Herbstwege

November-Herbst
Natur macht sich für den Winter bereit
Laub
an den Bäumen
und auf dem Waldboden

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Moosbedeckte Stufen
laden zum klettern ein
geschwind nach oben
Ausblick genießend

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Leuchtendgrüner Farn
inmitten braun-gelber Blätter
Baumstumpf
verharrt in Waldesruh

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Wurzeln
im grünen Kleid
werfen Anker
Baum-Schutz

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Gelbes Blatt
noch fest am Zweig
frisch gewaschen vom nächtlichen Regen
macht sich bereit für den letzten Tanz

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Ein Hut-Gesell
am Wegesrand
Wellenförmige Krempe
hell leuchtend in grüner Umgebung

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Ein Moosbett
entstanden durch Schattenwurf
Nordwärts gerichtet
mehr als ein Stumpf

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Findlinge
aufgereiht im Wald
dunkle Steine
von Grün durchzogen

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Lebensfrohe Neugierde
toben im Wald
Abenteuer erschnüffeln

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Spuren
vom nächtlichen Regen
Spiegelbild eines Baumes
in einer Fahrrinne

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Eine Wunde
wie ein Auge
blickt mich an
über Nase und Laub-Bart

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Turmhoch
das Tagesziel
bricht das dämmrige Licht des Waldes
Rapunzel lässt grüßen

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22 Wochen – 1 Objekt # 11

22-wochen-1-objekt-v8Und schon ist es Halbzeit beim Projekt von Aequitas et Veritas. 22 Wochen lang wird ein Objekt in unterschiedlichen Situationen, an verschiedenen Orten gezeigt. Ich finde es nach wie vor spannend – und Lars, der Lesezwerg, glücklicherweise auch…

Hallo Zusammen,

nutzt Ihr im Moment auch das sonnige Herbstwetter, um raus zu gehen? Ich finde es ja immer wieder herrlich, auch draußen zu lesen. Und was es da alles zu entdecken gibt! Da stand doch heute mitten im Garten so ein großer schöner roter Pilz mit weißen Tupfen. Natürlich habe ich gleich mal in meinem Pilz-Bestimmungs-Buch nachgeschaut… upps, das war dann wohl ein Amanita muscaria, also ein Fliegenpilz. So schön und so giftig. Wie gut, dass ich nicht davon genascht habe!

Habt noch einen schönen Tag!
Euer Lars

11

 

 

Herbstliebe

Herbstliebe
von Nicole Vergin

Rot… Es sprang sie beinahe an.

Und obwohl sie ohne Brille nur noch verschwommen sah, erkannte sie ihren Baum. Ihr Lieblingsahorn hatte über Nacht sein Herbstkleid angezogen. Oder vielleicht war es auch gar nicht über Nacht passiert. Nein, wahrscheinlich nicht. Die Zeit verschwamm, seit sie hier in ihrem Pflegebett lag. Tagein, Tagaus.
„Mama?“
Sie drehte den Kopf in Richtung der Stimme. In Zeitlupe. Immer schwerer fiel ihr jede Bewegung. Es war ihr Sohn, der dort an ihrem Bett saß. Wie lange schon? Auch das wusste sie nicht.
„Schau was ich dir aus dem Garten mitgebracht habe.“
Sie fühlte etwas ihre Finger berühren. Glatt und kühl. Behutsam tastete sie danach und erkannte es sofort. Ein Blatt. Er hatte ihr ein Blatt von ihrem Ahorn mit herein gebracht. Ihr Mund versuchte ein „Danke“ zu formen, aber es blieb hinter den Lippen hängen.
Der Sohn streichelte behutsam ihre Wange. Sie wusste, er verstand sie auch wortlos. Aber wie gerne hätte sie so wie früher mit ihm geredet. Über all die kleinen und großen Dinge im Leben. Doch es fehlte ihr die Kraft.

„Den Frühling werden Sie wohl nicht mehr erleben“, hatte ihr Onkologe Anfang des Jahres gesagt. Sie hatte diese Aussage schweigend hingenommen. Woher sollte er wissen, wann es für sie Zeit sein würde zu sterben? Das wusste niemand.
Und so trotzte sie seinen Worten und erlebte einen letzten Frühling und dann noch einen Sommer. Nun war es Herbst. Ihre liebste Jahreszeit. Um nichts in der Welt hätte sie sie verpassen mögen. Natürlich war da noch der Wunsch gewesen, dies nicht nur vom Bett aus zu erleben.

Sie vermisste ihre Herbst Spaziergänge. Wenn sie die Augen schloss, träumte sie sich zurück auf die Felder und Wälder, die sie durchstreift hatte. Sie hörte das Rascheln des Laubs unter ihren Schritten, sah die ersten gelben und roten Blätter zwischen dem Grün. Und sie fühlte die kühle Luft, die in ihre Lungen geströmt war, wenn sie ausgelassen wie ein junges Mädchen über die Stoppelfelder gelaufen war.
Und der Herbst Regen! Die vom Sommer noch warmen Tropfen, die ihr über das Gesicht und die Hände gelaufen waren und die sich dann an Grashalme gehängt und in Spinnennetzen geschaukelt hatten.

Mitten hinein in ihre Herbstträume fühlte sie eine Hand, die ihre Schulter berührte. Unwillig öffnete sie die Augen. Während der folgenden 20 Minuten, in der sie gewaschen wurde und eine neue Windel bekam, versuchte sie immer wieder einen Blick auf ihren Baum zu erhaschen.
Rot… Es sprang sie beinahe an.

Nachsatz

Die Inspiration für diese kleine Geschichte habe ich durch meinen gestrigen Spaziergang erhalten. Durch das was ich gesehen habe und was mir – bzgl. meiner eigenen Vergänglichkeit – durch den Kopf gegangen ist. Nachstehend könnt Ihr Euch die dabei entstandenen Fotos ansehen…

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Vorfreude auf den Herbst beim morgendlichen Spaziergang

Es ist noch früh am Morgen. Die Sonne erobert sich Stück für Stück den Himmel zurück. Ihre ersten Strahlen huschen zwischen den Bäumen hindurch. Die Luft ist frisch und klar. Kälter als anden letzten Tagen. Herbstlicher, auch wenn kalendarisch noch Sommer ist.

Das leise Tapsen meiner Schuhsohlen ist das einzige Geräusch. Ich atme tief ein, genieße die Ruhe und die Einsamkeit, die meine Morgenrunde mir schenkt. Plötzlich ein rascheln. Ein Eichhörnchen huscht aus dem Gebüsch, schnappt sich eine der herum liegenden Walnüsse und ist im nächsten Moment wieder verschwunden. Wo es die Nuss wohl vergraben wird?

Über den Feldern hängt das erste Mal wieder Nebel. Wie durch einen leichten Schleier sehe ich die Stoppelfelder mit den Resten der Maispflanzen. Gelbe, vertrocknete Stummel, die aufgereiht darauf warten, unter die harte vom heißen Sommer ausgelaugte Erde gepflügt zu werden.

Mein Blick wandert über die früh abgeernteten Felder. Die Sicht ist nun wieder weit und offen. Unverstellt. Das Laub verfärbt sich in diesem Jahr schon früh. An einigen Bäumen sind die Blätter beinahe im Zeitraffer von dunklem Grün zu verrottendem Braun übergegangen. Ein Teil liegt bereits am Boden, raschelt als ich hindurch gehe.

Das Weinlaub, das sich vereinzelt an den Seiten entlang- und an Bäumen emporrankt, hält sich tapfer. Rot leuchtet es zwischen dem Grün. Es erzählt vom beginnenden Herbst. Vom Herbst, der Stück für Stück den Platz des Sommers einnehmen wird. Der gerade noch mit dem Altweibersommer Hand in Hand geht. Doch bald heißt es Abschied nehmen von den langen heißen Wochen.

Ich denke an gemütliche Abende bei Kerzenschein. An Wollsocken an meinen Füßen. An Spaziergänge durch den herbstlichen Wald, begleitet vom kühlen Wind, der an den Ästen rüttelt.

In Gedanken versunken öffne ich zuhause das kleine Gartentor. Leuchtendes Rot der noch blühenden Rosen begrüßt mich. Als ich durch den Garten gehe, sehe ich wie viele Farbtupfer es noch gibt und auch die Fette Henne beginnt sich rötlich zu verfärben. Zufrieden kehre ich ins Hause zurück. Angefüllt mit guten Gedanken und einem großen Glücksgefühl: Willkommen Herbst – ich freu mich auf Dich!

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