Ein wenig plauschen

Seit dem Wochenende hat mich eine Erkältung fest im Griff. Der nächtliche Schlaf wird von häufigem schniefen und röcheln unterbrochen. Tagsüber bin ich dann schlapp. Wie DSC_0137gut, dass ich in dieser Woche erst ab Freitag Termine habe und mich hängenlassen kann. Naja, fast. Mein Wochenend-Termin besteht aus dem jährlichen Schreib-Lust Seminar an der ev. Heimvolkshochschule in Loccum. Und das will vorbereitet sein. Natürlich habe ich das meiste schon „im Sack“, aber es fehlt natürlich noch das eine und andere und mit Schniefnase geht das ja deutlich langsamer.

Trotz allem freue ich mich sehr auf das Seminar, das ich bereits seit 2011 mache. Etliche Teilnehmer kommen in jedem Jahr wieder und sind mir dementsprechend ans Herz gewachsen. In diesem Jahr kommen einige Neue hinzu, so dass es richtig spannend werden wird.

Meine letzte große Erkältung (oder konnte man das schon Grippe nennen?) hatte ich im Dezember letzten Jahres. Volle drei Wochen war sie bei mir zu Gast, richtete sich häuslich ein und ich konnte tatsächlich meist nur liegen. Ich bin – glücklicherweise!! – nur selten krank. Und wenn, dann geht es meist mit seelischen Problemen einher, die auch an meinem Immunsystem knabbern. Im vergangenen Jahr war es das Sterben und der Tod meiner Mutter. Auch in diesem Jahr hängt es noch einmal mit ihr zusammen, da mich ein zweiter „Trauer-Schub“ umgehauen hat. Zudem hatte ich nicht gut genug auf mich geachtet und mich in einigem übernommen. Ich schrieb bereits darüber und bei Interesse findet Ihr hier den Beitrag.

Daher ist es mir nun auch wichtig, gut für mich, für meine Seele, mein Herz zu sorgen. Und so habe ich den Tag heute gleich mal mit einem Spaziergang begonnen. Die Herbstsonne lachte vom blauen Himmel herunter und ich schlich gemütlich eine kleine Runde über unsere Feldwege. Gerade soviel, dass mir der Atem nicht wieder knapp wurde. Außerdem natürlich viel trinken – ich fühle mich durch die Erkältung irgendwie ständig wie ausgetrocknet – und natürlich Obst und Gemüse. Und… gute, positive Gedanken.

Ich bin außerdem in der glücklichen Situation, liebe Menschen um mich zu haben, die sich um mich kümmern und sorgen. Dafür bin ich unglaublich dankbar, denn das ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Überhaupt das mit der Dankbarkeit: ich mache mir jeden Tag bewusst, wie viel Glück ich doch habe. Ein Dach über dem Kopf, zu essen, zu trinken, besagte liebevolle Menschen und dass ich gesund bin.

„Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden“, sagte einst Mark Twain. Ich versuche es. Jeden Tag aufs neue. Und mal klappt es besser, mal schlechter. Schließlich bin ich auch nur ein Mensch und manchmal kotzt auch mich alles einfach nur an. Aber meist eben nicht. Meist bin ich der „halbvolles-Glas-Typ“ und auch für diese Einstellung, die ich nicht immer hatte, bin ich dankbar.

So, und nun werde ich eine Schatzkarte malen. Ja, auch für mein Seminar. Und ich bin schon so gespannt, was die Teilnehmer in diesem Jahr von meinen Ideen halten. Ach ja, und eine Tasse Thymian Tee mit Honig, die gibt es auch gleich noch. Und dann schaue ich mal, was mir der Tag noch schönes bringt.

Passt gut auf Euch auf und wenn Ihr könnt, genießt das schöne Herbstwetter!

Ein kleines Apfel Wunder

Ein Besuch auf dem Nienburger Wochenmarkt ist nicht nur hinsichtlich der frischen Produkte ein schönes Erlebnis. Für mich sind es auch die bunten Ansichten, die mich auf DSC_0006einen Markt ziehen. Die Stände mit den Blumen, die in blau, gelb, rot und anderen Farben um die Wette leuchten. Die grünen Salatköpfe, neben den roten und gelben Paprika und all die Menschen. Alle Altersklassen sehe ich dort. Die Jüngsten, die noch im Kinderwagen den Einkauf verschlafen, bis hin zu den Ältesten, die sich schwer auf ihre Rollatoren stützen und denen die Marktverkäufer hilfreich die Tüte mit dem Obst in den kleinen Korb legen.

Es sind all diese Beobachtungen, die mich faszinieren. Die Gerüche und Geräusche und – natürlich – die Gespräche. Als ich neulich wieder über `den schönsten Wochenmarkt Europas´- dazu wurde er im Jahre 2008 gekürt und obwohl ich weiß, dass es auch andere sehr schöne gibt, gefällt er mir persönlich immer wieder – schlenderte, wäre ich beinahe an einem Mini-Stand vorbei gegangen.

Eine Frau fortgeschrittenen Alters saß dort auf einem Stuhl und las in einem Buch. Neben sich hatte sie fünf Stiegen voll mit gelb-roten Äpfeln. Obenauf lag ein Schild mit der Aufschrift: Ungespritzt. Leckere Äpfel waren genau das, was mir an diesem Tag noch fehlte und ich war sicher, dass hier auch ein schönes Gespräch im Preis inbegriffen sein würde.

„Hallo. Ich hätte gerne 1 kg Äpfel.“
Die Frau sprang auf und lächelte. „Gerne. Sie sind ungespritzt und ganz frisch gepflückt. DSC_0019Sie werden ihnen sicher gut schmecken.“
„Das glaube ich! Was man heute im Supermarkt bekommt, schmeckt ja oft gar nicht mehr.“
Sie nickte. „Außerdem sind sie derart behandelt, dass viele Allergien gegen Äpfel entwickelt haben.“
„Apfel Allergie?“ Ich sah sie neugierig an. „Davon habe ich noch nichts gehört.“
„Ja. Aber meine Äpfel“, die sie nebenbei schon in meinen Beutel packte, den ich ihr rüber gereicht hatte, „die vertragen sogar Allergiker.“ Ich konnte sehen, wie stolz sie auf ihre Äpfel war. Verständlicherweise, denn wenn sie nur halb so gut schmeckten, wie sie aussahen…
„Einmal war ein Ehepaar bei mir“, erzählte sie mir, „und die Frau hatte Jahrelang keine Äpfel gegessen und vermisste sie so. Und dann bot ich ihr einen von meinen an. Der Mann stand gleich mit einem Asthma Spray daneben“, sie lächelte bei der Erinnerung, „er hatte richtig Angst um sie. Und dann biss sie hinein, kaute, schluckte… und strahlte über das ganze Gesicht.“
Nun lachte ich auch. „Sie hat sie also vertragen.“
„Oh ja! Es war ein richtig kleines Apfel Wunder!“ Inzwischen hatte sie meine Äpfel gewogen und mir meinen gefüllten Beutel gegeben. „Die nächsten zwei Wochen bin ich auch noch hier“, erklärte sie, während ich bezahlte, „aber dann ist es für dieses Jahr vorbei.“
Wir verabschiedeten uns herzlich voneinander und sie winkte mir noch nach.
Ich ließ mir an diesem Tag gleich zwei von den leckeren Äpfel schmecken und dachte dabei an das kleine Apfel Wunder.

 

Gemütliche Rückkehr in den Alltag

Wenn ich Urlaub mache, habe ich keine Vertretung. Niemand, der vielleicht schon mal Mails beantwortet oder anstehende Aufgaben erledigt. Ich bin selbstständig. Seit 14 DSC_0006Jahren schon. Und ich bin glücklich damit, denn es bedeutet u. a. auch, dass ich mir Auszeiten nehmen kann. So, wie in der letzten Woche. Ein paar Tage raus aus dem Alltag. Raus aus dem Gedanken Karussell, das sich mal wieder viel zu schnell drehte. Ein – fast – spontaner Ausflug an den Rhein. Und das bei schönstem Herbstwetter!

Gestern Nachmittag sind wir zurück gekommen und heute morgen hieß es nun: zurück an den Schreibtisch und ganz nebenbei aufräumen, Wäsche waschen, den nächsten Einkauf planen. Die Liste ist lang.

Ich begann zu wuseln und fragte mich bereits nach einer halben Stunde, ob eine gemütlichere Rückkehr in den Alltag nicht besser sei. Klar, das Schreib-Lust Seminar muss noch zu Ende vorbereitet werden (findet das tatsächlich schon nächste Woche statt??) , neue Beiträge wollen geschrieben werden und die Arbeit an meinem Kinderbuch soll auch vorangehen. Und wie war das mit all den Mails? Wo kommen die eigentlich in gerade einmal vier Tagen her?

„In der Ruhe liegt die Kraft“, heißt es ja. Und da ich mir meine Zeit selber einteilen kann, habe ich beschlossen, es heute ruhiger angehen zu lassen. Einfach so. Mir ganz dreist diesen Luxus zu gönnen. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich in den kommenden Tagen umso effektiver arbeiten werde, wenn ich heute den ganzen Kleinkram erledige und mir erst einmal über die anstehenden Aufgaben einen Überblick verschaffe. Dank meines Wochenplans, den ich vor dem Kurztrip erstellt habe, weiß ich das im Großen und Ganzen, aber trotzdem…

Und siehe da: kaum habe ich ein wenig Dampf raus gelassen, in Ruhe durchgeatmet, mal einen Blick aus dem Fenster gewagt, schon bin ich deutlich gelassener und zuversichtlicher. Mal ganz ehrlich, so einen Zusammenbruch wie ich ihn im Juni hatte, möchte ich definitiv nicht wieder riskieren.

Mit kleinen Schritten habe ich mich nun den Vormittag über voran gearbeitet und sehe schon deutlich Licht am Horizont. Und mal schauen, vielleicht schaffe ich es heute noch, den geplanten Beitrag über unseren Ausflug in den Rheingau zu schreiben. Aber erstmal werde ich meine Mittagspause für einen Ausritt durch den Herbstwald nutzen…

Was macht Ihr, wenn die Wellen mit all den unerledigten Aufgaben drohen über Euch zusammen zu schlagen? Vielleicht habt Ihr ja noch ein paar Tipps – dann nichts wie rein in die Kommentare damit!

Ich wünsche Euch einen entspannten Start in eine schöne Woche!

Vorfreude auf den Herbst beim morgendlichen Spaziergang

Es ist noch früh am Morgen. Die Sonne erobert sich Stück für Stück den Himmel zurück. Ihre ersten Strahlen huschen zwischen den Bäumen hindurch. Die Luft ist frisch und klar. Kälter als anden letzten Tagen. Herbstlicher, auch wenn kalendarisch noch Sommer ist.

Das leise Tapsen meiner Schuhsohlen ist das einzige Geräusch. Ich atme tief ein, genieße die Ruhe und die Einsamkeit, die meine Morgenrunde mir schenkt. Plötzlich ein rascheln. Ein Eichhörnchen huscht aus dem Gebüsch, schnappt sich eine der herum liegenden Walnüsse und ist im nächsten Moment wieder verschwunden. Wo es die Nuss wohl vergraben wird?

Über den Feldern hängt das erste Mal wieder Nebel. Wie durch einen leichten Schleier sehe ich die Stoppelfelder mit den Resten der Maispflanzen. Gelbe, vertrocknete Stummel, die aufgereiht darauf warten, unter die harte vom heißen Sommer ausgelaugte Erde gepflügt zu werden.

Mein Blick wandert über die früh abgeernteten Felder. Die Sicht ist nun wieder weit und offen. Unverstellt. Das Laub verfärbt sich in diesem Jahr schon früh. An einigen Bäumen sind die Blätter beinahe im Zeitraffer von dunklem Grün zu verrottendem Braun übergegangen. Ein Teil liegt bereits am Boden, raschelt als ich hindurch gehe.

Das Weinlaub, das sich vereinzelt an den Seiten entlang- und an Bäumen emporrankt, hält sich tapfer. Rot leuchtet es zwischen dem Grün. Es erzählt vom beginnenden Herbst. Vom Herbst, der Stück für Stück den Platz des Sommers einnehmen wird. Der gerade noch mit dem Altweibersommer Hand in Hand geht. Doch bald heißt es Abschied nehmen von den langen heißen Wochen.

Ich denke an gemütliche Abende bei Kerzenschein. An Wollsocken an meinen Füßen. An Spaziergänge durch den herbstlichen Wald, begleitet vom kühlen Wind, der an den Ästen rüttelt.

In Gedanken versunken öffne ich zuhause das kleine Gartentor. Leuchtendes Rot der noch blühenden Rosen begrüßt mich. Als ich durch den Garten gehe, sehe ich wie viele Farbtupfer es noch gibt und auch die Fette Henne beginnt sich rötlich zu verfärben. Zufrieden kehre ich ins Hause zurück. Angefüllt mit guten Gedanken und einem großen Glücksgefühl: Willkommen Herbst – ich freu mich auf Dich!

IMG_2070IMG_2071IMG_2073IMG_2075IMG_2076IMG_2082IMG_2083IMG_2084IMG_2085IMG_2086

 

Ein Murakami Abend

Kennt Ihr die Bücher von Haruki Murakami? Murakami ist ein japanischer Autor. Einer, IMG_1870der seinen ganz eigenen Stil gefunden hat, sich trotzdem weiter entwickelt und sich auch durch Kritiker – die er besonders in seinem eigenen Land hat – nicht von dem abbringen lässt, was er tut und wie er es tut.

Ich bin über meinen Mann an die Bücher gekommen. „Kafka am Strand“ war das erste, das ich gelesen habe. Ich liebe diese surrealistischen Momente, die in seinen Geschichten zu finden sind. Den ruhigen Erzählfluss, der mich als Leserin mit nimmt und mir schöne Lese-Momente verschafft.

Eins seiner Vorbilder ist der amerikanische Autor John Irving („Hotel New Hampshire“, „Die Bären sind los“, „Garp“…) – bei beiden ist es so, dass man ihre Erzählstile liebt oder hasst – so kommt es mir zumindest vor. Sie erinnern an die Zeit der Romantik, in der z. B. Charles Dickens Geschichten schrieb, die lang und – so sehen einige es – ausschweifend waren. Eine andere Zeit eben. Ich persönlich mag es, wenn auf diese Art und Weise erzählt wird, insofern lese ich diesen Erzählstil – in moderner Form von beiden Autoren genutzt – sehr gerne. Kein Wunder also, dass ich mich gefreut habe, als die Buchhandlung Leuenhagen und Paris in Hannover einen Murakami Abend angeboten hat.

Natürlich wäre es toll gewesen, wenn der Autor selber da gewesen wäre, aber die Zuhörer haben auch so einen spannenden und einzigartigen Abend erlebt. Die deutsche IMG_1871Übersetzerin Ursula Gräfe hat an diesem Abend von ihrer Übersetzer Tätigkeit erzählt. Davon, wie sich die Zusammenarbeit mit dem Autor, aber auch mit den Übersetzern aus anderen Ländern gestaltet. Da gab es jede Menge Anekdoten und Frau Gräfe hat all dies in einer sympatischen und humoristischen Art erzählt.

Es kam dann auch die Frage auf, ob sie denn Herrn Murakami schon einmal persönlich kennen gelernt habe. Und prompt erzählte sie von einer Preisverleihung in deren Verlauf, sie dem Autor dann tatsächlich gegenüber gestanden hätte. Und wie aufgeregt sie doch gewesen sei. Aber Herr Murakami sei ein sehr freundlicher, bodenständiger Mensch, mit dem man leicht ins Gespräch käme, so dass künftige Treffen dann ohne weiche Knie im Voraus abliefen.

Zum Schluss der Veranstaltung las sie noch eine Geschichte vor, die die Inspiration für den aktuellen Zweiteiler „Die Ermordung des Commendatore“ gewesen sei. Sie handelte von einem Mönch, der lange Zeit begraben war und immer mit einem Glöckchen geläutet habe. Ziemlich gruselig, aus dem Bereich des Buddhismus. Es war auf jeden Fall spannend auf diesem Weg einen Blick hinter die Schreib-Kulissen werfen zu können.

Und dass dann auch noch ein paar Bücher gemeinsam mit meinem Mann und mir den Heimweg antraten… das brauche ich wohl kaum zu erwähnen.

Das Wörtchen NEIN – ein Gedankenschwall

„NEIN ist die negative Antwort auf eine Frage, die positiv oder negativ beantwortet DSC_0080werden kann“ – bei Wikipedia liest sich das so einfach. Und sicherlich gibt es auch Menschen, denen dieses kleine Wort mit den vier Buchstaben leicht über die Lippen geht. Bei mir war und ist das nicht der Fall.

Beinahe ein halbes Jahrhundert dauert mein Leben nun schon an und ich kann es gar nicht zählen, wie oft ich in all den Jahren JA gesagt habe, obwohl alles in mir NEIN schrie. Was für Kämpfe ich mit mir selber hatte, die letztendlich sogar meine Gesundheit gefährdet haben. Kommt Euch so etwas bekannt vor?

Zudem habe ich ein ausgeprägtes Helfersyndrom. Früher stand es auf meiner Stirn geschrieben: Hey, sprich mich an, ich opfere mich gerne für Dich auf! Irgendwann musste ich lernen, dass ich es Kräftemäßig nicht schaffen kann, immer zu geben und zu geben und zu geben. Und dass es auch gar nicht Sinn der Sache ist! Geben und nehmen – so soll es sein! Ok, das hatte ich also gelernt und habe meine Kräfte maßvoll eingesetzt.

Trotzdem blieb da das Problem mit dem Wörtchen NEIN… besonders Freunden und Familie gegenüber. Denn Frau hat sie doch lieb. Wie kann sie da NEIN sagen? Ganz einfach. Weil die eigene Stärke nicht unbegrenzt vorhanden ist. Weil es mir manchmal selber schlecht geht und ich am Ende meiner Kräfte bin.

Und dann? Sage ich: NEIN! Alles geritzt? Denkste! Die Menschen gewöhnen sich rasch daran, dass man JA sagt und versucht alles möglich zu machen. Über die eigenen Kräfte hinaus. Und JA, ich helfe gerne. Und werde auch immer ein hilfsbereiter Mensch bleiben, aber wenn NEIN… dann naja, eben NEIN!

In den letzten ein, zwei Jahren bin ich im Familien- und Freundeskreis öfter angeeckt. JA, meine Lieben mussten sich erst daran gewöhnen, dass ich auch mal NEIN sage. Und dann auch dabei bleibe. Dass man mich nicht überreden kann – warum wird es überhaupt versucht?? – sondern dass es ein JA zu mir ist. Zu meinen Wünschen, meiner Gesundheit, meinem Leben.

Glücklicherweise gibt es auch die, die einfach gesagt haben: hey, richtig so, achte auf Dich! Du bist wichtig! Aber eben auch die anderen. Die, die mir kein Verständnis, keinen Respekt für mein NEIN entgegen bringen. Dabei haben sie sonst auch gesagt: hey, pass auf Dich auf! Aber die Situation ist eben immer anders, wenn dieses NEIN einem selber in die Suppe spuckt. Wenn es an das eigene Fell geht. Es ist nicht, dass ich solche Situationen nicht selber kenne… aber letztendlich akzeptiere ich das NEIN von den Menschen, die mir wichtig sind. Versuche sie in ihren Entscheidungen zu unterstützen. Dass und nur dass wünsche ich mir auch von ihnen.

Ist das zu viel verlangt?

Tick, Trick und Track spielen Häschen in der Grube

Früher Abend. Das Wetter muckelt vor sich hin, aber ich bin ja drin, also: kein Problem. Motorengeräusch, ein Blick aus dem Fenster – mein Mann kommt nach Hause. Ich tapse auf Socken in den Flur, öffne schon mal die Haustür, da kommt er auch schon auf mich zu. Sein Blick ist ernst: „Kannst Du mal kommen?“

`Oh, nein´, denke ich prompt, `etwas schlimmes ist passiert. Das Auto hinüber, Teile vom frisch gelieferten Carport geklaut… andererseits, mein Mann sieht gesund und munter aus, also kann es gar nix schlimmes sein.´Ich atme wieder ruhiger und gehe zu dem für unseren künftigen Carport ausgehobenen Fundament Bauloch, wo mein Mann steht und nach unten schaut.

Ich schaue auch hinein und im ersten Moment sehe ich nur ein 80 cm tiefes Loch, genau so wie gestern, vorgestern… Aber HALT! NEIN! Da, in der Ecke… ich beuge mich weiter runter. Dicht aneinander gedrängelt, eingerollt hocken sie: Tick, Trick und Track. Drei Igelbabys.

Anscheinend sind sie irgendwo im Garten aus den Büschen hervor gekommen und in das Loch geplumpst. Einer nach dem anderen. Fragend schauen wir uns an. Zwei Menschen ohne Igel Erfahrung und drei einsame Igelbabys in einem Loch. Was tun sprach Zeus?

Ein rascher Anruf bei der Wildtier Auffangstation in Sachsenhagen. Die Kleinen müssen 120 – 150 g wiegen, um überleben zu können. Irgendwann im August sind sie wohl geboren und nun ist, laut der Mitarbeiterin, die Zeit gekommen, wo sie immer öfter das Nest verlassen und auf Streifzüge gehen. Und dieser hat sie leider in diese Situation gebracht. Kalt dürfen sie auch nicht sein und die Augen nicht verklebt. Ansonsten sollen wir sie zum aufpäppeln nach Sachsenhagen bringen. Wenn sie fit sind, unter die Büsche setzen und klein gedrücktes Katzenfutter hinstellen.

Ok, nun heißt es handeln: die Kleinen vorsichtig nach einander raus heben – danach brauche ich tatsächlich selber eine Hand-Stütze um wieder heraus zu kommen – dann legen wir sie behutsam in einen kleinen Korb auf ein Geschirrhandtuch. Einer wird gewogen – die drei Kleinen sehen Gewichtsmäßig gleich aus – und Hurra es sind sogar knapp 200 g. Also das ist schon mal gut. Die Augen, sofern sie geöffnet sind, sehen auch nicht verklebt aus und sie fühlen sich warm an. Wir sind total erleichtert!

Wir suchen eine Stelle unter dem Haselnuss Busch, heben sie mitsamt dem Handtuch raus, der Teller mit Katzenfutter und einen mit Wasser haben wir daneben gestellt und dann gehen wir ein Stück zurück und beobachten. Tick, der mutigste von den Dreien, hält das Näschen in die Luft. Anscheinend schnüffelt er das Katzenfutter. Ratzfatz entrollt er sich, marschiert los, biegt kurz vor dem Teller ab und ist im Gebüsch verschwunden.

Trick hat sich derweil auch gerappelt, lässt sich bei der Betrachtung des Katzenfutters etwas mehr Zeit, biegt dann jedoch auch ab und ist nicht mehr zu sehen. Besorgt blicken wir auf Track. Er liegt da, zusammen gerollt wie eine Kugel mit Stacheln, die Augen zusammen gekniffen und rührt sich nicht. Glücklicherweise atmet er. Als man das rascheln und tappsen seiner Geschwister nicht mehr hört, kommt auch in ihn Bewegung. Nun aber husch, husch. Auf gehts, den anderen hinter her.

Genauso munter wie Tick und Trick trippelt er davon und wir? Wir sind unendlich erleichtert! Was noch bleibt ist eine Rauskletterhilfe zu bauen. Denn zum abdecken ist das Areal zu groß. Nächste Woche wird es glücklicherweise zu betoniert. Und bis dahin laufen wir regelmäßig Igel-Streife!

IMG_1932IMG_1953IMG_1956IMG_1957IMG_1958IMG_1959IMG_1960IMG_1961IMG_1962IMG_1963IMG_1964