Kurs für SterbebegleiterInnen: Reflexion

Die vergangenen Wochen waren eine emotionale Achterbahn. Anfangs die Aufregung zu Beginn des Praktikums: Wen darf ich künftig besuchen? Wie stelle ich mich dabei an? Wie verlaufen die Reflexions Abende?

Zugegeben: am Anfang des Praktikums war ich ein wenig überrumpelt. Irgendwie war ich wohl doch mit einem rosa-Wolken-Blick an das Ganze heran gegangen und hatte mir vorgestellt, dass ich ein Mal pro Woche einen netten Menschen im Pflegeheim besuche, der sich dann darüber freut und mit dem ich mich gemütlich unterhalte, ihm meine Zeit und Aufmerksamkeit schenke.

Die Dame, die ich dann besucht habe, war dement und komplett auf die Hilfe der Pflegekräfte angewiesen. Also war es gleich zu Anfang schon einmal schwierig für mich, heraus zu finden, ob ihr meine Besuche denn überhaupt angenehm sind und gut tun. Aber ich habe mich da auf mein Bauchgefühl verlassen und letztendlich gab es mal mehr, mal weniger Anzeichen (und auch mal ein paar Worte), die mir zeigten, dass meine Besuche gern gesehen waren.

Selbstverständlich hat sich die Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes bei mir rückversichert, ob ich mit der Situation zurecht komme. Und eine weitere Kursteilnehmerin ist ebenfalls in diesem Pflegeheim und so konnten wir uns austauschen, wofür ich sehr dankbar bin.

Wie Ihr vielleicht schon in meinem Beitrag „Plötzlicher Abschied“ gelesen habt, ist die Bewohnerin Anfang des Jahres verstorben. Und Ihr könnt mir glauben, auch wenn ich sie nur kurz kennenlernen durfte, hat dieser Abschied bei mir Spuren hinterlassen. Aber auch ein großes Gefühl der Dankbarkeit, dass ich sie noch ein Stück Wegs begleiten durfte. Denn das ist es letztendlich, was ich künftig tun möchte.

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Wichtig bei dieser Aufgabe ist die regelmäßige Reflexion in der Gruppe. Bereits jetzt im Praktikum ist dieser monatliche Termin ebenso verpflichtend, wie später, wenn wir als ehrenamtliche SterbebegleiterInnen im Einsatz sind. An diesen Abenden besteht die Möglichkeit, über Probleme zu sprechen, sich auszutauschen, die Meinung und das Wissen der anderen zu hören.

Die Reflexion nach dem plötzlichen Abschied war dann für mich nochmal etwas besonderes. Etwas, das ich noch nicht erlebt hatte. Ich berichtete, was geschehen war und dies noch mit einem gewissen Abstand. Doch dann bekam ich die Gelegenheit, eine Kerze anzuzünden und ein paar Abschiedsworte zu sprechen.

Und in diesem Moment schnürte sich mein Hals zu und der Tränen-Damm brach. Ja, ich war und bin traurig. Und das sicherlich nicht nur, weil Frau Müller (dies ist natürlich nicht der richtige Name!) verstorben ist. Oder weil ich sie gerne noch ein wenig besser kennen gelernt hätte. Sondern auch, weil ich in diesen wenigen Wochen etliche Erlebnisse – schöne und nicht so schöne – hatte. Und weil auch immer alte Trauer-Wunden wieder ein wenig bei mir aufreißen.

Es ist so wichtig, in diesen Zeiten aufgefangen zu werden. Mit Menschen zu sprechen, die wissen, wovon ich rede. Die mitfühlen. Mit schweigen. Mit trauern. Die aber auch ihre Sicht der Dinge – wenn es nötig ist – darlegen und mir einen Blick verschaffen, den ich (da ich ja mitten drin stecke) nicht habe.

In Gedanken hatte ich schon fast die Ärmel hochgekrempelt, um weitere Besuchsdienste zu machen. Aber im Gespräch bei der Reflexion habe ich begriffen, dass es nicht immer gut und richtig ist „einfach“ weiter zu machen. Und das genau hier auch mein Problem steckt, warum ich schon oft in meinem Leben meine Grenzen überschritten habe und mir dann seelisch die Puste ausgegangen ist.

Und nun tut es unglaublich gut, einfach mal los zu lassen, eine Pause zu machen, die Erlebnisse sacken zu lassen. Und auch die Trauer zuzulassen. Anstatt einfach den Deckel wieder drauf zu drücken und mit Volldampf weiter zu marschieren. Dieser Kurs, die daraus entstehenden Aufgaben und die Menschen, die dazu gehören, bereichern mein Leben. Und das bereits nach diesen wenigen Monaten. Dafür bin ich dankbar.

Kurs für Sterbebegleiter/innen: Emotionaler Einstieg ins Praktikum

Die ersten zwei Wochen meines Praktikums sind vorbei. Zwei Mal habe ich jetzt Fr. Müller (das ist selbstverständlich nicht der richtige Name!) in ihrem Zimmer im Pflegeheim besucht.

DASEIN, so heißt der ambulante Hospizdienst, bei dem ich den Kurs belege. Und genau darum geht es, um das `Da sein´ für Menschen in Lebenslagen, in denen sie Unterstützung benötigen. Im Moment „geistert“ mir noch so vieles durch den Kopf. Daher gibt es heute erst einmal ein paar Gedankenfetzen… und im nächsten Jahr dann  mehr.

Da seinIMG_5294
den Weg mitgehen
begleiten
nicht vorweg laufen

Da sein
wenn die Kraft fehlt
die Augen um Hilfe rufen
der Mund Worte formt

Da sein
wenn die Stille Raum fordert
Hilflosigkeit um Halt bittet
der Kälte getrotzt wird

Da sein
Hände halten
Wangen streicheln
tröstend umarmen