Vor-Oster-Plausch

Das eine und andere wollte ich ja in dieser Woche noch erledigen. Aber nun flutschte heute Morgen eine Nachricht zwischen meine Pläne und ich schaute genüsslich zu, wie alles über den Haufen geworfen wurde. Und nun sitze ich gemütlich draußen im Garten, die Frühlingssonne lacht vom Himmel, ein Zitronenfalter flattert an mir vorbei und Gina spielt mit ihrer Freundin Mila.

DSC_0037

Ja, Mila ist heute Nachmittag bei uns zu Gast und da sie das erste Mal allein bei uns ist, passe ich natürlich auch entsprechend gut auf die beiden Süßen auf. Und lese ganz nebenbei in meinem aktuellen Buch („Klaras Haus“ von Sabine Kornbichler) und mache ansonsten – außer, dass ich diesen kurzen Beitrag schreibe – nichts. Herrlich!!!

Aber ich wollte Euch nun wenigstens noch ein paar schöne Feiertage wünschen mit viel Sonnenschein und Zeit für all die, die Euch wichtig sind. Wir lesen uns dann nach Ostern wieder, wenn ich alle Schokohasen vertilgt habe!

P.S. Eins noch: es steht jetzt fest, dass ich am 10. Mai erneut nach Bremen zur Messe Leben & Tod fahre. Und ich freue mich schon jetzt riesig auf all die tollen Gespräche, den Austausch… sogar eine lieb gewonnene Bloggerin werde ich dort endlich live und in Farbe treffen und die Lesung von Eric Wrede, einem außergewöhnlichen Bestatter aus Berlin, hören!

Gina hat Freunde gefunden

Als Gina vor elf Wochen zu uns kam, da wussten wir noch nicht viel von ihr. Auf ihrem Profil von A.S.P.A friends e.V. stand, dass sie sozial verträglich sei. Aber wer konnte schon wissen, wie sie sich in ihrer neuen Heimat zurechtfinden würde?

Inzwischen wissen wir, dass sie gerne auch andere Hunde um sich hat. Sie würde sicherlich auch einen zweiten Hund im Haus dulden, aber hier genießt sie ihr Einzel-Hund-Dasein schon sehr. Es hat eben Vorteile, wenn die Streicheleinheiten und das Futter nicht geteilt werden müssen!

Hunde Begegnungen auf unseren Spaziergängen sind glücklicherweise kein Problem. Gina tritt im Zweifelsfall lieber einmal mehr den Rückzug an und über lautes Gebell hört sie einfach hinweg, stimmt auch nicht ein. Einigen Hunden aus der Nachbarschaft begegnen wir natürlich immer wieder. Und da haben sich inzwischen erste Freundschaften entwickelt.

Morgens um kurz nach 5 Uhr, wenn wir die erste Runde unter der Woche drehen, dann begegnen wir öfter Fossi und Tracy – die auch aus dem Tierschutz stammen – und die Drei sind einfach süß zusammen. Da wird gewedelt und geschnüffelt und nicht eher Ruhe gegeben, bis wir ein Stück zusammen gehen. Und dass wo ich nicht gerade ein Morgenmensch bin… aber für Gina werde ich sogar zu nachtschlafender Zeit gesprächig!

Auch mit Lizzy – einer Hündin die zur Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland getötet werden sollte, um die Straßen von den Hunden zu „reinigen“ – versteht sie sich gut und auch wenn sie sich meist nur durch den Zaun begegnen, ist die Freude doch jedes Mal groß.

Aber ihre liebsten Freunde sind Mila und Damon. Ein Malinois-Husky Welpe und ein Husky. Seit einiger Zeit verabreden sich die Drei zum spielen. Und wie das auch bei Kindern ohne Fell ist, mal toben die Drei bei uns und mal besuchen wir sie. Und dann geht es im wahrsten Sinne des Wortes drunter und drüber, wobei Damon, der schon ein fortgeschritteneres Alter hat, ihr gerne das toben mit dem Hundebaby überlässt. Er hat ja sonst schon genügend mit der kleinen Hundedame zu tun. (Deswegen ist er auf den Fotos auch leider nur hin und wieder am Rand zu sehen.)

Auf diese Weise werden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: die Hunde sind wunderbar ausgelastet und die Frauchen – die sich glücklicherweise auch mögen – plauschen ganz gemütlich zusammen. Und für die wärmeren Tage habe ich schon versprochen, Muffins (für die Menschen, für die Hunde gibt es aber bestimmt auch etwas leckeres!) zu backen. Dann werden wir uns gemütlich draußen im Garten hinsetzen und unseren Energiebündeln zuschauen. Ich freu mich schon darauf!

IMG_3252IMG_3255IMG_3256IMG_3257IMG_3258IMG_3259IMG_3260IMG_3251

Gina ist verletzt UND I´m back

Am letzten Sonntag haben mein Mann und ich einen Riesenschreck bekommen: wir waren bei schönstem Wetter im Klosterwald spazieren, Gina genoss all die Gerüche und auch das Bad an ihrer Lieblingsstelle am Teich.

IMG_3166

Und dann plötzlich, jaulte sie auf, sprang zurück und hielt ihre linke Vorderpfote in die Luft… eine ihrer Krallen war angebrochen und zwar so tief, dass es kurz blutete. Wir hatten Glück im Unglück und unsere Süße konnte nach einer Pause wieder einigermaßen laufen, so dass wir es bis zum Auto geschafft haben. Sich tragen zu lassen ist nämlich so gar nicht ihr Ding! Zuhause haben wir die Stelle erst einmal mit klarem Wasser ausgewaschen und desinfiziert. Und zu diesem Zeitpunkt war sie auch schon wieder munter, zumindest so lange sie nicht gegen die Kralle kam, die in einem unnatürlichen Winkel abstand.

Den folgenden Tierarztbesuch hat sie gut überstanden – ich war froh, dass wir schon einmal „grundlos“ da gewesen waren und sie ihn kannte. Und nun ist für diese Woche ein wenig Schonung angesagt, was sie ganz schön langweilig findet. Aber die erhöhten Krauleinheiten machen natürlich so einiges wieder wett…

Ansonsten habe ich mich weiter durch die Familien Unterlagen gewühlt und bin noch zu etlichen Einsichten gekommen. Ganz fertig bin ich noch nicht, aber den Rest schaue ich mir nach und nach an. So langsam werde ich davon nämlich ein wenig rammdösig. Ausschließlich in der Vergangenheit zu wühlen, ist eben auch nicht das Wahre. Und daher gehts nun fröhlich zurück an die „normale“ Arbeit und – ENDLICH – wieder ans bloggen!

Heute werde ich erstmal in Ruhe schauen, welche Beiträge ich die nächste Zeit schreiben möchte, denn abgesehen von den laufenden Projekten (Schreibkick, Fotoprojekt, abc-Etüden) ist schon wieder einiges passiert, was ich erzählenswert finde. Zum Beispiel hat der Vertiefungsteil des Kurses für SterbebegleiterInnen begonnen. Was u. a. bedeutet, dass der Kurs sich auch bald dem Ende zuneigt und dann, ja, dann geht es los mit den Begleitungen.

Ich krempel jetzt also mal meine Ärmel hoch und lege so richtig… ok, erstmal gibt es noch eine Kraul-Einheit für Gina und dann geht es los!

 

 

Kurz auftauchen

Vor einer Woche bin ich abgetaucht und ich werde auch noch weiter auf Tauchgang sein, aber heute will ich doch mal kurz auftauchen, um Luft zu holen… naja, Euch einfach kurz erzählen, was ich derzeit mache und wie es mir geht. Dabei kann ich dann auch direkt meine Gedanken sortieren.

Zu dem: WARUM bin ich abgetaucht und WAS ich im Moment mache:

Vom 22. – 24. März war ich wieder in Hamburg, wo ein weiteres Wochenende meiner Ausbildung zur Seelfrau (Sterbe-, Trauer- und Seelenbegleiterin) stattfand. Es war bereits das 6. Wochenende und es dreht sich nach wie vor um das Thema Erwachsenen-Trauer. Ich werde sicherlich noch Beiträge über die unterschiedlichen Themen schreiben, denn ich bin selbst immer wieder erstaunt, wie vielfältig das Ganze doch ist.

Aber an diesem Wochenende ging es um systemisches Arbeiten in der Trauerbegleitung. Und natürlich wird in dieser Ausbildung mit den eigenen Erfahrungen gearbeitet, was den Vorteil hat, dass ich diese selber aufarbeiten kann und was den Nachteil hat, dass eben auch Erfahrungen auf den Tisch kommen, die ich sehr gerne komplett aus meinem Hirn löschen möchte.

Am 5. Wochenende ging es u. a. um Suizid und wobei mir dies natürlich auch nahe geht (wir hatten vor Jahren selbst ein Familienmitglied, dass durch eigene Hand aus dem Leben geschieden ist), kam ich damit sehr gut klar.

Doch am 6. Wochenende hieß es gleich am Freitag, dass wir ein Genogramm (ein Genogramm ist eine grafische Darstellung einer Familienkonstellation, ähnlich wie ein Stammbaum) zeichnen sollten. Das Wort „Familie“ ließ mein Herz schneller schlagen. Aber nicht im positiven Sinne. Halb im Spaß sagte ich zu meiner Sitznachbarin: „Das ist die erste Aufgabe, die ich nicht machen will.“ Im Gegensatz zu mir, nahm sie dieses Gefühl was da gerade in mir auftauchte ernst und äußerte meine Bedenken laut. Wer jetzt denkt: wie übergriffig ist das denn, dem sage ich: es war ok, denn sie kennt mich schon sehr gut und wir haben ein Vertrauensverhältnis über die Monate aufgebaut. Zudem wusste sie, dass meine Mutter an diesem Tag ihren 89. Geburtstag gehabt hätte und ich emotional sowieso wackelig war.

Natürlich wollte ich mich gewohnt stark zeigen und es mit einem abwinken abtun. Aber da hatte ich die Wucht des Tsunamis in mir unterschätzt. Ich begann zu zittern und ohne eine Kontrolle darüber zu haben, weinte ich herzzerreißend. Das „Ende vom Lied“ war, dass unsere Ausbilderin diese Aufgabe mit mir gemeinsam anging und ich nicht allein davor saß.

Und da wurde mir so einiges klar… ja, ich hatte vor Jahren schon mit einem Großteil der Familie gebrochen, aber trotz allem ist sie da. Und trotz allem habe ich mit ihr zu tun. Auch wenn ich es nicht will, wir gehören zumindest von der Abstammung her zusammen und ich kann sie noch soweit wegdrücken, letztendlich lösen sie sich dadurch nicht in Wohlgefallen auf. Es wäre jetzt für heute zu viel, um noch ins Detail zu gehen. Fakt ist, ich hatte Einsichten, die mir sehr gut getan haben. Und die mir klar gemacht haben, dass ich eben damit noch nicht „durch“ bin.

Im Laufe des Wochenendes – dass mir trotz oder gerade wegen des schwierigen Einstiegs so viel positives gebracht hat – fielen mir die Kisten ein, die bei mir zuhause warteten. Kisten mit Briefen, Dokumenten von meiner Mutter, von meiner Familie. Und genau diese habe ich in dieser Woche vorgekramt und bin in meine Familiengeschichte eingetaucht. Und es ist faszinierend, berührend. Es macht mich wütend, froh und traurig. Und – das wichtigste – es tut mir so gut. Es ist, als würde ich mich um eine Verletzung, die eine große Narbe hinterlassen hat, kümmern. Eine Wunde, die bisher nur äußerlich verheilt war, heilt nun von innen.

DSC_0006

Ja, soviel für Heute. Ich werde sicherlich auch noch die nächste Woche weiter „schürfen“ und dann… mal sehen. Mir fehlt es natürlich, meine anderen Projekte hier auf dem Blog weiter zu verfolgen, aber ich weiß, dass ich mich dann nur verzetteln würde. Insofern bleibe ich jetzt erst einmal bei diesem einen Projekt und alles andere kommt später.

Ich hoffe, Ihr genießt gerade Euer Wochenende und es geht Euch gut. Ganz lieben Dank auch für Eure Kommentare unter meinem letzten Beitrag – ich freue mich so sehr darüber! Und ich werde sie später auch noch beantworten, aber im Moment – ich habe es ja oben geschrieben – will ich doch bei einer Sache bleiben und ich hoffe da auf Euer Verständnis. Danke!

Eine Weile abtauchen

DSC_0038Hier sollte eigentlich der Schreibkick für den April stehen. Aber ich habe mich am Wochenende entschlossen, einem meiner lang geplanten Projekte den Vorrang zu geben. Anstoß dafür war ein Erlebnis, das ich am letzten Seelfrau Wochenende hatte und dass mir gezeigt hat, dass ich vor einem Thema davon gelaufen bin.

Daher werde ich mich die nächsten ein, zwei Wochen hier ausklinken und offline arbeiten. Worum es geht, erzähle ich Euch später. Denn mal ehrlich, wenn ich jetzt erstmal wieder ins plauschen komme… na, Ihr kennt mich ja!

So, nun werde ich gleich noch meine aktuellen Nachrichten beantworten und dann bin ich weg. Lasst es Euch gut gehen und wir lesen uns dann bald wieder – ich freu mich drauf!

Ein Jahr (und einen Tag) `Die Waldträumerin´ist erst der Anfang!

Gestern vor einem Jahr habe ich den ersten Beitrag auf diesem Blog gepostet: Begrüßungs-Geplauder. Er handelte von dem beginnenden Frühling und von den Überlegungen, die diesem Start voraus gegangen sind.

Forsythie

Ja, ich hatte 2017 lange überlegt, ob ich meinen alten Blog aufgebe – der sich rein um meinen Autoren-Alltag gedreht hat – und endlich dass mache, was ich wirklich will: Das Leben (Könnt Ihr auch den Frühling riechen?) und den Tod (Kann ein Herz an einer alten Zitruspresse hängen?) Hand in Hand gehen lassen. Was sie sowieso tun, ob wir das wollen oder nicht. Aber viele Blogs trennen das strikter. Was auch ok ist. Denn Trauernde, die Rat und Unterstützung suchen, wollen vielleicht gerade keine Jubelworte über Weihnachten, den Frühlingsbeginn…

Aber ich möchte auf diesem Blog den Themen Sterben, Tod und Trauer Raum geben – und dass mitten im Leben. Möchte die Möglichkeit geben, sich „nebenbei“ zu informieren über diese Themen, um die man vielleicht sonst gerne einen Bogen machen möchte. Zwischen all den Beiträgen über unsere Hundedame (Und plötzlich ist da wieder Pfotengetrappel), über sportliche Ambitionen (Fit mit 50), über Fotoprojekte (C wie Chinakohl) und eben auch dem, was mich als Autorin ausmacht (Adolar Adebar ist gut gelandet).

Und die „Rechnung“ ist aufgegangen! Etliche meiner früheren LeserInnen begleiten nun auch schon von Beginn an `Die Waldträumerin´ und unglaublich viele sind dazu gekommen. Ich liebe den Austausch mit Euch. Freue mich über Eure Kommentare, Euer Mitlesen.

Also stelle ich doch mal virtuell etwas zum anstoßen bereit (jeder nehme sich nach seinem Gusto) und dann heißt es: Happy Blog-Birthday, liebe Waldträumerin, auf viele weitere schöne Jahre und am allerwichtigsten DANKESCHÖN an Euch da draußen!

Ultralauf in Hörsum – Schneewittchen-Trail

Am Wochenende hat mein Mann wieder an einem Ultraulauf teilgenommen und wie versprochen kommt hier sein Bericht, den er mir wieder für meinen Blog zur Verfügung gestellt hat – DANKE dafür und nochmal GLÜCKWUNSCH, ich bin sehr stolz auf Dich!

Schneewittchen-Trail in Hörsum – 09. März 2019
von Holger Vergin

Seit Tagen schon ist das Wetter regnerisch, stürmisch und ungemütlich. Die Aussicht auf meinen zweiten Ultra in diesem Jahr war eher getrübt. Nun ja, ich bin zwar kein Schönwetterläufer, aber die Schauer und Sturmböen, die seit Tagen über das Land ziehen, bergen ja auch eine gewisse Gefahr, wenn man sich z.B. bei einem Traillauf vornehmlich im Wald aufhält.
Nun gut, ich war gemeldet, hatte trainiert und freute mich auf den Lauf. Vor 4 Jahren war ich schon mal in Hörsum am Start, damals noch auf der 80-KM-Strecke. Aber das wäre dieses Jahr zuviel gewesen. Somit standen 53 KM und 2.475 Höhenmeter auf dem Programm. Nach der Erfahrung im Januar (s. Bericht) ging ich von ca. 8 Stunden Laufvergnügen aus.

Die Anfahrt begann gegen 4.40 Uhr und dauerte knapp 2 Stunden. In der Zeit regnete es mal mehr, mal weniger, aber in Hörsum war es zwischenzeitlich trocken. Die 6-Uhr-Starter (80 KM) waren da schon das erste Mal nass geworden. Nach Begrüßung und Einchecken konnte ich ausgiebig frühstücken, –  Hauptquartier war das Hotel zur Eule – wartete das Eintreffen von weiteren Teilnehmern ab und kurz vor 8 Uhr standen wir auf der Straße und der Chef, Michael Neumann, schickte uns auf die Reise.


Einige flottere liefen vorweg und ich reihte mich im hinteren Drittel ein, wenn man bei letztlich 11 Finishern überhaupt von einem „Feld“ sprechen kann. Aber dass ist das Schöne an einem Einladungslauf, man ist unter sich, das ist wie ein Familientreffen.

Vorweg: Während des ganzen Laufs bekam ich nur wenige Regentropfen ab, auf der Heimfahrt jedoch stürmte und schüttete es besonders gruselig.

Mein Start war wie gewohnt verhalten und zu Anfang war ich mit einigen Damen unterwegs, wir unterhielten uns und trabten voran. Es ging von Anfang an aufwärts und der Boden wechselte zwischen „Waldautobahn“ und Single-Trail und, ganz wichtig, wir waren immer auf der Suche nach der gelben Raute. Diese war an Bäumen oder auch an Bänken oder Strommasten aufgesprayt und diente als Streckenmarkierung. Alternativ konnte man mit topographischer Karte oder mit GPS-Track an der Wegfindung arbeiten. GPS hatte allerdings den Nachteil, dass das Signal an manchen Stellen mal eben gute 50 Meter neben dem Track war und die Orientierung eher erschwert war. Aber wenn man sich erstmal „reingefunden“ hatte, war es im Prinzip einfach. Man musste nur aufpassen.


Von hinten kam ein Läuferpärchen zu uns aufgelaufen, ich hatte gar nicht mitbekommen, dass die Teilnehmer an der dritten Disziplin (30 KM) auch schon gestartet waren, und da die Damen gerade Pause machten, zog ich mit den beiden Kurzstrecklern weiter. Wir unterhielten uns gut, und kurz vor KM 10 (VP 1, unbemannt / VP bedeutet Verpflegungspunkt) ging es eine kleine Anhöhe hoch, die ich komplett lief und auf der folgenden Steigung war ich dann allein unterwegs. Aber nicht lange, drei Kilometer weiter traf ich auf zwei vor mir gestartete Läufer, sie wussten nicht so recht, ob es links oder rechts weiterging, eine weitere Läuferin kam von hinten angelaufen und wir bogen rechts ab und dann ging es gleich links weiter.

Der Boden war matschig und rutschig wie Schmierseife und schon bald nach diesem Stück ging es steil bergab. Aber nicht auf ebenen Wegen, hier waren tiefe Spuren und abgebrochene Zweige und quer liegende Baumstämme zwangen uns zu einem Hindernislauf. Während die anderen Läufer eher zaghaft waren, schritt ich konsequent voran. Als das Stück vorüber war, waren auch die Mitläufer „weg“. Ich drehte mich nicht mehr um und lief die anschließende Bergab Passage zügig hinunter.

Bald war ich am nächsten VP (KM 20) und trank einen Schluck Wasser. Mehr benötigte ich nicht zu diesem Zeitpunkt, bedankte mich und lief weiter. Über ein Feld zu einem Radweg und dann wieder hinauf in den Wald. Die sich hieran anschließende Passage war wieder sehr matschig und rutschig und anschließend wurde es auch nicht viel besser. Immer wieder lagen Äste quer, das Laub war an manchen Stellen kniehoch, kaum vorstellbar, das außer uns Trailläufern hier jemals irgendwer lang geht, wozu auch?


Dann gelangte ich wieder auf eine „Waldautobahn“, der Anstieg ließ mich wieder gehen, das ist übrigens immer eine gute Möglichkeit sich zu erholen, und dann bog der Track rechts ab. Es ging steil bergauf, und dann lagen nicht nur Äste quer, sondern der ganze Weg schien von Bäumen versperrt. Doch, ich war richtig, ich erinnerte mich an diese Stelle und oben angekommen fand ich den Weg nur anhand der gelben Markierungen, weil eigentlich kein Weg da war.

Nach einem weiteren heftigen Bergab-Trail lief ich über eine marode, asphaltierte Straße, um nach wenigen hundert Metern wieder rechts abzubiegen und mühsam einen steilen Anstieg zu erklimmen. Da sah ich weit vor mir einen weiteren Läufer klettern und wunderte mich, wo der wohl herkam. Auf dem anschließen Flachstück war er aber nicht mehr zu sehen. Kurz rechts in den Wald, zwischen den Feldern bergab und Hörsum und das Ende der ersten Etappe mit 30 KM und 1.250 HM lag bald hinter mir.

In der Verpflegung traf ich dann den anderen Läufer. Er zog sich gerade um, während ich ein Malzbier trank, ein paar Kleinigkeiten futterte und mich auf die zweite Runde machte. Kurze Zeit später lief er zu mir auf, er hätte echte Motivationsprobleme und ob wir nicht zusammen laufen könnten. Klar, sagte ich, das geht, aber normalerweise, ich kannte den Läufer, sei er viel schneller und ich könnte nicht versprechen, sein Tempo zu halten.

Zugegebenermaßen lief es dann besser als gedacht, die Trailpfade machten viel Spaß, das Wetter war trocken und nur etwas windig. Als es eine lange Steigung hochging, gab ich ihm von meinen Erdnüssen ab –  super Universalsnack für Ultra’s – und trotzdem musste er kurz darauf pausieren und durchatmen. Ich ließ ihn zurück, leider, und trabte weiter. Es gab immer wieder heftige Steigungen durchs Unterholz und genauso steile Abstiege, ich machte jede Menge Höhenmeter und dann, nach ca. 45 KM war ich an der Adamishütte. Die 80er liefen hier noch eine Extraschleife, für mich ging es direkt bergab und erstmal aus dem Wald heraus. Aber nicht ohne vorher noch etwas Malzbier zu trinken und ein paar Snacks zu futtern, vorzugsweise salzige Sachen.

 

Als ich ankam machte sich gerade ein anderer Läufer auf den Abstieg, und trotzdem ich nicht lange in der VP war, sah ich diesen erst im Ziel wieder. Aber noch war es nicht soweit und es gab noch ein paar fiese Anstiege mit Dornenbewuchs und anderen „Gemeinheiten“. Über Felder hinweg durch einen „Zwergentunnel“ und dann am Rand von Alfeld durch ein Gewerbegebiet. Nochmals ein knackiger Anstieg auf rutschigen Wegen und hinter mir zog es sich dunkel zu. Erste Tropfen fielen und ein Donnerschlag verhieß nichts Gutes. Ausgerechnet jetzt musste ich noch mal über ein freies Feld, aber von Blitz und Donner war dann nichts mehr zu hören und zu sehen. Ein letzter steiler Anstieg, hinab nach Hörsum, durch ein Wohngebiet und nach 7:18 Stunden war ich im Ziel.

Geschafft, dort traf ich dann den Läufer, den ich an der Adamishütte gesehen hatte und es stellte sich heraus, dass das der Sieger der 80-KM-Strecke war. Und noch etwas stellte sich heraus, nämlich das ich der Sieger der 53-KM-Strecke war. Ich meinte mich verhört zu haben. Ich sollte den Lauf gewonnen haben? Es gab noch zwei Frühstarter um 6 Uhr, aber beide waren langsamer als ich, so dass es feststand. Ich war viel zu verblüfft, um mich richtig zu freuen, ich konnte es einfach nicht glauben. Aber als Michael mir gratulierte, Urkunde und Siegerpräsent überreichte, realisierte ich es so langsam.
In den ganzen 27 Jahren, in denen ich an Volksläufen teilnahm, hatte ich noch nie etwas gewonnen, weder eine Altersklassen geschweige denn einen Lauf.
Ich war der Sieger – toll!

Nachlese: Heute, am Sonntag danach sitze ich hier und schreibe meinen Bericht. Es regnet schon den ganzen Tag, jetzt wandelt sich das Ganze auch noch in Schnee. Was habe ich doch gestern für ein Glück gehabt!

Fazit: Den Schneewittchen-Trail habe ich jetzt schon 2x mitgemacht, Michael Neumann veranstaltet auch noch andere Läufe, an denen ich auch teilnahm. Und allen gemeinsam ist, das sie mit viel Liebe zu uns Läufern und mit viel Verständnis für unsere Bedürfnisse gemacht sind. So werden auch die 2 Hunde, die ihre Besitzer begleitet haben, in der Ergebnisliste aufgeführt – schließlich haben sie auch gefinished!

Jetzt lege ich wieder die Beine hoch, die Zeit für Regeneration ist auch wichtig, und freue mich auf weitere Läufe.