„Yes“ – (Lebens-) lange Leidenschaft

„Yes“ – (Lebens-) lange Leidenschaft
von Holger Vergin

Ich weiß nicht, welche Beziehung die heutige Jugend zur Musik hat. In Zeiten, in denen alles jederzeit verfügbar ist, frage ich mich, welchen Wert der einzelne Song noch hat.
Mit 10 Jahren sah ich schon die Hitparade im ZDF, und abends im Bett sang ich, mit nicht vorhandenen Englischkenntnissen, diese nach. Wenn meine Mutter dann ins Zimmer kam und wollte das ich schlief, trällerte ich unter der Bettdecke weiter: Schließlich wollte ich ja wissen, wer gewinnt!

Damals (1972) beherrschten 2-3 Minuten-Songs die „Charts“. Deutsche Künstler sangen eingedeutschte Versionen von englischsprachigen Originalen. Als Einstieg war das ideal. Und dann, es muss 1974 gewesen sein, hörte ich bei meinem Cousin andere Musik. Stücke, die eine ganze LP-Seite füllten, Namen, die ich nie zuvor gehört hatte. Mein Cousin war 17, mein Bruder 14 und ich war bei den Familienfeiern dann auch bei den Beiden im Zimmer (wer wollte schon bei den Erwachsenen sein?) und so bekam ich alles mit.

DSC_0332Und dann hörten wir: „Close to the Edge“ vom Livealbum „Yessongs“, Rick Wakeman ließ seine Tasteninstrumente perlen, zwischendurch klang es wie in einer Tropfsteinhöhle, Steve Howe zauberte auf seiner Gitarre und Jon Anderson’s ätherische Stimme klang wie aus einer anderen Welt. Chris Squire am Bass und Alan White am Schlagzeug sorgten für den nötigen Rhythmus. Obgleich bei manchen Passagen kein Takt mehr zu erahnen war. Und 18 Minuten später musste ich erstmal wieder in die Welt zurückfinden, derart fasziniert war ich von diesem magischen Moment.

Damals konnte ich mir noch keine Platten selbst kaufen, erst mit der Konfirmation und der ersten Anlage konnte ich starten. Und kurze Zeit später erwarb ich mein eigenes Exemplar in einer gebrauchten Version. Jetzt komme ich wieder auf den Anfang zurück, denn damals war so eine Platte eine echte Geldanlage. Einmal im Monat fuhr ich mit meinen Eltern in die große Stadt nach Hannover. Aber außer das ich durch Kaufhäuser geschleppt wurde, ab und zu was anprobieren sollte, war da nichts. Ich konnte nicht mal eben so losgehen und mir selber was kaufen. Erstens hatte ich kein Geld und zweitens… alleine? Keine Chance! Dazu mussten erst noch ein paar Jahre vergehen. Wenn ich also mal Gelegenheit hatte, an eine Schallplatte zu gelangen, so behandelte ich diese auch wie einen kultisch verehrten Schatz. Das ging meinen Altersgenossen übrigens genauso, es waren eben andere Zeiten.

Die Lieder auf „Yessongs“ stammten überwiegend von den drei davor erschienenen Studioalben, daher sah ich damals keine Notwendigkeit, diese auch zu kaufen. Ich hatte die Songs ja auf dieser Live-Platte. Gegen Ende 1976 wünschte ich mir „Relayer“ zu Weihnachten. Das war harter Stoff im Vergleich zu „Yessongs“, außerdem war Rick Wakeman nicht mehr dabei. „The Gates of Delirium“ forderte den Hörer echt heraus, der Schluss „Soon“ versöhnte aber wieder mit völlig abgefahrenen Tönen. Als nächstes kaufte ich mir 1977 „Tales from topographic Oceans“, ein Doppelalbum mit vier seitenlangen Stücken. Das gefiel mir besser, die Platte erschien ja auch noch vor „Relayer“ und war damit musikalisch näher an „Yessongs“. Und dann kam „Going for the one“ heraus, Rick Wakeman war nach einer Pause wieder eingestiegen und mit „Awaken“ gab es erneut ein Meisterwerk. In meiner Best-of-Liste ist „Close to the Edge“ immer noch vorne, aber „Awaken“ ist dicht dahinter.

Danach wurden die Platten schwächer, die Besetzungswechsel häufiger, aber 1987 kaufte ich mir „Big Generator“. Diese war, 80er-typisch, deutlich poppiger aber immer noch erkennbar Yes, nur eben in einer modernen Version. Ich freundete mich damit an und Ende der 80er war auch diese Reinkarnation der Band Geschichte.

Nach dem kurzen ABWH-Intermezzo (Anderson, Bruford, Wakeman and Howe) hörte ich Anfang der 90er noch „Union“ und dann kam nicht mehr viel. Persönliche Änderungen in meinem Leben nahmen mehr und mehr Platz ein und erst Anfang des neuen Jahrtausends, als ich wieder nach Platten suchte, stieß ich auch wieder auf Yes. Zunächst kaufte ich alle alten Sachen, die mir noch fehlten und passend dazu traten Yes 2003 in Hannover auf. Das war tatsächlich das erste und einzige Mal, dass ich sie live gesehen habe. In den 70ern hatte ich weder das Geld noch die Möglichkeiten sie irgendwo zu sehen.

Einige Jahre später ging das mit dem Vinyl wieder richtig los. Ich realisierte dann, dass auch die ab den 90ern erschienen Alben, die es zunächst nur auf CD gab, als Platten wieder veröffentlicht wurden. Auf einen Schlag kaufte ich ca. 10 Platten und entdeckte die jüngere Historie der Band neu. Viel hatte ich zuvor schon darüber gelesen, wie schlecht oder mäßig diese Musik in den Augen/Ohren anderer sein sollte. Aber ich konnte alles mit eigenen Ohren neu entdecken.

Natürlich würde es nie wieder ein neues modernes „Close to the Edge“ geben, aber das erwarten wohl auch nur die Ewig-gestrigen. Ich habe mich einfach an der schönen Musik erfreut und (manchmal) bedauert, dass ich nicht schon früher wieder richtig dabei war. Und ja, bedauert habe ich es auch, das Jon Anderson und die übrigen Bandmitglieder seit über 10 Jahren getrennte Wege gehen.

Man kann Benoit David oder Jon Davison (die nachfolgenden hauptberuflichen Sänger der Band) mögen oder nicht. Aber das Yes (die Version ohne Jon Anderson) im Jahr ihres 50-jährigen Bestehens (2018) die Studio-Platte aus 2011 („Fly from here“) nochmal veröffentlicht haben und hierbei lediglich die Vocals von Benoit David durch andere Bandmitglieder ersetzt haben (auf mögliche neue Abmischungen oder Änderungen und einen (!) neuen Song gehe ich jetzt hier nicht ein), finde ich nicht in Ordnung. Das ist auch die einzige Platte, die ich mir wahrscheinlich nie von ihnen kaufen würde. So gesehen fehlt mir von den offiziellen Platten nur „Live from Lyon“, da muss ich noch ein bisschen sparen, und die bisher nie auf Vinyl veröffentlichten „Keys to Ascension“. CD’s kaufe ich schon lange nicht mehr und so warte ich auf die LP-Versionen.
Hocherfreut war ich auch, als letztes Jahr eine anfassbare Version der Musik von „Yes featuring Anderson Rabin Wakeman“ erschien. Trotzdem war ich ein wenig wehmütig, weil ich kaum glaube, dass es noch mal zu einer Reunion der alten Recken (Anderson, Wakeman, Howe und White im Wesentlichen) kommen wird. Und ja, immer wieder neue Live-Alben mit Versionen der alten Klassiker auf den Markt zu werfen ist auch nicht immer so prickelnd. Aber als Fan ist man ja dankbar dafür, dass man überhaupt irgendetwas neues, anderes von seinen Lieblingen zu hören bekommt. Insofern könnte ich auch noch bei den Soloalben der einzelnen Künstler meinen Appetit stillen, da fehlt noch einiges. Aber da fehlt eben auch dieses spezielle, was sich aus dem Zusammenspiel aller ergibt.
Das Erstaunlichste für mich aber ist, das ich auch heute noch eine Platte aus 1970 auflegen kann, die ich schon vor vielen Jahrzehnten gehört habe, und immer noch meine Freude daran habe. Das nennt man wohl eine lebenslange Leidenschaft.

Ultralauf in Bad Münder – Süntel-Trail

Mein Mann Holger hat wieder die Lauf-Schuhe geschnürt und war diesmal im Süntel unterwegs…

Süntel-Trail in Bad Münder – 06. Juli 2019
von Holger Vergin

Wie war ich froh, dass dieser Lauf nicht schon eine Woche vorher auf dem Programm stand. Ich mag es zwar auch gerne mal warm, aber Temperaturen jenseits der 35-Grad-Marke müssen es auch nicht sein. Es hatte sich deutlich abgekühlt und für den Lauf waren Werte zwischen 16 und 20 Grad angesagt. Worum ging es? Häuptling Helmut hatte schon im Oktober des letzten Jahres zum Trail im Süntel aufgerufen und im November war die diesjährige Ausgabe mit ca. 30 Teilnehmern ausgebucht. Damals wusste ich noch nicht, ob und wie ich würde laufen können, aber nach mittlerweile drei gefinishten Ultra-Trails in diesem Jahr war ich zuversichtlich, auch wenn die Strecke von 50 Meilen (oder 80 KM) eine deutlich größere Herausforderung war.


In 2014 war ich dort die 50 KM und in 2015 auch schon die 50 Meilen gelaufen, ich wusste also, was mich erwartete. Aber auch das „Rahmenprogramm“ konnte sich sehen lassen. Ab 6 Uhr gab es Frühstück und nach dem Lauf gab es noch ein Abendessen in Buffetform. Und das alles zu vergleichsweise günstigen 50 Euro Startgeld.
Samstag früh um vier Uhr klingelte der Wecker, eine Runde mit unserem Hund Gina, Sachen packen und dann ca. 50 min. Autofahrt, schon war ich da und konnte mich nach der Anmeldung ans frühstücken machen. Die anderen Läufer trudelten allmählich ein und schließlich standen wir um kurz vor sieben vor der Bildungsstätte Bad Münder an einer imaginären Startlinie. Während wir noch so quatschten ertönte ein Schuss, und Helmut schickte uns auf den Weg.

Wie bei vielen dieser kleinen Läufe gab es keine Markierungen oder abgesperrte Straßen. Jeder hatte auf seinem GPS-Gerät den Track und musste die Strecke eigenständig finden. Und wie so oft ist es gerade bei Gruppen von drei, vier Läufern so, dass jeder denkt, einer weiß schon wo es lang geht, und schon hat man sich verlaufen. Daher finde ich es wichtig, erstmal auf dem eigenen Gerät zu schauen, das man auf dem richtigen Track ist und weiß, wie die Orientierung funktioniert.
Auch wenn der Lauf Süntel-Trail heißt, ging es zuerst in den Deister. Hier liefen wir die ersten ca. 16 KM und anfangs waren alle noch dicht zusammen und man konnte sich unterhalten. Es ging beständig auf und ab, viele Singletrails wechselten sich mit breiten Waldwegen ab und die ersten Höhenmeter wurden, je nach Können, gelaufen oder gegangen. Ein Steinbruch wurde umrundet und dann näherten wir uns schon dem Waldrand. Auf einen Radweg lief ich ca. 500 Meter, bog dann nach links ab, über die Straße und Richtung Süntel. An einem Golfplatz vorbei war der Einstieg in den nächsten Trail in den Osterberg nicht ganz leicht zu finden. Dort verlief dann eine Bahnlinie, an der ich kurze Zeit entlanglief und nach einem weiteren Linksknick kam wieder ein schöner Singletrail.

An dessen Ende stand ich dann unversehens in einem Feld. Wären vor mich nicht schon etliche Läufer durchgekommen, so wäre der Weg nicht einfach zu finden gewesen. Außerdem kannte ich das „Brennnesselfeld“ von den vorherigen Läufen, nur das damals so gut wie kein Bewuchs vorhanden war. Schon bald war ich dann im Süntel und es ging bergauf. In Klein-Süntel war die erste von vier Verpflegungsstellen und danach lief ich auf dem Panoramaweg am Waldrand entlang. Hier gab es tolle Ausblicke in die Landschaft, aber der wurzelübersäte Untergrund erforderte viel Aufmerksamkeit. An Welliehausen vorbei begann dann richtige Anstieg. Auf teils schmalen Singletrails wurde Höhenmeter um Höhenmeter erklommen, die Landschaft war dabei sehr urwüchsig. Quer liegende Bäume und brusthoher Bewuchs zeugten auch davon, dass außer uns hier niemand lang ging oder lief. Dann war der Süntelturm nicht mehr fern und nach dieser ersten Besichtigung verlief der Weg gleich wieder steil abwärts über Geröll und Wurzeln.

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Die Strecke führte uns jetzt für längere Zeit auf dem Rücken des Süntels durch die Landschaft, bis es unvermutet links ging, durch zugewachsene Fahrspuren, die einer anderen Zeit zu entstammen schienen. Wir verloren reichlich Höhenmeter, es ging zwischen Feldern hindurch und nach kurzer Zeit kamen wir zur zweiten VS, Pappmühle. Hier waren 39 KM geschafft. Etwas essen und trinken, die Wasserflaschen auffüllen und weiter. Am Blutbach entlang gelangte ich zur Baxmannbaude, hier begann der Aufstieg zum Hohenstein. Der Weg war durch viele Treppenstufen gekennzeichnet, die aber sehr unregelmäßig verlegt waren.

Nach einiger Zeit musste ich rechts abbiegen um den Einstieg in den Klippenweg nicht zu verpassen. Hier begann einer der schönsten Teile der Strecke. Steil aufragende Klippen zur Linken und unwirklich scheinender tiefer Märchenwald zur Rechten machten diesen Abschnitt zu einem echten Highlight. Der Weg führte auf einen breiten Waldweg und linksherum führte dieser zum Hohenstein. Von hier bietet sich ein traumhafter Blick ins weite Land.

Nach kurzem Genuss lief ich weiter, über Treppenstufen hinab und dann musste ich aufpassen, den Einstieg zu finden, wo es zur Blutbachquelle hinauf geht. Noch so ein traumhaftes Stück Weg, links und rechts erhoben sich dunkel die Talwände und der kleine Läufer marschierte stetig den Weg bergan. Bis auf das leise Plätschern des Baches war es still und die Strecke erforderte höchste Konzentration. Endlich oben fand ich die Quelle ausgedörrt vor, nur wenig Wasser war hier vorhanden. Nach kurzer Rast lief ich weiter und erreichte bald die Südwehe. Hier sollten wir aufpassen, nur ja den richtigen Weg zu finden. Ein Blick auf das GPS-Gerät reichte, und mir war klar, wo es lang ging. Hier oben auf der Südwehe war die Natur wieder sehr spektakulär und wildromantisch. Dann führte die Strecke bergab und ich näherte mich dem Waldrand.


Der Pfad der Sinne führte bei Kessiehausen am Wald entlang, und nach einer Weile ging es rechts ab und wieder bergan. Erst langsam dann stetig steiler werdend und schließlich über Stock und Stein kam ich an einem Weg heraus der mich gleich wieder bergab führte. Vorbei an einem weiteren Steinbruch kam ich zur dritten Verpflegung in Hamelspringe. Noch einmal auftanken und weiter zur Süntelturmrunde, in deren Verlauf ich zum zweiten Mal den Turm erblicken sollte. Hier war der Anstieg am Großen Steinbach entlang die kraftraubendste Aufgabe. Über 2,5 KM führt ein Panzerplattenweg gemächlich bergan um dann in einen kleinen steilen Trail überzugehen, der mich ziemlich forderte. Aber auch das war bald geschafft und so musste ich beim Bergablaufen nur noch auf den richtigen Weg achten. Einmal lief ich dann auch ein Stück zu weit, merkte dies aber schnell und korrigierte meinen Fehler. So kam ich nach ca. 70 KM zur Alten Ziegelei wo es noch mal Verpflegung gab. Mittlerweile hatte es ziemlich aufgefrischt und kurze Zeit später fielen erste Tropfen.

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Zwischen den Feldern hindurch war die Strecke offen, so dass ich bald froh war, nach dem Brennnesselfeld wieder das Waldstück erreicht zu haben, auf dem wir schon auf dem Hinweg unterwegs waren. Die Blätter hielten den jetzt heftigen Regen doch einigermaßen ab, und so ging ich einen Großteil des Weges. In der Hoffnung, das der Regen etwas nachließe, wenn ich wieder auf freier Strecke unterwegs war. Dies bewahrheitete sich leider nur zum Teil, so dass ich auf dem Rest des Laufweges ziemlich nass wurde. Da das Ziel aber nahe war, störte es mich dann irgendwann auch nicht mehr. Und endlich, nach 11:32 Stunden war ich dann da, überglücklich und erschöpft, aber nicht total fertig.

Ziemlich schnell war ich unter der Dusche verschwunden und konnte anschließend schon zum Essen gehen. Ich bediente mich reichlich am Buffet, immer mehr Läufer trudelten ein und wir tauschten gegenseitig unsere Erlebnisse aus. Gegen 20 Uhr gab es noch eine Siegerehrung und danach löste sich alles allmählich auf.
Nach der kurzen Heimfahrt reckte und streckte ich mich auf dem heimischen Sofa und freute mich über das Geschaffte.
Nächstes Jahr findet der Lauf am 18. Juli statt, ob ich wieder daran teilnehme werde ich erst im Lauf des Herbstes entscheiden.

 

„Eigene Wege sind schwer zu beschreiben…

… sie entstehen ja erst beim Gehn.“

„Meine eigenen Wege“, so heißt das Lied (den Text findet Ihr hier) von Heinz Rudolf Kunze, in dem diese Zeile enthalten ist. 1988 erschien es. Ich war 19 und es sprach mich an. Denn „Meine eigenen Wege“ wollte ich schon damals gehen. Gelungen ist mir das nicht immer. Oft war ich Mitläuferin. Ja-Sagerin zu anderen Wegen.

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Im Nachhinein betrachtet, haben all diese mitgelaufenen Wege, all die Sackgassen, in denen ich mir den Kopf blutig gehauen habe, mich zu der gemacht, die ich heute bin. Und es waren viele wunderbare Wege dabei. Auf ihnen bin ich Menschen begegnet, denen ich dankbar bin, dass wir ein Stück zusammen gegangen sind. Ohne, dass einer vorweg lief und der andere gezogen wurde. Einfach so. Seite an Seite.

Ich habe schon oft gehört und gelesen, dass die Wechseljahre für Frauen viele Veränderungen im Gepäck haben. Ob es tatsächlich daran liegt, kann ich nicht sagen. Aber Tatsache ist, dass ich seit ein, zwei Jahren andere Wege gehe.

Schon öfter habe ich in meinem Beiträgen davon geschrieben, dass ich gelernt habe, `Nein´ zu sagen. Daran war früher nicht zu denken. Es war mühsam, diese vier Buchstaben über die Lippen zu bekommen. Doch mit der Zeit wurde es leichter. Denn, so eine Art `Nein´ ist ein Ja zu mir selber.

Meine Aus- und Weiterbildungen zur Sterbe- und Trauerbegleiterin sind der größte Schritt auf meinem neuen Weg. Und nachdem nun schon das erste Jahr vergangen ist, stelle ich fest, dass sich in meinem Umfeld einiges getan und vor allem verändert hat. Es gibt Menschen, die mögen diese Veränderungen bei mir nicht und haben sich zurück gezogen. Und dann gibt es Menschen, bei denen ICH festgestellt habe, dass wir nicht mehr zusammen passen. Ja, das tut auch weh. Mal mehr, mal weniger. Aber ich merke auch, dass es nötig und gut ist.

Es gibt Tage, an denen habe ich einfach nur Angst. Angst, die falschen Entscheidungen getroffen zu haben oder noch zu treffen. Angst, dass mein neuer Weg mich in die Irre führt. Denn noch weiß ich nicht, wo es lang geht. Ja, ich habe gewisse Vorstellungen, aber mit jedem Schritt entdecke ich zur Zeit neues und vieles davon verändert in mir noch ein Stückchen mehr.

Die meiste Zeit wandere ich den Weg voller Freude, singend und pfeifend entlang. Ich freue mich über all die Menschen, die mir begegnen und bin gespannt, wer noch alles meinen Weg kreuzen wird.

„Das wird schon“, sagt einer meiner Herzensmenschen immer. Und daran glaube ich auch. Denn „eigene Wege entstehen ja erst beim Gehn.“ Und so mache ich – mal mehr, mal weniger mutig – einen Schritt nach dem anderen und bin dankbar für die Möglichkeit, dies tun zu können.

Die Auskurier-Zeit für das Hunde-Training nutzen

Bereits bei meinem letzten Bänderanriss im vergangenen Jahr durfte ich erfahren, wie lange es dauert, bis der Fuß wieder belastbar ist. Der Unterschied zu diesem Jahr war jedoch, dass Gina noch nicht bei uns lebte. Das ändert so einiges…

All die Stunden auf dem Sofa (hochlegen, kühlen…) brauchte ich nun nicht alleine durchzustehen. Gina und ich haben „bis zur Bewusstlosigkeit“ gekuschelt und diesen Teil der Zeit genossen.

Aber es bedeutet leider auch, dass ich fast drei Wochen keine Spaziergänge mit ihr machen konnte. Naja, das habe ich Euch ja alles schon erzählt.

Nun habe ich diese Zeit aber nicht ungenutzt verstreichen lassen, sondern mit Gina weiterhin trainiert. Eben all das, was auch im sitzen oder an Krücken stehend geht. Wir haben z. B. die Grundkenntnisse nochmal aufgefrischt: Sitz und Platz – beides so lange, bis ich „Lauf“ sage, und sie wieder los darf. Dann habe ich mich auf Youtube schlau gemacht, was man einem Hund so alles beibringen kann. Und Ihr könnt mir glauben, da ist Mensch sehr erfinderisch.

Will ich aus Gina etwa eine Zirkushündin machen? Nein. Aber ich möchte sie nicht nur körperlich, sonder auch geistig auslasten. Gerade in dieser Zeit, wo die Bewegung doch kürzer kommt. Und daher kann sie nun auch Pfötchen geben (wobei sie oft so aufgeregt ist, dass sie sich auf den Rücken schmeisst und mir alle Pfoten hinstreckt) und auf Ansage sucht sie versteckte Leckerchen (drinnen in einem Handtuch verpackt und draußen auch im Gras oder auf Gegenständen).

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Und seit ich wieder an Krücken durch den Garten hüpfen kann, sind wir auch da kreativ geworden: wenn ich mit der Hand in der Luft einen Kreis beschreibe und „Herum“ sage, dann läuft sie ein Mal um den Carport Pfosten (wahlweise auch einen Baum) herum. Auch meine Krücke findet Einsatz, in dem ich sie als kleines Hindernis verwende, über das Gina nach einem „Hopp“ hinüber hüpft.

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Das aufregendeste erleben wir aber, seit ich wieder kleine Runden mit ihr spazierengehen kann. An einer Krücke und ganz langsam (ja, meine übermütige Hündin passt sich da tatsächlich an, so gut es ihr möglich ist) gehen wir einen langen Feldweg hoch und runter. Rechts und links befinden sich Maisfelder und die nächste Straße ist weit genug entfernt, damit sie nicht vor ein Auto läuft. Außerdem gehen wir in der Mittagszeit und da bin ich im Moment die einzige, die unterwegs ist.

Und so haben wir es gewagt… unser wochenlanges Rückruf Training findet nun auf diesem Feldweg statt. Was an einer Schleppleine und im Garten begonnen hat, funktioniert nun schon so gut, dass ich wahnsinnig stolz auf unsere Gina bin. Denn in unserer Hündin (ein Podenco-Mix) steckt ein Jagdhund. Und selbst wer sich mit Hunden nicht auskennt, kann sich vorstellen, dass Hunde, die gerne jagen (ein bisschen steckt da wohl in jedem…), ich sage mal manchmal „aufwendiger“ zurück zu holen sind. Da bedarf es zahlreicher kleiner Übungsschritte, viel Geduld, viel Lob und einem riesigen Haufen Liebe.

Tja, und für all das habe ich im Moment natürlich deutlich mehr Zeit als sonst. Da soll doch nochmal einer sagen, dass eine Fußverletzung nur negativ ist!

Ach ja, zum Thema Hundetraining allgemein: was ich immer wieder feststelle ist, dass nicht jede Trainingsmethode zu Gina und mir (und meinem Mann!) passt. Ich höre mir gerne vieles an (von unserem Hundetrainer und auf Youtube) und dann machen wir einen Mix daraus. Und dass funktioniert dann richtig gut und macht uns auch Spaß. Denn ohne Spaß ist es doch dröge, etwas neues zu erlernen.

Zum Abschluss noch meine zwei Lieblings-Hunde-Youtuberinnen (Achtung: unbezahlte WERBUNG aus schlichter Begeisterung): Ikarusdoodle und Vroni´s Hundeschule. Und im echten Leben trainieren wir in der Hundeschule am Steinhuder Meer.

Leicht grummeliger Samstags-Plausch

Heute beginne ich meinen Beitrag mal mit einer Frage: Bin ich kleinkariert, wenn ich erwarte, dass Jemand eine Absprache einhält?

Manchmal denke ich, ich gehöre zu einer ausgestorbenen Spezies. Meine Mutter hat mir „Bitte“ und „Danke“ sagen beigebracht. Und dass man nicht zu spät kommt. Höflich und respektvoll gegenüber älteren Menschen sein. Naja, eben all das, was man früher als „gute Erziehung“ betrachtet hat. Wobei wir unserem Sohn das auch noch beigebracht haben. Denn ja, ich finde das nach wie vor wichtig und richtig!

CJQI4585Ihr ahnt es schon… ich habe mich heute über Jemanden geärgert. Mein Mann nimmt heute wieder an einem Ultra-Lauf teil und somit war klar, dass Gina heute nur frühmorgens einen Spaziergang haben würde und sich ansonsten mit unserem Garten begnügen müsste. Was für einen Tag ja auch mal ok ist, mir aber nicht so gut gefällt. (Mein Mann hatte überlegt, seinen Lauf abzusagen, aber das wollte ich nicht. Schließlich hat er gefühlte Ewigkeiten dafür trainiert!)

Ich versuche mit solchen Situationen so gut es eben geht, allein klar zu kommen. Dann bin ich von niemandem abhängig und das hat Vorteile. Wie ich heute mal wieder sehen durfte… Nachdem ich mir meinen Bänderanriss zugezogen hatte, kam von einer Seite das Angebot: hey, wenn Du mit Gina Hilfe brauchst, sag einfach Bescheid. Total lieb, aber ich hatte erst einmal abgelehnt. Nun kam das Angebot Mitte dieser Woche noch einmal und ich dachte an den heutigen Tag… sah meine Gina mit gesenktem Kopf durch den Garten schlurren… ich bin eben manchmal eine echte Drama-Queen!

Und dann sagte ich: hey, es wäre toll, wenn Deine Hunde am Samstag mit Gina spielen könnten. Klar, kein Problem, war die Antwort. Verbunden mit der Bitte am heutigen Tag noch einmal zu erinnern. Was ich heute morgen getan habe. Und es kam eine Zusage für den Nachmittag.

Als der Abend am Horizont auftauchte, leuchtete auf dem Handy plötzlich eine sorry-hab-ich-vergessen-Nachricht auf. Hatte ich mir zu diesem Zeitpunkt schon gedacht und so habe ich mich mit einer Krücke mit Gina auf den Weg zu einer kleinen Runde um den Block gemacht. Was super gut lief, da unsere Süße so vorsichtig und behutsam mit mir umgeht, als sei ich ein rohes Ei.

Eine Stunde später, ich hatte Gina gerade gefüttert, klingelte es an der Tür. Ohne weitere Nachricht standen sie nun vor selbiger. Sorry, hab ich gesagt. Gina hat gerade gefressen. (Wer das nicht weiß, Hunde können wenn sie mit vollem Magen toben, eine lebensgefährliche Magenumdrehung bekommen) Heute geht es nicht mehr. Zudem war ich auch nicht mehr gewillt, mich bei deutlich kühlerem Wetter in den Garten zu setzen, während die Hunde spielen.

Leider hatte Gina natürlich mitbekommen, dass ihre Kumpels da waren und ich… hatte dann doch noch ein schlechtes Gewissen. Aber – sorry – ich bin „altmodisch“. Absprache ist Absprache. So!

Inzwischen liegt Gina zufrieden neben mir auf dem Sofa, lässt sich kraulen und döst. Es wird andere Spiel-Tage geben, da bin ich sicher. Und anstatt nun weiter zu grübeln, drücken wir Herrchen für die letzten 10 km lieber noch Daumen und Krallen.

Habt noch ein schönes Wochenende!

Meine Pläne für das 2. Halbjahr

Wahnsinn, wie schnell das 1. Halbjahr des Jahres 2019 vergangen ist! Und nachdem ich mich in den ersten Monaten vorrangig um unser Hundekind Gina – sie ist jetzt auch schon fünf Monate bei uns! – gekümmert habe, heißt es nun aber auch mal wieder die Ärmel hochkrempeln.

Wie schon häufig erwähnt, benötige ich Pläne, um meine Ziele zu erreichen. (Ja, ich bin ein kleines Faultier… wobei das heutzutage ja prokrastinieren genannt wird) Also habe ich mir schon vor Wochen meinen Kalender und ordentlich Schmierpapier geschnappt und dann ging es los mit dem planen: was steht an? Was ist mir besonders wichtig? Welche Projekte will ich in diesem Jahr noch umsetzen?

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Da ich seit einem Jahr zweigleisig fahre – neben dem Schreiben mache ich eine Ausbildung zur Seelfrau (Sterbe-, Trauer- und Seelenbegleitung) – muss ich schauen, dass ich alles unter einen Hut bekomme bzw. nichts zu kurz kommt.

Meinen Kurs für ehrenamtliche SterbebegleiterInnen habe ich ja bereits im Mai beendet und nun werde ich schon bald meine erste Begleitung haben. Meine Seelfrau Ausbildung geht bereits in das zweite Jahr, was u. a. bedeutet, dass ich meine Abschlussarbeit schreiben muss. Das bedeutet nicht nur: ein Thema festzulegen, eine Gliederung zu erstellen, zu recherchieren und das Ganze dann auch zu schreiben, sondern ich muss mich auch noch durch die Pflichtlektüre arbeiten (knapp die Hälfte habe ich bereits) und es stehen allein in diesem Jahr noch drei Wochenenden in Hamburg und ein Treffen der Arbeitsgruppe an.

Und dann möchte ich auch wieder regelmäßig und vor allem größere Projekte schreiben. Das letzte größere waren meine Adola Geschichten, die ich für das Lesenetzwerk Rehburg-Loccum geschrieben habe. Und seitdem habe ich mich kurz und kürzer gefasst. Was auch mal eine Herausforderung war, aber nun möchte ich wieder andere Wege gehen… also schreiben!

Zum einen wartet „Erika“ noch auf mich. Diese Figur ist im Rahmen eines Schreibkicks in mein Autoren-Leben getreten und sie lässt mich nicht los. Daher werde ich in den nächsten Wochen eine (lange) Kurzgeschichte schreiben, die in der (Vor-) Weihnachtszeit spielt und in selbiger dann auch hier zu lesen sein wird.

Letztendlich handelt es sich dabei auch um eine „Aufwärmübung“, denn dann steht mein nächstes Buch an, eine magische Geschichte, bei der Seife eine große Rolle spielt.

Natürlich wird es weiterhin mindestens zwei Beiträge pro Woche hier bei „Die Waldträumerin“ geben. In den nächsten zwei Monaten habe ich schon zwei interessante Interviews geplant. Und sobald mein Fuß wieder in Ordnung ist, werde ich damit loslegen.

Im November findet mein jährliches Seminar „Schreib-Lust“ an der ev. Heimvolkshochschule Loccum statt, welches erfreulicherweise bereits seit Wochen ausgebucht ist! Das hat es in all den Jahren noch nicht gegeben und ich freu mich riesig darüber!

Ja, Ihr lest es schon: Langeweile kommt bei mir garantiert nicht auf. Im Gegenteil, ich habe eine straffe Planung gemacht, damit nichts unter die Räder kommt. Und… ich musste wohl oder übel zwei „Schreib-Dinge“ fürs erste streichen, weil ich einfach nicht auf allen Hochzeiten tanzen kann bzw. will. Zum einen werde ich bei den Schreibkicks pausieren und bei den inzwischen lieb gewonnenen abc.Etüden. (Vielleicht habt Ihr ja Interesse dort mitzuschreiben. Hier und hier sind die Links dazu!)

Hin und wieder werde ich sicherlich von meinen Schreib-Fortschritten erzählen und Beiträge über meine Tätigkeiten in Sachen Sterbe- und Trauerbegleitung wird es künftig auch wieder geben.

Und bevor ich mich nun in all das hineinstürze, werde ich erst einmal meinen Fuß hochlegen, denn der benötigt im Moment auch noch Pflege. Habt noch einen schönen Tag!

Was der Air-Dingsbums mit dem Schwung macht…

`Mit Schwung in das zweite Halbjahr´- ja, so lautete mein erster Beitrag nach der Frühlingspause. Und nun sollte es heute den nächsten Fotobeitrag geben, aber mein Schwung wurde äußerst unelegant abgebremst… am besten erzähle ich von Anfang an:

Am Mittwoch Abend machte ich frohgemut mit Gina unsere Abendrunde. Das Wetter war toll – nicht zu warm, es wehte ein leichtes Lüftchen und der bevorstehende Sommerbeginn blinzelte aus allen Ecken heraus. Es war herrlich!

Gina zog übereifrig an der Leine – gerade hatte ein Kaninchen unseren Weg gekreuzt – als ich aus heiterem Himmel mit dem linken Fuß umknickte und wie ein gefällter Baum zu Boden ging. Ein fieser Schmerz schoss durch meinen Knöchel und ich dachte nur: nein, nicht schon wieder! (das letzte umknicken liegt gerade mal ein halbes Jahr zurück…)

Glücklicherweise kam meine kluge Hündin sofort wieder zu mir gelaufen und hüpfte aufgeregt um mich herum. Ich griff nach der Leine, die mir beim Sturz aus der Hand geglitten war, und versuchte mich aufzurappeln. Aber im Gegensatz zum letzten Jahr, funktionierte das erstmal gar nicht und mein Fuß wollte sich in keinster Weise benutzen lassen. (Habe ich erwähnt, dass mein Handy zuhause auf dem Küchenthresen lag…)

Irgendwie gelang es mir dann doch, mich aufzurappeln und kurz darauf kamen schon meine Nachbarn angelaufen, die durch das aufgeregte Gebell ihres Hundes, der im Garten war, aufmerksam geworden waren. Ich war so erleichtert! Sie haben Gina und mich dann gleich nach Hause gefahren (eine Strecke von ca. 300 m…), wo ich dann meiner immer noch leicht verstörten Hündin ihr Abendfutter gegeben habe. (Keine Ahnung, wie ich diese kurzen Wege noch geschafft habe??)

Und dann bin ich erstmal aufs Sofa gelumpst. Mein Fuß war mittlerweile ordentlich angeschwollen und ich heulte wie ein Schlosshund. Was natürlich sofort wieder Gina auf den Plan rief, die sich dicht an mich kuschelte und mir über das Gesicht schleckte.

Nachdem der erste Schock verdaut war, habe ich meinen Fuß gekühlt und hoch gelegt. Da mein Mann noch nicht zuhause war, habe ich mir den ersten Trost bei meinem Sohn und danach noch bei meiner Freundin telefonisch abgeholt (die mich dann auch ins Krankenhaus fahren wollte, aber ehrlich gesagt am späten Abend ins Krankenhaus, wenn es nicht lebensnotwendig ist… nöööö).

Kennt Ihr das auch, wenn Ihr wisst, dass alles nur halb so schlimm ist und auch wieder gut wird und trotzdem seid Ihr erst einmal völlig fertig? Genauso ging es mir. Das Gute bei mir ist aber, wenn ich diese erste Phase hinter mir habe und geheult, geschluchzt, gejammert… habe, dann taucht auch ratzfatz die Optimistin und vor allem die Ärmel-hoch-kremplerin wieder auf. Und so hatte ich dann schon einen Plan für den nächsten Tag, als mein Mann nach Hause kam. Ich war natürlich heilfroh, nicht mehr alleine dazu hocken! (Wohlbemerkt hatten auch meine Nachbarn weitere Hilfe angeboten!)

Der nächste Tag hatte dann irgendwie was von wir-drehen-jetzt-mal-versteckte-Kamera-mit-Dir… was bedeutete, dass mein gefasster Plan sich in Luft auflöste. Mein Mann hatte sich Urlaub genommen und wollte mich zu dem Chirurgen meines Vertrauens fahren. Ab 9 Uhr beginnt dort die Sprechstunde und mein Mann schlug vor, dass wir gleich bei Beginn der Sprechzeit vor Ort sein sollten. Aber ich hatte ein blödes Bauchgefühl und meinte, das wir lieber erst einmal anrufen sollten. (Ich hatte am Vorabend noch angerufen und die nette Stimme vom Band hatte mir mitgeteilt, dass ich außerhalb der Sprechzeiten anrufen würde…).

Als wir dann um 9 Uhr anriefen, lief ein anderes Band: Urlaub bis zum 24. Juni. Danke Bauchgefühl, dass Du mich mal wieder vor etwas bewahrt hast. Die Fahrt hätte nämlich 40 min. gedauert! Ok, Plan B lautete, zu meiner Hausärztin zu fahren, um vermutlich von dort weiter überwiesen zu werden. Eine viertel Stunde später standen wir mit offenem Mund vor der Praxis: wegen Renovierungsarbeiten erst ab dem 24. Juni wieder geöffnet. YEAH!

Ok, Plan C. Im nächsten Ortsteil die Allgemeinpraxis anfahren, dort eine Stunde warten und mit einer Einweisung ins Krankenhaus wieder raus zu kommen. Inzwischen waren insgesamt zwei Stunden vergangen, so dass wir erstmal wieder nach Hause zu Gina gefahren sind. Denn unsere Hündin ist bisher nicht länger als drei Stunden allein gewesen und wer weiß, wie lange es noch im Krankenhaus dauern würde. Also ging mein Mann noch eine kleine Runde mit ihr spazieren, wir haben eine Kleinigkeit gegessen und dann ging es auch schon an die 20 minütige Fahrt ins Krankenhaus.

FußLetztendlich war es dann doch noch mein Glückstag! Die Notfall Ambulanz war so gut wie leer und nach zwei Stunden waren wir mit einem Rezept für Thrombose Spritzen (wie gut, dass ich vom letzten Jahr noch weiß, wie ich mir die selber spritzen kann…), einer Schiene, die sich Air-Irgendwas nennt und der Diagnose Bänderanriss wieder auf dem Heimweg. Kein Bruch – HURRA!

Also irgendwie ist doch noch alles glimpflich abgelaufen. Klar, im Moment muss ich den Fuß hochlegen und kühlen, mir 1 x täglich die Spritze verpassen und unsere Hündin um viel Geduld bitten, während mein Mann im Büro ist. (Welch Glück, dass wir einen großen Garten haben). Aber mal ehrlich: es wird alles wieder heilen und diese 5-6 Wochen werden auch vergehen.

Und im Moment baut mein Mann (der sich im Moment so super um alles kümmert, von der Gina-Betreuung über den Hausputz bis hin zur Massage meines verspannten Nackens) gerade einen Hunde-Pool für Gina im Garten auf (sie ist eine absolute Wasserratte und ich habe passenderweise vor ein paar Tagen dieses Teil bestellt) und da kann ich mich dann daneben auf einen Stuhl setzen und ihr Aqua-Spielzeug (was es nicht alles gibt…) hinein schmeißen und sie so beschäftigen.

Fazit: alles ist gut und der Rest heilt auch noch!

Habt noch ein schönes Wochenende und genießt die Sommerzeit!