Von Sterbebegleitung, Ausbildung und dem prallen Leben – ein Mischmasch-Plausch

Koffer packen. Darin bin ich inzwischen geübt. Seit Juni vergangenen Jahres fahre ich alle acht Wochen nach Hamburg, wo ich meine Ausbildung zur Seelfrau (Sterbe-, Trauer- und Seelenbegleiterin) mache. Auch Gina weiß inzwischen was es bedeutet, wenn mein roter Koffer aufgeklappt dasteht und ich alles hinein befördere was nicht bei Drei auf dem Baum ist. Dann schaut sie mich von unten herauf an… mit sooo traurigem Blick, dass ich kurz davor bin, wieder auszupacken. Was ich natürlich nicht tue, denn mein Mann verwöhnt unsere Süße, während ich weg bin, so dass ich ganz unbesorgt fahren kann.

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Während ich also routiniert meine Klamotten, Bücher, den Ausbildungsordner und was Frau sonst alles braucht, stapele, spazieren meine Gedanken auf eigenen Wegen. Seit Anfang der Woche ist meine erste Sterbebegleitung beendet und die vergangenen drei Monate wirken bei mir nach. Da kommen etliche Erinnerungen hoch. Schöne und traurige. Ich fühle mich durch das Erlebte bereichert, bin dankbar, dass ich Anteil nehmen und unterstützen durfte.

In den kommenden Wochen mache ich eine Pause und stehe nicht für die nächste Begleitung zur Verfügung. Zum einen möchte ich meiner Trauer – ja, ich trauere um den Menschen, der gestorben ist, auch wenn ich ihn nur kurz kannte – Raum geben, aber auch das in Ruhe erledigen, was in den kommenden Wochen ansteht.

Am 18. Oktober beginnt die Ausstellung zum Thema „Trauertattoos“ in Wunstorf (und im Anschluss noch in Neustadt am Rübenberge). Ich habe mich – neben vielen anderen ehrenamtlichen HelferInnen – bereit erklärt, beim Aufbau und der Begleitung der Ausstellung zu helfen. Worauf ich mich schon sehr freue! Ich bin gespannt, welchen Menschen ich in diesem Kontext begegne, welche Gespräche auf mich warten. Natürlich werde ich Euch im Anschluss davon berichten.

Und dann steht vom 01. – 03. November das jährliche Schreib-Lust Seminar in der Ev. Heimvolkshochschule in Loccum an, das ich aktuell vorbereite. Ich freue mich schon auf all die bunten Geschichten, die meine TeilnehmerInnen in diesen Tagen wieder zu Papier bringen werden. Etliche von ihnen nehmen bereits seit vielen Jahren daran teil, so dass diese Gruppe für mich etwas ganz besonderes ist.

Neben all dem darf natürlich unsere Hündin Gina nicht zu kurz kommen. Lange Spaziergänge, üben fürs Cross Dogging und seit neuestem macht sie gemeinsam mit Herrchen beim Mantrailing mit. Genau das richtige für unsere kleine Schnüffelnase.

Ach ja, eine Kleinigkeit noch – bevor ich dann meinen Koffer weiter packe – wusstet Ihr, dass es eigentlich Adventkalender heißen muss? Aber schaut Euch mal um: überall steht AdventSkalender. Frau lernt ja nie aus… aber ich werde das S auch weiterhin nutzen!

Habt einen schönen Abend und lasst es Euch gut gehen!

Last Christmas und ein (anfangs) saurer eBook Drops

Seit knapp einem Monat gibt es in den Supermärkten bereits wieder Lebkuchen, Spekulatius und Schoko-Weihnachtsmänner. In diesem Jahr boykottiere ich das nicht so heftig wie sonst… ich habe die Lieblings-Spekulatius meines Mannes gekauft, weil diese im übelsten Fall zu Beginn der Adventszeit – dann, wenn ich bereit bin Adventsleckereien zu kaufen – schon ausverkauft sind.

Und irgendwie war ich auch das ganze Jahr über immer mal gedanklich mit der Advents- und Weihnachtszeit beschäftigt. Genau wie im vergangenen Jahr, wird es auch diesmal wieder eine Weihnachtsromane-Lesezeit geben. Genau am 1. Advent starte ich damit und lese dann solange Weihnachtliche Geschichten, bis ich meine gesammelten Werke durch-genossen habe. Tja, und dafür brauchte ich ja nun erst einmal Bücher. Also habe ich mir jeden Monat einen Weihnachtsroman gekauft. Was die letzten drei Monate betrifft, habe ich geschummelt und mir bei meiner letzten Hamburg Reise gleich alle drei gekauft. Es gab da zwei Bücher-Wühltische… was soll ich sagen!

IMG_4701Neben mir in meinem bald-lesen-Regal warten nun also 12 Weihnachtsromane auf ihren Einsatz und ich freue mich schon so wahnsinnig darauf. Passenderweise werde ich mit meinen Lieben in der Adventszeit auch noch eine Woche Urlaub an der See machen. Besser geht es wirklich nicht!

Ein Tipp noch für die unter Euch, die auch Weihnachtsfans sind: am 14. November 2019 kommt der Film „Last Christmas“ (inspiriert von den Songs des großartigen George Michael) in die Kinos. Bei Interesse könnt Ihr Euch hier den Trailer anschauen.

Ich bleibe auch gleich beim Thema Bücher. Wer mich kennt weiß, dass ich Bücher LIEBE. Ich brauche sie in meinem Leben, sie sind sozusagen überlebenswichtig. In jeden Urlaub nehme ich einen ganzen Stapel mit, weil ich sie auch dort um mich haben möchte. Als die Erfindung der eBooks auftauchte, habe ich nur abwehrend den Kopf geschüttelt.

Tatsächlich habe ich bis heute keinen eBook Reader. Und ob man eBook nun mit einem großen E und kleinem b oder einem kleinen e und großen B schreibt… ja, das musste ich für diesen Beitrag tatsächlich erst einmal googeln. Mein Dino-Gen ist also wieder voll in Aktion!

Allerdings habe ich in den letzten Jahren tatsächlich zwei eBooks gelesen. Eines war das Werk einer Autoren-Freundin – ich habs nicht über das Herz gebracht, nein zu sagen – und einmal habe ich bei einer Lese-Aktion mitgemacht und zu spät gemerkt, dass mir die Geschichte in digitaler Form zur Verfügung gestellt wird. Glücklicherweise hat mir amazon dann gleich eine Möglichkeit geboten, es am PC lesen zu können.

Tja, und dann kam die Situation mit einer Lese-Empfehlung, die ich per Mail bekam. Oh, ein neues Buch von Gabriella Engelmann – ich liebe ihre herrlich geschriebenen Romane, die bei mir immer für gute Stimmung sorgen! – ich schaute direkt nach und wollte schon vorbestellen. ABER… es handelte sich um ein eBook. Ich sah auf der facebook Seite der Autorin nach, fragte ob die Story auch noch als Print geplant sei und war enttäuscht: leider nicht, lautete ihre Antwort, da es sich um einen Kurzroman handelte, und sich dies für den Verlag nicht lohnen würde.

Ich war so enttäuscht, hakte es aber trotzdem für mich ab. Vor drei Tagen ging das Spiel von vorne los und ich stellte fest, dass es inzwischen drei Kurzromane als eBook Version von Gabriella Engelmann gibt. Und die Klappentexte sind so verlockend! Lange Schreibe… Ich erstand das eBook (den 1. Band, die anderen werden folgen!) und hatte mich schon damit abgefunden, es am Laptop zu lesen, als amazon mir eine gratis App für mein Handy anbot. (Ihr bekommt jetzt eine ungefähre Ahnung davon, wie wenig Ahnung ICH von all dem habe…)

VIUG0953Mit einigem herumprobieren, habe ich mir sowohl App als auch Buch herunter geladen (guckstolz) und da mich seit gestern eine Erkältung voll im Griff hat, habe ich nun die Muße und gleich mit dem lesen begonnen. Und ich LIEBE die Geschichte schon jetzt. Daher verschwinde ich auch rasch wieder auf dem Sofa und schmökere weiter…

Habt ein schönes Wochenende und ich hoffe Ihr seid alle fit!

Nachsatz: trotz allem finde ich Bücher zum anfassen einfach schöner!!!

UNBEZAHLTE WERBUNG – mal wieder aus reiner Begeisterung!

Ultralauf rund um Bielefeld – Wappenweglauf

„75 km geschafft. Jetzt wird es schwerer“, schrieb mir mein Mann, während seines Laufs… Tja, das wäre bei mir bestimmt auch so… 100 km ist er dieses Mal gelaufen und ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Aber lest selber:

Wappenweglauf rund um Bielefeld – 07. September 2019
von Holger Vergin

Als ich im Januar dieses Jahres meinen ersten Ultra seit fast vier Jahren finishte, waren einige der dann folgenden Läufe schon lange gebucht. Schneewittchen-Trail im März mit 53 KM, Bilstein-Ultra im April mit 57 KM und dann der Süntel-Trail mit seinen 80 Kilometern. Nach dem Finish gingen die Gedanken weiter und ich landete unwillkürlich bei einem 100-KM-Lauf. Und so meldete ich mich im Februar für den Wappenweglauf an. Eine relativ kleine Veranstaltung von einem erfahrenen Läufer organisiert, mit viel Liebe für’s Detail, das merkte man schon an der Website.

Das Training nach dem Süntel-Abenteuer fiel mir nicht leicht. Viel Arbeit und hohe Temperaturen waren das eine, dazu kam noch, das meine Frau umgeknickt war – Bänderanriß – und ich mich um Gina, unseren Hund, den wir seit einem knappen halben Jahr hatten, und um häusliche Pflichten kümmern durfte.
Puh, das war anstrengend, aber irgendwie ging es. Ich war nicht so fit wie vor einigen Jahren noch, aber ich war mir immer ziemlich sicher, das es reichen würde.

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Zudem hatte ich mir ja das volle Wellness-Wochenende gegeben, Freitag Anreise mit Pasta-Party und Übernachtung. Samstag laufen, ok, und dann Finisher-Party, naja zumindest das Ankommen feiern, übernachten und nach einem ordentlichen Frühstück wieder gemütlich nach Hause fahren.

Und weil meine Frau am vorherigen Wochenende gar nicht da war, habe ich mir den Freitag auch gleich komplett frei genommen und bin dann nachmittags losgefahren. Gegen 18.15 Uhr war ich da und habe dann erst mal mein Zimmer aufgesucht. Jan-Olof Wadehn – Cheforganisator – hatte das Landschulheim Greten Venn gemietet und ließ mir freie Wahl bei der Bettensuche. So nahm ich ein Drei-Bett-Zimmer, ein Bett war schon belegt, packte die Sachen aus und ging wieder nach draußen. Auf dem Vorplatz zwischen zwei Gebäuden war ein Zelt mit Sitzgelegenheiten aufgestellt und Jan-Olof führte schon ein Briefing durch.

 

Bei der Pasta-Party unterhielt ich mich dann auch mit Morten Surhoff und zwei seiner Lauffreunde, die beide ihren ersten 100er anstrebten. Gegen 21 Uhr war ich müde und da ich am nächsten Morgen um 4.30 Uhr aufstehen wollte, verabschiedete ich mich ins Bett.

Nach einer ruhigen Nacht habe ich gut gefrühstückt und meine Sachen zusammen gesucht. Die große Frage war: was ziehe ich an und was tue ich in meinen Dropbag? Die Regenprophezeiungen der letzten Tage hatten sich für meinen Begriff aufgelöst, doch gegen halb sechs fing es tatsächlich an zu regnen, leicht nur, aber immerhin feucht von oben. Es sollte zumindest tagsüber warm werden und so war die kurze Hose Pflicht. Ich entschied mich für ein langärmeliges Oberteil und die Mütze. Ein kurzes Hemd in den Rucksack und eine komplette Laufgarnitur, incl. Schuhe, in den Dropbag. So konnte ich nach ca. der Hälfte der Strecke überlegen, ob ich irgendwas tauschen wollte.

 

Der Start war unspektakulär, Jan-Olof begleitete uns die ersten drei Kilometer auf dem Rad durch das nasse Randgebiet von Bielefeld. Um diese Zeit benötigte ich noch die Stirnlampe und die ersten Kilometer muss ich mich immer erstmal in die Wegführung hineinfinden. Strassen, Feldwege und auch längere Passagen im Wald lösten sich ab, die Gesprächspartner wechselten immer mal wieder und die Zeit verflog rasch. Ach ja, wir liefen auf dem Original Wappenweg, dieser folgt in seinem Verlauf nach Möglichkeit den Grenzen der Stadt Bielefeld. Er übernimmt die Funktion der alten Schnatwege, auf denen früher die Grenzen einer Gemeinde abgeschritten wurden. Und er soll die Vielfalt der Natur aufzeigen.

Kurz nach 9 Uhr war ich am VP Messingweg, hier waren schon gute 25 Kilometer geschafft. Nun liefen wir Richtung Teutoburger Wald, um erstmalig auch ein paar Höhenmeter zu sammeln. Der Dunst/Nebel hing tief im Wald und sorgte für herbstliche Stimmung. Die Anstiege waren alle zwischen moderat und heftig und nach ca. 5 KM waren wir aus dem Wald heraus. Der nächste VP lag an einer gut befahrenen Strasse und nachdem wir dort ein Stück entlanggelaufen waren, bogen wir wieder in ruhigere ländliche Gefilde ein.

 

Immerhin regnete es nicht mehr, es wurde sogar etwas wärmer. Die Wegführung schlängelte sich durch die Landschaft. So erreichten wir den VP Spenge, wo unsere Dropbags lagerten. Ich hatte schon zwischendurch entschieden, nichts zu ändern und so wie bisher weiterzulaufen. Hier konnte man ordentlich auftanken und die meisten taten das auch. Den großen Hunger hatte ich noch nicht und so nahm ich einen Apfelschnitz, ein paar Salzstangen und trank Apfelschorle, mein Lieblings-Laufgetränk.

Jetzt kam sogar mal die Sonne durch und ich näherte mich der Halbzeit: 50 KM hatte ich nach ziemlich genau 6:30 Stunden geschafft und mittlerweile ging ich auch einige Stücke des Weges.

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Man musste immer wieder genau aufpassen, wo die Strecke langführte. Oft war nur das Wappen, mit einem Richtungspfeil versehen, irgendwo an einen Laternenmast oder ein Verkehrsschild geklebt, zu sehen und dann hieß es rechts oder links herum. Wie gut war es da doch, das ich den GPS-Track auf meinem Gerät hatte und jeder Richtungswechsel akustisch angezeigt wurde.

So war das Finden der Strecke für mich grundsätzlich kein Problem. Verlaufen habe ich mich kaum, und wenn, dann höchstens ein paar Meter. Umso verwunderter war ich, als ich hinterher von einer Teilnehmerin hörte, das sie sich um gute 14 Kilometer verlaufen hatte. Als ich die Details dazu hörte (kein Internet an einer Stelle, Pfeil auf Schild falsch gedeutet) erschien mir das zwar nicht unlogisch, aber für mein Verständnis von so einem Lauf gehört auch dazu, das ich mich mit der Strecke vorab auseinandersetze und mich auch mit den technischen Möglichkeiten bestmöglich vorbereite.

 

Sei’s drum. Feldwege, kleine Strassen und auch wieder tolle Trails führten mich weiter und so gelangte ich nach ca. 63 KM an den VP Brake. Hier mussten wir vom Wappenweg abbiegen und ein Stück bergan in den Ort um Wasser, Cola, Apfelschorle und vielerlei Leckereien zum Futtern zu uns nehmen zu können. Hier tauchten auch 50-KM-Läufer und Wanderer auf, die hier ihren Wendepunkt hatten, um dann wieder gemeinsam mit uns Richtung Landschulheim zu laufen.

Es war mittlerweile richtig warm geworden, die Anstrengung machte sich bemerkbar und die Strecke zog sich ganz schön hin. Dankenswerterweise war die Landschaft nach wie abwechslungsreich und schön, so dass das Auge immer was anderes geboten bekam. Wir folgten den beständigen Richtungswechseln und alles lief darauf hinaus, das wir uns langsam dem Teutoburger Wald zum zweiten Mal näherten.

Spätestens bei Asemissen merkte man die leichten Anstiege und nach knapp 84 KM waren wir an der VP Oerlinghausen. Nun gab es zwei Möglichkeiten: direkt nach Hause ins Ziel laufen, ca. 4 KM und damit den Wappenweg im Originalzustand und 88 Gesamtkilometern geschafft zu haben. Oder: den Schlenker im Teutoburger Wald zum Ausflugslokal „Bienenschmidt“ dranzuhängen. Der Lohn dafür: 12 KM und etliche Höhenmeter auf dem Hermannsweg.

Für mich gab es keine Option – ich wollte 100 KM laufen und darum startete ich gegen 17.25 Uhr Richtung „Bienenschmidt“. Jan-Olof hatte dort keinen Kontrollposten eingerichtet, also konnte man dort wenden, wo man es für richtig hielt. Diese Freiheit verwunderte mich zuerst, aber zum einen kam immer irgendein Läufer entgegen, und zum anderen betrügt man sich ja nur selbst, wenn man hier schummelt. Ultraläufer sind schon ein eigenes Völkchen.

 

Ich hatte mir im Vorfeld ausgemalt, dass diese 12 KM nochmal zwei Stunden erfordern könnten und so war es auch. Die Steigungen waren teilweise heftig, der Untergrund teils steinig. Man gut, das es trocken war, sonst wäre es noch viel schwieriger geworden. Und diese Anstrengung auf diesem Teil der 100 KM tat ein Übriges. Jetzt waren doch nicht mehr viele Körner vorhanden.

Als ich zum zweiten Mal an der VP Oerlinghausen ankam, dämmerte es schon leicht und im dunklen Wald war der Track schon etwas mühsamer zu erkennen. Aber noch wollte ich die Lampe nicht herausholen. Dann meldete sich die Batterieanzeige und ich musste neue einsetzen. Endlich konnte ich weiter. Diese vier KM waren ziemlich lang, aber um 20.05 Uhr war es soweit: ich lief ins Ziel!

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Glücklich und geschafft klatschte ich mich mit anderen Finishern ab. Auch Morten war noch da. Er hat den Lauf unter 11 Stunden gefinisht und ist letztlich Dritter geworden.
Trinken, was essen und dann zur Dusche gehen, das war die übliche Reihenfolge. Anschließend ging ich nochmal zum Speisesaal des Landschulheims, aber mittlerweile waren kaum noch Teilnehmer da, so das ich mich entschloss, mich hinzulegen.

 

Eine angenehme Nacht später war gegen 8 Uhr morgens Frühstück angesagt, wir saßen alle schon um 7.30 Uhr am Tisch, und letztlich waren noch 6 Teilnehmer sowie Jan-Olof und Frau anwesend. Aber diese morgendliche Runde mit dem gegenseitigen Erzählen der Erlebnisse des gestrigen Tages und auch schon länger zurückliegender Läufe hatte etwas Besonderes. Die Anspannung von Freitag und Samstag war weg, der Lauf geschafft und die Stimmung gelöst bis wehmütig.

Gegen 9.15 Uhr brach ich auf, machte mich auf die knapp 90 Kilometer lange Heimreise und genoss dann zusammen mit Frau und Hund den Rest des Wochenendes.

Gina hat ein neues Hobby: Cross Dogging

Es ist rund 10 Jahre her, dass wir Hunde hatten. Also die Vorbeller von Gina. Und irgendwie habe ich das Gefühl, das sich seitdem in der Hundewelt so einiges getan hat. Oder habe ich damals all die Kurse rund um den Hund nur nicht mitbekommen? Wahrscheinlich. Damals hatten wir eben auch noch Kind im Haus, zwei Hunde, zwei Katzen, die Jobs und eine Mutter, die mehr und mehr Unterstützung benötigte.

Seit Gina im Januar zu uns gekommen ist, dreht sich ein großer Teil unserer Welt um diese kleine Hündin. Und dazu gehört, dass wir dafür sorgen, dass sie nicht nur körperlich sondern auch geistig ausgelastet ist. Denn mal ehrlich: nur auf dem Sofa rumhocken ist weder für Mensch noch Hund spannend oder gesund.

Daher haben wir uns recht schnell eine Hundeschule gesucht und dort einen `Junghund Kurs´ und danach den `Lockere Leinen Kurs´ gemacht. Sozusagen das kleine Einmaleins für Hunde. Am Anfang hat das für Gina komplett ausgereicht. Müde und entspannt hat sie nach den Trainingseinheiten auf dem Sofa geschnurchelt, um all die Lern Erfahrungen und fremden Eindrücke zu verdauen. Positiv ist dabei eben auch immer der Kontakt zu anderen Hunden, das gemeinsame spielen am Ende der Stunden.

In die weiteren Pläne knickte dann mein Fuß mitten rein, so dass ich einige Wochen auf Haus und Garten beschränkt war. Ich habe zwar auch diese Zeit genutzt, um Gina noch den einen und anderen „Trick“ beizubringen, aber größere Aktionen waren leider nicht möglich.

Letzte Woche Montag war es aber wieder soweit: wir starteten in Richtung Hundeplatz. Ich war neugierig, was sich hinter dem Begriff `Cross-Dogging´wohl verbirgt und Gina total aufgeregt, als wir endlich ausstiegen und sie begriff wo wir waren.

Auf dem Platz war ein Parcours mit mehreren Stationen aufgebaut. Jeden Monat gibt es neue Aufgaben, die dann auf dem Platz, vorrangig aber Zuhause geübt werden. Und dann funktioniert das Ganze wie Zirkeltraining. Immer im Team geht man an eine Station und während das eine Hund-Mensch-Team die Aufgabe so oft wie möglich erfüllt, zählen die anderen. Naja, der Mensch zählt.

Gina fand das alles total spannend und obwohl sie die Aufgaben bisher nicht kannte (z. B. durch einen Tunnel laufen), hat sie alles super gemeistert. Sie lernt einfach unfassbar schnell! Die ersten 20 Minuten der Stunde werden zum üben genutzt und danach wird gezählt. Wir hatten ein sehr nettes Hund-Mensch-Team, die uns mit den Aufgaben vertraut gemacht und uns unterstützt haben.

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Am Ende der Stunde war es klar: Gina und ich werden künftig mit dabei sein, denn es hat uns wirklich Spaß gemacht, die Aufgaben auszuprobieren und uns so gut wie möglich daran zu versuchen. Ich war wahnsinnig stolz auf meine kleine, schlaue Hündin. Und dass nicht erst, nachdem unser Trainer sagte, dass sie sich außerordentlich geschickt angestellt hätte und ich sehr stolz sein könnte.

Ich bin sehr gespannt, was künftig für Aufgaben auf uns zukommen werden und ich werde sicherlich auch nochmal davon erzählen und dann gibt es auch mal Actionfotos zu sehen!

Plaudern über dies und das

Puh… im Moment ist bei mir jede Menge los und während ich hier am PC sitze und Euch davon erzählen möchte, sausen die wildesten Gedanken durch meinen Kopf.

Letzte Woche um diese Zeit war ich in Hamburg. Das 9. Seelfrau-Wochenende stand an. Dieses Mal bin ich schon am Donnerstag angereist, da wir uns am Freitag Mittag in einer vierköpfigen Gruppe getroffen und einiges noch durchgearbeitet haben. Drei solche Treffen gehören im Verlauf der 2-jährigen Ausbildung dazu, damit die Inhalte auch entsprechend vertieft und geübt werden können. Gerade Gesprächssituationen in Trauerbegleitungen lernt man ja nicht durch schlichtes lesen oder auswendig lernen.

IMG_4434Es war herrlich, dieses Hamburg-Wochenende. Wunderschönes Wetter, so dass ich in der Freizeit durch Bergedorf (ein wunderschöner Stadtteil von Hamburg) gebummelt bin und am Samstag Abend habe ich mit einer anderen angehenden Seelfrau noch eine Lichterfahrt durch den Hamburger Hafen gemacht.

Aber die Ausbildung bedeutet eben auch jede Menge Arbeit. Fachbücher studieren, die Wochenenden nacharbeiten, vertiefen und eine Abschlussarbeit muss geschrieben werden. Mal ganz abgesehen davon, dass ich langsam Pläne mache, was nach der Ausbildung kommt. Ich möchte gerne Trauer-Wochenenden anbieten und bin derzeit dabei, mich entsprechend schlau zu mache. Dazu gibt es dann aber noch einen gesonderten Beitrag.

Und wie ich schon erzählt habe, bin ich nun ja auch für den ambulanten Hospizdienst DASEIN tätig. Und zwar nicht „nur“ als Sterbebegleiterin, sondern auch aktuell in zwei Projektgruppen. Bei einer geht es um das im nächsten Jahr anstehende 20-jährige Jubiläum (es wird tolle Veranstaltungen geben!) und die andere Gruppe bereitet eine Ausstellung zum Thema Trauer-Tattoos vor. Lars hatte Euch ja schon davon erzählt. Ich selber habe keine Tattoos, aber das Thema der Ausstellung interessiert mich und da ich anhand der Kommentare unter Lars´Beitrag festgestellt habe, dass einige das Thema ebenfalls interessiert, werde ich Euch im Anschluss an die Ausstellung auf jeden Fall davon erzählen und Fotos zeigen.

Ihr lest es schon: im Moment dreht sich in meinem Leben sehr viel um Sterben, Tod und Trauer. Und ja, manches Mal ist das ganz schön viel. Dann lese ich bewusst ganz andere Bücher über schöne rosa-Wolken-Themen, gehe mit Gina mit wachen Augen durch die herbstliche Natur oder mache – so wie letztes Wochenende – mal eine Hafenrundfahrt.

Was für meinen Geschmack im Moment zu kurz kommt, ist das Schreiben. Denn: ich bin immer noch Autorin. Und das bleibe ich natürlich auch. Aber ich habe seit einigen Wochen mit einer Schreibblockade zu kämpfen. Es fiel mir heute sogar schwer, diesen Beitrag zu beginnen… Die Geschichten, die ich im 2. Halbjahr noch schreiben wollte? Gibt es bisher nicht. Ich musste sogar eine Teilnahme an einem wunderschönen Projekt absagen, was mich total traurig macht.

Und der Witz dabei ist ja, dass ich auch schon bald anfange mein jährliches Schreib-Lust Seminar an der Heimvolkshochschule Loccum vorzubereiten. Seit April ist es bereits ausgebucht, so dass in diesem Jahr früh feststand, dass es stattfinden wird. Es gab auch andere Zeiten… An diesen Wochenenden habe ich schon oft Schreib-Lustige dabei unterstützt, Worte zu Papier zu bringen. Genauer gesagt seit 2011. Ich kenne also die Tipps und Tricks. Aber das ist das mit dem Schuster, der die schlechtesten Leisten hat.

Ich versuche liebevoll mit mir umzugehen. Und so verständnisvoll, wie ich es bei anderen auch bin. Denn ich bin keine Maschine. Auch keine Schreib-Maschine. Klar, irgendwas und irgendwie könnte ich immer schreiben. Aber ich muss meine Geschichten ja auch mögen. Daher mache ich mir jetzt mal keinen Stress (höhö) – sogar die Fertigstellung eines mir wichtigen Beitrags habe ich ein Stück aufgeschoben – sondern lasse die Worte nach und nach wieder bei mir eintrudeln. Und mit dieser Entscheidung fühle ich mich (meist) gut. Und dann? Schaue ich weiter!

Habt einen schönen Start in ein tolles Wochenende und achtet gut auf Euch!

Wer sich für die Ausstellung interessiert, hier die entsprechenden Angaben:

Ausstellungszeiten

 Wunstorf, Stadtkirche
19.10. Samstag       10 – 16 Uhr
20.10. Sonntag        11 – 13 Uhr
22.10. Dienstag       12 – 18 Uhr
25.10. Freitag          10 – 18 Uhr

sowie nach Vereinbarung

Neustadt am Rübenberge, Liebfrauenkirche
29.10. Dienstag       14 – 18 Uhr
01.11. Freitag          10 – 16 Uhr
02.11. Samstag       10 – 16 Uhr
03.11. Sonntag        11 – 13 Uhr

sowie nach Vereinbarung

„Yes“ – (Lebens-) lange Leidenschaft

„Yes“ – (Lebens-) lange Leidenschaft
von Holger Vergin

Ich weiß nicht, welche Beziehung die heutige Jugend zur Musik hat. In Zeiten, in denen alles jederzeit verfügbar ist, frage ich mich, welchen Wert der einzelne Song noch hat.
Mit 10 Jahren sah ich schon die Hitparade im ZDF, und abends im Bett sang ich, mit nicht vorhandenen Englischkenntnissen, diese nach. Wenn meine Mutter dann ins Zimmer kam und wollte das ich schlief, trällerte ich unter der Bettdecke weiter: Schließlich wollte ich ja wissen, wer gewinnt!

Damals (1972) beherrschten 2-3 Minuten-Songs die „Charts“. Deutsche Künstler sangen eingedeutschte Versionen von englischsprachigen Originalen. Als Einstieg war das ideal. Und dann, es muss 1974 gewesen sein, hörte ich bei meinem Cousin andere Musik. Stücke, die eine ganze LP-Seite füllten, Namen, die ich nie zuvor gehört hatte. Mein Cousin war 17, mein Bruder 14 und ich war bei den Familienfeiern dann auch bei den Beiden im Zimmer (wer wollte schon bei den Erwachsenen sein?) und so bekam ich alles mit.

DSC_0332Und dann hörten wir: „Close to the Edge“ vom Livealbum „Yessongs“, Rick Wakeman ließ seine Tasteninstrumente perlen, zwischendurch klang es wie in einer Tropfsteinhöhle, Steve Howe zauberte auf seiner Gitarre und Jon Anderson’s ätherische Stimme klang wie aus einer anderen Welt. Chris Squire am Bass und Alan White am Schlagzeug sorgten für den nötigen Rhythmus. Obgleich bei manchen Passagen kein Takt mehr zu erahnen war. Und 18 Minuten später musste ich erstmal wieder in die Welt zurückfinden, derart fasziniert war ich von diesem magischen Moment.

Damals konnte ich mir noch keine Platten selbst kaufen, erst mit der Konfirmation und der ersten Anlage konnte ich starten. Und kurze Zeit später erwarb ich mein eigenes Exemplar in einer gebrauchten Version. Jetzt komme ich wieder auf den Anfang zurück, denn damals war so eine Platte eine echte Geldanlage. Einmal im Monat fuhr ich mit meinen Eltern in die große Stadt nach Hannover. Aber außer das ich durch Kaufhäuser geschleppt wurde, ab und zu was anprobieren sollte, war da nichts. Ich konnte nicht mal eben so losgehen und mir selber was kaufen. Erstens hatte ich kein Geld und zweitens… alleine? Keine Chance! Dazu mussten erst noch ein paar Jahre vergehen. Wenn ich also mal Gelegenheit hatte, an eine Schallplatte zu gelangen, so behandelte ich diese auch wie einen kultisch verehrten Schatz. Das ging meinen Altersgenossen übrigens genauso, es waren eben andere Zeiten.

Die Lieder auf „Yessongs“ stammten überwiegend von den drei davor erschienenen Studioalben, daher sah ich damals keine Notwendigkeit, diese auch zu kaufen. Ich hatte die Songs ja auf dieser Live-Platte. Gegen Ende 1976 wünschte ich mir „Relayer“ zu Weihnachten. Das war harter Stoff im Vergleich zu „Yessongs“, außerdem war Rick Wakeman nicht mehr dabei. „The Gates of Delirium“ forderte den Hörer echt heraus, der Schluss „Soon“ versöhnte aber wieder mit völlig abgefahrenen Tönen. Als nächstes kaufte ich mir 1977 „Tales from topographic Oceans“, ein Doppelalbum mit vier seitenlangen Stücken. Das gefiel mir besser, die Platte erschien ja auch noch vor „Relayer“ und war damit musikalisch näher an „Yessongs“. Und dann kam „Going for the one“ heraus, Rick Wakeman war nach einer Pause wieder eingestiegen und mit „Awaken“ gab es erneut ein Meisterwerk. In meiner Best-of-Liste ist „Close to the Edge“ immer noch vorne, aber „Awaken“ ist dicht dahinter.

Danach wurden die Platten schwächer, die Besetzungswechsel häufiger, aber 1987 kaufte ich mir „Big Generator“. Diese war, 80er-typisch, deutlich poppiger aber immer noch erkennbar Yes, nur eben in einer modernen Version. Ich freundete mich damit an und Ende der 80er war auch diese Reinkarnation der Band Geschichte.

Nach dem kurzen ABWH-Intermezzo (Anderson, Bruford, Wakeman and Howe) hörte ich Anfang der 90er noch „Union“ und dann kam nicht mehr viel. Persönliche Änderungen in meinem Leben nahmen mehr und mehr Platz ein und erst Anfang des neuen Jahrtausends, als ich wieder nach Platten suchte, stieß ich auch wieder auf Yes. Zunächst kaufte ich alle alten Sachen, die mir noch fehlten und passend dazu traten Yes 2003 in Hannover auf. Das war tatsächlich das erste und einzige Mal, dass ich sie live gesehen habe. In den 70ern hatte ich weder das Geld noch die Möglichkeiten sie irgendwo zu sehen.

Einige Jahre später ging das mit dem Vinyl wieder richtig los. Ich realisierte dann, dass auch die ab den 90ern erschienen Alben, die es zunächst nur auf CD gab, als Platten wieder veröffentlicht wurden. Auf einen Schlag kaufte ich ca. 10 Platten und entdeckte die jüngere Historie der Band neu. Viel hatte ich zuvor schon darüber gelesen, wie schlecht oder mäßig diese Musik in den Augen/Ohren anderer sein sollte. Aber ich konnte alles mit eigenen Ohren neu entdecken.

Natürlich würde es nie wieder ein neues modernes „Close to the Edge“ geben, aber das erwarten wohl auch nur die Ewig-gestrigen. Ich habe mich einfach an der schönen Musik erfreut und (manchmal) bedauert, dass ich nicht schon früher wieder richtig dabei war. Und ja, bedauert habe ich es auch, das Jon Anderson und die übrigen Bandmitglieder seit über 10 Jahren getrennte Wege gehen.

Man kann Benoit David oder Jon Davison (die nachfolgenden hauptberuflichen Sänger der Band) mögen oder nicht. Aber das Yes (die Version ohne Jon Anderson) im Jahr ihres 50-jährigen Bestehens (2018) die Studio-Platte aus 2011 („Fly from here“) nochmal veröffentlicht haben und hierbei lediglich die Vocals von Benoit David durch andere Bandmitglieder ersetzt haben (auf mögliche neue Abmischungen oder Änderungen und einen (!) neuen Song gehe ich jetzt hier nicht ein), finde ich nicht in Ordnung. Das ist auch die einzige Platte, die ich mir wahrscheinlich nie von ihnen kaufen würde. So gesehen fehlt mir von den offiziellen Platten nur „Live from Lyon“, da muss ich noch ein bisschen sparen, und die bisher nie auf Vinyl veröffentlichten „Keys to Ascension“. CD’s kaufe ich schon lange nicht mehr und so warte ich auf die LP-Versionen.
Hocherfreut war ich auch, als letztes Jahr eine anfassbare Version der Musik von „Yes featuring Anderson Rabin Wakeman“ erschien. Trotzdem war ich ein wenig wehmütig, weil ich kaum glaube, dass es noch mal zu einer Reunion der alten Recken (Anderson, Wakeman, Howe und White im Wesentlichen) kommen wird. Und ja, immer wieder neue Live-Alben mit Versionen der alten Klassiker auf den Markt zu werfen ist auch nicht immer so prickelnd. Aber als Fan ist man ja dankbar dafür, dass man überhaupt irgendetwas neues, anderes von seinen Lieblingen zu hören bekommt. Insofern könnte ich auch noch bei den Soloalben der einzelnen Künstler meinen Appetit stillen, da fehlt noch einiges. Aber da fehlt eben auch dieses spezielle, was sich aus dem Zusammenspiel aller ergibt.
Das Erstaunlichste für mich aber ist, das ich auch heute noch eine Platte aus 1970 auflegen kann, die ich schon vor vielen Jahrzehnten gehört habe, und immer noch meine Freude daran habe. Das nennt man wohl eine lebenslange Leidenschaft.

Ultralauf in Bad Münder – Süntel-Trail

Mein Mann Holger hat wieder die Lauf-Schuhe geschnürt und war diesmal im Süntel unterwegs…

Süntel-Trail in Bad Münder – 06. Juli 2019
von Holger Vergin

Wie war ich froh, dass dieser Lauf nicht schon eine Woche vorher auf dem Programm stand. Ich mag es zwar auch gerne mal warm, aber Temperaturen jenseits der 35-Grad-Marke müssen es auch nicht sein. Es hatte sich deutlich abgekühlt und für den Lauf waren Werte zwischen 16 und 20 Grad angesagt. Worum ging es? Häuptling Helmut hatte schon im Oktober des letzten Jahres zum Trail im Süntel aufgerufen und im November war die diesjährige Ausgabe mit ca. 30 Teilnehmern ausgebucht. Damals wusste ich noch nicht, ob und wie ich würde laufen können, aber nach mittlerweile drei gefinishten Ultra-Trails in diesem Jahr war ich zuversichtlich, auch wenn die Strecke von 50 Meilen (oder 80 KM) eine deutlich größere Herausforderung war.


In 2014 war ich dort die 50 KM und in 2015 auch schon die 50 Meilen gelaufen, ich wusste also, was mich erwartete. Aber auch das „Rahmenprogramm“ konnte sich sehen lassen. Ab 6 Uhr gab es Frühstück und nach dem Lauf gab es noch ein Abendessen in Buffetform. Und das alles zu vergleichsweise günstigen 50 Euro Startgeld.
Samstag früh um vier Uhr klingelte der Wecker, eine Runde mit unserem Hund Gina, Sachen packen und dann ca. 50 min. Autofahrt, schon war ich da und konnte mich nach der Anmeldung ans frühstücken machen. Die anderen Läufer trudelten allmählich ein und schließlich standen wir um kurz vor sieben vor der Bildungsstätte Bad Münder an einer imaginären Startlinie. Während wir noch so quatschten ertönte ein Schuss, und Helmut schickte uns auf den Weg.

Wie bei vielen dieser kleinen Läufe gab es keine Markierungen oder abgesperrte Straßen. Jeder hatte auf seinem GPS-Gerät den Track und musste die Strecke eigenständig finden. Und wie so oft ist es gerade bei Gruppen von drei, vier Läufern so, dass jeder denkt, einer weiß schon wo es lang geht, und schon hat man sich verlaufen. Daher finde ich es wichtig, erstmal auf dem eigenen Gerät zu schauen, das man auf dem richtigen Track ist und weiß, wie die Orientierung funktioniert.
Auch wenn der Lauf Süntel-Trail heißt, ging es zuerst in den Deister. Hier liefen wir die ersten ca. 16 KM und anfangs waren alle noch dicht zusammen und man konnte sich unterhalten. Es ging beständig auf und ab, viele Singletrails wechselten sich mit breiten Waldwegen ab und die ersten Höhenmeter wurden, je nach Können, gelaufen oder gegangen. Ein Steinbruch wurde umrundet und dann näherten wir uns schon dem Waldrand. Auf einen Radweg lief ich ca. 500 Meter, bog dann nach links ab, über die Straße und Richtung Süntel. An einem Golfplatz vorbei war der Einstieg in den nächsten Trail in den Osterberg nicht ganz leicht zu finden. Dort verlief dann eine Bahnlinie, an der ich kurze Zeit entlanglief und nach einem weiteren Linksknick kam wieder ein schöner Singletrail.

An dessen Ende stand ich dann unversehens in einem Feld. Wären vor mich nicht schon etliche Läufer durchgekommen, so wäre der Weg nicht einfach zu finden gewesen. Außerdem kannte ich das „Brennnesselfeld“ von den vorherigen Läufen, nur das damals so gut wie kein Bewuchs vorhanden war. Schon bald war ich dann im Süntel und es ging bergauf. In Klein-Süntel war die erste von vier Verpflegungsstellen und danach lief ich auf dem Panoramaweg am Waldrand entlang. Hier gab es tolle Ausblicke in die Landschaft, aber der wurzelübersäte Untergrund erforderte viel Aufmerksamkeit. An Welliehausen vorbei begann dann richtige Anstieg. Auf teils schmalen Singletrails wurde Höhenmeter um Höhenmeter erklommen, die Landschaft war dabei sehr urwüchsig. Quer liegende Bäume und brusthoher Bewuchs zeugten auch davon, dass außer uns hier niemand lang ging oder lief. Dann war der Süntelturm nicht mehr fern und nach dieser ersten Besichtigung verlief der Weg gleich wieder steil abwärts über Geröll und Wurzeln.

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Die Strecke führte uns jetzt für längere Zeit auf dem Rücken des Süntels durch die Landschaft, bis es unvermutet links ging, durch zugewachsene Fahrspuren, die einer anderen Zeit zu entstammen schienen. Wir verloren reichlich Höhenmeter, es ging zwischen Feldern hindurch und nach kurzer Zeit kamen wir zur zweiten VS, Pappmühle. Hier waren 39 KM geschafft. Etwas essen und trinken, die Wasserflaschen auffüllen und weiter. Am Blutbach entlang gelangte ich zur Baxmannbaude, hier begann der Aufstieg zum Hohenstein. Der Weg war durch viele Treppenstufen gekennzeichnet, die aber sehr unregelmäßig verlegt waren.

Nach einiger Zeit musste ich rechts abbiegen um den Einstieg in den Klippenweg nicht zu verpassen. Hier begann einer der schönsten Teile der Strecke. Steil aufragende Klippen zur Linken und unwirklich scheinender tiefer Märchenwald zur Rechten machten diesen Abschnitt zu einem echten Highlight. Der Weg führte auf einen breiten Waldweg und linksherum führte dieser zum Hohenstein. Von hier bietet sich ein traumhafter Blick ins weite Land.

Nach kurzem Genuss lief ich weiter, über Treppenstufen hinab und dann musste ich aufpassen, den Einstieg zu finden, wo es zur Blutbachquelle hinauf geht. Noch so ein traumhaftes Stück Weg, links und rechts erhoben sich dunkel die Talwände und der kleine Läufer marschierte stetig den Weg bergan. Bis auf das leise Plätschern des Baches war es still und die Strecke erforderte höchste Konzentration. Endlich oben fand ich die Quelle ausgedörrt vor, nur wenig Wasser war hier vorhanden. Nach kurzer Rast lief ich weiter und erreichte bald die Südwehe. Hier sollten wir aufpassen, nur ja den richtigen Weg zu finden. Ein Blick auf das GPS-Gerät reichte, und mir war klar, wo es lang ging. Hier oben auf der Südwehe war die Natur wieder sehr spektakulär und wildromantisch. Dann führte die Strecke bergab und ich näherte mich dem Waldrand.


Der Pfad der Sinne führte bei Kessiehausen am Wald entlang, und nach einer Weile ging es rechts ab und wieder bergan. Erst langsam dann stetig steiler werdend und schließlich über Stock und Stein kam ich an einem Weg heraus der mich gleich wieder bergab führte. Vorbei an einem weiteren Steinbruch kam ich zur dritten Verpflegung in Hamelspringe. Noch einmal auftanken und weiter zur Süntelturmrunde, in deren Verlauf ich zum zweiten Mal den Turm erblicken sollte. Hier war der Anstieg am Großen Steinbach entlang die kraftraubendste Aufgabe. Über 2,5 KM führt ein Panzerplattenweg gemächlich bergan um dann in einen kleinen steilen Trail überzugehen, der mich ziemlich forderte. Aber auch das war bald geschafft und so musste ich beim Bergablaufen nur noch auf den richtigen Weg achten. Einmal lief ich dann auch ein Stück zu weit, merkte dies aber schnell und korrigierte meinen Fehler. So kam ich nach ca. 70 KM zur Alten Ziegelei wo es noch mal Verpflegung gab. Mittlerweile hatte es ziemlich aufgefrischt und kurze Zeit später fielen erste Tropfen.

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Zwischen den Feldern hindurch war die Strecke offen, so dass ich bald froh war, nach dem Brennnesselfeld wieder das Waldstück erreicht zu haben, auf dem wir schon auf dem Hinweg unterwegs waren. Die Blätter hielten den jetzt heftigen Regen doch einigermaßen ab, und so ging ich einen Großteil des Weges. In der Hoffnung, das der Regen etwas nachließe, wenn ich wieder auf freier Strecke unterwegs war. Dies bewahrheitete sich leider nur zum Teil, so dass ich auf dem Rest des Laufweges ziemlich nass wurde. Da das Ziel aber nahe war, störte es mich dann irgendwann auch nicht mehr. Und endlich, nach 11:32 Stunden war ich dann da, überglücklich und erschöpft, aber nicht total fertig.

Ziemlich schnell war ich unter der Dusche verschwunden und konnte anschließend schon zum Essen gehen. Ich bediente mich reichlich am Buffet, immer mehr Läufer trudelten ein und wir tauschten gegenseitig unsere Erlebnisse aus. Gegen 20 Uhr gab es noch eine Siegerehrung und danach löste sich alles allmählich auf.
Nach der kurzen Heimfahrt reckte und streckte ich mich auf dem heimischen Sofa und freute mich über das Geschaffte.
Nächstes Jahr findet der Lauf am 18. Juli statt, ob ich wieder daran teilnehme werde ich erst im Lauf des Herbstes entscheiden.