt so??) gekauft. Nun muss ich nur noch testen, wie ich damit tolle Fotos hinbekomme. Ich bin schon total gespannt. Ihr werdet da über kurz oder lang auf jeden Fall etwas zu sehen bekommen.

Ansonsten wünsche ich Euch eine schöne Woche, bleibt oder werdet gesund und passt auf Euch auf!

Lese-Zauber

Nachdem ich nun (fast) alle Bücher von Anne Barns verschlungen habe, führte mein Lese-Weg mich nun zu einer schwedischen Autorin: Frida Skybäck. Ihr Buch „Der kleine Buchsalon am anderen Ende der Welt“ begegnete mir in Hamburg in dem kleinen Buchladen, den ich in den vergangenen 2,5 Jahren schätzen gelernt habe. Ich habe mich direkt in das Cover verliebt und auch der Titel hat mich angesprochen. Kurzerhand nahm ich es mit. Von meinem letzten Hamburg Trip brauchte ich schließlich ein Souvenir!



Ich schlug das Buch auf, begann zu lesen und war mitten drin in der Welt der amerikanischen Protagonistin Patricia. Nur kurz dachte ich: hey, stand da nicht was von einem schwedischen Strandort auf dem Klappentext? Und schon ging es genau an diesen Ort. Denn Patricia hatte einen Hinweis auf ihre jüngere Schwester bekommen, die in genau diesem Ort vor 30 Jahren spurlos verschwand.

Eine Tragödie. Zweifellos. Und trotzdem wird dieser Roman als „Feel-Good-Roman“ bezeichnet. Was er ist, ganze ohne Frage. Denn neben diesem Drama ging und geht das Leben weiter. Und Patricia stolpert mitten hinein in eine bunt gemischte Frauenrunde, die genau wie sie versuchen das Leben zu leben. Da wird geweint, gelacht, gestritten und geliebt. Und das alles ist in einem Stil erzählt, der dazu einlädt, sich der Geschichte in Gedanken anzuschließen.

Glücklicherweise gibt es auch noch das Buch „Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse“ von Frida Skybäck, das längst auf meinem Wunschzettel steht!

Mein Mondmädchen

Gestern Abend – ich saß gerade gemütlich auf dem Sofa – schaute ich nochmal kurz bei facebook rein… in meiner Chronik waren zwei Bilder mit den Worten: „Liebe Nicole, Dein Mondmädchen möchte zu Dir. Bitte melde Dich“ gepostet. Mir stand der Mund offen… gaaaanz weit!

Mein Märchen „Die sieben Mondfrauen“ hat die Häkel-Künstlerin Antje zu einer wunderschönen Figur inspiriert. Und als ob das nicht schon großartig genug wäre, hat sie mir das Mondmädchen heute sogar noch persönlich vorbei gebracht. Als Geschenk. Einfach so.

Ich freu mich darüber wie verrückt und wollte das unbedingt mit Euch teilen. Ist sie nicht wunderschön!!!!

Liebe Antje: noch einmal meinen herzlichsten Dank für diese wundervolle Geschenk – ich werde das Mondmädchen in Ehren halten. ❤



Blog Aktion: Abschied nehmen – ein Seelengeleit

Sterbe- und Trauerbegleitungen unter Corona Bedingungen. So lautet das Thema der diesjährigen Blog Aktion von Petra und Annegret vom Totenhemd-Blog. Auch in den vergangenen Jahren war ich bei dieser Aktion dabei und war im Voraus neugierig, was sich die Beiden diesmal ausdenken. Ich las den Beitrag und dachte: Nee, da fällt mir nichts zu ein – was vermutlich auch damit zusammenhing, dass ich das C-Wort nicht mehr lesen mag. Albern, ich weiß… aber sicher habt auch Ihr hin und wieder die Schnauze voll davon. (Was es nicht ändert und auch nicht besser macht…)

Zurück zum Thema: plötzlich fiel mir der Workshop ein, an dem ich in Hamburg teilgenommen habe – Seelengeleit. (Ich habe diesen Teil meiner Seelfrau Ausbildung verpasst und daher nun nachgeholt) Ja, davon könnte ich erzählen, denn ein Seelengeleit kann auch unter Wahrung der Hygienevorschriften gemacht werden.

Warum ein Seelengeleit? Ein Seelengeleit kann ein erster Schritt auf dem Trauerweg sein. Woran schon erkennbar ist, dass ein Geleit nicht nur dem Verstorbenen gilt, um seine Seele auf dem Weg ein Stück zu begleiten, sondern auch für die Zugehörigen. Noch einmal Worte des Abschieds finden, etwas mit auf den Weg geben oder auch etwas klären, was einem auf der Seele liegt.

Ich habe mich am Tag des Workshops spontan entschlossen, ein Geleit für meine Mutter zu machen. Wer hier schon länger mitliest weiß, sie ist schon vor längerer Zeit (3,5 Jahren) verstorben. Und ja, auch dann kann es noch ein Geleit geben. Wobei ich mir im Nachhinein wünschte, ich hätte eines am offenen Sarg machen können. Aber ich spürte nun an diesem Tag, dass ich gerne noch etwas klären wollte. Etwas, bei dem ich dachte, dass ich längst damit „durch“ sei. Aber nein, denn plötzlich kam dieser Wunsch in mir hoch zusammen mit einer Portion Wut und Enttäuschung. Gefühle, die ich gar nicht wollte, schließlich liebe ich meine Mutter. Doch sie waren da und verlangten Beachtung zu finden.

Und so machte ich mich innerlich auf den Weg und mit mir die Teilnehmerinnen des Workshops und die Ausbildungsleiterin Andrea Martha Becker. Ich entzündete Kerzen – sie wollten anfangs nicht brennen, was mich nicht verwunderte, denn meine Mutter war (genau wie ich) schon immer Konfliktscheu und warum sollte ihre Seele da auf einmal anders reagieren – und nach und nach spürte ich Energie im Raum, Wärme. Aber auch Angst und Trauer. Und diesen Wutball, der in mir herumsprang.

Ein Teil in mir wollte mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen stehen bleiben, fest verankert und auch ein wenig skeptisch. Dabei steht für mich fest, dass Menschen und Tiere Seelen haben, das „Etwas“ bleibt nach dem Tod. Neben den aufkommenden Gefühlen war ich daher auch eine Beobachterin. Eine, der hin und wieder ein Schauder über den Rücken lief. Und nein, es wurden keine Stühle gerückt oder ähnliches. Es wurde gesprochen. Andrea Martha Becker und auch ich fanden Worte, um zu der Seele meiner Mutter vorzudringen und sie davon zu überzeugen, sich noch einmal mit einem Zerwürfnis zu befassen, dass wir Beide gerne unter den Teppich gekehrt hätten. Aber wie so oft im Leben, stolpert man doch über den riesigen Buckel der dadurch entsteht.

Ich kann natürlich nicht erklären, was an diesem Tag genau geschah und ich möchte es auch nicht erklären können. Aber ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass es wirklich wieder gut ist zwischen uns. Nicht oberflächlich, sondern tief in mir drin, da wo all die Narben sind. Der Felsbrocken, der auf meiner Seele lag, ist gelöst und ich fühle mich befreit. Auch von Schuldgefühlen, die ich hatte. Ist es da wichtig, wieso und warum es so gekommen ist? Für mich nicht.

An diesem Tag fand noch ein Geleit einer anderen Teilnehmerin statt und auch dieses hat mich tief berührt und mich von der Besonderheit dieses Rituals überzeugt. Wenn Ihr noch mehr darüber lesen wollt, schaut gerne auf der Seite von Andrea Martha Becker vorbei, die Ihr hier findet.



Foto der Woche #10

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Ein tolles Projekt von Aequitas et Veritas, in dem jede Woche ein Foto gezeigt und dazu etwas geschrieben wird. Genaueres – sowie die anderen tollen Beiträge – findet Ihr hier!



Sich gegenseitig stützen. Aneinander lehnen, damit das Leben einem nicht die Balance nimmt. Miteinander und Füreinander da sein.

Dieses so unterschiedliche Paar rührt mich und gibt mir Hoffnung, dass es auch in schweren Zeiten möglich ist, zusammen zu halten.

Advent, Advent…

Nein, keine Sorge – Ihr habt den Start in die Adventszeit nicht verschlafen!

Aber tatsächlich ist es nicht mehr lang hin und ich bin bereits bestens vorbereitet: 13 Weihnachts-Bücher warten darauf, von mir gelesen zu werden. Wie in den vergangenen zwei Jahren habe ich sie über das ganze Jahr gesammelt und mich darauf gefreut. Ich werde sie dann hier nach und nach auch wieder vorstellen.

Ich liebe ja die Advents- und Weihnachtszeit. In diesen Wochen nehme ich mir bewusst Zeit, um zu lesen und es mir gemütlich zu machen. Einmal komplett runterfahren, bevor dann der Start in ein neues Jahr bevor steht.

In diesem Jahr fühlt es sich allerdings anders an als sonst. Die Unsicherheit, wie es in der aktuellen Situation weitergeht, fühlt sich an wie ein Stein im Schuh. Es drückt. Mal mehr, mal weniger. Trotzdem und gerade werde ich diese Zeit genießen. Weihnachtsfilme gucken (ich habe jetzt „Last Christmas“ auf DVD!!!), Weihnachtskekse essen (mein Mann wird hoffentlich wie in jedem Jahr welche backen 😀 ) und weihnachtliche Geschichten lesen.

Ich weiß, dass mir all das – und natürlich die Zeit mit meinen Lieben ❤ – Kraft geben wird, um weiter in der Achterbahn des Lebens mitfahren zu können.

Montags-Plausch

Vor vier Jahren hätte ich nie gedacht, dass ein Großteil der Amerikaner diesen Präsidenten wählen würde. Haben sie aber. In den darauffolgenden Jahren hat selbiger soviel Porzellan zerschlagen – dagegen ist ein Elefant im selbigen Laden feinfühlig. Und so war ich in der letzten Woche auch auf alles gefasst… und bin nun erleichtert, dass Trump keine zweite Amtsperiode für seine Zwecke missbrauchen kann.

Ganz „nebenbei“ befinden wir uns nun also wieder in einem Lockdown. Ich habe ja bereits letzte Woche erzählt, dass es mich Landei deutlich weniger betrifft als andere. Gestern waren wir nun in einer der umliegenden größeren Orte und sind das erste Mal über ein Schild „Ab hier Maskenpflicht“ gestolpert. Ja, in den Innenstädten, auch in den kleineren, ist es nun Pflicht. Wir waren mehr am Rand unterwegs, weil wir mit Gina trailen wollten. Sprich, sie hat mich – mal wieder – gesucht und in dieser Woche auch hervorragend gefunden. Nicht, wie beim letzten Mal, wo ich hinter einem Baum versauert bin. 😉

Da einiges für mich bis Ende des Jahres wegfällt, habe ich beschlossen wieder mal etwas neues auszuprobieren. Ich feile ja schon länger an meiner Fitness und habe nun soviel über das hulern gehört, gelesen, gesehen… dass ich das nun auch ausprobieren werde. Kurzentschlossen habe ich auch gleich einen Account bei Instagram angelegt, wo es künftig immer mal Live Videos über meine Versuche geben wird. Also, wenn Ihr in dieser schwierigen Zeit mal lachen wollt, dann schaut doch mal unter nicole_hulahoop nach. In den nächsten Tagen gibt es ein paar Start-Posts und sobald mein Reifen geliefert wird, geht es los.

Ansonsten schiebe ich heute eine ruhige Kugel. Wir gönnen uns hier ein verlängertes Wochenende und haben diesen Tag noch frei. Gleich geht es los zu einem schönen Spaziergang und dann… mal schauen!

Kommt gut in die Woche und passt auf Euch auf!

Die sieben Mondfrauen

Die sieben Mondfrauen
von Nicole Vergin

Es war einmal in einer dunklen Nacht, als kein Stern am Himmel leuchtete und auch der Mond sein sonst so helles Antlitz verborgen hielt. Tief unter ihm in einem Wäldchen tastete sich ein junges Mädchen mühsam durch die undurchdringliche Schwärze. Immer wieder verfing sich ihr einfaches aus Sackleinen gefertigtes Kleid in Dornengestrüpp und kleinen Ästen. Die umgebundene Schürze war irgendwo zurückgeblieben, die Schleife hatte sich gelöst.
„Guter Mond“, flüsterte sie flehentlich. „Wo bist du nur?“
Aber dieser hüllte sich in Schweigen.

Erst am Morgen dieses Tages, hatte sich das Mädchen auf den Weg gemacht. Eine liebliche Stimme war in ihre Träume eingedrungen und sie versprach ihr ein glückliches und zufriedenes Leben. Aber sie müsse das Schloss, in dem sie als einfache Küchenmagd ihr Brot verdiente, verlassen. Wie verzaubert wachte sie auf, bevor noch der Hahn im Hof seinen Morgengruß erschallen ließ und packte ihr karges Bündel.
Den ganzen Tag war sie guter Dinge gewesen, während sie über Felder und Wiesen lief. Auch vor der Nacht war ihr nicht bange, da sie wusste das Vollmond war. Der gute alte Mond würde nur für sie leuchten und ihr den Weg weisen. Das zumindest versprach die Stimme in ihrem Traum.

Und so war es auch gekommen. Bei Einbruch der Nacht war sie noch immer nicht müde, ihre Füße trugen sie mit jedem Schritt weiter, fort von daheim. Nur für einen Moment blieben sie abrupt stehen, als über ihr das Mondlicht erstrahlte und alles um sie herum mit einem silbernen Schimmer bedeckte. Frohen Mutes ging sie weiter, als plötzlich vor ihr ein dunkler Punkt auftauchte. Genau vor ihren Augen wurde er größer und größer, ein tiefes schwarzes Loch. Um sie herum ertönte ein rauschen, das Gefühl als zöge etwas an ihr vorbei. Und wahrhaftig, alles Mondlicht wurde von dem schwarzen Loch eingesogen. Nach wenigen Augenblicken war es verschwunden und sie sah nichts mehr, wohin sie auch blickte.

Verängstigt versuchte sie ihren Weg zu finden. Aber es war aussichtslos. Schon nach wenigen Metern wusste sie nicht mehr, ob sie noch so wie tagsüber ihrem Ziel näher kam. Sie irrte verzweifelt herum, bis sie immer wieder über Wurzeln stolperte und gegen dicke Baumstämme prallte. Da war ihr klar, dass sie irgendwo in einem Wald war, aus dem sie in dieser Dunkelheit nicht wieder herausfinden würde.
Nachdem auch ihr Hilferuf an den Mond scheinbar ungehört von all der Schwärze verschluckt wurde, ließ sie sich zu Boden sinken und begann zu weinen. Tränen liefen über ihr schmutziges Gesicht, tropften auf den Waldboden, wo sie silbrig schimmernd nach und nach einen hellen Fleck hinterließen. Erstaunt blickte das Mädchen auf die einzige Lichtquelle in all der Dunkelheit. Wie kam es, dass ihre Tränen dies bewirken konnten?

Als hätte sie ihre Frage laut gestellt, war in ihrem Kopf auf einmal wieder die sanfte Stimme aus ihrem Traum.
„Hab keine Angst“, sprach sie leise. „Schließe für einen Moment die Augen, damit ich zu dir kommen kann und öffne sie erst, wenn ich es dir sage.“
Gehorsam schloss sie ihre Augen und bemerkte trotz der geschlossenen Lider, wie es um sie herum heller wurde. Ihre Angst wich ein wenig der Neugier und als die Stimme erneut zu ihr sprach, öffnete sie langsam die Augen. Vor ihr stand eine wunderschöne hoch gewachsene Frau in einem langen aus silbrigen Fäden gesponnenen Kleid. Ihre Taille wurde von einem Gürtel geschmückt, dessen Steine golden wie Sterne leuchteten. Als die Frau mit einer beruhigenden Geste eine Hand hob und die Schulter des jungen Mädchens sanft berührte, wehte der weite Ärmel ihres Kleides mit anmutigem Schwung. Auch die rötlich schimmernden, leicht gewellten Haare, die ihr bis auf die Schultern fielen, waren von goldenen und silbernen Fäden durchsetzt.

„Willkommen in unserem magischen Wald“, erklang die ihr nun schon bekannte Stimme. „Ich bin eine der sieben Mondfrauen und ich bin in deine Träume eingedrungen, um dich zu bitten meine Stelle hoch oben am Firmament einzunehmen.“
„Aber warum?“, wisperte das Mädchen leise. „Und warum gerade ich?“
„Jedes Jahr machen wir uns auf die Suche nach einem Mädchen mit reinem Herzen, dass niemanden auf dieser Welt hat, der sich um es kümmert. Und wenn wir es gefunden haben, bitten wir es einen unserer sieben Plätze einzunehmen. Wir Mondfrauen sind dazu auserkoren, für das Gleichgewicht des Mondes zu sorgen.“
„Ich verstehe euch nicht, holde Mondfrau.“
„Der Mond hat eine dunkle Seite, die ihr Menschenkinder nie zu sehen bekommt, da er in immer gleicher Bahn eure schöne Erde umrundet. Damit sich daran nie etwas ändert, gibt es seit Anbeginn der Zeiten die Mondfrauen. Jede von ihnen ist sieben Jahre an seiner Seite, um die Geschicke zu lenken. Danach kehrt sie, so wie ich in dieser Nacht, auf die Erde zurück und bittet ein junges ehrbares Mädchen ihre Stelle einzunehmen.“
„Aber wo wirst du hingehen, wenn ich deinen Platz einnehme?“
„So wie alle Mondfrauen vor mir, werde ich morgen früh in meinem Schloss an der Seite meines Prinzen erwachen und es wird mir künftig an nichts mangeln. Das ist die Belohnung für meine Dienste. Nur die Erinnerungen an die vergangenen sieben Jahre werden aus meinem Gedächtnis ausgelöscht sein.“
„Bitte sag mir, was wird sein, wenn ich nicht deinen Platz einnehme?“
„Dann wird es ein Ungleichgewicht geben, der Mond wird seine Bahn verlassen und seine andere Seite wird die Erde für immer in Dunkelheit tauchen. So wie du es vorhin erlebt hast, als alles Licht durch das Auge der Finsternis aufgesogen wurde.“
„Oh, nein! Das darf nicht passieren!“ Das Mädchen schnappte erschrocken nach Luft. „Dann will ich es tun. Ich werde deinen Platz einnehmen.“
„Sei bedankt. Ich weiß, du wirst es nicht bereuen. Lebe wohl!“ Mit diesen Worten hob die Mondfrau die Hand zu einem letzten Gruß und verschwand so plötzlich wie sie erschienen war. An ihrer Stelle jedoch befand sich eine silberne Treppe, deren Ende nicht mit bloßem Auge zu erkennen war. Wie selbstverständlich stand das Mädchen auf und begann die Stufen zu erklimmen. Auf dem Weg nach oben, begann sie sich zu verwandeln. Die ärmliche Kleidung wich einem prächtigen Gewand. Die zu einem Bauernzopf geflochtenen Haare lösten sich und fielen ihr in prächtigen Wellen über den Rücken. Einer Prinzessin gleich, schritt sie die Stufen empor. Rechts und links der Treppe verbeugten sich leuchtende Sterne, die ihre neue Herrscherin willkommen hießen.

So bekam in dieser Nacht der gute alte Mond erneut eine Mondfrau an seine Seite, die gemeinsam mit den sechs anderen die Geschicke weiter zum guten lenken würde.
Und wenn sie nicht gestorben ist, so lebt sie heute glücklich und zufrieden mit ihrem Prinzen in dem schönen Schloss, dass sie für ihre Dienste erhalten hat.

Foto der Woche #9

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist foto-der-woche.jpg.

Ein tolles Projekt von Aequitas et Veritas, in dem jede Woche ein Foto gezeigt und dazu etwas geschrieben wird. Genaueres – sowie die anderen tollen Beiträge – findet Ihr hier!



Es waren einmal zwei Brüder, die bauten gemeinsam ein Haus. Dieses Haus stand in der Mitte eines schönen Grundstücks. Es bekam Wände, Fenster, ein Dach. Doch ein Zuhause wurde es nie, denn noch bevor es fertig war, gab es Streit. Einer von denen, die weit über eine Zwistigkeit hinausging. Die Brüder entzweiten sich und zurück blieb das unfertige Haus.

Die Jahre und Jahrzehnte vergingen und die Natur holte sich zurück, was der Mensch ihr einst genommen hatte. Und so kam es, dass Efeu durch die Zimmer des einsamen Hauses rankte und nach und nach alles bedeckte. Bäume fielen auf das Dach, so dass es in Stücke brach. Nur hin und wieder traute sich die Jugend des Ortes in das baufällig gewordene Haus. „Ich war hier“, schrieben sie an eine der Wände. Aber sie wurden Erwachsen und dann kam niemand mehr.

Bis eines Tages eine Frau durch das Gestrüpp am Eingang des Grundstücks kroch und sich vorsichtig dem Haus näherte. Ihre Schritte wurden vom Efeu verschluckt, der die Herrschaft über die frühere Wiese übernommen hatte. Neugierig schaute sie durch die zersplitterten Fenster hinein und machte Fotos. Für eine kleine Weile fand das Haus noch einmal Beachtung. Aber dann verschwand auch sie und erneut blieb nur die Einsamkeit zurück.

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