Meine ersten Schritte als Sterbebegleiterin

Ende Mai hatte ich ja meinen Kurs für ehrenamtliche SterbebegleiterInnen abgeschlossen. Danach war erstmal Urlaub angesagt und dann folgte das Gespräch mit einer der Koordinatorinnen des ambulanten Hospizdienstes DASEIN.

67027359_2332366050349838_6742935334293602304_nEin Personalbogen wurde ausgefüllt und etliche Fragen geklärt, wie z. B. ob ich bestimmte Begleitungen von vornherein ausschließen würde (bestimmte Erkrankungen), innerhalb welches Radius ich zur Verfügung stehen würde und ähnliches. Ich wurde über meine Schweigepflicht aufgeklärt und darüber, dass ich ein Mal monatlich an einem Reflexionsabend teilnehmen muss, auch wenn ich gerade keine Begleitung habe.

Ich verließ an diesem Tag das Büro mit dem Gedanken: Wann starte ich wohl in meine erste Begleitung? Die Frage war rasch beantwortet. Bereits am nächsten Tag kam ein Anruf. Die Erklärung, um wen es sich handelt. Die Krankheitsgeschichte und wo ich hin müsste. „Magst Du die Begleitung übernehmen?“ „Ja.“ Also eigentlich alles ganz einfach…

Es gab ein erstes Treffen zusammen mit der Koordinatorin, ein Kennenlernen. Herrje, ich war so aufgeregt! In ein fremdes Haus, in eine fremde Familie, die sich gerade in einer extremen Lebenssituation befindet. Das empfinde ich definitiv als Herausforderung. Eine, die ich allerdings gerne angenommen habe.

Inzwischen sind sieben Wochen vergangen und ich habe mich nach und nach in meine neue Aufgabe eingefunden. Es gibt immer wieder Momente, wo ich mich frage, wie ich mich nun am besten verhalte. Was ich tue. Und was nicht. Aber das man sich über die Wochen nun ein wenig kennen gelernt hat, macht es auch leichter.

Gestern Abend hatte ich den ersten Reflexionsabend und es tut gut in diesem Rahmen darüber sprechen und sich austauschen zu können. Wobei mich einiges an Reaktionen erstmal verunsichert hat. Aber ich denke, das ist am Anfang ganz normal. Ich gebe mir Zeit, um in diese Aufgabe hinein zu wachsen, höre auf mein Bauchgefühl und tue mein Bestes. Und mehr verlangt auch niemand.

Kurs für Sterbebegleiter/innen: Emotionaler Einstieg ins Praktikum

Die ersten zwei Wochen meines Praktikums sind vorbei. Zwei Mal habe ich jetzt Fr. Müller (das ist selbstverständlich nicht der richtige Name!) in ihrem Zimmer im Pflegeheim besucht.

DASEIN, so heißt der ambulante Hospizdienst, bei dem ich den Kurs belege. Und genau darum geht es, um das `Da sein´ für Menschen in Lebenslagen, in denen sie Unterstützung benötigen. Im Moment „geistert“ mir noch so vieles durch den Kopf. Daher gibt es heute erst einmal ein paar Gedankenfetzen… und im nächsten Jahr dann  mehr.

Da seinIMG_5294
den Weg mitgehen
begleiten
nicht vorweg laufen

Da sein
wenn die Kraft fehlt
die Augen um Hilfe rufen
der Mund Worte formt

Da sein
wenn die Stille Raum fordert
Hilflosigkeit um Halt bittet
der Kälte getrotzt wird

Da sein
Hände halten
Wangen streicheln
tröstend umarmen

 

Kurs für SterbebegleiterInnen – die ersten Wochen sind vorbei

Jeden Dienstagabend steige ich ins Auto und fahre in das 15 km entfernte Neustadt am Rübenberge. Dort findet seit September der Kurs für SterbebegleiterInnen des Hospizdienstes DASEIN statt. Bis Ende November läuft der Grundkurs, in dem die TeilnehmerInnen darauf vorbereitet werden, Menschen auf ihren letzten Wegen zu begleiten.

Es geht um Themen wie zuhören, wahrnehmen, verstehen… darum, sich auf einen IMG_2058Menschen einzulassen. Für mich fühlt es sich wie eine Reise an. Eine Reise, die meine Erfahrungen mit sterben und dem Tod beinhalten. Und natürlich die der anderen TeilnehmerInnen. Eine Reise also, die einiges in Bewegung setzt. Tief im Inneren. Und ja, das tut auch mal weh. Kratzt an Wunden und alten Narben. Eine Auseinandersetzung mit mir, mit meinem Leben. Um dann wieder in die Richtung zu blicken, in die es gehen soll.

Der Umgang unter den TeilnehmerInnen – ebenso natürlich wie mit der Leitung – ist von Respekt geprägt. Ohne Befürchtungen kann ich in diesem Kreis äußern, wenn mir etwas Sorge bereitet. Wenn ich meine, mit einer künftigen Situation vielleicht nicht klar zu kommen. So wie am letzten Dienstag. Eine Zweier-Übung, in der der eine einen kranken Menschen gespielt hat, der nicht mehr sprechen konnte und der andere musste ihn verstehen.

Ja, an diesem Punkt befielen mich Hemmungen und auch Zweifel. Würde ich mit solchen Situationen künftig klar kommen? Mir fiel ein, wie meine Mutter in ihrer Sterbephase etwas wollte und es mir mit Blicken versucht hat, klar zu machen. Und ich dachte immer nur: sie ist meine Mutter – ich muss doch wissen was sie will und braucht! Letztendlich holte ich die Pflegerin, die das Bedürfnis meiner Mutter dann ergründete und Abhilfe schaffte. Und ich stand mit hängenden Armen daneben.

Am Dienstag, in der gespielten Situation bekam ich es hin. Ich verstand, was die andere Teilnehmerin von mir wollte (ich hatte ihr im Voraus meine Befürchtungen geschildert und sie hatte mich ermutigt). Und es nahm mir einen Teil meiner Bedenken. Nein, ich denke nun nicht, dass ich das von jetzt auf gleich problemlos hin bekomme. Aber durch den Austausch mit den Kursleitern und den anderen TeilnehmerInnen verstand ich, dass Jede(r) seine Stärken und Schwächen hat. Und dass ich daran arbeiten kann, nach und nach meine Grenzen zu verschieben.

Es ist, als bekäme ich in diesem Kurs nach und nach Teile eines Puzzles. Manche passen auf Anhieb und mit manchen muss ich ein wenig herumprobieren. Aber ich bin nicht allein. Jetzt nicht und auch später nicht. Und dass macht Mut und schenkt mir die Zuversicht, die ich brauche um diesen Weg weiter zu gehen.

Die ersten Praxiserfahrungen machen wir dann ab Dezember, wenn Jede(r) über drei Monate eine(n) BewohnerIn „zu geteilt“ bekommt, die man dann wöchentlich besucht, um das im Grundkurs erlernte erstmals „anzuwenden“.

Ich schätze mal, ich werde dann auch ein wenig aufgeregt sein. Auf jeden Fall werde ich dann hier davon erzählen.