Ein Back-Plausch

Kuchen am Wochenende. Für wen gehört das auch dazu? Ich liebe es, an den freien Tagen gemütlich auf dem Sofa zu hocken und genüsslich ein Stück Kuchen zu futtern. Gerne auch ein zweites. Dazu ein, zwei Tassen Kaffee mit viel Milch und dann die Gedanken schweifen lassen. Oder mit meinem Mann über alles mögliche plauschen. Und natürlich – seit drei Wochen – Gina kraulen.

In dieser Woche dachte ich: hey, ich backe den Kuchen für das Wochenende selber. Hatte ich für das letzte Wochenende auch gemacht und es noch in allerbester Erinnerung. Passend dazu war ich in dem Roman, den ich als letztes gelesen habe (Petra Hülsmann, „Wenn´s einfach wär, würd´s jeder machen“), über ein Rezept für Himbeer-Muffins mit weisser Schokolade gestolpert (nein, ich weiß nicht, warum heutzutage in sooo vielen Romanen Rezepte abgedruckt werden…). Super! Muffins sind einfach und schnell gemacht und ein Blick auf das Rezept bestätigte meinen Eindruck noch. Wenige Zutaten, alles zusammen rühren, ab in die Muffinform, backen… TADAAAAA!

Soweit zu meinem Plan… ich wog ab, rührte, hackte, ließ den Ofen vorglühen und füllte den Teig in die Form. Was für mich der einzige Haken am Muffin backen ist. Der Teig klebt immer wie verrückt und lässt sich nur mit Mühe von mir überreden, in die Förmchen zu klatschen.

Aber dann war es geschafft – ich atmete auf, öffnete die Backofentür, die Hitze ließ meine Brillengläser beschlagen. Das Blech in der Hand, hielt ich plötzlich inne. Da grinste mich doch etwas von der Arbeitsfläche aus an. Ich nahm es im linken Augenwinkel wahr. Kurz schloss ich die Augen und gleich darauf auch die Ofentür, das Backblech immer noch in der Hand.

Ich hatte tatsächlich vergessen, den Zucker in den Teig zu rühren. Er wartete in aller Seelenruhe in der Schale, in der ich ihn abgewogen hatte. Nun probiere ich ja gerne auch zuckerfreie Rezepte aus, aber dann will ich mich vorher dazu entschließen und es nicht meiner Vergesslichkeit schulden. Ein Blick in das Rezept und ich wusste, wo der Hase lang gehoppelt war. In der Teig-zusammen-Misch-Beschreibung fehlte der Punkt `Zucker´ – mein Blick wanderte von dem Zucker-Schälchen hin zu dem Teig in den Papierförmchen. Ob es half, wenn ich den Zucker einfach oben drauf schüttete? Resigniert schüttelte ich den Kopf. Wohl kaum.

Es half alles nichts… ich kratzte den Teig wieder aus den Papierförmchen heraus, vermischte ihn dann mit dem Zucker und begann das mühselige verteilen aufs Neue. Erfreulicherweise klappte es besser, als beim ersten Mal. Übung macht wohl doch die Muffin-Bäckerin…

Egal. Die Muffins sind total lecker (ich würde Euch ja das Rezept hier reinschreiben, weiß allerdings nicht, wie das mit dem Urheberrecht ist?! Im Zweifelsfall einfach das Buch lesen, das ich übrigens auch sehr empfehlen kann!) und – was noch wichtiger ist – ich habe meinen Mann mit dem selbstgebackenen Kuchen überrascht. Und seine Freude ist jeden Aufwand wert!

 

Wie ich beim herabschauenden Hund auf den Hund herab schaute

Das erste Mal Yoga mit Hund. Ich rolle meine Matte aus und bevor sie überhaupt flach am Boden liegt, hüpft Gina bereits mit Schwung darauf. Welches Abenteuer wohl jetzt auf sie wartet? Ich setze mich im Schneidersitz auf die Matte – auf das Stück, das ich mir erobert habe – lege meine Hände auf meine Oberschenkel… schwupps schiebt Gina ihren Kopf unter meinem Arm hindurch und schlabbert mir durch das Gesicht. In diesem Stil geht es bei den nächsten Übungen weiter. Irgendwann legt sie sich aufs Sofa und schaut von dort interessiert weiter zu. Und dann mache ich den herabschauenden Hund… hopsspringwedel schon rennt sie unter mir durch und ich muss aufpassen, dass ich vor lauter Lachen nicht auf sie drauf falle.

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Seit Ginas Ankunft am Samstag ist schon so unglaublich viel passiert, dass ich kaum weiß, wo ich anfangen soll. Aber wie ich im letzten Beitrag versprochen habe, schildere ich Euch nun noch die Highlights der ersten Tage.

Obwohl Gina bereits ein Jahr alt ist, kennt sie bisher wirklich nichts. Sitz, Platz, bei Fuß, an der Leine gehen… nichts. Denn logischerweise hatte im Tierheim niemand Zeit, ihr etwas beizubringen. Der riesengroße Vorteil ist, dass wir es nun so halten können, wie wir wollen. Da wird also weder an der Leine geruckt, wenn sie mal einen Moment stehenbleibt, um durchzuatmen und Mut zu sammeln, um dann weitergehen zu können. Noch drücken wir auf ihr Hinterteil und ziehen dabei den Kopf nach oben, damit sie sich hinsetzt.

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Gina ist eine unglaublich kluge Hündin, die alles neue in sich aufsaugt und sobald wir ihr ein wenig Raum zum verarbeiten lassen, merkt sie sich alles in Windeseile. Am Esstisch wird nicht hochgesprungen. Kein Problem. Aber wenn ich an meinem Schreibtisch sitze, da darf sie mir mit den Vorderbeinen auf meine Beine springen und dann gibt es eine Kraulpause. Und nein, sie hat überhaupt keine Probleme damit, dass zu trennen.

Ebenso schnell hat sie verstanden und akzeptiert, dass ich alleine ins Bad gehe. Und inzwischen steht sie nicht einmal mehr vor der Tür, sondern liegt gemütlich auf ihrer Decke und riskiert ein Auge, wenn ich wieder reinkomme.

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Zwei Tage lang stand sie zu Beginn der Spaziergänge meist eine Weile angeleint in der Wintergartentür. Wir konnten förmlich sehen, wie sie grübelt und nachdenkt. Wie sie Mut sammelt, um in die große Welt hinaus zu gehen. Inzwischen ist sie die erste die hinaushopst und dann losmarschiert.

Ja, innerhalb dieser wenigen Tage hat sie sich bei uns problemlos eingelebt – worüber wir unglaublich glücklich sind! – sie schläft und frisst und kuschelt, als würde sie nichts anderes kennen. Draußen gibt es immer Momente, in denen sie stehenbleibt und es eine Weile dauert, bis sie sich weitertraut. Und als gestern ein riesiger Trecker an uns vorbei gerumpelt ist, da war sie im Anschluss so fertig, dass ich kehrt gemacht habe und nach Hause gegangen bin. Kommentarlos, ruhig, einfach die „Aktion“ abgebrochen. Heute war sie zwar sichtlich aufgeregt, als wir an der Stelle erneut vorbei kamen, aber als sie es dann tatsächlich gewagt hat, weiter zu gehen, war ihr Selbstbewusstsein noch ein Stückchen gewachsen. Und ich mächtig stolz auf diese wunderbare kleine Hündin.

Soviel für Heute, denn nun habe ich wichtigeres zu tun: eine weitere Krauleinheit steht jetzt auf dem „Programm“!

Und plötzlich ist da wieder Pfotengetrappel…

Seit vielen Jahren arbeite ich schon selbstständig und habe meine Kreativstube bei uns im Haus. Bis vor ein paar Wochen noch unterm Dach juchhé und nun tiefer gelegt im Wohnbereich. Der Grund dafür hat vier Beine, ein schwarzes Fell mit einem weißen Latz und weißen Pfoten. Unsere Gina ist endlich da und während ich gerade versuche, mich auf diesen Beitrag zu konzentrieren, trappelt sie hinter mir entlang, legt sich auf die Decke, die ich neben meinem Schreibtisch ausgebreitet habe und schlummert gemütlich ein.

Von Spanien aus direkt in unsere Herzen – das ist die Zusammenfassung von Ginas Einzug bei uns.

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Und nun die ausführliche Variante: am Samstag Nachmittag standen wir in Sassenburg auf einem Hundeplatz, knapp zwei Fahrstunden entfernt von unserem Zuhause. Ihr könnt Euch sicher denken, dass wir unglaublich aufgeregt waren. Vor einem Jahr hatten wir begonnen darüber nachzudenken, ob wir wieder einen Hund adoptieren wollen und nun war dieser Tag tatsächlich da.

Als der Transporter auf den Platz fuhr, dachte ich für einen Augenblick, mir würde das Herz stehenbleiben. In mir herrschte ein wahnsinniges Gefühlschaos. Etliche Wochen hatten wir nun darauf gewartet, dass unser neues Familiemitglied eintrifft und nun standen wir dort und starrten so wie alle anderen auf das Geschehen. Sehnsüchtig warteten wir darauf, dass IHR Name genannt wurde. Und als es endlich soweit war, war ich gerade dabei, dem Wunsch eines Paares nachzukommen und sie mit ihrem Schützling zu fotografieren. Um ein Haar hätte ich die Kamera einfach weggeworfen. Apropos Fotos… wir hatten uns bereits vorher entschieden, in all dem Trubel keine Fotos zu machen, sondern uns lieber auf Gina zu konzentrieren.

Und dann stand sie vor uns: die hübschen braunen Augen weit aufgerissen, die Rute eingeklemmt und blickte ängstlich um sich. Die Leute von A.S.P.A. legten ihr mit geübten Griffen Halsband und Sicherheitsgeschirr um – was wir mitgebracht hatten – und stellten es auf ihre Größe ein. Ich war echt dankbar dafür, denn meine Hände zitterten und mein Herz klopfte wie verrückt.

Einige andere Hunde, die bereits ausgeladen waren, marschierten zielstrebig mit ihren neuen Familien über den Platz. Gina stand einfach nur da und wir hockten neben ihr und machten nichts. Warteten geduldig ab, bis sie soweit war, überhaupt irgendetwas wahrzunehmen. Nach einer Weile schaute sie mich an und ich streichelte sie sanft. Nach und nach taute sie auf und nahm dankbar ein paar Leckerchen von meinem Mann Holger und mir an. Hin und wieder gingen wir ein paar Schritte, bis sie erneut stehenblieb, um wieder nur zu schauen. Wir hatten Zeit, waren mittlerweile ruhig und gelassen. Und das spürte sie.

Nachdem alle Formalitäten abgewickelt waren, machten sich nach und nach alle auf den Heimweg. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir am Auto angelangt waren, denn wir wollten sie nicht einfach hochnehmen und tragen, sondern ihr bis zu einem gewissen Punkt die Entscheidung selbst überlassen. Klar, ins Auto haben wir sie dann reingehoben, denn irgendwann musste die Fahrt eben doch losgehen. In den knapp zwei Stunden lag sie mucksmäuschenstill im Auto. Wir unterhielten uns im ruhigen Ton und ließen sie auch jetzt einfach erstmal in Ruhe.

Zuhause angekommen spazierten wir gemeinsam ein wenig im Garten herum, damit sie sich die Pfoten vertreten konnte. Einer der Ratschläge von A.S.P.A. lautet, die Hunde am Ankunftstag zu baden, da sie trotz Entwurmung… etliches an sich haben könnten (ich gehe jetzt mal nicht ins Detail, wer mehr wissen will: einfach fragen). Wir hatten uns vorher entsprechend schlau gemacht und lange das Für und Wider diskutiert und uns dann dafür entschieden. Da wir auch diesen Punkt mit sehr viel Ruhe angegangen sind, ging alles gut über die Bühne und Gina konnte endlich ihr neues Zuhause besichtigen.

Eine Weile lief sie hin und her, schnüffelte in allen Ecken, kam dann wieder zu uns und nachdem sie sich vergewissert hatte, dass wir nach wie vor da waren, tappelte sie weiter durchs Haus. Es dauerte nicht lange, bis sie das Sofa entdeckte und feststellte, dass es sich zwischen uns doch hervorragend ausruhen ließ. Endlich konnte sie entspannen und auch mal die Augen für eine Weile schließen.

Die erste Nacht war übrigens erstaunlich ruhig und dann folgten auch schon die ersten ein, zwei Tage… aber davon erzähle ich Euch das nächste Mal, denn jetzt wartet Gina erstmal auf ihren nächsten Spaziergang!

Zwei Mal werden wir noch wach…

Ein Beitrag über mein letztes Seelfrau-Wochenende in Hamburg will geschrieben werden. Und auch über den Vortrag im Hospiz, den ich am Dienstag im Rahmen des Kurses für SterbebegleiterInnen gehört habe, möchte ich noch etwas schreiben. Und meine Ordner neu sortieren bzw. ausmisten. Und der Stapel „Pflichtlektüre“ für meine Ausbildung wird irgendwie auch nicht kleiner… aber wer kann sich schon in solchen Zeiten auf Lektüre von „Trauer und Trauerbewältigung – Psychologische Konzepte im Wandel“ konzentrieren?

Was los ist? Ich bin aufgeregt. Hibbelig. Voller Vorfreude. Denn: zwei Mal werden wir noch wach… dann zieht ENDLICH unsere Gina bei uns ein. Unsere kleine schwarz-weiße Podenco-Mischlings-Hündin, die unser Herz bereits jetzt im Sturm erobert hat.

Alle, die hier schon länger mitlesen wissen, dass wir ein Hunde-Kind adoptieren. Und dass sich die Ankunft unseres neuen Familienmitgliedes aufgrund meines Bänderanrisses leider verschoben hat. Aber am Samstag ist es nun endlich soweit. Und wie das immer ist, wenn etwas wirklich schönes ansteht, dann kriecht der Sekundenzeiger über die Uhr und kommt einfach nicht in die Gänge.

img_2835Ok, ganz so schlimm ist es nicht. Aber Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass mein Mann und ich uns nun doch sehnlichst diesen Tag herbei wünschen. Gerade heute Vormittag hat Gina sogar schon ein Begrüßungs-Geschenk bekommen. Ich habe mit der Patentante unseres Sohnes gefrühstückt und sie hatte gleich unsere Hündin mitbedacht (wie schön, dass ich solche besonderen Menschen in meinem Leben habe!). Klar, dass Ginas Ankunft dann auch teilweise unser Frühstücks-Gespräch bestimmt hat!

Und nun werde ich mich doch noch ein wenig mit arbeiten ablenken und schon mal mit dem Beitrag über den Besuch im Hospiz beginnen. Und Ihr drückt doch bitte die Daumen, dass am Samstag alles glatt geht und wir unsere Süße heile nach Hause bekommen, wo sie sich dann erst einmal in aller Ruhe einleben darf.

Ultralauf am Dörnberg

Da staunt Ihr… eben schreibe ich noch etwas von `langsam wieder fit werden´ (in meinem Beitrag „Fit mit 50“) und nun geht es um einen Ultralauf (alles was länger ist, als ein „gewöhnlicher“ Marathon; 42,195 km)!

Ihr ahnt es schon: ich bin den Ultra nicht gelaufen. Nein, der Ultraläufer in unserer Familie ist mein Mann Holger. Und auch wenn Fitness für mich nicht bedeutet, dass ich so lange Läufe machen muss, ist er für mich mit seiner Disziplin und Bewegungsfreude bereits seit über 20 Jahren ein Vorbild. Und ich liebe es, wenn er von seinen Läufen erzählt und so bin ich auf die Idee gekommen, ihn zu bitten von seinem letzten Lauf hier auf dem Blog zu erzählen. Viel Spaß beim Lesen!

Lebensbogen Ultra in Zierenberg – 19. Januar 2019
von Holger Vergin

Nach längerer Zeit war es mal wieder soweit: ich hatte mich für einen Ultralauf in der Nähe von Kassel angemeldet und beschlossen, schon am Freitag anzureisen. Da es sich bei diesem Traillauf um einen Einladungslauf handelte, war die Teilnehmerzahl eher gering – am Ende starteten ca. 20 Läufer und Läuferinnen – also sehr familiär. Den Veranstalter und einige Teilnehmer kannte ich schon länger und so freute ich mich auch auf nette Gespräche am Abend. Nach ca. drei Stunden Fahrt traf ich in Zierenberg ein und nachdem die anderen Übernachtungsgäste eingetroffen waren, gab es ein leckeres Abendessen in den Räumen der Lebensbogen-Gemeinschaft.

2Am Samstagmorgen genossen wir zusammen ein umfangreiches Frühstück. Das übliche fachsimpeln und die lockere Atmosphäre ließen im Übrigen keinen Gedanken an einen Wettkampf aufkommen und so standen wir schließlich gegen 9 Uhr an der „Startlinie“ und mit einem „Na denn mal los“ ließ uns Organisator Jochen auf die Strecke.

Knackiger Frost und erste Schneefälle hatten in den Tagen zuvor aus der Strecke eine tolle Winterlandschaft gezaubert. Ach ja, die Strecke. Es handelte sich um eine 10-KM-Runde, die im günstigsten Fall fünfmal gelaufen wurde. Zweimal sollte man links rum, zweimal rechts rum und die letzte Runde konnte man selbst die Richtung entscheiden. Dazu kamen ca. 330 Höhenmeter, so das am Schluss ca. 1.650 Höhenmeter auf der Uhr standen.

Aber der Reihe nach. Nach dem Start setzte ich mich erstmal souverän ans Ende des Feldes, um alles von hier kontrollieren zu können. Mit dem GPS-Gerät in der Hand – eine Streckenmarkierung gab es nicht, nur einen Track – lief ich los und schon nach 3hundert Metern waren wir im ersten Waldstück. Die schnelleren Läufer setzten sich rasch ab und wir bildeten mit fünf Teilnehmern den Schluss. Wir quatschten, mußten aber immer wieder auf den Weg achten. Zum einen lag überall ein wenig Schnee, aber auch unebene und gefrorene Teilstücke lösten sich ab. Auch hier ging es schon abwechselnd rauf und runter. „Traillaufen hat was mit Aufpassen zu tun“, hat mal ein Läufer gesagt. Wie wahr, gerade hier mit verschneiten und gefrorenen Wegen traf das genau zu.

1Nachdem wir ca. fünf Kilometer zurückgelegt hatten, bog der Track rechts ab und führte über einen steilen Anstieg zum Dörnberg hinauf. Trotz herrlichstem Sonnenschein war selbiger an dieser Stelle heute noch nicht aufgetaucht und so war dieses Teilstück – von Fahrspuren zerfurcht und an manchen Stellen war das vom Berg abfließende Wasser gefroren – besonders anspruchsvoll. Der Weg führte nach rechts, hier war eine Hütte und man hatte einen tollen Blick in nebelverhangene Täler.

Aber oben waren wir noch lange nicht. Schmale Singletrails führten serpentinenartig immer höher und dann wurde der Blick auf den Gipfel frei, der noch zu erklimmen war. Hier oben ging auch ein leichter Wind und nach der Kletterpartie waren wir froh, mal wieder ein Stück laufen zu können.

Nach weiteren tollen Aussichtspunkten drehte der Track dann rechts in den Wald und es ging bergab. Mit viel Vorsicht konnte man hier halbwegs herunterlaufen, dann gab es sogar ein Stück Aspalt, doch nach zweihundert Metern waren wir wieder auf geschotterten Wegen und dann wieder auf Trails unterwegs. Durch ein Drehgatter hindurch stieg der Weg nochmal steil an und an einer ungewöhnlichen Felsformation vorbei. Ein weiteres Drehgatter und nach eine kurzen Anstieg tauchte ein Schild auf, „Vorsicht Flugbetrieb“. Heute waren allerdings keine Segelflieger unterwegs und so konnten wir bedenkenlos die Ebene überqueren und sahen dann schon bald das Café der Wohnanlage der Lebensbogen-Gemeinschaft, das uns als Start und Ziel diente.

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Die erste Runde hatte ich nach ca. 75 Minuten absolviert, kurze Verpflegungsaufnahme, den Transponder zur Zeitnahme aktiviert und auf zur zweiten Runde. Diesmal lief ich nochmals in die gleiche Richtung und aus unserem Grüppchen waren so nach und nach einige zurückgeblieben oder schneller geworden, so dass wir zu zweit waren, als wir losliefen. Das ist dann auch bis zum Schluss so geblieben. Auf der zweiten Runde steckte ich mein GPS-Gerät an den Rucksack und wollte die Strecke nach dem Gedächtnis laufen. Das hat bis auf ein, zwei Stellen auch gut geklappt. Der Anstieg zum Dörnberg war wegen der Sonneneinstrahlung schon an einigen Stellen angetaut und mancher Teilnehmer kam uns schon entgegen, weil er nach der ersten Runde die Richtung gewechselt hat. Auch diese Runde konnte ich nach knapp 75 Minuten beenden, Verpflegung, auschecken und raus auf die dritte Runde, diesmal erst über das Flugfeld.

Der Anstieg zum Dörnberg von dieser Seite war gefühlt etwas länger und beim Abstieg musste man sehr aufpassen, nicht auszurutschen, so das an Laufen, zumindest für mich, nicht unbedingt zu denken war. Aber auch diese, so wie die vierte Runde konnten wir 21nach ca. 80 Minuten beenden, so das wir noch genug Zeit für die Schlußrunde hatten.
Mittlerweile hatte ich bei der Verpflegung auch meine geliebten Erdnüsse gefuttert, – dadurch nehme ich Salz auf, was für Ultras enorm wichtig ist – Apfelschorle dazu und auf ging es in die fünfte Runde, die Genussrunde. Hier nahm ich mir dann auch endlich Zeit für ein paar Bilder. Und so gelangten wir, meine unermüdliche Laufbegleiterin und ich, kurz vor 16 Uhr zum letzten Mal auf das Flugfeld und beendeten den Lauf nach 6:50 Stunden überglücklich und zufrieden.

22Die letzten waren wir dann im übrigen nicht. Einige Teilnehmer sind zwischendurch ausgestiegen und nach uns kamen noch mindestens zwei Läufer an.
Es gehören eben nicht nur läuferische Fähigkeiten dazu, solch eine Herausforderung zu meistern, auch der Kopf muss mitspielen. Aber wenn alles klappt, dann macht das Ganze unheimlich viel Spaß.
Ich bin jedenfalls froh, auch heutzutage noch diese Leistung bringen zu können. Meine Liebe zur Natur und zur Bewegung können sich in so einem Rahmen voll austoben.
Nach dem Duschen trafen wir uns noch im Cafe, die Urkunden und weitere Finisherpräsente wurden verteilt und dann machte ich mich auf die Heimfahrt.

 

Es gibt keine Kreativ-Polizei

Als kleines Mädchen habe ich Malbücher geliebt. Am liebsten welche, die thematisch zu dem passten, was ich mochte: Tiere – besonders Pferde, Hunde und Katzen – oder auch von Zeichentrick Serien, die ich damals geguckt habe, wie z. B. Heidi, Sindbad oder Kimba der weiße Löwe.

Bis heute kann ich mich an dieses Glücksgefühl erinnern, wenn ich ein neues Malbuch bekommen habe. Ich habe meine Stifte rausgekramt und mit dem ausmalen begonnen. Und dann kam nach relativ kurzer Zeit meist das „dicke Ende“. Ich hatte übergemalt. Ihr wisst was ich meine?! Über die Linie des Bildes hinaus gemalt. Nicht schlimm, meint Ihr? Ha! Doch! Sofort blätterte ich auf die nächste Seite und begann mit einem anderen Bild. Fortsetzung… wie oben…

Tja, keine Ahnung woher damals dieser Perfektionswahn kam. Niemals haben meine Eltern mich bei meinen künstlerischen Ambitionen irgendwie kritisch „angerempelt“. So von wegen: herrje, das sieht ja gar nicht mal so schön aus oder so. Nein, besonders meine Mutter hat mich immer nur ermutigt. Bei allem was ich getan und ausprobiert habe.

Irgendwann stand ich auf dem Standpunkt, dass ich außer beim schreiben von Geschichten einfach kein künstlerisches Talent besitze. Es gab da zwar den einen und anderen Versuch (ich erinnere mich besonders an eine Heftreihe mit Malzubehör und Videos mit denen ich endlich zeichnen lernen wollte – all das ist inzwischen im Müll gelandet ohne genutzt worden zu sein), mich doch noch künstlerisch weiter zu entwickeln, aber stets scheiterte es an meinen Ansprüchen bzw. an dem die-anderen-können-das-soviel-besser-als-ich-das-macht-ja-gar-keinen-Sinn-Gefühl.

Im vergangenen Jahr dann der große Wandel! Im April war ich eine Woche auf meiner Lieblings-Nordsee-Insel Langeoog. Allein. Nur mit mir, meinen Gedanken, Gefühlen und der wundervollen See. Tag ein, Tag aus konnte ich machen was ich wollte. Schlafen, essen, Strandspaziergänge, schreiben, fotografieren, radfahren… Ja, ich lebte in den Tag hinein. Ohne Ansprüche an mich. Meine Gedanken dümpelten vor sich hin. Und plötzlich dachte ich: hey, bastel dir doch ein Langeoog Erinnerungsheft!

Ich marschierte los und kaufte mir ein schönes Blanko Notizheft. Stifte hatte ich dabei, sogar bunte. Nach und nach kaufte ich mir dann noch ein paar Aufkleber und einen Klebestift. Beim einkaufen entdeckte ich eine Gratis-Zeitschrift über Langeoog, die ich auch direkt einsackte.

Und dann ging es los: Ich malte, zeichnete, klebte, schrieb und zwischendurch sammelte ich alles ein, was eventuell in dieses Heft hineinpassen könnte. Und da ich mit mir ganz allein war, war da auch niemand der hätte sagen können: hey, was machst du denn da schönes? Nee, nur ich habe all das betrachtet, was ich in diesen Tagen gemacht habe. Und dass mit liebevollem Blick. Mit ganz viel Spaß an der Sache. Und vor allem auch mit Humor. Denn es hat doch was, wenn z. B. eine Zeichnung von einem Strandübergang aussieht, als hätte ein Kindergartenkind die paar Striche gepinselt. Ein begabtes wohlbemerkt!

Was ich neben all dem Spaß feststellte war, dass Übung aus mir zwar keine Meisterin machte, aber dafür sorgte, dass ich mehr ausprobierte, mir mehr zutraute und mein Strich sicherer wurde. Denn, hey! Was hatte ich schon zu verlieren?

Seit dieser Zeit male, zeichne, doodel, bastel, klebe… ich mit einer riesen Leidenschaft und Begeisterung und genieße diese neu entdeckten Beschäftigungen sehr! Im Moment bin ich gerade dabei, meinen Kalender für dieses Jahr zu gestalten.

Was ich daraus gelernt habe? Das es keine Kreativ-Polizei gibt!

Das Ende meiner Weihnachts-Lesezeit

Ja, nun ist auch für mich die Weihnachtszeit endgültig vorbei, der letzte Weihnachts-Roman gelesen. Und: ich weiß heute schon, dass ich so eine Weihnachts-Roman-Lesezeit in diesem Jahr wieder machen werde! Brauche ich nur noch die entsprechenden Bücher… aber ich habe ja etliche Monate Zeit, sie zu sammeln.

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Nun aber noch zu den letzten drei Romanen, die ich gelesen habe:

„Das Weihnachtscafé in Manhattan“ von Katherine Garbera. Eine zauberhafte Geschichte von Verlust, Trauer, Sehnsucht, Liebe und ganz viel Schokolade und Kuchen. Iona und ihre zwei besten Freundinnen führen erfolgreich das Café „Candied Apple“. Das Angebot für eine Kooperation mit einer Hotelkette bringt Iona nicht nur im beruflichen Alltag einiges zum nachdenken. Mads Eriksson lässt ihr Single-Herz schneller schlagen und auch seine Tochter erobert ihr Herz. Die Frage ist nur, ob Mads schon wieder bereit ist, sich nach dem Tod seiner Frau auf eine neue Beziehung einzulassen. Und wie es um die Gefühle von Iona bestellt ist, wie viel sie preisgeben mag, das ist auch alles andere als einfach. Eine bitter-süße Geschichte mit vielen weihnachtlichen Glitzermomenten und der Sehnsucht doch auch einmal auf der Fifth Avenue in dem „Candied Apple Café“ zu sitzen.

Als nächstes wartete der letzte Teil der Quinn Familie aus der Winter-Street-Reihe auf mich: „Wintertraum“ von Elin Hilderbrand. Wie bei den anderen drei Bänden auch hier wieder der Griff ins pralle Leben: emotionale Verstrickungen innerhalb der Familie, aber auch der Zusammenhalt, wenn es um die Krebs-Erkrankung des Vaters geht. Ja, mir fiel es auf der letzten Seite schwer, mich von der Familie Quinn zu verabschieden. Aber das ist ja letztendlich auch positiv, zeigt es doch, dass mich alle Bände begeistert haben!

Auf das letzte Buch auf meiner Weihnachts-Lese-Liste hatte ich lange hingefiebert. Ich habe es im Urlaub in einem Klosterladen gekauft (dort gibt es heutzutage auch schon alles…) und es bewusst bis zum Schluß aufgehoben. Eine Schriftstellerin, die ein uraltes Cottage für ein Jahr mietet. Sie braucht Ruhe, um zum schreiben, denn bis Weihnachten muss sie endlich ihr Manuskript abgeben. Wie gut, dass dieses Cottage und das Land drumherum ihre Phantasie beflügelt. Und die Katze, um die sie sich kümmern muss, tut ihr übriges. (Die Katze ist übrigens in der Geschichte schwarz, auf dem Cover aber ist eine getigerte Katze abgebildet…) Zu all dem gibt es noch eine Portion Liebe (auch auf Irrwegen) und einen großen Schuss Magie.

Die anderen Beiträge zu meiner Lese-Challenge findet Ihr nachstehend. Und wenn Ihr auch tolle Weihnachts-Romane kennt, dann schreibt mir doch in die Kommentare ein paar Empfehlungen!

Christmas Talk – lesen und gucken in der Adventszeit

Weiter im Weihnachts-Taumel

Weihnachts-Romane – ich schwelge weiter

Nackte Tatsachen im Weihnachtsroman?